Wikinger Blog / Götter
Aus dem Wissensarchiv

Skadi – die nordische Göttin der Jagd und des Winters: Riesin, Skiläuferin, Rächerin

Götter & Göttinnen Skadi – die nordische Göttin der Jagd und des Winters: Riesin, Skiläuferin, Rächerin

Die nordische Göttin der Jagd und des Winters heißt Skadi, altnordisch Skaði: eine Riesentochter, die auf Skiern durchs Gebirge läuft, mit dem Bogen jagt und nach dem Tod ihres Vaters in voller Rüstung nach Asgard zieht. Die Formel „Göttin der Jagd und des Winters“ ist allerdings eine moderne Zusammenfassung. Die Quellen nennen sie öndurdís, „Ski-Göttin“, und Snorri schreibt in Gylfaginning 23, dass sie viel auf Skiern und mit dem Bogen unterwegs ist und Tiere schießt. Hier liest du, was wirklich überliefert ist – von der Brautwahl nach den Füßen bis zur Giftschlange über Loki.

Kurz beantwortet: Wer ist die nordische Göttin der Jagd und des Winters?

Wenn du nach der nordischen Göttin der Jagd und des Winters suchst, landest du bei Skadi, altnordisch Skaði. Sie ist die Tochter des Riesen Thjazi, wohnt in der Bergfeste Þrymheimr, läuft auf Skiern, jagt mit dem Bogen und wird nach einer Sühneverhandlung in den Kreis der Asen aufgenommen. Im Kreuzworträtsel ist sie die klassische Lösung mit fünf Buchstaben.

Ehrlich gesagt gehört gleich ein Zusatz dazu: Die Formel „Göttin der Jagd und des Winters“ steht so in keiner altnordischen Quelle. Sie ist eine moderne Zusammenfassung – eine gute, aber eben eine Zusammenfassung. Erst die Belege, dann die Geschichte: Rache, ein Fußwettbewerb, ein Ziegenbock und eine Giftschlange.

Was die Quellen wirklich sagen: Ski, Bogen, Ski-Göttin

Der Kernbeleg steht bei Snorri Sturluson, dem isländischen Gelehrten, der um 1220 die Prosa-Edda schrieb, ein Lehrbuch für Dichter (mehr im Beitrag zu Snorri Sturluson). Im Kapitel 23 der Gylfaginning, „Gylfis Täuschung“, heißt es nach der Trennung von ihrem Mann: Skaði ging hinauf ins Gebirge, wohnte in Þrymheimr, „und sie fährt viel auf Skiern und mit dem Bogen und schießt Tiere“. Gleich darauf: Hon heitir öndurgoð eða öndurdís – „Sie heißt Ski-Gottheit oder Ski-Dís“.

Öndurr ist ein altnordisches Wort für den Ski, dís bezeichnet ein weibliches übernatürliches Wesen, eine Göttin oder Schutzfrau. Wer „Skigöttin“ sagt, übersetzt also ziemlich wörtlich.

Dass der Beiname nicht erst von Snorri stammt, zeigt eine Strophe, die er im Skáldskaparmál, der „Sprache der Dichtkunst“, dem Skalden Bragi zuschreibt. Bragi gilt als ältester namentlich bekannter Skalde und wird ins 9. Jahrhundert gesetzt. Er spricht von dem, der die Augen „des Vaters der Öndurdís“ an den Himmel warf. Thjazi wird über seine Tochter umschrieben – und die Tochter über ihre Skier.

Und der Winter? Er steckt in der Landschaft, nicht im Titel: Hochgebirge, Skier, Wölfe. Keine Quelle nennt Skaði ausdrücklich Herrin des Winters, und keine beschreibt, dass jemand sie um Jagdglück bat. Die moderne Formel bündelt, was die Texte zeigen. Mehr sollte man ihr nicht abverlangen.

Beleg: Snorri, Gylfaginning 23: Skaði fährt auf Skiern, jagt mit dem Bogen, heißt öndurgoð oder öndurdís. Skáldskaparmál: Bragi-Strophe mit „Vater der Öndurdís“; dort steht Skaði auch in der Liste der Asinnen neben Frigg, Freyja, Gefjun, Iðunn und Sif.

