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Thor bei Utgard-Loki

Sagen & Mythen Thors Reise nach Utgard

Die lustigste und zugleich tiefsinnigste Thor-Geschichte ist eine Reihe von Niederlagen – die gar keine sind. Auf seiner Reise nach Utgard verliert der stärkste Gott einen Wettkampf nach dem anderen. Erst am Ende zeigt sich: Seine Gegner waren Alter, Meer und Gedanke selbst.

Thor zieht mit Loki und seinen menschlichen Dienern Thjalfi und Röskva ins Land der Riesen. Die Reise führt tief nach Jötunheim, zur Festung Utgard („das, was außerhalb der Umzäunung liegt“) und ihrem Herrn Utgard-Loki – nicht zu verwechseln mit dem Loki der Asen.

Skrymir und der unöffenbare Beutel

Nachts schlafen die Reisenden in einer riesigen Halle mit einem Seitenraum – am Morgen entpuppt sie sich als der Handschuh eines gewaltigen Riesen: Skrymir („der Großtuer“). Er wandert mit ihnen und trägt den Proviant in seinem Beutel. Doch am Abend bekommt Thor den Beutel nicht auf – Skrymir hat ihn mit Zaubereisen verschnürt. Wütend schlägt Thor dem schlafenden Riesen dreimal mit Mjöllnir auf den Kopf. Skrymir aber murmelt nur, ob ihm ein Blatt oder ein Eichelchen aufs Haupt gefallen sei. In Wahrheit hat Thor drei tiefe Täler in einen Berg geschlagen – Skrymir hatte den Berg heimlich dazwischengeschoben.

Die drei unmöglichen Wettkämpfe

In Utgard fordert Utgard-Loki die Gäste zu Wettkämpfen. Und der Reihe nach scheitern die Größten:

Loki tritt im Wettessen gegen Logi an – und verliert, denn Logi verschlingt nicht nur das Fleisch, sondern auch Knochen und Trog. Thjalfi, der schnellste Läufer, verliert dreimal gegen den Knaben Hugi. Thor selbst soll aus einem Horn trinken – doch so gewaltig er zieht, der Pegel sinkt kaum. Dann soll er die Katze des Hauses hochheben – er bringt gerade eine Pfote vom Boden. Und im Ringen wirft ihn eine alte Amme namens Elli beinahe zu Boden. Der Donnergott, gedemütigt.

Die große Auflösung. Beim Abschied gesteht Utgard-Loki die Wahrheit: Alles war Sinnestäuschung. Logi war das wilde Feuer, das alles frisst. Hugi war der Gedanke – nichts läuft schneller. Das Trinkhorn war mit dem Weltmeer verbunden; Thors Züge schufen die Gezeiten. Die Katze war die Midgardschlange, die die Welt umspannt – Thor hob sie fast aus dem Meer. Und Elli war das Alter, das jeden niederringt. Als Thor den Hammer heben will, ist Utgard verschwunden. „Hätte ich das gewusst“, sagt Utgard-Loki, „hätte ich dich nie eingelassen.“

„Nun sage ich dir die Wahrheit …:
du hast so mächtig getrunken, dass es ein Wunder war.“
— nach Snorris Gylfaginning (Sinn nach Karl Simrock, 1851, gemeinfrei)
Quelle. Die Utgard-Reise steht ausführlich in Snorris Gylfaginning (Prosa-Edda, um 1220) – eine der am kunstvollsten erzählten Geschichten des ganzen Werks. Standardwerk: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie.

Die Moral ist überraschend modern: Selbst der Stärkste kann Feuer, Meer, Gedanke und Alter nicht besiegen – aber dass er ihnen überhaupt so nahekam, macht seine Stärke erst recht ehrfurchtgebietend.

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Weiterlesen bei uns

Thor (Donar) · Thjalfi & Röskva · Die Midgardschlange · Die Riesen · Loki.

Quellen & Literatur

Snorri Sturluson, Prosa-Edda (Gylfaginning: Thors Reise nach Utgard, Skrymir, die Wettkämpfe), um 1220. Deutsche gemeinfreie Übersetzung: Karl Simrock, Die Edda (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology (2001).

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