Ivaldi (altnordisch Ívaldi) ist in der nordischen Mythologie der Vater einer Gruppe von Zwergenschmieden, den Söhnen Ivaldis. Sie fertigten nach Snorri Sturluson drei der berühmtesten Göttergaben: das goldene Haar der Sif, das Faltschiff Skíðblaðnir und Odins Speer Gungnir. Über Ivaldi selbst verraten die Quellen fast nichts, über seine Söhne erstaunlich wenig – und genau deshalb lohnt sich der genaue Blick: was wirklich in der Edda steht, was erst ein Gedicht des 17. Jahrhunderts ergänzt und was moderne Theorien daraus gemacht haben.
Stell dir eine Werkstatt vor, in der an einem einzigen Arbeitstag drei Dinge entstehen, um die sich die Götter später streiten werden. Haar aus Gold, das anwächst. Ein Schiff, das ganze Heere trägt und danach in eine Tasche passt. Ein Speer, dessen Stoß nicht aufzuhalten ist. Die Schmiede dahinter haben keine Namen, keine Gesichter, keine eigene Geschichte. Sie heißen nur: Ívalda synir, die Söhne Ivaldis.
Wir gehen diese Geschichte so genau durch, wie die Quellen es zulassen. Das ist hier besonders wichtig, denn um Ivaldi ranken sich mehr Behauptungen als um fast jede andere Nebenfigur der Mythologie. Viele davon stehen in keiner mittelalterlichen Handschrift.
Die Söhne Ivaldis werden in genau drei Texten genannt: in einer Strophe des Eddaliedes Grímnismál, in zwei Abschnitten der Prosa-Edda des Isländers Snorri Sturluson (um 1220) und in einer Strophe des Gedichts Hrafnagaldr Óðins, das nach heutiger Forschung erst in der Frühen Neuzeit entstand. Das ist alles. Keine Saga erzählt von ihnen, kein Runenstein nennt sie, kein Skalde des 10. Jahrhunderts besingt sie.
Das Lied Grímnismál ist ein langer Monolog Odins. Der Gott sitzt, als Wanderer Grímnir verkleidet, gefesselt zwischen zwei Feuern in der Halle des Königs Geirrøðr und zählt die Wohnstätten der Götter, die Flüsse der Welt und die Wunder des Kosmos auf. Mitten in dieser Aufzählung steht eine Strophe, die ganz nebenbei erwähnt, wer das beste aller Schiffe gebaut hat. Karl Simrock übersetzte sie 1851 so:
Iwalts Söhne gingen in Urtagen
Skidbladnir zu schaffen,
Das beste der Schiffe, für den schimmernden Freyr,
Niörds nützen Sohn.Grímnismál 43, Übersetzung Karl Simrock (1851)
Drei Dinge fallen auf. Erstens: í árdaga, „in Urtagen“. Die Söhne Ivaldis gehören in die Frühzeit der Welt, in die Phase, in der die Götter ihre Ausstattung erhalten. Zweitens: Das Schiff ist für Freyr bestimmt, den Sohn Njörds, Gott der Fruchtbarkeit und des Friedens. Drittens: Von Sif, Gungnir oder einer Wette ist keine Rede. Das Lied kennt nur die Schiffbauer.
Ob die Strophe überhaupt ursprünglich zum Lied gehört, ist offen. Henry Adams Bellows hielt sie in seiner Übersetzung von 1923 für eine spätere Einfügung, weil sie den Gedankengang unterbricht. Die nächste Strophe, Grímnismál 44, ist eine Liste der „Besten“: Yggdrasil der beste der Bäume, Skíðblaðnir der beste der Schiffe, Odin der beste der Asen, Sleipnir der beste der Pferde. Auch sie wird oft als Nachtrag gelesen. Selbst wenn beide Strophen eingeschoben sind, stammen sie aus der mittelalterlichen Überlieferung und sind älter als alles, was nach Snorri kam.
Die bekannte Geschichte erzählt Snorri in den Skáldskaparmál, seinem Lehrbuch der Dichtersprache. Der Rahmen ist dabei wichtig: Snorri will erklären, warum Skalden Gold als haddr Sifjar, „Sifs Haar“, umschreiben können. Eine solche Umschreibung heißt Kenning – ein poetisches Bild, das ein Ding durch ein anderes benennt. Die Geschichte von den Söhnen Ivaldis ist also bei Snorri zunächst eine Erklärung für ein Sprachbild.