Þrymheimr – das Erbe im Gebirge

Skadis Wohnsitz ist auch in der Lieder-Edda belegt. Im Grímnismál zählt Odin in Verkleidung die Hallen der Götter auf. Die sechste ist Þrymheimr:

„Þrymheim heißt die sechste, wo Thjazi wohnte, der übermächtige Riese; nun bewohnt Skadi, die strahlende Götterbraut, die alten Höfe des Vaters.“Grímnismál 11, eigene Übertragung

Zwei Dinge fallen auf. Skadi steht gleichberechtigt in einer Liste von Götterwohnungen, neben Odin, Freyr und Baldr. Und sie wohnt im Haus ihres Vaters, des Riesen. Sie ist Göttin geworden, ohne ihre Herkunft zu verlassen. Der Name Þrymheimr bedeutet etwa „Lärmheim“ oder „Dröhnheim“; gemeint ist wohl das Getöse von Sturm und Steinschlag.

Warum ihr Vater sterben musste

Ihre Geschichte beginnt mit einem Raub. Thjazi packte Loki in Adlergestalt und ließ ihn erst frei, als dieser versprach, ihm die Göttin Idun samt ihren Äpfeln zu verschaffen – den Früchten, die den Göttern die Jugend erhalten. Loki lockte Idun aus Asgard, der Adler holte sie, und die Asen wurden grau und alt.

Unter Drohungen musste Loki die Sache in Ordnung bringen. Im Falkengewand Freyjas flog er nach Þrymheimr, verwandelte Idun in eine Nuss und trug sie fort. Thjazi setzte ihm als Adler nach. An Asgards Mauer zündeten die Götter Hobelspäne an, das Feuer versengte dem Adler die Federn, er stürzte ab, und sie erschlugen ihn.

Das steht nicht nur bei Snorri. Das Skaldengedicht Haustlǫng des Þjóðólfr aus Hvinir, meist um 900 angesetzt, schildert dieselben Ereignisse. Snorri ergänzt: Thjazis Vater Ölvaldi war so reich an Gold, dass die Söhne das Erbe mundvollweise teilten. Skadi stammt aus einer reichen, alten Familie, nicht aus einer Höhle voller Ungeheuer.

Der Zug nach Asgard

Snorri formuliert es knapp: Skadi nahm Helm und Brünne und alle Kriegswaffen und zog nach Asgard, um ihren Vater zu rächen. Allein. Gegen eine ganze Götterburg.

Die Götter kämpfen nicht. Sie bieten ihr sætt ok yfirbætr an, „Vergleich und Buße“ – das Verfahren, das auch am Thing galt: Wo ein Totschlag bezahlt wird, muss nicht weiter gestorben werden.

Wie dieser Vergleich aussieht, wird oft durcheinandergebracht. Es sind drei Bausteine, aber sie kommen von verschiedenen Seiten. Erstens bieten die Asen an, dass Skadi sich einen Mann aus ihrem Kreis wählen darf – allerdings nur nach den Füßen. Zweitens gehört zu ihrer eigenen Forderung, dass die Götter sie zum Lachen bringen, was sie für unmöglich hält. Drittens setzt Odin als zusätzliche Buße Thjazis Augen an den Himmel. Eine Bedingung Skadis ist dieser dritte Punkt nicht, sondern eine Zugabe.

Skadi wählt ihren Mann nach den Füßen aus
Skadi bei der Brautwahl. Illustration aus einer Ausgabe des 19. Jahrhunderts, gemeinfrei.

