In Walhall herrscht ewiges Fest – und dafür sorgt ein einziges Tier, das niemals ausgeht: der Eber Sæhrimnir.
Jeden Tag schlachtet und siedet der Koch Andhrimnir den Eber Sæhrimnir im großen Kessel Eldhrimnir. Sein Fleisch sättigt die ungezählte Schar der Einherjer, der gefallenen Krieger, die Odin für die letzte Schlacht sammelt. Und das Wunderbare: Jeden Abend ist der Eber wieder ganz und lebendig. So bricht das Mahl nie ab – Nacht für Nacht, bis zum Ragnarök.
Zum Fleisch fließt der Met, den die Ziege Heidrun auf dem Dach Walhalls aus den Zweigen des Weltenbaums spendet. Fleisch von Sæhrimnir, Met von Heidrun: Die Halle der Gefallenen kennt keinen Mangel. Das Bild vom nie endenden Festmahl ist der nordische Traum vom Kriegerparadies.
„Andhrimnir lässt in Eldhrimnir / Sæhrimnir sieden, das beste der Schweine.“— nach Grímnismál 18, Karl Simrock (gemeinfrei)
Sæhrimnir ist das Herz eines gewaltigen Systems. Walhall hat, sagt die Grímnismál, 540 Türen, und durch jede ziehen beim letzten Kampf 800 Krieger zugleich. Diese Schar, die Einherjer, verbringt ihre Tage kämpfend: Jeden Morgen ziehen sie aufs Feld und erschlagen einander, jeden Abend stehen sie heil wieder auf und feiern gemeinsam.
Und beim Fest fehlt es an nichts: Fleisch vom ewig erneuerten Eber Sæhrimnir, dazu der Met, den die Ziege Heidrun auf dem Dach aus den Blättern des Weltenbaums spendet, und den der Hirsch Eikthyrnir als Quellwasser weitergibt. Dieses Bild vom nie endenden Kampf und dem nie endenden Mahl war kein Kinderglaube, sondern ein Versprechen: Wer ehrenvoll fiel, den erwartete kein Nichts, sondern die beste aller Hallen.
Walhall · Die Einherjer · Odin · Thors Ziegenböcke.
Grímnismál 18 (Lieder-Edda), deutsch gemeinfrei Karl Simrock; Snorri, Gylfaginning 38. Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie.