Der Wanenkrieg ist in der nordischen Mythologie der erste Krieg der Welt: Die Asen um Odin kämpfen gegen das zweite Göttergeschlecht, die Wanen, bis keiner mehr siegen kann und beide Seiten Frieden schließen. Erzählt wird er nur in Bruchstücken – vier rätselhafte Strophen der Völuspá, ein nüchterner Bericht in Snorris Ynglinga saga und ein Nebensatz in der Skáldskaparmál. Wir legen die Quellen nebeneinander, zeigen, wo sie sich widersprechen, und ordnen ein, was die Forschung daraus gemacht hat.
Am Anfang steht kein Drache und kein Riese. Am Anfang steht eine Frau, die nicht sterben will. Die Götter stoßen sie mit Speeren, sie verbrennen sie in Odins Halle – dreimal. Und dreimal steht sie wieder auf. Danach ist nichts mehr, wie es war: Odin schleudert seinen Speer, die Mauer der Götterburg bricht, und die Welt hat ihren ersten Krieg.
Die nordische Götterfamilie ist nämlich zusammengesetzt. Njörðr, Freyr und Freyja gehören eigentlich nicht zu den Asen (altnordisch æsir, Singular áss), sondern zu den Wanen (vanir) – einem zweiten Göttergeschlecht, das man meist mit Fruchtbarkeit, Reichtum, Meer und Zauberei verbindet. Wie aus zwei verfeindeten Lagern eine Götterwelt wurde, erzählt der Mythos vom Wanenkrieg. Mehr zu den beiden Gruppen insgesamt findest du in unserem Beitrag über Asen und Vanen und im Porträt der Wanen.
Eine zusammenhängende Erzählung des Krieges gibt es nicht. Wir haben drei Texte, die jeweils ein anderes Stück zeigen – und die nicht ganz zusammenpassen:
Dazu kommen verstreute Hinweise: In der Gylfaginning und in den Eddaliedern Vafþrúðnismál und Lokasenna wird Njörðr ausdrücklich als Geisel bezeichnet.
In der Völuspá beginnt die Seherin mit einer Erinnerung. Im altnordischen Text (Strophe 21 in der Zählung der Standardausgabe nach Neckel/Kuhn) heißt es:
Sie erinnert sich an den ersten Volkskrieg der Welt, als sie Gullveig mit Speeren stießen und sie in Hárs Halle verbrannten; dreimal verbrannten sie die dreimal Geborene, oft, nicht selten – doch sie lebt noch.Völuspá 21, eigene Übertragung aus dem Altnordischen („þrisvar brenndu, þrisvar borna“)
Hár, „der Hohe“, ist ein Beiname Odins. Die Tat geschieht also mitten im Zentrum der Asenmacht. Der Name Gullveig setzt sich aus gull („Gold“) und veig zusammen; veig bedeutet im Altnordischen etwa „(berauschender) Trank“, wird aber auch mit „Kraft“ verbunden. Daher die gängigen Übersetzungen „Goldtrank“, „Goldrausch“ oder „Goldkraft“ – Simrock schreibt „Gulweig (die Goldkraft)“. Eindeutig ist keine davon.
Die nächste Strophe gibt ihr einen zweiten Namen: Heiðr. So habe man sie genannt, wohin sie auch kam – eine wahrsagende Völva, die seið übte, also jene Form der Zauberei, die in den Quellen mit Trance, Wahrsagen und Beeinflussung des Geistes verbunden ist. Ob Gullveig und Heiðr wirklich dieselbe Gestalt meinen oder ob die Heiðr-Strophe ursprünglich anders gemeint war, ist in der Forschung umstritten – manche beziehen den Namen sogar auf die Seherin selbst, die das Gedicht spricht.
Warum wird Gullveig verbrannt, und warum folgt daraus Krieg? Der Text sagt es nicht. Der Zusammenhang entsteht nur durch die Reihenfolge der Strophen: Gullveig, Heiðr, dann der Rat der Götter, dann der Krieg. Viele Ausleger schließen daraus, Gullveig sei eine Wanin gewesen und ihre Misshandlung der Auslöser. Das ist plausibel – aber es ist eine Schlussfolgerung, kein Quellentext. Ausführlich gehen wir auf die Gestalt in unserem eigenen Beitrag über Gullveig ein.
Eine der ältesten und zähesten Thesen setzt Gullveig mit Freyja gleich. Vertreten hat sie schon Karl Müllenhoff im 19. Jahrhundert, und sie taucht bis heute in der Forschung auf. Die Argumente sind nicht schlecht: Freyja ist die Wanengöttin schlechthin; nach Snorris Ynglinga saga brachte sie den Asen den Seiðr bei, genau die Kunst, die Heiðr in der Völuspá ausübt; und Freyja ist in der Dichtung eng mit Gold verbunden – in der Skaldik heißt Gold „Freyjas Tränen“, ihre Tochter heißt Hnoss, „Kleinod“.
Die Gegenargumente sind ebenso deutlich: Die Völuspá nennt Freyja an dieser Stelle nicht, und Snorri, der Freyja gut kannte, setzt sie nirgends mit Gullveig gleich. Die Gleichung ist eine moderne Kombination aus verstreuten Motiven. Sie kann stimmen – beweisen lässt sie sich nicht. Mehr zu ihr in unserem Porträt Freyja.
Nach den Gullveig-Strophen versammeln sich die Götter auf ihren Richterstühlen. Die Strophe (Völuspá 23 nach Neckel/Kuhn) stellt eine Frage, die verblüffend politisch klingt: Sollen die Asen afráð gjalda – eine Abgabe, einen Tribut leisten – oder sollen „alle Götter“ gildi eiga, also gleichen Anteil an Opfern und Festen haben?
Es geht hier also nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um Kult und Status: Wer wird verehrt, wer bekommt Opfer? Die Antwort gibt der Text nicht direkt – aber am Ende werden die Wanen Teil der Götterwelt.
Dann kommt die Strophe, die dem ganzen Mythos seinen berühmtesten Moment gibt:
Fleygði Óðinn ok í fólk of skaut, þat var enn fólkvíg fyrst í heimi; brotinn var borðveggr borgar ása, knáttu vanir vígspá völlu sporna.Völuspá 24 – sinngemäß, eigene Übertragung: „Odin schleuderte und schoss ins Heer hinein; das war noch der erste Volkskrieg der Welt. Zerbrochen war die Plankenwand der Asenburg; die Wanen konnten mit Kampfzauber die Felder stampfen.“
Simrock übersetzt die Zeile mit „Odhin schleuderte über das Volk den Spieß“, und weiter: „Gebrochen war der Burgwall den Asen, / Schlachtkundge Wanen stampften das Feld.“ (Simrock, Str. 28.)
Drei Dinge fallen auf. Erstens: Der Speerwurf über das feindliche Heer ist eine Kriegshandlung mit Ritualcharakter. In den Sagas begegnet der Speerwurf über die Gegner als alter Brauch, mit dem man sie wohl Odin weihte – die Götter tun hier, was Menschen später nachahmten.
Zweitens: Die Völuspá nennt den Speer nicht beim Namen. Dass es Gungnir war, ergänzen erst moderne Nacherzählungen.
Drittens: Die Mauer der Asen bricht – und zwar zugunsten der Wanen. Das Wort vígspá ist schwer zu übersetzen: wörtlich etwa „Kampf-Weissagung“, gemeint ist wohl Kriegszauber. Die Wanen siegen hier also nicht nur mit Waffen, sondern mit magischer Kraft. Das passt zum Bild der Wanen als Kenner von Zauber und Seiðr. Ob die zerstörte Mauer etwas mit der Geschichte vom Riesenbaumeister zu tun hat, der Asgard eine neue Mauer bauen will, ist eine verbreitete, aber nicht belegte Verbindung; Snorri selbst stellt sie nicht ausdrücklich her. Die Bauherren-Geschichte erzählen wir im Beitrag Der Mauerbau um Asgard.
In der Ynglinga saga klingt alles ganz anders. Snorri schreibt hier nicht über Götter, sondern über Menschen: Odin ist bei ihm ein mächtiger Herrscher aus Asien, die Asen ein Volk, die Wanen ein anderes. Im ersten Kapitel verortet er das Land der Wanen, Vanaland oder Vanaheimr, an einem Fluss namens Vanakvísl, der früher Tanakvísl geheißen habe – gemeint ist der Don, den die Antike Tanais nannte. Das ist gelehrte Etymologie des Mittelalters. Die Methode, Götter als später verehrte Menschen zu erklären, heißt Euhemerismus.