Die Brautwahl nach den Füßen

Die Götter stellen sich auf, Skadi sieht nur die Füße. Sie wählt das schönste Paar und sagt, so Snorri: Þenna kýs ek. Fátt mun ljótt á Baldri – „Diesen wähle ich. Wenig wird an Baldr hässlich sein.“

Es sind die Füße des Meergottes Njörd, makellos, weil das Meer sie wäscht. Die Erzählung will, dass du schmunzelst. Aber sie verhandelt etwas Ernstes: Das Verfahren nimmt beiden Seiten die Schuld. Die Götter haben Skadi nicht abgespeist, sie hat nicht dumm gewählt – die Füße haben entschieden. Sie bekommt, was ihr zusteht, und trotzdem nicht, was sie wollte. Eine Sühne ist kein Wunschkonzert.

Wie Loki sie zum Lachen brachte

Den zweiten Punkt löst Loki auf die derbste denkbare Weise. Er bindet eine Schnur an den Bart einer Ziege und das andere Ende an seine Hoden. Jeder zieht in seine Richtung, beide schreien, und schließlich lässt Loki sich Skadi auf die Knie fallen. Da lacht sie, und der Vergleich ist geschlossen.

Das Lachen hat eine Funktion. Solange Skadi zürnt, ist die Tötung nicht gesühnt; das Lachen vor Zeugen markiert das Ende der Feindschaft, so wie ein Handschlag am Ende einer Verhandlung. Dass ausgerechnet Loki diese Rolle übernimmt, der Thjazis Tod eingefädelt hatte, ist eine Pointe, die im Lokasenna böse zurückkommt.

Thjazis Augen am Himmel

Die dritte Leistung erbringt Odin: Er nimmt nach Snorri die Augen Thjazis, wirft sie an den Himmel und macht zwei Sterne daraus.

Das Motiv ist alt. Schon die Bragi-Strophe spricht von dem, der die Augen des Riesen auf die „Windschale“ warf, also an den Himmel über den Wohnungen vieler Menschen. Im Hárbarðsljóð der Lieder-Edda beansprucht dagegen Thor die Tat für sich: Er habe Thjazi erschlagen und die Augen des Sohnes Alvaldis an den Himmel geworfen. Zwei Quellen, zwei Täter – „die“ nordische Mythologie ist kein geschlossenes System, sondern ein Bündel konkurrierender Überlieferungen.

Welche Sterne gemeint sind, sagt keine Quelle. Wer dir Kastor und Pollux als „Thjazis Augen“ verkauft, liefert eine spätere Deutung, keinen Befund.

Beleg: Sühne, Brautwahl, Lokis Ziegennummer und die Sternwerdung: Snorri, Skáldskaparmál (Erzählung Bragis beim Gastmahl Ägirs). Bragi-Strophe mit den Augen am Himmel: ebenda, unter den Umschreibungen für den Himmel. Abweichend: Hárbarðsljóð 19.

Wer Njörd ist – und warum das zählt

Njörd ist kein Ase von Geburt. Er gehört zu den Wanen, dem zweiten Göttergeschlecht, das nach dem ersten Krieg der Welt mit den Asen Frieden schloss, und kam als Geisel nach Asgard. Er ist der Gott der Küste: Seefahrt, Fischfang, Wind und Reichtum. Sein Hof Nóatún heißt „Schiffsgehege“ – ein Hafen.

In dieser Ehe stehen sich also nicht nur zwei Landschaften gegenüber, sondern zwei Zugezogene: die Riesin aus dem Hochgebirge und der Wane von der Küste, beide durch Verträge nach Asgard gekommen – sie durch Sühne, er als Geisel.

Skadi sehnt sich zurück in die Berge
„Skadi’s longing for the Mountains“, W. G. Collingwood († 1932). gemeinfrei.

Die unglücklichste Ehe der Edda

Skadi will dort wohnen, wo ihr Vater wohnte, Njörd will ans Meer. Nach Snorri einigen sie sich auf neun Nächte in Þrymheimr und neun in Nóatún. Es funktioniert bei keinem. Snorri legt beiden je eine kurze Strophe in den Mund:

„Leid sind mir die Berge, nicht lange war ich dort, nur neun Nächte; das Heulen der Wölfe schien mir übel neben dem Gesang der Schwäne.“Njörd, Gylfaginning 23, eigene Übertragung
„Schlafen konnte ich nicht am Bett des Meeres vor dem Geschrei der Vögel; mich weckt, der vom Wasser kommt, jeden Morgen: die Möwe.“Skadi, Gylfaginning 23, eigene Übertragung

