Bevor es Götter gab, bevor die Welt geformt war, gab es zwei Wesen im Frost: den Urriesen Ymir und eine gewaltige Kuh. Audhumla, die Urkuh, nährte den Riesen mit ihrer Milch – und leckte aus dem salzigen Eis den ersten Gott hervor.
Als das Feuer Muspelheims auf den Frost Niflheims traf, schmolz der Reif in der Urleere Ginnungagap. Aus den Tropfen entstanden Ymir – und Audhumla, deren Name „die hornlose, milchreiche Kuh" bedeutet.
Aus Audhumlas Euter flossen vier Milchströme, die Ymir tränkten. Sie selbst nährte sich, indem sie die salzigen Reifsteine leckte. Am ersten Tag kam unter ihrer Zunge ein Männerhaar zum Vorschein, am zweiten ein Kopf, am dritten der ganze Mann: Buri, der erste Gott und Ahnherr der Asen. Sein Enkel war Odin. So steht am Anfang aller Götter eine Kuh – Sinnbild der nährenden Kraft, aus der alles Leben kommt.
„Audhumla hieß die Kuh; vier Milchströme
rannen aus ihren Zitzen;
sie leckte die reifbedeckten Steine."
— nach Gylfaginning (Snorri), Simrock-Tradition, gemeinfrei
Audhumla ist eine der ältesten Gestalten der nordischen Schöpfung. Als am Anfang aus dem Schmelzwasser des Urnebels Leben entstand, kam mit dem Riesen Ymir zugleich die gewaltige Kuh Audhumla hervor – Sinnbild der nährenden Urkraft.
Aus Audhumlas Eutern flossen vier Milchströme, die den Urriesen Ymir nährten. So steht am Beginn der Welt kein Krieg, sondern ein Bild von Nahrung und Fürsorge – die Kuh als Amme des ersten Wesens.
Audhumla selbst nährte sich, indem sie salzige Reifsteine ableckte. Aus dem Eis leckte sie über drei Tage einen Mann frei: Buri, den Stammvater der Götter und Großvater Odins. So verdankt das Göttergeschlecht seinen Ursprung einer Kuh.
Diese Szene gehört zu den poetischsten der nordischen Mythologie: Aus Eis und Salz, Milch und Geduld entsteht das Leben. Rind und Viehzucht waren die Lebensgrundlage der Nordleute – kein Wunder, dass die Urkuh am Anfang der Welt steht.

Ymir & die Weltentstehung · Ginnungagap · Niflheim · Ask & Embla · Odin.
Snorri Sturluson, Gylfaginning (um 1220), deutsche gemeinfreie Edda-Tradition: Karl Simrock (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology.
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