In Kapitel 4 zieht Odin mit großem Heer gegen die Wanen. Die wehren sich gut, keiner gewinnt die Oberhand, beide Seiten verheeren das Land des anderen. Als sie es leid sind, setzen sie ein Treffen an, schließen Frieden und tauschen Geiseln. Gullveig, Speerwurf und gebrochene Mauer kommen bei Snorri nicht vor. Er kannte die Völuspá wohl, schrieb aber eine nüchterne, fast politische Fassung.
Geiseln waren im Frühmittelalter ein gängiges Mittel, Verträge abzusichern: Wer Mitglieder der eigenen Elite beim Gegner lässt, bricht den Frieden nicht leichtfertig.
Die Wanen schicken ihre Besten: Njörðr den Reichen und seinen Sohn Freyr. Die Asen schicken Hœnir, einen großen und sehr schönen Mann, der ihnen als Häuptling geeignet schien, und Mímir, den Klügsten von allen. Dazu stellen die Wanen nach Snorri noch Kvasir, den Weisesten ihres Volkes – davon gleich mehr.
Freyja wird in der Ynglinga saga übrigens nicht als Geisel genannt. Sie erscheint im selben Kapitel als Njörðrs Tochter und als Opferpriesterin (blótgyðja), die als Erste den Asen den Zauber beibrachte, der bei den Wanen üblich war. Dass sie mit Vater und Bruder zu den Asen kam, ergibt sich aus dem Zusammenhang; die verbreitete Formel „Njörðr, Freyr und Freyja als Geiseln“ ist eine Vereinfachung.
Snorri erzählt noch ein pikantes Detail: Njörðr war bei den Wanen mit seiner eigenen Schwester verheiratet, denn das war dort Gesetz – aus dieser Ehe stammten Freyr und Freyja. Bei den Asen dagegen war es verboten, so nahe Verwandte zu heiraten. Die Wanen sind bei Snorri Fremde mit anderen Sitten.
Odin macht Njörðr und Freyr zu Opferpriestern, und sie werden bei den Asen zu díar, also Göttern. Über Njörðr erfährst du mehr in unserem Beitrag Njörðr – Gott des Meeres, über seinen Sohn in Freyr und die Wanen.
Der Friede hält – fast. Bei den Wanen wird Hœnir sofort zum Häuptling gemacht, Mímir berät ihn. Solange Mímir neben ihm steht, gibt Hœnir kluge Antworten. Ist Mímir nicht da und muss Hœnir allein entscheiden, sagt er stets nur: Mögen andere entscheiden. Die Wanen fühlen sich beim Tausch betrogen. Sie schlagen Mímir den Kopf ab und schicken ihn den Asen.
Odin nimmt den Kopf, so übersetzt es Samuel Laing 1844:
Odin took the head, smeared it with herbs so that it should not rot, and sang incantations over it.Ynglinga saga, Kap. 4, Übersetzung Samuel Laing (1844), gemeinfrei
Der Kopf spricht danach mit Odin und verrät ihm viele verborgene Dinge.
Bemerkenswert: Die Wanen töten nicht die nutzlose Geisel Hœnir, sondern den klugen Mímir – und ausgerechnet dessen Kopf wird zu Odins wertvollstem Ratgeber. Auch die Völuspá kennt diesen sprechenden Kopf: Vor Ragnarök „spricht Odin mit Míms Haupt“ (Str. 46 nach Neckel/Kuhn). Daneben steht eine zweite, ganz andere Mímir-Tradition – der Brunnen unter Yggdrasil, für dessen Trunk Odin ein Auge verpfändet. Wie beides zusammengeht, ist eine eigene Geschichte, die wir in Mimir – der Kopf, der weiterrät erzählen. Und der schweigsame Hœnir hat sein eigenes Porträt: Hœnir – der schweigende Gott.
