Unter all den Göttern, Riesen und Zwergen gibt es zwei, die anders sind: Thjalfi und Röskva, ein Bauerngeschwisterpaar – die einzigen Menschen, die dauerhaft im Gefolge eines Gottes reisen. Wie sie dorthin kamen, erzählt eine der schönsten kleinen Geschichten um Thor.
Thor fährt in einem Wagen, gezogen von zwei Böcken – Tanngnjostr („Zähneknirscher“) und Tanngrisnir („Zähnefletscher“). Ihr Wunder: Thor kann sie schlachten und verzehren – wenn er danach Felle und Knochen unversehrt zusammenlegt und mit Mjöllnir weiht, stehen die Böcke am nächsten Morgen wieder lebendig auf.
Auf einer Reise kehrt Thor bei einer armen Bauernfamilie ein und teilt seine Böcke als Mahl. Doch der Sohn Thjalfi spaltet heimlich einen Beinknochen, um an das Mark zu kommen. Am Morgen erhebt sich einer der Böcke lahmend. Thors Zorn ist gewaltig – die Familie fürchtet um ihr Leben. Zur Sühne gibt sie ihm ihre beiden Kinder, Thjalfi und Röskva, als Diener. Seitdem begleiten die Geschwister den Donnergott.
Thjalfi ist kein bloßer Knecht. Er gilt als der schnellste Läufer überhaupt und tritt in Utgard im Wettlauf an (gegen „Hugi“, den Gedanken). Bei Thors Zweikampf mit dem Riesen Hrungnir erschlägt Thjalfi dessen Helfer, den tönernen Riesen Mökkurkalfi. Der Bauernsohn steht damit für die Menschen an der Seite der Götter – tüchtig, mutig, unentbehrlich.

Thor (Donar) · Thor bei Utgard-Loki · Die Midgardschlange · Die Riesen.
Lieder-Edda: Hárbarðsljóð. Snorri Sturluson, Prosa-Edda (Gylfaginning: die Böcke, Thjalfi & Röskva; Skáldskaparmál: Hrungnir, Mökkurkalfi), um 1220. Deutsche gemeinfreie Übersetzung: Karl Simrock, Die Edda (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology (2001).