Sinngemäß nach Snorri: Loki schneidet Sif, der Frau Thors, aus Bosheit das ganze Haar ab. Thor packt ihn und will ihm jeden Knochen im Leib zerbrechen. Loki rettet sich mit einem Schwur: Er werde die Schwarzalben dazu bringen, Sif Haar aus Gold zu machen, das wachse wie anderes Haar. Dann heißt es, wieder sinngemäß: „Danach ging Loki zu den Zwergen, die Ivaldis Söhne heißen.“
Die Söhne liefern nicht nur das Haar, sondern gleich zwei Stücke dazu: das Schiff Skíðblaðnir und den Speer Gungnir.
Snorri nennt die Söhne Ivaldis ausdrücklich dvergar, Zwerge. Im Satz davor lässt er Loki aber versprechen, das Haar „von den Schwarzalben“ (Svartálfar) zu holen. Für Snorri ist das offenbar dasselbe Volk. In der Gylfaginning schickt er Skírnir ebenfalls „hinab nach Svartálfaheim zu einigen Zwergen“, um die Fessel Gleipnir anfertigen zu lassen.
Die Lieder-Edda kennt diese Ordnung nicht. Dort gibt es Zwerge und Alben, häufig in einem Atemzug genannt, aber keine Einteilung in Licht-, Dunkel- und Schwarzalben. Die Forschung sieht in Snorris Dreiteilung überwiegend seine eigene Systematisierung, vielleicht angeregt von christlichen Vorstellungen von Engeln und gefallenen Engeln. Für die Söhne Ivaldis heißt das: Wer sie „Dunkelelfen“ nennt, folgt Snorri, nicht einer älteren Schicht.
Bei der Übergabe beschreibt Snorri jedes Stück mit seiner besonderen Eigenschaft. Die Wirkung hängt am Detail, deshalb einzeln.
Sifs goldenes Haar. Sobald es Sifs Kopf berührt, wächst es fest und lebt wie echtes Haar. Thor bekommt es überreicht, nicht Sif selbst – ein Detail, das viel über die Erzählperspektive verrät. In der Dichtung blieb davon die Kenning: Gold ist „Sifs Haar“.
Skíðblaðnir. Der Name bedeutet ungefähr „aus dünnen Holzstücken zusammengesetzt“. Das Schiff hat Fahrtwind, sobald das Segel gehisst ist, wohin es auch fahren soll, und lässt sich zusammenfalten wie ein Tuch, sodass Freyr es im Beutel tragen kann. In der Gylfaginning ergänzt Snorri, es biete allen Asen samt Waffen und Kriegsgerät Platz. Wer an die realen Langschiffe denkt, deren Planken sorgfältig überlappend vernietet wurden, versteht den Witz: Das Wunderschiff ist das Gegenteil eines echten Schiffs, das man mühsam an Land ziehen, teeren und bewachen musste.
Gungnir. Odins Speer, der laut Snorri „niemals im Stoß innehält“. Das heißt nicht ganz dasselbe wie „trifft immer“, auch wenn es oft so übersetzt wird: Der Stoß wird nicht aufgehalten. Im Eddalied Sigrdrífumál werden Runen genannt, die „auf Gungnirs Spitze“ geritzt sind. Mehr zum Speer, seiner Rolle im ersten Krieg der Welt und den realen Runenspeeren der Völkerwanderungszeit findest du in unserem Artikel über Gungnir.
Mit drei Meisterstücken im Gepäck wird Loki übermütig. Er wettet seinen Kopf mit dem Zwerg Brokkr: Dessen Bruder werde keine drei Kleinode schmieden, die ebenso gut seien wie diese. Der Bruder macht sich ans Werk, Brokkr tritt den Blasebalg und darf nicht aufhören, bis die Stücke aus der Esse kommen.
Und Loki sabotiert. Als Fliege setzt er sich Brokkr zuerst auf die Hand und sticht. Brokkr bläst weiter, heraus kommt der Eber Gullinbursti mit Borsten aus Gold. Beim zweiten Stück sticht die Fliege in den Hals, doppelt so fest; Brokkr hält durch, und es entsteht der Ring Draupnir. Beim dritten Stück, aus Eisen, setzt sich die Fliege zwischen seine Augen und sticht ihn in die Lider. Blut läuft ihm in die Augen, er sieht nichts mehr, greift nach der Fliege – und der Blasebalg sinkt für einen Moment zusammen. Darum wird der Stiel des Hammers etwas zu kurz.
Es ist eine der genauesten Werkstattszenen der ganzen Mythologie. Ein Moment ohne Luft, und das Feuer fällt ab – die Erzählung baut ihre Pointe genau darauf.
