Idun (altnordisch Iðunn) ist in der nordischen Mythologie die Göttin, die die Götter jung hält: Nach Snorri Sturluson bewahrt sie in einer Schachtel Äpfel, von denen die Asen essen, sobald sie altern. Als der Riese Þjazi sie mit Lokis Hilfe raubt, werden die Götter grau und alt. Wir zeigen dir, was die älteste Quelle, das Skaldengedicht Haustlöng, tatsächlich sagt, was Snorri ergänzt, was die Lokasenna über sie verrät – und warum Forscher fragen, ob es überhaupt Äpfel waren.
Odin führt den Speer, Thor schwingt den Hammer, Freyja gebietet über Zauber – und all diese Macht hängt an einer stillen Frau mit einer Schachtel. Nimm ihr die Schachtel weg, und die Herren der Welt bekommen graue Haare.
Genau das ist Iðunn, die wir im Deutschen meist Idun oder Iduna schreiben. Sie ist eine der ungewöhnlichsten Gestalten der Edda: kaum Handlung, kaum eigene Worte, und doch hängt an ihr die Unvergänglichkeit der Götter. Wer sich mit ihr beschäftigt, landet beim Raub durch den Riesen Þjazi – und bei einer lebhaften Gelehrtendebatte um ein einziges Wort: epli, Apfel.
Wie immer trennen wir sauber, was ein Skalde um 900 gedichtet hat, was Snorri im 13. Jahrhundert daraus machte und was erst später dazukam.
Iðunn gehört zu den Asinnen, den Göttinnen des Asengeschlechts. Ihr Gemahl ist Bragi, der Gott der Dichtkunst. Mehr über ihre Herkunft verraten die mittelalterlichen Texte nicht: keine Eltern, keine Kinder, keine eigene Halle.
Die Überlieferung ist schmal, reicht aber weit zurück: Bei Iðunn haben wir einen Text, der rund 300 Jahre älter ist als Snorris Edda.
Dazu kommen zwei Frauen namens Iðunn im isländischen Landnámabók, dem Buch der Landnahme. Der Name war also schon in der Zeit der Besiedlung Islands (10. Jahrhundert) als Personenname in Gebrauch.
Die gängige Deutung zerlegt Iðunn in zwei Teile. Vorne steht ið-, eine altnordische Vorsilbe mit der Bedeutung „wieder, erneut, immer wieder“. Du findest sie zum Beispiel in iðgrœnn („immergrün, wieder grünend“). In der Völuspá taucht nach dem Weltuntergang eine Erde auf, die iðjagrœna genannt wird – die „immer wieder grünende“. Das hintere Element -unn ist ein häufiges Frauennamen-Glied, dessen Bedeutung weniger klar ist.
Daraus ergibt sich die Übersetzung, die du in fast jedem Lexikon findest: „die Verjüngende“, „die Erneuernde“, manchmal auch „die Immerjunge“. Rudolf Simek folgt dieser Linie in seinem Lexikon der germanischen Mythologie. Ganz sicher ist das nicht, aber die Deutung ist sprachlich gut begründet und passt verblüffend genau zu dem, was die Mythen von ihr erzählen.
Ein Gedanke von John Lindow ist dabei bemerkenswert: Wenn schon der Name „die Immerjunge“ bedeutet, braucht die Göttin eigentlich gar keine Äpfel, um Jugend zu spenden. Sie wäre selbst die Kraft der Erneuerung. Die Äpfel könnten dann eine spätere, anschauliche Ausgestaltung sein. Wir kommen darauf zurück.
Das wichtigste Zeugnis für Iðunn ist kein Edda-Lied, sondern ein Skaldengedicht. Skalden waren Hofdichter, die in streng geregelten Versmaßen für Fürsten und Gefolgsleute dichteten. Ihre Strophen gelten als vergleichsweise zuverlässig überliefert, weil die strenge Form Änderungen erschwerte.
Das Gedicht heißt Haustlöng, „Herbstlang“ – vielleicht, weil der Dichter einen Herbst lang daran arbeitete. Verfasst hat es der Norweger Þjóðólfr ór Hvini (Þjóðólf aus Hvinir in Südnorwegen), meist um 900 datiert. Der Anlass ist handfest: Ein gewisser Þorleifr hatte dem Dichter einen bemalten Schild geschenkt, und Þjóðólfr beschreibt zum Dank dessen Bilder. Strophen 1–13 schildern den Raub der Iðunn, Strophen 14–20 Thors Kampf gegen den Riesen Hrungnir. Erhalten ist das Gedicht nur, weil Snorri es in seinen Skáldskaparmál zitiert.
Was erzählt Haustlöng? Drei Götter – Odin, Loki und Hœnir – sind unterwegs, ein Adler erscheint, Loki bleibt an ihm hängen, und am Ende wird die Göttin von den Riesen geholt. Iðunn wird in Strophe 9 als jene beschrieben, die das ellilyf ása kannte – wörtlich das „Alters-Heilmittel der Asen“. Und in Strophe 10 heißt es, die Götter seien hárar ok gamlar geworden: grauhaarig und alt.
Jetzt kommt der Punkt, der in vielen populären Darstellungen untergeht: Haustlöng erwähnt keine Äpfel. Es gibt ein Mittel gegen das Alter, und Iðunn weiß darum. Woraus dieses Mittel besteht, sagt der Skalde nicht. Auch der Name der Göttin steht nur einmal im Gedicht – kunstvoll über zwei Verszeilen zerteilt, wie es die Skaldenkunst liebte. Ansonsten umschreibt Þjóðólfr sie mit sogenannten Kenningar, also bildhaften Ersatzbezeichnungen, etwa als „Herrin der Götter“ oder „Freundin der Asen“.
Die bekannte, ausführliche Geschichte steht am Anfang der Skáldskaparmál, Snorris Lehrbuch der Dichtersprache. Der Rahmen: Der Meeresriese Ægir sitzt beim Gastmahl in Asgard neben Bragi, und Bragi erzählt ihm alte Geschichten – je nach Ausgabe sind das die ersten Kapitel des Werks. Snorri hat dabei sichtlich Haustlöng vor sich und malt die knappen Andeutungen des Skalden breit aus.
Odin, Loki und Hœnir ziehen über Berge und Ödland. Sie haben Hunger, sehen eine Rinderherde in einem Tal, schlachten einen Ochsen und legen ihn in eine Kochgrube. Doch das Fleisch wird nicht gar – einmal nicht, zweimal nicht. Da meldet sich eine Stimme aus der Eiche über ihnen: Ein großer Adler sitzt dort und sagt, er sei schuld. Wenn sie ihm seinen Anteil gäben, werde das Fleisch garen.
Die Götter willigen ein. Der Adler stößt herab und schnappt sich gleich beide Keulen und beide Schultern. Loki wird wütend, packt eine lange Stange und schlägt nach dem Vogel. Ein Fehler: Die Stange bleibt am Adler hängen, Lokis Hände bleiben an der Stange hängen, und der Adler fliegt los – gerade so tief, dass Lokis Füße über Steine, Geröll und Bäume schleifen. Loki fleht um Gnade. Der Adler, in Wahrheit der Riese Þjazi, lässt ihn nur unter einer Bedingung los: Loki muss Iðunn mitsamt ihren Äpfeln aus Asgard herausbringen.
Loki schwört, kehrt zu seinen Gefährten zurück und erzählt nichts. Zur vereinbarten Zeit lockt er Iðunn aus Asgard in einen Wald. Sein Köder ist raffiniert: Er habe dort Äpfel gefunden, die sie für Kostbarkeiten halten werde, sie solle ihre eigenen zum Vergleich mitnehmen. Kaum sind sie draußen, kommt Þjazi in Adlergestalt, packt Iðunn und trägt sie nach Þrymheimr, seinem Hof in den Bergen.
Jetzt zeigt sich, wie zerbrechlich die Götterwelt gebaut ist. Ohne Iðunn werden die Asen, so Snorri, rasch grau und alt. Sie treten zu einer Versammlung zusammen und fragen, wer Iðunn zuletzt gesehen hat. Die Antwort: Man sah sie mit Loki aus Asgard gehen. Also packt man Loki und droht ihm Tod oder Folter an. Loki verspricht sofort, sie zurückzuholen – wenn Freyja ihm ihr Falkengewand leiht.
Als Falke fliegt Loki nach Norden ins Riesenland. Er hat Glück: Þjazi ist mit dem Boot aufs Meer hinausgerudert, Iðunn ist allein. Loki verwandelt sie in eine Nuss, nimmt sie in die Krallen und fliegt los. Doch Þjazi kehrt zurück, bemerkt den Verlust, nimmt seine Adlergestalt an und jagt hinterher. Der Adler ist schnell, und der Abstand schrumpft.
Die Asen sehen von der Burg aus den Falken mit der Nuss kommen, dicht gefolgt vom Adler. Sie schleppen Ladungen von Hobelspänen an die Mauer. Der Falke schlüpft über die Mauer und lässt sich dahinter fallen. In diesem Moment zünden die Götter die Späne an. Der Adler kann nicht mehr abbremsen, sein Gefieder fängt Feuer, er stürzt – und die Asen erschlagen Þjazi innerhalb ihres Tores. Snorri setzt trocken hinzu, dieser Totschlag sei überaus berühmt.
Berühmt war er tatsächlich, und zwar so sehr, dass sich gleich mehrere Götter damit brüsten. In der Lokasenna rühmt sich Loki gegenüber Skaði, er sei der Erste und Vorderste beim Tod ihres Vaters gewesen. Und in den Hárbarðsljóð (Str. 19) behauptet Thor, er habe Þjazi erschlagen und dessen Augen an den Himmel geworfen. Eine verbindliche „Bibel“ des Nordens gab es eben nie.
Mit Þjazis Tod endet die Geschichte nicht. Seine Tochter Skaði legt Helm und Brünne an, nimmt ihre Waffen und zieht nach Asgard, um ihren Vater zu rächen. Die Götter bieten ihr Vergleich und Buße an – so wie man im Norden einen Totschlag rechtlich beilegte. Sie darf sich einen Ehemann unter den Göttern aussuchen, aber sie darf dabei nur die Füße sehen. Skaði wählt die schönsten Füße, in der Hoffnung, es seien Balders. Es sind die des Meergottes Njörðr.
Zweite Bedingung: Die Götter müssen sie zum Lachen bringen, was sie für unmöglich hält. Loki löst das Problem auf die derbste Art, die die Edda kennt – mit einer Schnur zwischen dem Bart einer Ziege und seinen eigenen Geschlechtsteilen. Beide schreien, Loki fällt Skaði in den Schoß, und sie lacht. Zur weiteren Buße wirft Odin Þjazis Augen an den Himmel, wo sie als zwei Sterne leuchten.
Iðunns Raub ist also kein isoliertes Märchen, sondern Glied einer Kette, die Riesen und Götter durch Raub, Totschlag, Buße und Heirat verknotet.
Die berühmte Kurzformel über Iðunn steht in der Gylfaginning, dem ersten Hauptteil von Snorris Edda, im Abschnitt über Bragi. Sinngemäß in eigener Übertragung:
„Seine Frau ist Iðunn. Sie verwahrt in ihrer Schachtel die Äpfel, in die die Götter beißen sollen, wenn sie altern. Dann werden sie alle wieder jung, und so wird es sein bis zu Ragnarök.“— Snorri Sturluson, Gylfaginning 26 (eigene Übertragung)
Das Wort für die Schachtel ist eski. Es leitet sich von askr ab, der Esche, und bezeichnet ein Kästchen oder eine Spanschachtel aus Eschenholz – ein Behälter, in dem man persönliche Dinge aufbewahrte. Kein goldener Schrein also, sondern ein Alltagsgegenstand.
Der fragende Gangleri findet, die Götter hingen sehr an Iðunns Sorgfalt und Treue. Der Erzähler lacht: Einmal habe nicht viel gefehlt – Snorris Vorverweis auf die Þjazi-Geschichte.
