Ask und Embla sind nach der Edda das erste Menschenpaar der nordischen Mythologie: Drei Götter finden zwei leblose Wesen ohne Schicksal und schenken ihnen Atem, Geist, Lebenswärme und Farbe. Ask heißt sicher „Esche“, was Embla bedeutet, ist bis heute umstritten. Wir zeigen dir, was wirklich in der Völuspá und bei Snorri steht, wo sich die Quellen widersprechen, was hinter den Namen stecken könnte und warum das Paar heute auf Hochzeitsgeschenken landet.
Jede Kultur muss irgendwann die große Kinderfrage beantworten: Woher kommen eigentlich die Menschen? Die Bibel antwortet mit Lehm und göttlichem Atem. Der Norden antwortet mit Holz. Zwei Stück davon, irgendwo an einer Küste, kraftlos und ohne Zukunft. Dann kommen drei Götter vorbei, und aus dem, was eben noch Brennholz hätte sein können, werden Mann und Frau. Das ist knapp erzählt, fast beiläufig, und gerade deshalb so stark.
Bevor wir in die Deutung gehen, sortieren wir die Lage: Es gibt genau zwei mittelalterliche Texte, die Ask und Embla als erste Menschen erzählen. Beide stammen aus Island, beide sind im 13. Jahrhundert aufgeschrieben worden, also gut zweihundert Jahre nach der offiziellen Christianisierung der Insel um das Jahr 1000. Archäologische Belege, Runeninschriften oder zeitgenössische Berichte über Ask und Embla gibt es nicht. Alles, was wir wissen, steht in diesen beiden Textstellen – und in dem, was die Forschung aus ihnen herausliest.
Die ältere Quelle ist die Völuspá, der „Seherin Gesicht“, das Eröffnungsgedicht der Lieder-Edda. Es ist im Codex Regius (um 1270) und in etwas anderer Form in der Hauksbók (frühes 14. Jahrhundert) überliefert. Wann es gedichtet wurde, weiß niemand genau; viele Forscher denken an das späte 10. oder frühe 11. Jahrhundert, also an die Zeit des Glaubenswechsels. Darin erzählt eine Völva, eine Seherin, Odin die Geschichte der Welt vom Anfang bis zum Untergang.
Nach der Erschaffung der Welt, der Ordnung der Gestirne und einem langen Einschub über die Zwerge heißt es in Strophe 17 (Text nach der Ausgabe Neckel/Kuhn, normalisiert):
Unz þrír kómu / ór því liði / ǫflgir ok ástkir / æsir at húsi, / fundu á landi / lítt megandi / Ask ok Emblu / ørlǫglausa.Völuspá 17, altnordischer Text
Sinngemäß übertragen: Bis drei aus jener Schar kamen, kraftvolle und liebreiche Asen, zu einem Haus oder einer Wohnstatt. Sie fanden auf dem Land, wenig vermögend, Ask und Embla, ohne Schicksal. Karl Simrock hat das 1851 so gefasst:
Gingen da dreie aus dieser Versammlung, / Mächtige, milde Asen zumal, / Fanden am Ufer unmächtig / Ask und Embla und ohne Bestimmung.Völuspá 17, Übersetzung Karl Simrock (1851, gemeinfrei)
Achte auf ein Detail: Simrock schreibt „am Ufer“, im altnordischen Text steht aber á landi, wörtlich „auf dem Land“. Der Strand kommt erst bei Snorri ins Spiel. Und dann die berühmte Strophe 18:
Besaßen nicht Seele, und Sinn noch nicht, / Nicht Blut noch Bewegung, noch blühende Farbe. / Seele gab Odhin, Hönir gab Sinn, / Blut gab Lodur und blühende Farbe.Völuspá 18, Übersetzung Karl Simrock (1851, gemeinfrei)
Im Original sind es fünf Begriffe, die das Gedicht erst verneint und dann verteilt. Sie zeigen, was man sich im Norden unter einem lebendigen Menschen vorstellte.
Ǫnd gibt Odin. Das Wort heißt „Atem“ und ist mit dem lateinischen animus und anima verwandt. Gemeint ist der Lebenshauch, das, was einen Körper vom Gegenstand unterscheidet. Simrocks „Seele“ klingt für heutige Ohren zu christlich.
Óðr gibt Hœnir. Das ist ein Wort mit vielen Schichten: Geist, Verstand, Erregung, Sinn, auch Dichtergabe und Raserei. Es ist dasselbe Wort, das im Namen Odins (Óðinn) und in Óðr, dem verschwundenen Gatten Freyjas, steckt. Ausgerechnet der schweigsame, oft als begriffsstutzig geschilderte Hœnir schenkt den Menschen also den Geist. Eine hübsche Ironie.