Ganz ohne Wärme ist das Paar in der Dichtung trotzdem nicht. Am Anfang des Skírnismál, des Liedes von Freyrs Werbung um die Riesin Gerðr (siehe Skírnismál – wie Freyr sein Schwert verlor), sitzen Njörd und Skadi als besorgte Eltern da: Freyr grübelt und schweigt, und Skadi schickt den Diener Skírnir los, er solle „unseren Sohn“ fragen, was ihn bedrückt. Ob sie leibliche Mutter oder Stiefmutter ist, lässt der Text offen.

Am Ende trennen sie sich. Skadi geht zurück in die Berge, läuft Ski und jagt. Kein Verrat, kein Streit, keine Schuld – nur zwei Landschaften, die sich nicht vertragen.

Beleg: Wohnortwechsel, die beiden Strophen und Skadis Rückkehr ins Gebirge: Snorri, Gylfaginning 23. Skadi und „unser Sohn“: Skírnismál, Eingangsprosa und Strophen 1–2. Deutsche gemeinfreie Übertragung: Karl Simrock, Die Edda, 1851.

Die Schlange über Loki

Wer Skadi für die tragische Verliererin hält, sollte weiterlesen. Als Loki am Ende gefesselt wird, ist sie es, die über seinem Gesicht eine Giftschlange befestigt. Seine Frau Sigyn fängt das Gift in einer Schale auf; wenn sie die Schale leeren muss, trifft es ihn, er windet sich, und die Erde bebt.

Die Prosa am Schluss des Lokasenna sagt es in einem einzigen trockenen Satz: Skaði tók eitrorm ok festi upp yfir annlit Loka – „Skadi nahm eine Giftschlange und befestigte sie über Lokis Gesicht.“ Die ganze Szene beschreibt unser Beitrag zu Lokis Bestrafung. Ein Motiv nennen die Texte nicht ausdrücklich. Aber Loki hatte Idun ausgeliefert, und damit begann die Kette, die mit Thjazis Tod endete.

Ob die Szene auch in Stein überliefert ist, wird diskutiert: Auf dem Gosforth-Kreuz in Cumbria aus dem 10. Jahrhundert beugt sich eine Frau mit einem Gefäß über eine gefesselte Gestalt, was viele als Loki und Sigyn deuten. Skadi selbst ist dort nicht zu erkennen.

Der Wortwechsel im Lokasenna

Im Lokasenna, dem großen Götterschelten bei Ägirs Gelage, beleidigt Loki reihum alle Anwesenden. In den Strophen 49 bis 52 trifft er auf Skadi.

Skadi beginnt: Leicht habe er es jetzt, aber nicht lange werde er noch frei mit dem Schwanz wedeln; die Götter würden ihn auf scharfem Fels mit den Gedärmen seines eiskalten Sohnes binden. Loki antwortet: Selbst wenn – er sei der Erste und Letzte gewesen, als sie Thjazi packten. Skadi darauf: Dann werde ihm aus ihren Heiligtümern und Fluren immer kalter Rat kommen. Und Loki setzt nach, freundlicher habe sie mit ihm gesprochen, als sie ihn in ihr Bett lud.

Die letzte Behauptung steht sonst nirgends und gehört zu Lokis Methode, jedem eine peinliche Geschichte vorzuhalten. Viel interessanter ist Skadis Wendung frá mínum véum ok vöngum, „aus meinen Heiligtümern und Fluren“. Hier spricht eine Göttin von ihren eigenen vé, ihren Kultplätzen – einer der wenigen Textsätze, die auf eine echte Verehrung Skadis hindeuten.

Beleg: Wortwechsel: Lokasenna 49–52. Schlange über Loki: Schlussprosa des Lokasenna und Snorri, Gylfaginning 50. Englische gemeinfreie Übertragung: Henry Adams Bellows, The Poetic Edda, 1923.

