Blog / Die neun Welten

Ask und Embla

Mythologie Ask und Embla, das erste Menschenpaar am Meeresufer

Die Welt war geordnet, die Sonne lief ihre Bahn – doch der Strand lag leer. Da fanden drei Götter am Meeresufer zwei Stücke Treibholz und machten daraus das erste Menschenpaar: Ask und Embla. Von ihnen, so die Edda, stammen wir alle ab.

Ask („Esche") und Embla (vermutlich „Ulme" oder „Efeu/Ranke") waren zunächst leblose Baumstämme ohne Schicksal. Erst die Gaben der Götter machten sie zu Menschen.

Drei Gaben, ein Mensch

Nach der Völuspá kamen drei Asen ans Ufer: Odin, Hönir und Lodurr (bei Snorri: Odin, Vili und Vé). Sie fanden Ask und Embla „kraftlos, schicksallos". Odin gab ihnen den önd – den Atem, den Lebenshauch; Hönir den óðr – Verstand und Bewegung; Lodurr und litr góðr – Wärme, Blut und blühende Farbe. So wurde aus totem Holz lebendiger Mensch, in Midgard zuhause.

„Odin gab den Odem, Hönir den Sinn,
Lodurr gab Blut und blühende Farbe."
— Völuspá 18, Übersetzung Karl Simrock (1851, gemeinfrei)
Beleg & Quellen. Die Schöpfung von Ask und Embla steht in der Völuspá (Str. 17–18) und in Snorris Gylfaginning. Auffällig: Die drei Geber heißen in den beiden Quellen unterschiedlich (Hönir/Lodurr vs. Vili/Vé). Die Deutung der Baumnamen ist nicht ganz sicher – „Esche" für Ask gilt als gesichert, „Embla" wird meist als Ulme oder als Wort für eine Ranke gedeutet.

Mythos & Deutung. Dass der Mensch aus Bäumen wird, ist ein uraltes, weit verbreitetes Bild – und im baum- und holzreichen Norden besonders stimmig. Der Mensch trägt drei göttliche Gaben in sich: Atem, Geist und warmes Blut. Für uns als Manufaktur, die mit Holz arbeitet, ist der Gedanke schön: Im Werkstoff steckt Leben, wenn man ihm die richtige Form gibt.

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Quellen & Literatur

Völuspá (Lieder-Edda), deutsch gemeinfrei: Karl Simrock (1851). Snorri Sturluson, Gylfaginning. Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology.

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