Die dritte Quelle fügt dem Frieden ein Bild hinzu, das man nicht so schnell vergisst. In der Skáldskaparmál erklärt der Gott Bragi, woher die Dichtkunst kommt. Die gemeinfreie Übersetzung von Arthur Gilchrist Brodeur (1916) beginnt so:
The gods had a dispute with the folk which are called Vanir, and they appointed a peace-meeting between them …Skáldskaparmál, Übersetzung A. G. Brodeur (1916), gemeinfrei. Sinngemäß: „Die Götter lagen im Streit mit dem Volk, das man Wanen nennt, und sie setzten ein Friedenstreffen zwischen sich an …“
Bei diesem Treffen gehen beide Seiten zu einem Gefäß und spucken ihren Speichel hinein. Als sie auseinandergehen, wollen die Götter dieses Friedenszeichen nicht verkommen lassen und formen daraus einen Mann: Kvasir. Er ist so weise, dass ihm niemand eine Frage stellen kann, die er nicht beantwortet. Später töten ihn die Zwerge Fjalarr und Galarr, lassen sein Blut in die Gefäße Són, Boðn und den Kessel Óðrerir laufen, mischen es mit Honig – und so entsteht der Met, der jeden, der davon trinkt, zum Dichter oder Gelehrten macht. Wie Odin diesen Met später dem Riesen Suttungr raubt, erzählen wir in Kvasir & der Dichtermet.
Gemeinsames Spucken in ein Gefäß wirkt befremdlich, als Friedensritual aber verständlich: Was beide hineingeben, gehört keinem allein. Rudolf Simek verweist auf das gemeinschaftliche Kauen und Ausspucken von Früchten, um ein gärendes Getränk herzustellen. Den Namen Kvasir verbindet man oft mit dem slawischen kvas, einem gegorenen Getränk – sicher ist die Etymologie nicht.
Dass Snorri die Kvasir-Geschichte nicht frei erfunden hat, zeigt die Skaldendichtung: Schon im 10. Jahrhundert umschreibt der Skalde Einarr skálaglamm die Dichtung in seiner Vellekla als „Kvasirs Blut“ (Kvasis dreyri). Die Figur war also lange vor Snorri bekannt.
Snorri erzählt Kvasirs Herkunft in zwei Werken unterschiedlich. In der Skáldskaparmál ist Kvasir das Geschöpf aus dem gemeinsamen Speichel beider Göttergeschlechter. In der Ynglinga saga dagegen ist Kvasir ein Wane, „der Klügste unter ihnen“, den die Wanen als zusätzliche Geisel schicken.
Vielleicht kannte Snorri mehrere Überlieferungen und wählte die, die zum jeweiligen Werk passte – in der euhemeristischen Ynglinga saga ist ein menschlicher Gesandter glaubwürdiger als ein Mann aus Spucke. Entscheiden lässt sich das nicht. Der Widerspruch zeigt aber, dass Snorri kein Archivar war, sondern ein Autor, der seine Stoffe gestaltete.
Nach dem Friedensschluss gehören Njörðr, Freyr und Freyja in den Eddaliedern wie selbstverständlich zu den Göttern beim Fest. Und doch bleibt eine Spur von Fremdheit. Vafþrúðnismál lässt Njörðr am Weltende „zu den weisen Wanen“ heimkehren – er ist Geisel bis zuletzt. Die Völuspá wiederum lässt nach Ragnarök Hœnir das Los werfen: Der Ase, der bei den Wanen versagte, gehört zu den Göttern der neuen Welt. Ausgerechnet die beiden Geiseln des alten Krieges reichen also bis ans Ende der Zeiten. Wohin die Welt danach geht, erzählen wir in Was kommt nach Ragnarök?
Drei Richtungen haben die Forschung geprägt – alle drei sind Thesen, keine gesicherten Ergebnisse.
1. Erinnerung an einen Kultkonflikt. Die älteste Deutung sieht im Wanenkrieg das Echo eines realen Zusammenstoßes zweier Religionen: hier eine bäuerliche Fruchtbarkeitsreligion mit Göttern wie Njörðr, Freyr und Freyja, dort ein jüngerer, kriegerischer Kult um Odin, der sich – so die Annahme – von Süden her ausbreitete. Am Ende hätten sich beide vermischt. John Lindow nennt diese Sicht in seinem Handbuch; manche haben sie sogar als Spiegel der Ausbreitung indogermanischer Sprecher gelesen. Das Problem: Archäologisch lässt sich ein solcher Religionskonflikt nicht fassen, und die Einteilung in „bäuerlich“ und „kriegerisch“ ist grob – Freyja etwa empfängt nach dem Eddalied Grímnismál die Hälfte der Gefallenen.