Lá, læti und litr gibt Lóðurr. Lá ist das dunkelste Wort der Reihe. Übersetzt wird es mit „Blut“, „Lebenssaft“ oder „Lebenswärme“; sicher ist keine dieser Deutungen. Læti meint Gebärden, Bewegung, Stimme, das ganze lebendige Gebaren eines Menschen. Litu góða schließlich heißt „gute Farbe“, also eine gesunde, lebendige Gesichtsfarbe. Weil die Handschriften Vokallängen nicht zuverlässig markieren, lässt sich die Stelle auch als litu goða lesen: „die Farbe, das Aussehen der Götter“. Dann hätten die Menschen ein göttliches Antlitz bekommen. Beide Lesarten haben ihre Anhänger.
Zusammen ergibt sich ein genaues Bild: Ein Mensch ist Atem, Geist, warmer Körpersaft, Bewegung und Ausdruck. Holz ist nur lítt megandi, „wenig vermögend“.
Das schönste Wort steht am Ende von Strophe 17: ørlǫglausa, „schicksallos“. Ørlǫg ist das Ur-Gelegte, das, was am Anfang festgesetzt wird und einem Leben seine Bahn gibt. Ask und Embla haben es noch nicht. Sie sind nicht nur leblos, sie sind auch ohne Geschichte.
Und jetzt wird es interessant. Direkt danach, in den Strophen 19 und 20, erzählt die Seherin von der Esche Yggdrasil, dem Brunnen an ihrem Fuß und den drei Nornen, die den Menschenkindern Gesetze legen, Leben bestimmen und ørlǫg verkünden. Das Gedicht stellt also bewusst zwei Bilder nebeneinander: hier zwei Hölzer ohne Schicksal, dort der Weltbaum, an dessen Wurzeln das Schicksal zugeteilt wird. Ob die Menschen ihr Schicksal schon bei der Belebung durch die Götter oder erst später durch die Nornen erhalten, lässt der Text offen.
Die zweite Quelle ist die Prosa-Edda des Isländers Snorri Sturluson, geschrieben um 1220/1230. Im Teil Gylfaginning („Gylfis Betörung“) erklärt eine rätselhafte Dreiheit dem schwedischen König Gylfi die Welt. Nachdem die Götter aus dem Leib des Urriesen Ymir Erde, Meer und Himmel gemacht haben, folgt die Menschenschöpfung. In eigener Übertragung:
Als die Söhne Borrs am Meeresstrand entlanggingen, fanden sie zwei Bäume. Sie hoben die Bäume auf und schufen daraus Menschen. Der erste gab Atem und Leben, der zweite Verstand und Bewegung, der dritte Antlitz, Sprache, Gehör und Sicht. Sie gaben ihnen Kleider und Namen: Der Mann hieß Askr, die Frau Embla. Von ihnen stammt das Menschengeschlecht ab, dem die Wohnstatt in Midgard gegeben wurde.Gylfaginning 9, eigene Übertragung nach dem altnordischen Text
Wer genau hinsieht, bemerkt sofort die Unterschiede. Bei Snorri sind es eindeutig tré tvau, zwei Bäume (oder Stämme), und sie liegen am sævarstrǫnd, am Meeresstrand. Daher kommt das verbreitete Bild vom Treibholz. Das Wort „Treibholz“ steht allerdings in keiner der beiden Quellen. Es ist eine naheliegende, sehr isländische Deutung: Auf einer fast baumlosen Insel war angeschwemmtes Holz aus Sibirien und Skandinavien ein kostbarer Rohstoff.
Die Gaben klingen bei Snorri anders. Atem und Leben, Verstand und Bewegung entsprechen ungefähr der Völuspá. Die dritte Gabe ist bei ihm aber sehr konkret: Gesicht, Sprache, Gehör und Sehkraft. Und es gibt ein neues Element, das der Völuspá fehlt: Kleidung und Namen. Das Wort „schicksallos“ dagegen fehlt bei Snorri.
Der größte Unterschied betrifft die Schöpfer. In der Völuspá sind es Odin, Hœnir und Lóðurr. Bei Snorri sind es die „Söhne Borrs“, und das sind nach Gylfaginning 6 Odin und seine Brüder Vili und Vé, dieselben drei, die zuvor Ymir getötet haben. Snorri ordnet die Gaben nicht einzelnen Namen zu; er spricht nur vom ersten, zweiten und dritten.
