Sie kam nach Asgard, um Rache zu nehmen – und blieb als Göttin. Skadi ist die Herrin der Berge, des Winters, der Jagd und des Skilaufs: eine Riesin, die sich ihren Platz unter den Göttern erkämpfte, statt ihn geschenkt zu bekommen.
Skadi (altnord. Skaði) ist die Tochter des Riesen Thjazi. Ihr Name hängt möglicherweise mit „Schaden“ zusammen – oder, spannender, mit dem alten Namen für das Land selbst: Manche Forscher sehen in Skaði eine Wurzel von „Skandinavien“ („Skadis Insel/Land“). Ob das stimmt, ist umstritten, aber es passt: Skadi ist die Göttin der winterlichen Nordlandschaft schlechthin.
Skadis Geschichte beginnt mit einem Tod. Die Götter hatten ihren Vater Thjazi getötet (er hatte zuvor die Göttin Idun und ihre Äpfel geraubt). Zur Rache rüstet sich Skadi mit Helm, Panzer und Waffen und zieht allein nach Asgard. Statt sie zu bekämpfen, bieten ihr die Götter Sühne an: dreierlei zur Versöhnung – eine Ehe mit einem Gott, dass Loki sie zum Lachen bringt, und dass ihr toter Vater am Himmel geehrt wird.
Und Lokis Teil? Um Skadi zum Lachen zu bringen, bindet Loki sich ein Seil an einen Ziegenbock und an sein eigenes Geschlecht – ein derbes Zerrspiel, das mit Geschrei endet, bis er Skadi in den Schoß fällt. Da lacht sie. Der Aufstieg der ernsten Riesin zur Göttin ist damit besiegelt.
„Auf Skiern gleitet sie und mit dem Bogen
jagt sie durch winterliche Höhen.“
— Bild nach Snorris Gylfaginning (Sinn nach Simrock, gemeinfrei)
Skadi wird öndurgud und öndurdís genannt – „Ski-Göttin“ und „Schneeschuh-Herrin“. Bogen, Ski und die winterliche Bergjagd sind ihre Attribute. In ihr feiern die Nordleute das, was ihr Leben im Winter wirklich ausmachte: das Überleben in Schnee und Kälte, die Jagd als Kunst, die Selbstständigkeit. Skadi ist keine liebliche Göttin, sondern eine harte, freie – und gerade deshalb bis heute beliebt.

Njörd & die Wanen · Idun & die Äpfel der Jugend · Loki · Das Götter-Pantheon · Frigg.
Lieder-Edda: Grímnismál (Þrymheimr), Lokasenna. Snorri Sturluson, Prosa-Edda (Skáldskaparmál: Thjazi, Sühne, Brautwahl; Gylfaginning), um 1220. Deutsche gemeinfreie Übersetzung: Karl Simrock, Die Edda (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology (2001).