Skadi, Odin und die Jarle von Lade

Nach der Trennung von Njörd verliert die Edda sie aus den Augen. Snorris Ynglinga saga, der erste Teil seiner Königsgeschichte Heimskringla, erzählt die Götter als frühe Könige nach. In Kapitel 8 heißt es: Njörd nahm eine Frau namens Skadi, doch sie wollte nicht mit ihm zusammenleben und heiratete später Odin. Sie hatten viele Söhne; einer hieß Sæmingr.

Snorri stützt sich auf zwei Strophen des Háleygjatal, eines Preisgedichts, das der Skalde Eyvindr skáldaspillir im späten 10. Jahrhundert für Hákon jarl dichtete. Hákon und seine Familie, die mächtigen Jarle von Lade, führten ihren Stammbaum auf Sæmingr zurück – und damit auf Odin und Skadi.

Das ist weniger Mythologie als Politik: Für ein Geschlecht aus Hålogaland im hohen Norden passte eine göttliche Ahnfrau aus Fels und Schnee besser als jede Meeresgöttin.

Ein weiteres Eddalied bestätigt die Familie: Das Hyndluljóð, ein Lied voller Stammbäume, nennt Thjazi einen schießfreudigen Riesen und hält fest, dass Skadi seine Tochter war.

Skadi und Skandinavien – eine schöne, unsichere Spur

Altnordisch skaði bedeutet als gewöhnliches Wort „Schaden“, verwandt mit englisch scathe. Andere stellen den Namen zu gotisch skadus, „Schatten“. Beides ist möglich, keines bewiesen.

Verlockender ist ein dritter Gedanke. „Skandinavien“ und „Schonen“ (altnordisch Skáney) gehen auf eine germanische Form zurück, die als *Skaðin-awjō rekonstruiert wird; der zweite Teil bedeutet etwa „Insel, Land am Wasser“. Beim ersten Teil gibt es zwei Lager. Die einen lesen „gefährliche Insel“, bezogen auf die tückischen Sandbänke vor Schonen. Die anderen erwägen „Skadis Insel“. Der Altnordist John McKinnell hielt es für möglich, dass Skadi einst die Region verkörperte; Georges Dumézil sah es umgekehrt und leitete die Göttin vom Landesnamen ab.

Belegen lässt sich keine Variante. Das älteste Zeugnis ist Plinius der Ältere im 1. Jahrhundert n. Chr. mit einer Insel Scatinavia. Wir finden „Skadis Insel“ reizvoller und „gefährliche Insel“ wahrscheinlicher – und sagen das lieber offen, als die schönere Geschichte zu verkaufen.

Mythos-Check: War Skadi ursprünglich männlich? Der Name Skaði hat die Form eines männlichen Wortes. In der Völsunga saga (Kapitel 1) taucht sogar ein Mann namens Skaði auf. Manche Forscher schließen auf eine ältere männliche Gottheit; andere halten das für überinterpretiert, weil grammatisches Geschlecht und Gestalt nicht zusammenpassen müssen. Beweisen lässt sich keine Seite.

Ortsnamen: Spuren eines echten Kults?

Mythen kann man erfinden, Ortsnamen eher nicht. Wo ein Göttername mit vé („Heiligtum“) oder lundr („Hain“) verbunden ist, wurde vermutlich verehrt (mehr im Beitrag über Götter in Ortsnamen).

Für Skadi werden vor allem schwedische Namen angeführt; oft genannt wird Skedevi in Östergötland, gedeutet als „Skadis Heiligtum“. Namen, die mit Skadi und mit dem Skigott Ullr verbunden werden, häufen sich auffällig in Schweden. Vorsicht bleibt trotzdem angebracht: Für einzelne Ortsnamen gibt es konkurrierende Deutungen. Zusammen mit Skadis „Heiligtümern“ im Lokasenna ergibt sich ein vorsichtiges Bild: Sie war wohl nicht nur Erzählfigur, sondern hatte zumindest regional Kultplätze. Was dort geschah, verrät keine Quelle.

Die Skigöttin – und wie alt Skier im Norden sind

Im Herbst 1924 stießen Männer beim Grabenziehen in einem Moor bei Kalvträsk nahe Skellefteå in Nordschweden auf zwei Skier und einen schaufelförmigen Stock. Der erhaltene Ski ist 204 Zentimeter lang. Radiokarbondatierungen ergaben etwa 3200 v. Chr.; er liegt heute im Västerbottens museum in Umeå und gehört zu den ältesten erhaltenen Skifunden der Welt. Auf der Insel Rødøy in Nordnorwegen zeigt eine steinzeitliche Felsritzung eine Gestalt auf langen Brettern.

Näher an Skadis Zeit führt das Gletschereis. Am Digervarden in Norwegen fand das Projekt „Secrets of the Ice“ 2014 einen Ski mit Bindung, 2021 lag wenige Meter daneben der zweite. Das Paar ist rund 1.300 Jahre alt, stammt also aus der Eisenzeit kurz vor der Wikingerzeit, mit Bindungen aus gedrehten Birkenruten und Leder.

Eine Göttin, die auf Skiern jagt, ist also keine hübsche Metapher, sondern eine Fertigkeit, die seit Jahrtausenden Alltag war, ins Göttliche übertragen.

In derselben Linie steht Ullr. Snorri nennt ihn einen so guten Bogenschützen und Skiläufer, dass sich niemand mit ihm messen könne. Wer nach dem nordischen Gott der Jagd sucht, findet Ullr; wer nach der Göttin sucht, findet Skadi. Eine Ehe der beiden, wie sie in modernen Nacherzählungen auftaucht, steht in keiner Quelle.

Beleg: Kalvträsk-Ski: gefunden 1924, Radiokarbondatierung um 3200 v. Chr., Västerbottens museum. Digervarden-Skipaar: Funde 2014 und 2021, etwa 1.300 Jahre alt. Ullr: Snorri, Gylfaginning 31. Die Verbindung zwischen Funden und Skadi ist unsere Deutung, keine Aussage einer Quelle.

Warum eine Riesin Göttin werden konnte

Götter und Riesen gelten als Todfeinde – und doch wird eine Riesentochter Asin, ohne dass jemand Anstoß nimmt. Die Grenze war nie so scharf, wie das Feindbild suggeriert. Odins Mutter Bestla ist eine Riesentochter, Thors Mutter Jörd wird zu den Riesinnen gerechnet, Freyr wirbt um die Riesin Gerðr. Die Asen stehen für das Umzäunte, die Riesen für das Draußen. Dazwischen wird geheiratet, verhandelt und getötet, oft in dieser Reihenfolge. Skadi kommt von draußen, wird aufgenommen und bleibt, was sie war. Ihre Halle heißt weiter Þrymheimr.

Was die Quellen über Skadi nicht sagen

Kein Text schildert ein Opfer für sie, einen Festtag oder ein Bild. Es gibt keinen eigenen Skadi-Mythos, nur Episoden neben anderen. Keine Quelle beschreibt ihr Aussehen. Selbst die Kinderfrage bleibt offen: Das Skírnismál lässt sie von Freyr als „unserem Sohn“ sprechen, die Ynglinga saga macht dagegen Njörds Schwester zur Mutter von Freyr und Freyja. Und bei Ragnarök kommt sie nicht vor. Sie verschwindet einfach in ihren Bergen – was zu ihr passt.

Skadi heute: von Collingwood bis zum Saturnmond

Ihr Nachleben begann mit den Übersetzungen. W. G. Collingwood illustrierte 1908 Olive Brays englische Ausgabe der Lieder-Edda; von ihm stammt das Bild der Skadi, die sich nach den Bergen sehnt. Heute trägt ein kleiner Saturnmond ihren Namen, Skathi, benannt wie seine Nachbarn nach Gestalten der nordischen Überlieferung. Dazu kommen Videospiele, Romane und Tattoos.

