Zu Füßen des Göttervaters liegen zwei Wölfe: Geri und Freki – beide Namen bedeuten „der Gierige". In der Halle Walhall gibt Odin ihnen jedes Stück Fleisch von seinem Tisch und lebt selbst nur vom Wein.
Odin ist von Tieren umgeben, die seine Wesenszüge spiegeln: die Raben Hugin und Munin („Gedanke" und „Erinnerung") bringen ihm Kunde aus aller Welt, das achtbeinige Ross Sleipnir trägt ihn zwischen den Welten – und die Wölfe Geri und Freki begleiten ihn als Herrn des Schlachtfelds. Denn Wolf und Rabe sind die Tiere, die den Gefallenen folgen; wo Odin waltet, sind sie nie fern.
„Geri und Freki sättigt der siegfrohe Heervater; / doch von Wein allein lebt der waffenherrliche Odin ewig.“— nach Grímnismál 19, Karl Simrock (gemeinfrei)
Der Wolf ist Odins Tier, weil Odin der Gott der Schlacht und der Toten ist – und Wolf und Rabe sind es, die den Gefallenen folgen. In der altnordischen wie der altenglischen Dichtung bilden „Wolf, Rabe und Adler" die feststehenden Tiere der Schlacht, die dem Kampf vorausgehen. Odins wildeste Krieger, die Úlfheðnar („Wolfshäuter"), trugen Wolfsfelle und kämpften in rauschhafter Raserei – Wölfe in Menschengestalt.
So sind Geri und Freki mehr als Haustiere an einem Thron: Sie sind ein Sinnbild für das Doppelgesicht des Kriegsgotts, der zugleich Weisheit und Verheerung verkörpert. Wer sie zähmt, gebietet über die Bestie im Menschen.
Odin · Walhall · Die Einherjer · Der Fenriswolf.
Grímnismál 19 (Lieder-Edda), deutsch gemeinfrei Karl Simrock; Snorri, Gylfaginning 38. Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie.