Midgard (altnordisch Miðgarðr) ist in der nordischen Mythologie die Welt der Menschen: der „eingehegte Ort in der Mitte“, nach der Edda von den Söhnen Burs aus dem Meer gehoben und laut Snorri mit einem Wall aus den Brauen des Urriesen Ymir gegen die Riesen geschützt. Draußen liegt das Weltmeer mit der Midgardschlange. Das Wort selbst ist viel älter als die Edda – Goten, Angelsachsen, Sachsen und Bayern kannten es lange vor der Wikingerzeit. Hier trennen wir Beleg, späte Überlieferung und moderne Deutung.
Du stehst gerade in Midgard. Kein Witz: Wenn ein Wikinger von der Welt sprach, in der Menschen säen, Häuser bauen, heiraten und sterben, dann nannte er sie so. Midgard ist kein fernes Götterreich und kein Fantasy-Kontinent, sondern die bewohnte Erde unter den eigenen Füßen – gedacht als eingezäunter Hof inmitten einer Welt, die draußen kalt, nass und voller Riesen ist. Das macht den Begriff so stark. Er erzählt in einem einzigen Wort, wie Menschen ihre Welt geordnet haben: drinnen das Vertraute, draußen das Bedrohliche, dazwischen ein Zaun.
Der Name besteht aus zwei schlichten Teilen. Mið- heißt „Mitte, mittlere“, verwandt mit unserem „mittel“ und dem englischen „middle“. Garðr ist im Altnordischen zuerst der Zaun, dann das, was ein Zaun umschließt: der Hof, das Gehöft, ein eingefriedetes Stück Land. Dasselbe Wort steckt in unserem „Garten“ und im englischen „yard“. Die Sprachwissenschaft setzt als gemeinsame Vorform ein urgermanisches *midja-gardaz an (der Stern zeigt: erschlossen, nicht überliefert), also wörtlich „eingehegter Ort in der Mitte“.
Wichtig ist der Zaun. Ein garðr ist kein natürlicher Ort, sondern etwas Gemachtes. Wer einen Zaun zieht, schafft ein Innen und ein Außen. Midgard ist deshalb von Anfang an nicht einfach „die Erde“ im geografischen Sinn, sondern die kultivierte, geordnete, von Menschen bewohnte Welt. Das passt zu einer bäuerlichen Gesellschaft, in der der Hofzaun buchstäblich die Grenze zwischen Sicherheit und Wildnis markierte.
Hier wird es richtig spannend, denn Midgard ist kein isländisches Sonderwort. Die ältesten Belege stammen ausgerechnet aus christlichen Texten. Der gotische Bischof Wulfila übersetzte im 4. Jahrhundert die Bibel ins Gotische und brauchte ein Wort für den griechischen Begriff oikoumene, die bewohnte Welt. Er wählte midjungards. Im Lukasevangelium, wo Kaiser Augustus befiehlt, den ganzen Erdkreis zu schätzen, steht in der Gotenbibel dieses Wort. Die gotische Form hat ein zusätzliches -n- im ersten Glied, meint aber dasselbe.
In England taucht das Wort als middangeard auf, und zwar an prominenter Stelle. Der sogenannte Hymnus des Cædmon, der in Handschriften von Bedas Kirchengeschichte (um 731) überliefert ist und als eines der ältesten erhaltenen englischen Gedichte gilt, preist Gott als den, der „danach den middangeard“ für die Menschen schuf. Im Beowulf kommt middangeard mehrfach vor, ebenso in der geistlichen Dichtung, etwa im Gedicht Crist (Christ I) mit seiner berühmten Anrufung des Earendel, des „hellsten der Engel, über middangeard den Menschen gesandt“ – ein Vers, der später noch eine Rolle spielt.
Auf dem Kontinent hielt sich das Wort ebenfalls. Der altsächsische Heliand, eine Evangeliendichtung aus dem 9. Jahrhundert, spricht von Dingen, die „über middilgard“ geschehen. Und im althochdeutschen Muspilli, einem bayerischen Gedicht über das Weltende aus dem 9. Jahrhundert, steht in Vers 54 ein Halbvers, der jeden Edda-Kenner aufhorchen lässt: mano uallit, prinnit mittilagart – „der Mond fällt, Mittelgart brennt“.
Halt einen Moment inne. Ein christlicher Text aus Bayern beschreibt das Weltende mit dem Bild eines brennenden Mittelgarts, und Jahrhunderte später erzählt die isländische Völuspá, wie bei Ragnarök die Welt im Feuer vergeht. Ob dahinter ein gemeinsames vorchristliches Bild steckt oder ob beide unabhängig aus christlicher Endzeitvorstellung schöpfen, ist in der Forschung umstritten. Sicher ist nur: Das Wort für die Menschenwelt war über den ganzen germanischen Sprachraum verbreitet, bevor Island überhaupt besiedelt wurde.