In den Skáldskaparmál listet Snorri außerdem auf, wie man Iðunn in Gedichten umschreiben kann: als Frau Bragis, als Hüterin der Äpfel – wobei die Äpfel selbst „Altersmittel der Asen“ heißen dürfen – und als Raubgut des Riesen Þjazi. Hier verbindet Snorri ausdrücklich das alte Skaldenwort ellilyf aus Haustlöng mit seinen Äpfeln.
Iðunns einziger Auftritt in der Lieder-Edda ist kurz, aber charakteristisch. In der Lokasenna, dem großen Schmählied, platzt Loki in das Gelage beim Meeresriesen Ægir und beleidigt einen Gott nach dem anderen. Bragi hat ihn gerade scharf angegangen, als Iðunn das Wort ergreift.
In Strophe 16 bittet sie Bragi, er möge an die Verwandtschaft denken: Loki ist Odins Wahlsohn, also gewissermaßen Familie. Bragi solle ihn in Ægirs Halle nicht mit Schmähworten angreifen. In Strophe 17 schlägt Loki zurück, wie er es bei jeder Göttin tut: Er nennt Iðunn die mannstollste aller Frauen, denn sie habe die Arme um den Mörder ihres eigenen Bruders gelegt. In Strophe 18 lässt sich Iðunn nicht provozieren. Sie wolle Loki nicht schmähen, sagt sie, sie wolle nur Bragi beruhigen, der vom Bier erhitzt sei, damit die beiden nicht kämpfen.
Wer ist dieser ermordete Bruder? Niemand weiß es. Keine andere erhaltene Quelle erwähnt einen Bruder Iðunns oder einen Mord, der sie betrifft. Schon Bellows vermerkte das 1923 in seiner Übersetzung, und John Lindow betont es bis heute. Es kann eine verlorene Geschichte dahinterstecken – oder schlicht Lokis Lust an der Verleumdung. Die Lokasenna ist ein Spottgedicht, ihre Vorwürfe sind keine verlässlichen Familienchroniken.
Was die Strophen zeigen, ist Iðunns Rolle: Sie schlichtet. Wo Bragi aufbraust, beruhigt sie.
Ein weiterer Text über Iðunn kursiert gern in Büchern und im Netz: Hrafnagaldr Óðins, „Odins Rabenzauber“, auch Forspjallsljóð genannt. Darin stürzt eine Göttin – meist als Iðunn gedeutet – vom Weltenbaum hinab in die Tiefe und erhält ein Wolfsfell. Odin sendet besorgte Boten, angeführt von Heimdall, um sie nach Anfang und Ende der Welt zu befragen, doch sie antwortet nur mit Tränen. Das Gedicht nennt sie außerdem eine Verwandte der Alben und zählt sie zu den Kindern Ivaldis – Angaben, die es sonst nirgends gibt.
Diese Angaben sind mit großer Vorsicht zu behandeln. Das Gedicht ist nur in Papierhandschriften ab dem späten 17. Jahrhundert erhalten. Schon Sophus Bugge hielt es 1867 für ein Werk des 17. Jahrhunderts, und Annette Lassen kommt in ihrer kritischen Ausgabe von 2011 zum selben Ergebnis: ein nachmittelalterliches Gedicht, wohl entstanden kurz nachdem der Codex Regius 1643 wiederentdeckt wurde. Für die Religion der Wikingerzeit ist es kein Zeugnis, sondern ein frühes Stück gelehrter Edda-Begeisterung.
Jetzt zur Frage, die Leute am häufigsten googeln. Das altnordische Wort bei Snorri lautet epli, und es bedeutet zunächst einmal schlicht „Apfel“. Doch in mehreren germanischen Sprachen wurde das Apfelwort früh auch für andere runde Früchte verwendet. Deshalb wird in der Forschung immer wieder erwogen, dass epli in solchen Zusammenhängen allgemeiner „Frucht“ gemeint haben könnte. Belegen lässt sich das für Iðunns Äpfel nicht – es ist eine Möglichkeit, keine Gewissheit.