2. Dumézils Dreifunktionentheorie. Der französische Religionswissenschaftler Georges Dumézil (1898–1986) nahm an, dass indogermanische Gesellschaften ihre Welt in drei Funktionen ordneten: Herrschaft und Heiliges, Krieg, und Fruchtbarkeit und Wohlstand. Die Asen um Odin und Tyr verkörpern für ihn die ersten beiden, die Wanen die dritte. Der Wanenkrieg ist dann kein Geschichtsbericht, sondern ein Gründungsmythos: Eine vollständige Gesellschaft entsteht erst, wenn die Funktionen nach einem Kampf zusammenfinden. Dumézil sah Parallelen in Rom und Indien. In der römischen Sagengeschichte kämpfen die Leute des Romulus gegen die reichen Sabiner, bis beide Völker verschmelzen und gemeinsam regieren (Livius, Buch 1). In der indischen Überlieferung werden die heilenden Zwillingsgötter, die Aśvins, nach Dumézils Lesart erst nach einem Konflikt mit Indra zum Somaopfer zugelassen; die Figur des Rausch-Ungeheuers Mada, die dabei auftritt, hat er mit Kvasir verglichen. Das Modell war enorm einflussreich, gilt Kritikern aber als zu glatt.
3. Soziale und politische Lesarten. Andere lesen den Mythos weniger als Erinnerung an Religionen, sondern als Bild für das, was die Menschen kannten: Fehde, Verhandlung, Geiselstellung, Bündnis durch Heirat und Austausch. Der Götterkrieg wäre dann ein Modell dafür, wie mächtige Familien Konflikte beilegten. Terry Gunnell hat zudem gefragt, ob Snorris Details – Priesterinnen, Geschwisterehe, fremde Zauberei – mündliche Erinnerungen an regionale Unterschiede in der vorchristlichen Religion bewahren. Auch das ist eine These, keine Gewissheit.
Ohne die großen Modelle bleibt eine erstaunlich moderne Geschichte: Der erste Krieg endet nicht mit einem Sieg, sondern im Patt, und der Friede ruht auf Menschen, die man dem anderen anvertraut, und auf etwas, das beide gemeinsam erschaffen.
Aus der Spucke zweier Feinde wird das klügste Wesen der Welt, aus dessen Blut die Dichtkunst. Wer im Norden ein Gedicht sprach, trank im übertragenen Sinn vom Frieden zwischen Asen und Wanen. Ein Gedanke, der uns in der Werkstatt gefällt: Etwas Bleibendes entsteht selten aus einer Hand allein. Und die Götter selbst? Sie verbrennen eine Frau, die sie nicht töten können, verlieren ihre Mauer, lassen sich beim Tausch übervorteilen – und verhandeln. Mehr über den Gott, der den ersten Speer warf, findest du in Odin – Weisheit um jeden Preis, den Text der Seherin in Völuspá – die Weissagung der Seherin.

Was ist der Wanenkrieg? Der Wanenkrieg ist in der nordischen Mythologie der erste Krieg der Welt, geführt zwischen den Asen um Odin und den Wanen um Njörðr. Er endet unentschieden mit einem Frieden und einem Geiselaustausch.
Wo steht der Wanenkrieg in der Edda? In der Völuspá der Lieder-Edda, Strophen 21–24 nach der Standardausgabe Neckel/Kuhn (in anderen Ausgaben abweichend nummeriert). Ausführlicher erzählt Snorri in der Ynglinga saga, Kapitel 4, und kurz in der Skáldskaparmál.
Wer gewann den Krieg zwischen Asen und Wanen? Niemand. Die Völuspá zeigt die Wanen kurz im Vorteil, nach Snorri gewann keine Seite die Oberhand.
Welche Götter wurden als Geiseln ausgetauscht? Die Wanen gaben Njörðr und Freyr (nach der Ynglinga saga zusätzlich Kvasir), die Asen gaben Hœnir und Mímir. Freyja kam mit ihrem Vater zu den Asen, wird aber nicht ausdrücklich als Geisel genannt.
Was hat Kvasir mit dem Wanenkrieg zu tun? Nach der Skáldskaparmál spuckten Asen und Wanen zum Friedensschluss in ein Gefäß, und daraus formten die Götter Kvasir. Aus seinem Blut brauten die Zwerge später den Dichtermet.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Asen & Wanen – das Pantheon · Njörd, Freyr & Freyja · Kvasir & der Dichtermet · Gungnir · Asgard.
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