Wie heißt Brokkrs Bruder? Die Antwort hängt davon ab, welche Handschrift man aufschlägt. Die Prosa-Edda ist in mehreren mittelalterlichen Handschriften überliefert, die sich im Detail unterscheiden. Nach der Anmerkung einer französischen Edda-Übersetzung überliefert nur der Codex Wormianus die Namen Brokkr und Eitri; im Codex Regius der Prosa-Edda sei die Stelle lückenhaft und die Namen Brokkr und Sindri seien später ergänzt worden. Gedruckte Ausgaben und Übersetzungen folgen mal der einen, mal der anderen Lesart: Arthur Gilchrist Brodeur schreibt 1916 „Sindri“, verbreitete neuere Übersetzungen schreiben „Eitri“. Die Handschriftenverhältnisse selbst haben wir nicht am Original prüfen können.
Woher kommt „Sindri“? In der Vǫluspá steht auf den Niðavellir, den „dunklen Feldern“, ein goldener Saal „von Sindris Geschlecht“. Snorri macht in der Gylfaginning daraus einen Saal, der selbst Sindri heißt. Sindri ist also in der Lieder-Edda ein Sippenname, bei Snorri ein Hallenname – und in Teilen der Prosa-Edda-Überlieferung der Schmied. In unserem Artikel über Sindri und Brokkr verwenden wir den heute geläufigen Namen, wissen aber, dass er nicht die einzige Lesart ist.
Nun treten die Wettparteien vor die Richter. Snorri nennt drei: Odin, Thor und Freyr. Loki überreicht seine Stücke: Gungnir an Odin, das Haar an Thor, Skíðblaðnir an Freyr. Brokkr überreicht seine: Draupnir an Odin, von dem jede neunte Nacht acht gleich schwere Ringe abtropfen; Gullinbursti an Freyr, der schneller als jedes Pferd durch Luft und Wasser läuft und mit seinen Borsten die dunkelste Nacht erhellt; und den Hammer an Thor.
Von dem Hammer sagt Brokkr, er werde treffen, was immer Thor schlage, nie aus der Hand fliegen, ohne zurückzukehren, und er lasse sich so klein machen, dass Thor ihn im Hemd tragen könne. Der einzige Makel: der kurze Stiel. Die Götter urteilen, der Hammer sei das beste Kleinod, weil er die beste Wehr gegen die Reifriesen sei. Das ist der Hammer, den wir als Mjöllnir kennen. Alles Weitere zu ihm und zu den realen Thorshammer-Amuletten findest du in unserem eigenen Artikel.
Die Söhne Ivaldis haben verloren, obwohl sie selbst gar nicht an der Wette beteiligt waren. Gewettet hat Loki – mit fremden Werkstücken. Das ist der eigentliche Kern der Geschichte, der in vielen Nacherzählungen untergeht: Die Söhne Ivaldis sind Lieferanten, nicht Wettpartei.
Loki bietet an, seinen Kopf auszulösen. Brokkr will nichts davon wissen. Loki läuft davon – Snorri erwähnt, er habe Schuhe besessen, mit denen er durch die Luft und über das Wasser laufen konnte. Brokkr bittet Thor, ihn zu fangen, und Thor tut es. Jetzt will Brokkr den Kopf abschlagen, und Loki spielt seinen letzten Trumpf: Der Kopf gehöre Brokkr, der Hals aber nicht.
Brokkr gibt sich geschlagen, nimmt aber Rache auf seine Art. Er will Loki die Lippen zunähen. Sein Messer dringt nicht durch. Da wünscht er sich die Ahle seines Bruders herbei, sie ist sofort da und durchsticht die Lippen. Der Lederriemen, mit dem Lokis Mund vernäht wird, heißt Vartari – und Loki reißt ihn heraus.
Die dritte Quelle führt in eine ganz andere Richtung. Das Gedicht Hrafnagaldr Óðins („Odins Rabenzauber“), auch Forspjallsljóð genannt, stand lange in Edda-Ausgaben neben den alten Liedern. In Strophe 6 heißt es über die Göttin Iðunn, sie sei vom Weltbaum herabgesunken. Benjamin Thorpe übersetzte 1866:
In the dales dwells the prescient Dis, from Yggdrasil’s ash sunk down, of alfen race, Idun by name, the youngest of Ivaldi’s elder children.Hrafnagaldr Óðins 6, Übersetzung Benjamin Thorpe (1866)
Sinngemäß auf Deutsch: Iðunn, vom Geschlecht der Alben, sei das jüngste von Ivaldis älteren Kindern. Die Formulierung ist rätselhaft. Sie setzt voraus, dass Ivaldi ältere und jüngere Kinder hatte, vielleicht von verschiedenen Müttern. Iðunn wäre dann eine Schwester der Schmiede.