Warum dieser Wechsel? Die einfachste Erklärung: Snorri baute ein geschlossenes System. Wenn die Brüder Odin, Vili und Vé die Welt erschaffen, liegt es nahe, sie auch die Menschen machen zu lassen. Ältere Forscher wie Eugen Mogk und Sigurður Nordal haben deshalb vermutet, dass Snorri die Göttertrios vereinheitlicht hat. Dass Snorri die Völuspá kannte, steht fest, denn er zitiert sie an vielen anderen Stellen ausführlich. Gerade diese beiden Strophen zitiert er aber nicht. Möglich ist also auch, dass er eine andere Überlieferung vor sich hatte. Sicher entscheiden lässt sich das nicht.
Und wer ist Lóðurr? Ehrlich gesagt: Wir wissen es nicht. Der Name taucht außer in Völuspá 18 fast nirgends auf. Seit dem 19. Jahrhundert wird er gern mit Loki gleichgesetzt, weil das Trio Odin, Hœnir und Loki auch sonst gemeinsam reist, etwa in der Geschichte um den Riesen Thjazi oder um das Otterwergeld. Henry Adams Bellows hielt Lóðurr 1923 für einen älteren Namen Lokis und verband seine Gabe der Wärme mit einem alten Feuergott. Reizvoll, aber nicht belegt. Die Gleichsetzung ist umstritten, und manche Forscher halten Lóðurr für eine eigenständige, früh vergessene Gottheit.
Eine Frage bleibt offen: Waren Ask und Embla schon menschenähnliche Figuren, als die Götter sie fanden? Manche Forscher lesen die Völuspá genau so. Unmittelbar vor Strophe 17 steht der lange Abschnitt über die Zwerge, und in Strophe 10 heißt es, die Zwerge hätten „viele Menschengestalten“ (mannlíkun mǫrg) aus der Erde gemacht. Daraus ist die Vermutung entstanden, die Zwerge hätten die Rohformen geschaffen und die Götter sie nur noch belebt. Ob dieser Zusammenhang gewollt ist oder nur ein Zufall der Anordnung, bleibt Spekulation, zumal der Zwergenkatalog vielen Forschern als späterer Einschub gilt.
Eine weitere Stelle wird oft herangezogen. In den Hávamál (Strophe 49) erzählt Odin, er habe einmal seine Kleider zwei trémenn gegeben, zwei „Holzmännern“ auf dem Feld. Bekleidet sahen sie stattlich aus, der nackte Mann dagegen wird verlacht. Gemeint sind wohl hölzerne Figuren. Weil Snorri betont, dass die ersten Menschen Kleider bekamen, hat man hier einen Nachhall eines verlorenen Mythos vermutet. Beweisen lässt sich das nicht.
Archäologisch gibt es tatsächlich große hölzerne Menschenfiguren aus dem Norden. Die bekanntesten sind die beiden Figuren aus dem Moor von Braak in Schleswig-Holstein, 1947 entdeckt: ein Mann von rund 2,75 Metern und eine Frau von rund 2,30 Metern, aus natürlich gegabelten Eichenästen geschnitzt und in die vorrömische Eisenzeit datiert, also Jahrhunderte vor der Wikingerzeit. Die britische Religionshistorikerin Hilda Ellis Davidson hat erwogen, ob solche Paare mit der Tradition um Ask und Embla zusammenhängen. Mehr als eine Möglichkeit ist das nicht.
Beim ersten Namen ist sich die Forschung einig: Altnordisch askr bedeutet „Esche“, urgermanisch *askaz, verwandt mit unserem deutschen Wort. Askr konnte im Altnordischen auch Gegenstände aus Eschenholz bezeichnen, etwa einen Speer oder ein Schiff.
Die Esche ist im Norden kein beliebiger Baum. Yggdrasil, der Weltbaum, wird in der Völuspá ausdrücklich eine Esche genannt. Der erste Mann trägt also den Namen des Baums, der die Welten trägt. Ob das ein bewusster Bezug ist, wissen wir nicht, diskutiert wird er seit Langem. Mehr über heilige Bäume im germanischen Raum findest du bei uns in einem eigenen Beitrag.
Dazu passt ein Befund aus der Dichtung: In der Skaldensprache werden Männer und Frauen ständig mit Baumwörtern umschrieben. Ein Krieger kann ein „Baum der Schlacht“ sein, eine Frau ein „Baum des Goldes“ oder des Schmucks. Diese Umschreibungen, Kenningar genannt, sind so häufig, dass Carolyne Larrington sie mit dem Mythos vom Baum-Menschen in Verbindung gebracht hat.