Dazu kommt ein botanischer Gedanke. Der in Skandinavien heimische Apfel war der kleine, herbe Wildapfel. Großfrüchtige Kultursorten verbreiteten sich im Norden in nennenswertem Umfang erst im Mittelalter, wesentlich auch über Klöster. Ein Skalde um 900 hatte also eher Holzäpfel vor Augen als glänzende Supermarktfrüchte.
Ein manchmal genanntes Argument betrifft das Grab von Oseberg in Norwegen, in dem 834 zwei Frauen bestattet wurden. Unter den erhaltenen Pflanzenresten der Grabausstattung befanden sich auch Wildäpfel; darauf hat besonders Hilda Ellis Davidson hingewiesen. Mehr als diesen Befund sollte man daraus nicht ableiten: Dass Äpfel einem Toten mitgegeben wurden, beweist weder einen Iðunn-Kult noch eine bestimmte Jenseitsvorstellung. Es zeigt nur, dass Äpfel in einem der reichsten Gräber der Wikingerzeit einen Platz hatten.
Und dann ist da Snorris Bildung: Die goldenen Äpfel der Hesperiden aus der griechischen Sage liegen als Vergleich nahe, weshalb manche Forscher gelehrten Einfluss vermuten. Andere verweisen auf eine indogermanische Vergleichsperspektive: Der Religionswissenschaftler David Knipe sah im Motiv „ein Adler raubt das Mittel der Unsterblichkeit“ ein altes Erbe. Beide Richtungen sind Deutungen, keine Belege.
Auch wenn Iðunns Äpfel selbst schwer zu fassen sind, steht der Apfel in der altnordischen Literatur nicht allein. Drei Stellen werden in diesem Zusammenhang immer wieder genannt.
In den Skírnismál wirbt Freyrs Diener Skírnir um die Riesin Gerðr und bietet ihr elf ganz goldene Äpfel an (Str. 19). Gerðr lehnt ab. Die Szene zeigt, dass Äpfel als kostbare Gabe in einem Brautwerbungsmythos dienen konnten – und zwar im Umfeld der Wanen, der Götter von Fruchtbarkeit und Wohlstand.
In der Völsunga saga wünschen sich König Rerir und seine Frau vergeblich ein Kind. Frigg hört die Bitte, und Odin schickt eine Wunschmaid mit einem Apfel, den sie Rerir in den Schoß fallen lässt. Die Königin isst davon, wird schwanger, und nach langer Schwangerschaft kommt Völsungr zur Welt, der Ahnherr des Geschlechts, aus dem später Sigurd stammt. Hier ist der Apfel eindeutig ein Fruchtbarkeitszeichen.
Hilda Ellis Davidson hat aus solchen Stellen – zusammen mit Apfel- und Nussfunden in Gräbern – eine Deutung entwickelt: Iðunn könnte der blasse Nachhall einer Hüterin der lebenspendenden Frucht der Anderswelt sein. Das ist eine anregende Hypothese, mehr nicht. Richard North wiederum hielt Iðunn für eine Erscheinungsform Freyjas. Auch das ist nicht beweisbar.
Und die Nuss? Für eine Göttin der Erneuerung ist sie eine stimmige Verkleidung – hart außen, Keim innen. Ob Snorri das bewusst so meinte, wissen wir nicht.
Seit der Romantik hat Iðunn eine erstaunliche zweite Karriere gemacht. Die Form Iduna wurde im 19. Jahrhundert beliebt, als Name für Zeitschriften, Vereine und Mädchen. In Schweden gab etwa der „Gotische Bund“ (Götiska förbundet) ab 1811 eine Zeitschrift namens Iduna heraus.
Gern wird Iðunn auch zur „eigentlichen Frühlingsgöttin“ erklärt, manchmal sogar gleichgesetzt mit Ostara. Dafür gibt es keine Quelle. Iðunn hat mit dem Frühling oder dem Osterfest in keinem mittelalterlichen Text etwas zu tun, und auch die Göttin Ostara selbst ist im Wesentlichen eine Rekonstruktion Jacob Grimms aus einem einzigen Satz des angelsächsischen Gelehrten Beda. Was es damit auf sich hat, haben wir ausführlich aufgeschrieben: Ostara – die Göttin, die aus einem Satz entstand.