Aber: Das Gedicht ist spät. Sophus Bugge erklärte es 1867 für ein Werk des 17. Jahrhunderts, und die Forschung ist ihm überwiegend gefolgt. Annette Lassen nennt es in ihrer kritischen Ausgabe von 2011 ein nachmittelalterliches Gedicht, wohl bald nach der Wiederentdeckung des Codex Regius 1643 entstanden. Es ist nur in Papierhandschriften überliefert, keine davon älter als das späte 17. Jahrhundert. Einzelne Gelehrte haben ein früheres Datum vertreten, durchgesetzt hat sich das nicht.
Für Ivaldi bedeutet das: Die einzige Stelle, die ihm überhaupt ein Kind mit Namen zuschreibt, stammt von einem gelehrten Dichter, der die Edda bereits gelesen hatte. Ob er eine verlorene Tradition kannte oder die Namen selbst kombinierte, lässt sich nicht entscheiden. Als Quelle für den Glauben der Wikingerzeit taugt die Strophe nicht.
Über Ivaldi selbst steht in keiner Quelle eine Handlung, eine Eigenschaft, ein Wohnort. Er ist ein Vatersname. Auch die Söhne bleiben anonym: keine Zahl, keine Namen, keine Persönlichkeiten.
Die Bedeutung des Namens ist unsicher. Rudolf Simek nennt in seinem Lexikon zwei Möglichkeiten: eine Bildung mit dem Wort für Eibe beziehungsweise Bogen (altnordisch ýr) und dem Element „walten“, also etwa „der mit dem Eibenbogen Waltende“, oder eine Weiterentwicklung eines älteren Namens, der mit Ingvaldr verwandt wäre. Beides ist Hypothese.
Auffällig ist die Nähe zu zwei anderen Namen: Der Riese Þjazi ist in der Hárbarðsljóð ein Sohn des Alvaldi, in den Skáldskaparmál ein Sohn des Ölvaldi. Ein Vater auf -valdi, Söhne, die mit Gold zu tun haben (Þjazi und seine Brüder teilen nach Snorri das Gold ihres Vaters, indem sie es mundvoll abmessen), und eine Verbindung zu Iðunn, die Þjazi entführt: Diese Parallelen haben moderne Deuter dazu gebracht, Ivaldi und Alvaldi gleichzusetzen. Möglich ist das. Belegt ist es nicht.
Genau an dieser Stelle setzte im 19. Jahrhundert der schwedische Schriftsteller und Gelehrte Viktor Rydberg (1828–1895) an. In seinen Undersökningar i germanisk mythologi (zwei Bände, 1886 und 1889; der erste Band 1889 englisch als Teutonic Mythology, übersetzt von Rasmus B. Anderson) versuchte er, aus den verstreuten Bruchstücken eine durchgehende Göttergeschichte zu rekonstruieren. Ivaldi und seine Söhne wurden dabei zu Schlüsselfiguren.
In groben Zügen: Rydberg identifizierte die Söhne Ivaldis mit den drei Brüdern aus dem Eddalied Vǫlundarkviða – Völund, Egil und Slagfiðr. Völund setzte er außerdem mit Þjazi gleich. Die verlorene Schmiedewette las er als Kränkung, aus der eine Feindschaft der Ivaldi-Sippe gegen die Götter erwachsen sei, bis hin zu einer kosmischen Katastrophe, dem großen Winter.
Warum dann überhaupt erwähnen? Weil die Theorie online sehr lebendig ist. Viele Webseiten, Fantasy-Romane und Spiele haben Rydbergs Kombinationen übernommen, oft ohne Hinweis auf die Herkunft. Wer „Ivaldi“ sucht, stößt schnell auf eine scheinbar geschlossene Saga von Rache, Verrat und Weltenwinter. Sie ist gut erzählt. Sie ist nur nicht die Edda.
Fair bleibt: Rydberg war kein Fantast ohne Kenntnis. Er kannte die Quellen gründlich, und einzelne seiner Beobachtungen werden bis heute diskutiert. Das Problem liegt in der Methode: Wo die Quellen schweigen, füllte er die Lücken mit Gleichsetzungen, und jede Gleichsetzung trug die nächste.
