Bevor die Götter des Nordens eine Familie waren, führten sie den ersten Krieg der Welt – gegeneinander. Der Wanenkrieg erklärt, warum es zwei Göttergeschlechter gibt, wie sie zusammenfanden – und er steht ganz am Anfang der Zeit.
Der Norden kennt zwei Geschlechter von Göttern: die Asen um Odin und Thor (Krieg, Herrschaft, Recht) und die Wanen um Njörd, Freyr und Freyja (Fruchtbarkeit, Meer, Reichtum). Am Anfang standen sie sich feindlich gegenüber – mehr dazu im großen Pantheon-Beitrag.
Ausgelöst wird der Krieg durch Gullveig („Goldrausch/Goldkraft“), eine geheimnisvolle Gestalt, die zu den Asen kommt. Diese durchbohren sie mit Speeren und verbrennen sie dreimal – und dreimal ersteht sie wieder. Man deutet sie oft als Verkörperung der Goldgier oder als Wanin, deren Misshandlung die Wanen erzürnt. Der erste Krieg beginnt also, wie so oft, um Gold.
„Den Speer warf Odin ins Heer hinein:
das war der Krieg noch der erste der Welt.“
— Völuspá, Str. 24 (nach Karl Simrock, 1851, gemeinfrei)
Odin eröffnet den Krieg, indem er seinen Speer Gungnir über das Heer der Wanen schleudert. Es folgt ein langer Kampf: Die Wanen brechen mit ihrer Zauberkraft die Mauern Asgards, die Asen schlagen mit Waffengewalt zurück. Keine Seite siegt endgültig. Am Ende sind beide kriegsmüde und schließen Frieden.
Zum Zeichen des Friedens tauschen die Geschlechter Geiseln aus. Die Wanen senden ihre Besten nach Asgard: den Meergott Njörd und seine Kinder Freyr und Freyja – seither zählen sie zu den obersten Göttern der Asen. Die Asen senden im Gegenzug den weisen Mimir und Hönir zu den Wanen. Und als endgültiges Siegel spucken beide Seiten in einen Kessel; aus diesem Speichel formen sie Kvasir, das weiseste Wesen – aus dessen Blut später der Dichtermet gebraut wird. So entsteht aus dem ersten Krieg die Poesie selbst.

Der Wanenkrieg ist in der nordischen Mythologie der erste Krieg überhaupt – der Kampf zwischen den beiden Göttergeschlechtern, den kriegerischen Asen und den fruchtbaren Wanen. Aus ihm ging die göttliche Ordnung hervor, die wir kennen.
Der Sage nach begann der Streit mit der geheimnisvollen Gullveig (auch Heid), die zu den Asen kam und dreimal verbrannt wurde, doch stets wiederauflebte. Ob Habgier, Zauberei oder gegenseitiges Misstrauen – der Funke entzündete einen Krieg der Götter.
Asen und Wanen kämpften mit aller Macht, doch keine Seite konnte siegen. Die Wanen zertrümmerten die Mauern Asgards, die Asen schlugen zurück – bis beide erkannten, dass nur Frieden weiterhalf.
Zum Zeichen des Friedens tauschten die Geschlechter Geiseln aus: Njörðr, Freyr und Freyja kamen zu den Asen, Hönir und Mimir zu den Wanen. So verschmolzen die beiden Götterwelten – ein Mythos, der vielleicht die Vereinigung zweier alter Kultkreise widerspiegelt.
Asen & Wanen – das Pantheon · Njörd, Freyr & Freyja · Kvasir & der Dichtermet · Gungnir · Asgard.
Lieder-Edda: Völuspá (Str. 21–24: Gullveig, erster Krieg). Snorri Sturluson, Prosa-Edda (Skáldskaparmál: Kvasir, Geiselaustausch) und Ynglinga saga (Wanenkrieg, Mimir), um 1220. Deutsche gemeinfreie Übersetzung: Karl Simrock, Die Edda (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology (2001).
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