Bleibt die Einsicht hinter allem: Nichts hält von selbst. Jugend, Kraft und Ordnung müssen gehütet und notfalls zurückerkämpft werden – mit List, einem geliehenen Federkleid und einem Haufen Hobelspäne. Und dass wir Iðunn überhaupt kennen, verdanken wir der Dichtung ihres Mannes Bragi: einem Skalden, der einen bemalten Schild besang, und einem Isländer, der dessen Strophen 300 Jahre später aufschrieb.
Bei uns in der Werkstatt in Alsdorf ist Iðunn ein Motiv, das sich wunderbar für persönliche Geschenke eignet – vor allem dort, wo es um Neubeginn geht: Hochzeit, Geburt, ein runder Geburtstag, ein Umzug. Wenn wir sie gestalten, halten wir uns an die Quellen statt an die Romantik des 19. Jahrhunderts.
Unsere Idee für eine Schieferplatte: Iðunn nicht mit goldenem Korb, sondern mit einer schlichten Holzschachtel, dem eski. Daneben ein Zweig mit kleinen, runden Wildäpfeln. Darüber, als Kontrast, die Silhouette eines Adlers mit ausgebreiteten Schwingen – Þjazi, die Bedrohung. Am Rand ihr Name in Runen. In den jüngeren Runen der Wikingerzeit schreibst du Iðunn als ᛁᚦᚢᚾ, weil das ð dort mit der Þ-Rune wiedergegeben wird. Im älteren Futhark wäre es ᛁᛞᚢᚾ. Probier es mit unserem Runen-Übersetzer aus.
Für ein Paar bietet sich Iðunn zusammen mit Bragi an: Erneuerung und Wort, nebeneinander auf einer Platte, vielleicht mit einem eigenen Spruch darunter. Auf Eschenholz graviert, hat das Motiv eine Pointe für Kenner: Iðunns Schachtel war aus Esche.


Wer ist Idun in der nordischen Mythologie? Idun (Iðunn) ist eine Göttin aus dem Geschlecht der Asen und die Frau des Dichtergottes Bragi. Nach Snorri hütet sie die Äpfel, die die Götter bis Ragnarök jung halten.
Was bedeutet der Name Iðunn? Die gängige Deutung ist „die Erneuernde“ oder „die Verjüngende“, abgeleitet von der Vorsilbe ið- („wieder, erneut“). Die Deutung ist gut begründet, aber nicht in jedem Detail gesichert.
Wer hat Idun entführt? Der Riese Þjazi in Adlergestalt, nachdem er Loki gezwungen hatte, Iðunn aus Asgard zu locken. Loki holte sie später in Falkengestalt zurück, Þjazi verbrannte an der Mauer Asgards.
Waren Iduns Äpfel wirklich Äpfel? Snorri schreibt epli, also Äpfel. Das ältere Gedicht Haustlöng spricht nur von einem „Altersmittel der Asen“ und nennt keine Äpfel. Ob ursprünglich eine andere Frucht gemeint war, ist offen.
Waren Iduns Äpfel golden? Nein, das sagt keine mittelalterliche Quelle. Goldene Äpfel kommen in der Edda nur in den Skírnismál vor, als Brautgabe an Gerðr.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Loki · Skadi · Schätze der Götter · Das Götter-Pantheon.
Sie ist so groß, dass sie die ganze Welt umspannt und sich in den eigenen Schwanz beißt: Jörmungandr, die …
Weiterlesen →Kein Gott des Nordens ist ohne sein Kleinod: Thor ohne Hammer wäre nur ein zorniger Riese, Odin ohne Speer und Ring nur …
Weiterlesen →Woher kommt die Dichtkunst? Der Norden hatte darauf eine unheimlich schöne Antwort: aus dem Blut eines weisen Wesens …
Weiterlesen →Ein Festmahl der Götter, reichlich Bier – und ein Gast, der jeden Einzelnen bloßstellt. Die Lokasenna („Lokis …
Weiterlesen →