Die Söhne Ivaldis sind nicht die einzigen Zwerge mit Esse. In der nordischen Überlieferung entsteht fast jedes magische Artefakt in einer Zwergenwerkstatt. Nach Snorri fertigen Zwerge in Svartálfaheim die Fessel Gleipnir, die den Fenriswolf hält. Im Sörla þáttr, einer späten Erzählung, schmieden vier Zwerge Freyjas Halsband Brísingamen. In der Hervarar saga zwingt ein König die Zwerge Dvalinn und Durinn, das Schwert Tyrfingr zu schmieden. Eine Übersicht dieser Schätze findest du in unserem Artikel über die Kleinode der Götter.
Das Muster ist deutlich: Die Götter besitzen, die Zwerge stellen her. Göttliche Macht ruht auf Gegenständen, die jemand anderes gemacht hat. Und Zwerge geben ihre Werke selten freiwillig her – sie werden gezwungen, betrogen oder, wie die Söhne Ivaldis, in eine Wette hineingezogen, die sie nicht abgeschlossen haben.
Dahinter steht eine reale Erfahrung. Die Schmiede der Wikingerzeit beherrschten Techniken, die für Außenstehende an Zauberei grenzten: Damaszierung durch Verschweißen verschiedener Eisensorten, feinste Filigran- und Granulationsarbeit in Gold und Silber. Die Werkzeugkiste von Mästermyr auf Gotland, im Oktober 1936 von einem Bauern beim Pflügen gefunden und um das Jahr 1000 datiert, enthielt über 200 Werkzeuge und Werkstücke: Hämmer, Ambosse, Zangen, Nageleisen, dazu Äxte, Sägen und Bohrer für die Holzarbeit. Mehr zum Handwerk liest du in unserem Artikel über die Schmiedekunst der Wikinger.
Lies die Wette einmal als Handwerkergeschichte, nicht als Göttermythos. Dann steht da: Zwei Werkstätten liefern je drei Stücke. Die eine liefert Schönheit und Eleganz – Haar, das wächst, ein Schiff, das sich falten lässt, ein Speer, der nicht innehält. Die andere liefert unter Sabotage, mit einem Fehler im letzten Stück, und gewinnt trotzdem. Der Hammer mit dem zu kurzen Stiel schlägt die makellosen Wunderwerke, weil er die Welt vor den Riesen schützt.
Uns in der Werkstatt in Alsdorf geht die Szene mit dem Blasebalg besonders nah. Auch bei der Gravur gibt es den einen Moment, in dem eine Unterbrechung das Stück verändert – nur dass bei uns keine Fliege schuld ist, sondern höchstens eine zu feuchte Schieferplatte.
Die Söhne Ivaldis haben kein eigenes Symbol, keine Bildüberlieferung aus der Wikingerzeit. Das ist eine Chance, kein Problem – solange man ehrlich bleibt und kein „altes Zeichen“ erfindet. Ein paar Ideen, die wir für stimmig halten:
Wenn du eine eigene Idee hast, sprich uns an. Wir gravieren lieber eine gut erklärte Strophe als ein erfundenes Symbol.

Wer ist Ivaldi in der nordischen Mythologie? Ivaldi ist der Vater der Zwergenschmiede, die nach Snorri Sturluson Sifs Goldhaar, das Schiff Skíðblaðnir und Odins Speer Gungnir herstellten. Über ihn selbst berichten die Quellen nichts außer dem Namen.
Wie heißen die Söhne Ivaldis? Keine mittelalterliche Quelle nennt ihre Namen oder ihre Zahl. Die verbreitete Gleichsetzung mit Völund, Egil und Slagfiðr stammt von Viktor Rydberg aus dem 19. Jahrhundert und ist spekulativ.
Was haben die Söhne Ivaldis geschmiedet? Das goldene Haar der Sif, das Faltschiff Skíðblaðnir für Freyr und den Speer Gungnir für Odin. So erzählt es Snorris Skáldskaparmál; die Grímnismál nennen nur das Schiff.
Haben die Söhne Ivaldis Mjöllnir geschmiedet? Nein. Der Hammer stammt aus der Werkstatt von Brokkr und seinem Bruder, der je nach Handschrift Eitri oder Sindri heißt. Er war Teil der Gegenwette.
Ist Iðunn eine Tochter Ivaldis? Das behauptet nur Hrafnagaldr Óðins 6, ein Gedicht, das die Forschung überwiegend ins 17. Jahrhundert datiert. Die alten Eddalieder und Snorri wissen davon nichts.
Sind die Söhne Ivaldis Zwerge oder Elfen? Snorri nennt sie Zwerge und verbindet sie zugleich mit den Schwarzalben. Die Trennung zwischen Zwergen und Schwarzalben ist bei ihm nicht scharf.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
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