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Die Riesen (Jötnar)

Riesen & Mächte Die Riesen der nordischen Mythologie

Ohne die Riesen gäbe es die nordische Welt nicht – im wörtlichsten Sinne. Aus einem Riesen entstand sie, gegen die Riesen kämpfen die Götter, und mit den Riesen sind sie verwandt und verheiratet. Die Jötnar sind die Urkräfte des Nordens: Chaos und Natur, älter als die Götter selbst.

„Riese“ ist im Nordischen kein einzelnes Wort. Die wichtigsten Namen sind Jötunn (Plural Jötnar, oft mit „Fresser, Verschlinger“ gedeutet), Thurs (þurs, eher „der Mächtige, Wüterich“) und Troll (später „Unhold, Zauberwesen“). Dazu kommen die Reifriesen (Hrímþursar) aus dem Eis und die Bergriesen. Diese Wesen sind nicht einfach „groß“ – sie sind das Wilde, das Ungezähmte, das vor aller Ordnung war.

Am Anfang war ein Riese

Der erste Riese ist Ymir, aus dem Reif der Urkluft Ginnungagap geboren. Aus seinem getöteten Leib formten die Götter die Welt: aus dem Fleisch die Erde, aus dem Blut das Meer, aus den Knochen die Berge, aus dem Schädel den Himmel. Die Riesen sind also nicht nur Gegner der Ordnung – sie sind ihr Rohstoff. Aus Ymirs Geschlecht stammen alle späteren Riesen; die Reifriesen ertranken fast alle in seinem Blut, nur Bergelmir entkam und wurde zum Stammvater der neuen Riesengeschlechter.

Quelle. Die Riesen durchziehen die ganze Lieder-Edda (Völuspá, Vafthrúdnismál, Hymiskvida, Skírnismál u. a.) und Snorris Prosa-Edda (um 1220). Ihr Land heißt Jötunheim, jenseits der Zäune der Menschenwelt, oft mit der Grenzfestung Utgard. Standardwerk: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie.

Feinde – und Verwandte

Das Verhältnis von Göttern und Riesen ist keine einfache Front. Ja, Thor erschlägt Riesen, wo er sie trifft; die Riesen bedrohen ständig Asgard und wollen Sonne, Mond und die Göttin Freyja rauben. Aber zugleich sind die Götter selbst halbe Riesen: Odins Mutter Bestla ist eine Riesentochter, Thors Mutter Jörd (die Erde) ebenso. Viele Götter nehmen sich Riesinnen zur Frau – Freyr die schöne Gerd, Njörd die Skadi. Und Loki, der mitten unter den Asen lebt, ist von Geburt ein Riese.

Mythos & Deutung. Man kann die Riesen als das Bild der ungebändigten Natur lesen: Frost, Sturm, Meer, Feuer, Gebirge. Die Götter (Ordnung, Kultur) ringen mit ihnen, stammen aber aus ihnen und mischen sich immer wieder mit ihnen. Es ist kein „Gut gegen Böse“, sondern das ewige Verhandeln zwischen Ordnung und Urkraft – bis beide bei Ragnarök zusammen untergehen.

Berühmte Riesen und Riesinnen

Der Norden kennt unzählige Riesen. Einige der wichtigsten:

Ymir – der Urriese, aus dem die Welt wurde. Thjazi – der Adlerriese, der Idun raubt und Vater der Skadi ist. Thrym – der Riese, der Thors Hammer stiehlt (die komische Brautfahrt der Þrymskviða). Hymir – bei dem Thor den großen Braukessel und die Angelfahrt gegen die Midgardschlange erlebt. Suttung und seine Tochter Gunnlöd – Wächter des Dichtermets. Utgard-Loki – der Meister der Sinnestäuschung, der Thor mit Illusionen blamiert. Surtur – der Feuerriese, der die Welt verbrennt. Und die Riesin Angrboda, mit Loki Mutter von Fenrir, der Midgardschlange und Hel.

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Weiterlesen bei uns

Ymir & die Weltentstehung · Surtur · Skadi · Die Zwerge · Jötunheim & die neun Welten · Ragnarök.

Quellen & Literatur

Lieder-Edda: Völuspá, Vafthrúdnismál, Þrymskviða, Hymiskvida, Skírnismál. Snorri Sturluson, Prosa-Edda (Gylfaginning, Skáldskaparmál), um 1220. Deutsche gemeinfreie Übersetzung: Karl Simrock, Die Edda (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology (2001); Gro Steinsland zu Göttinnen-Riesinnen-Ehen.

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