Bei Embla wird es schwierig. Der Name lässt sich nicht überzeugend deuten, und manche Forscher sehen gerade darin ein Zeichen für hohes Alter. Die wichtigsten Vorschläge im Überblick:
Die Rebe- und Feuer-Deutungen hängen zusammen. Beim Feuermachen mit dem Feuerbohrer dreht man einen harten Holzstab in einem weicheren Unterholz, bis Glut entsteht. Wäre Ask der harte Bohrer und Embla das weiche Holz, dann wäre die Menschenschöpfung zugleich ein Bild für Zeugung und Feuer. In vielen indogermanischen Kulturen ist das Feuerbohren eng mit sexueller Symbolik verbunden. Das klingt überzeugend, hat aber einen Haken: Einen Beleg dafür, dass man im Norden ausgerechnet Eschenholz als Bohrer benutzte, gibt es nicht. Was Embla heißt, wissen wir nicht.
Ask und Embla stehen nicht allein. Der Gedanke, dass Menschen aus Bäumen oder Holz entstehen, ist in Europa und bei indogermanischen Völkern weit verbreitet, während in Mesopotamien und im Alten Testament Lehm und Erde vorherrschen. Der schwedische Religionshistoriker Anders Hultgård hat das 2006 vergleichend untersucht.
Bei Hesiod (um 700 v. Chr.) erschafft Zeus das eherne, bronzene Menschengeschlecht „aus Eschen“. In der iranischen Überlieferung wachsen die ersten Menschen, Mašya und Mašyāna, als Pflanze aus der Erde, zunächst zu einem einzigen Gewächs verbunden, bevor sie sich trennen. Und in der langobardischen Herkunftssage aus dem 7. Jahrhundert tauchen zwei Anführer der Vandalen namens Ambri und Assi auf, ein Namenspaar, das manche an Embla und Ask erinnert.
Für die germanische Welt ist die älteste Ursprungsgeschichte aber eine andere. Um 98 n. Chr. schreibt der Römer Tacitus in seiner Germania (Kapitel 2), die Germanen besängen in alten Liedern den erdgeborenen Gott Tuisto und dessen Sohn Mannus als Ursprung und Gründer ihres Volkes. Von den drei Söhnen des Mannus stammten die Ingaevonen, Herminonen und Istaevonen ab. Das ist kein erstes Menschenpaar, sondern eine Stammväter-Genealogie, über tausend Jahre vor der Edda. Es zeigt aber: Germanische Völker hatten eigene Herkunftsmythen.
Eine Spur führt sogar in unsere Nähe. Im dritten Kapitel der Germania berichtet Tacitus, manche hielten Asciburgium am Rhein für eine Gründung des Odysseus. Asciburgium ist das heutige Asberg bei Moers am Niederrhein. Die Sprachwissenschaftler Krzysztof Tomasz Witczak und Elwira Kaczyńska haben 2015 die These vertreten, hinter dem Namen stecke ein germanischer Wanderer *Askiz, und Völuspá 17–18 erzähle gar keine Schöpfung, sondern die Wiederbelebung zweier Gestalten aus dessen Sagenkreis. Das ist eine Minderheitenmeinung.
Snorri gibt Ask und Embla und ihren Nachkommen eine feste Adresse: Midgard, altnordisch Miðgarðr, „der mittlere Hof“ oder „das umzäunte Land in der Mitte“. Nach Gylfaginning 8 machten die Götter aus Ymirs Augenbrauen einen Wall um das bewohnte Land, als Schutz gegen die Riesen, und nannten diese Burg Midgard. Draußen liegt das wilde Land der Riesen, darum herum das Meer, in dem die Midgardschlange liegt.
Ein bäuerliches Weltbild: Die ersten Menschen kommen nicht in ein Paradies, sondern auf einen umzäunten Hof inmitten der neun Welten.
Besonders reizvoll ist der Bogen zum Ende der Welt. Wenn nach Ragnarök eine neue Welt aufsteigt, beginnt auch die Menschheit neu, und wieder hat das mit Holz zu tun: Lif und Lifthrasir überleben nach den Vafþrúðnismál verborgen im Gehölz Hoddmímis. Die Menschheit beginnt mit zwei Hölzern am Ufer und überlebt den Weltuntergang in einem Wald. Ob dieser Rahmen gewollt ist, wissen wir nicht.