Mythos-Check: In moderner Esoterik erscheint Skadi oft als „Göttin des Winters und der Wildnis“ mit angeblich überlieferten Farben, Kräutern, Festtagen und Ritualen. Davon steht in den Quellen nichts. Belegt sind Herkunft, Sühne, Brautwahl, Ehe und Trennung, Skier und Bogen, die Beinamen, die Schlange, der Wortwechsel mit Loki, die Söhne mit Odin und einige Ortsnamen. Der Rest ist Ausschmückung des 19. bis 21. Jahrhunderts – die man mögen darf, solange man sie nicht für alt hält.
Aus der Werkstatt. Skadi ist ein dankbares Motiv, gerade weil sie nicht ins Klischee passt: Berge, Ski, Bogen, Winter – und eine Frau, die bewaffnet verhandelt. Wer ein Motiv oder einen Namen im Älteren Futhark auf Schiefer möchte: Wunschgravur. Den eigenen Namen in Runen zeigt der Runen-Namensgeber.

Skadi kam, um zu töten, und ging mit einem Ehemann, einem Lachen und zwei Sternen. Sie hat die Ehe verloren und ihren Platz behalten. Und als es darauf ankam, hat sie sich an den erinnert, der ihren Vater in die Falle geführt hatte.

Häufige Fragen

Wer ist die nordische Göttin der Jagd und des Winters? Das ist Skadi (altnordisch Skaði), die Tochter des Riesen Thjazi. Snorri beschreibt sie als Skiläuferin und Bogenjägerin in den Bergen und nennt sie öndurdís, „Ski-Göttin“; „Göttin der Jagd und des Winters“ ist eine moderne Zusammenfassung.

Wie heißt die nordische Göttin der Jagd im Kreuzworträtsel? Die übliche Lösung lautet SKADI mit fünf Buchstaben. Wird ein männlicher Jagd- oder Skigott gesucht, ist meist ULLR gemeint.

Mit wem war Skadi verheiratet? Mit dem Meergott Njörd, den sie nach den Füßen wählte, weil sie Baldr erwartete. Nach der Ynglinga saga lebte sie später mit Odin und bekam Söhne, darunter Sæmingr.

Warum hängte Skadi die Schlange über Loki? Die Quellen nennen keinen ausdrücklichen Grund. Loki hatte aber Iduns Raub ermöglicht, der zum Tod ihres Vaters führte, und sich im Lokasenna damit gebrüstet.

Hat Skandinavien seinen Namen von Skadi? Möglich, aber unbewiesen. Viele Forscher deuten den ersten Teil von *Skaðin-awjō eher als „Gefahr, Schaden“ und denken an die Sandbänke vor Schonen.

Ist Skadi eine Riesin oder eine Göttin? Beides. Sie ist von Geburt Riesin, wird durch die Sühne in Asgard aufgenommen und steht bei Snorri in der Liste der Asinnen.

Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.

Lasergravierte Schieferplatten mit nordischen Motiven von Glanz & Gravur
Nordische Göttermotive auf Naturschiefer, lasergraviert in Alsdorf. Im Shop ansehen →

Weiterlesen bei uns

Idun & die Äpfel · Die Riesen · Odin · Thor · Balder · Lokis Strafe · Sigyn · Die Wanen.

Quellen & Literatur

Zum Shop Mehr Beiträge

Mehr aus dem Gebiet Götterkunde

Alle Götterkunde-Artikel →

Sunna / Sól – die Sonnengöttin

Im Norden ist die Sonne weiblich. Sunna – bei den Nordgermanen Sól – jagt Tag für Tag über den Himmel, verfolgt von …

Weiterlesen →

Surtur – der Feuerriese

Er stand am Anfang und er steht am Ende: Surtur, der Feuerriese, wacht seit Beginn der Welt an der Grenze der …

Weiterlesen →

Thor – Donner über Midgard

Kein Gott war bei den einfachen Menschen so beliebt wie Thor. Mit Hammer, Kraftgürtel und Donnerwagen hält er die …

Weiterlesen →

Tyr – Gerechtigkeit, die etwas kostet

Tyr ist der Gott, der wusste, was Ordnung kostet – und bereit war, sie mit der eigenen Hand zu bezahlen. Einst …

Weiterlesen →