Heute begegnet dir das Paar an vielen Stellen. Im südschwedischen Sölvesborg steht eine Skulptur von Stig Blomberg aus dem Jahr 1948, am Rathaus von Oslo erscheint das Paar in den bemalten Holzreliefs von Dagfin Werenskiold, die Szenen aus der nordischen Mythologie zeigen. In Norwegen und Schweden sind Embla und Ask seit einigen Jahren als Vornamen in Gebrauch, Embla sogar recht häufig. Wenn du nach weiteren Namen suchst, schau in unsere Übersicht der nordischen Mädchennamen.
Vor allem aber sind Ask und Embla zu einem Paar- und Hochzeitssymbol geworden. Bei Trauungen nach heidnischem Brauch, bei nordisch inspirierten Hochzeiten und auf Geschenken für Brautpaare tauchen ihre Namen auf, oft als zwei ineinander verschlungene Bäume. Hier müssen wir ehrlich sein: Aus der Wikingerzeit ist keine einzige Quelle bekannt, die Ask und Embla mit Hochzeit oder Ehe verbindet. Die Edda erzählt nicht einmal, dass die beiden ein Ehepaar waren, nur dass von ihnen die Menschheit abstammt. Die Deutung als Liebes- und Paarsymbol ist modern.
Falsch ist sie deshalb nicht. Ein Brautpaar, das sich auf Ask und Embla beruft, sagt im Grunde: Wir sind zwei verschiedene Hölzer, aus denen etwas Lebendiges wird. Wie solche Feiern heute gestaltet werden, haben wir in unseren Beiträgen zu heidnischen Lebensfeiern und zu nordischen Geschenken zu Hochzeit und Taufe beschrieben.
Für uns als Familienbetrieb, der in Holz, Schiefer und Glas graviert, ist Ask und Embla fast ein Werkstattmythos. Wenn du das Paar als Motiv möchtest, empfehlen wir, nah an der Quelle zu bleiben: zwei Stämme, eine Esche mit ihren typischen gefiederten Blättern und daneben ein zweiter Baum. Weil Emblas Baum unbekannt ist, darfst du hier frei wählen, ob Ulme, Ranke oder ein ganz eigener Baum. Darunter passen die beiden Namen und das Hochzeitsdatum.
Wer Runen möchte, sollte wissen: Die Namen sind altnordisch, also gehört dazu das jüngere Futhark der Wikingerzeit. Das kennt kein eigenes Zeichen für e; Embla wird darin mit der i-Rune geschrieben. Ein Satz aus der Völuspá eignet sich ebenfalls, etwa ǫnd gaf Óðinn, „Atem gab Odin“. Welche Runenreihe für welchen Zweck passt, erklären wir in Welche Rune gravieren?. Auf einer Baumscheibe aus echtem Holz wirkt das Motiv besonders stimmig, denn dort kehrt die Geschichte in ihr Material zurück. Mehr dazu findest du auch auf unserer Seite zur Hochzeitsgravur.

Wer sind Ask und Embla? Ask und Embla sind nach der Edda die ersten Menschen der nordischen Mythologie. Drei Götter fanden sie leblos und ohne Schicksal und schenkten ihnen Atem, Geist und Leben; von ihnen stammt die ganze Menschheit ab.
Was bedeutet der Name Embla? Das ist ungeklärt. Am häufigsten liest man „Ulme“, sprachlich ist das aber schwierig; daneben gibt es Deutungen als Rebe oder Ranke, als Feuermacherin und weitere Vorschläge. Sicher ist nur die Bedeutung von Ask: Esche.
Welche Götter erschufen Ask und Embla? In der Völuspá sind es Odin, Hœnir und Lóðurr, bei Snorri die Söhne Borrs, also Odin, Vili und Vé. Die beiden Quellen widersprechen sich hier.
Wurden Ask und Embla aus Treibholz gemacht? Snorri spricht von zwei Bäumen am Meeresstrand, die Völuspá nennt kein Material. Treibholz ist eine naheliegende moderne Deutung, steht aber in keiner Quelle.
Sind Ask und Embla das nordische Adam und Eva? Sie erfüllen eine ähnliche Rolle, doch die Forschung hält sie heute überwiegend für eine eigenständige Überlieferung mit indogermanischen Parallelen. Christlicher Einfluss auf Snorris Darstellung ist in Details möglich.
Wo lebten Ask und Embla? Nach Snorri erhielten die Menschen Midgard als Wohnort, das von den Göttern umwallte Land in der Mitte der Welt.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
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