Die wichtigste mythologische Stelle steht gleich am Anfang der Völuspá, der „Weissagung der Seherin“, dem großen Eröffnungslied der Lieder-Edda. Die Seherin erinnert sich an die Zeit, als es noch nichts gab: keinen Sand, kein Meer, keine kühlen Wellen, keine Erde und keinen Himmel, nur eine gähnende Kluft – das Ginnungagap. Dann folgt Strophe 4. Im Altnordischen beginnt sie mit Áðr Burs synir bjǫðum um yppðu. In eigener, möglichst wörtlicher Übertragung:
Bis Burs Söhne die Böden erhoben,
sie, die den herrlichen Midgard schufen;
die Sonne schien von Süden auf die Steine des Saals,
da war der Grund bewachsen mit grünem Lauch.Völuspá 4, eigene Übertragung aus dem Altnordischen
Bei Karl Simrock (1851) heißt es knapper: „Bis Börs Söhne die Bälle erhuben, / Sie die das mächtige Midgard schufen.“ Die Söhne Burs sind nach Snorri Odin, Vili und Vé. Auffällig ist, dass die Völuspá hier gar nicht von Ymirs Leib spricht. Das Bild ist ein anderes: Das Land wird aus der Tiefe emporgehoben, die Sonne bescheint es, und es ergrünt. Viele Forscher lesen darin ein Auftauchen der Erde aus dem Urmeer – ein Schöpfungsbild, das neben dem Riesenzerlegungs-Mythos steht, ohne dass die Quellen beide sauber verbinden.
Was die Völuspá in vier Zeilen andeutet, baut Snorri Sturluson um 1220 in seiner Prosa-Edda zu einem regelrechten Bauplan aus. Im Gylfaginning („Gylfis Täuschung“) töten Odin und seine Brüder den Urriesen Ymir und machen aus ihm die Welt: aus dem Fleisch die Erde, aus dem Blut Meer und Seen, aus den Knochen die Berge, aus Zähnen und Knochensplittern Steine und Geröll, aus dem Schädel den Himmel.
Dann kommt im 8. Kapitel die Stelle, um die es uns geht. In der gemeinfreien englischen Übersetzung von Arthur Gilchrist Brodeur (1916) heißt es, die Erde sei „ring-shaped without, and round about her without lieth the deep sea“. Entlang der Küste dieses Meeres gaben die Götter den Riesengeschlechtern Land zum Wohnen. Nach innen aber, auf der Erde, errichteten sie eine Burg rings um die Welt gegen die Feindseligkeit der Riesen – „for their citadel they raised up the brows of Ymir the giant, and called that place Midgard.“
Snorri stützt sich dabei auf das Eddalied Grímnismál. Dort heißt es in Strophe 41: En ór hans brám gerðu blíð regin / miðgarð manna sonum – sinngemäß: „Aus seinen Brauen machten die freundlichen Götter Midgard für die Söhne der Menschen.“ Die vorangehende Strophe 40 zählt Fleisch, Blut, Knochen, Haar und Schädel auf. Ein ähnliches Schöpfungsverzeichnis steht im Vafþrúðnismál.
Das altnordische Wort brár bedeutet „Wimpern“ oder „Brauen“; die Übersetzungen schwanken bis heute. Das Bild funktioniert in beiden Fällen: Wie Wimpern das Auge rahmen und schützen, so rahmt der Wall die Menschenwelt. Bemerkenswert ist, dass bei Snorri „Midgard“ zwei Dinge bezeichnen kann. Einmal ist es die Befestigung selbst, der Wall aus Ymirs Brauen. An anderer Stelle ist es das ganze Land innerhalb dieses Walls, in dem die Menschen leben. Nach Snorri bekamen die ersten Menschen Ask und Embla ihren Wohnort „unter Midgard“ – also im geschützten Innern.
Setzt man Snorris Angaben zusammen, ergibt sich ein Bild in konzentrischen Ringen. Ganz außen das tiefe Weltmeer. Am Meeresufer die Länder der Riesen. Dann der Wall. Innen Midgard, die Menschenwelt. Und in der Mitte der Welt, so Snorri im 9. Kapitel, bauten die Götter sich ihre eigene Burg, Asgard – die er an dieser Stelle augenzwinkernd oder gelehrt mit Troja gleichsetzt.
Das ist ein horizontales Weltmodell: Mitte gegen Rand, innen gegen außen. Daneben steht in den Quellen ein vertikales Modell, das sich am Weltenbaum Yggdrasil orientiert, mit Wurzeln, die in verschiedene Welten reichen. Die beiden Bilder passen nicht nahtlos zusammen, und das ist kein Versehen der modernen Forschung, sondern ein Zug der Quellen selbst.
Auch die berühmten „neun Welten“ gehören in diesen Zusammenhang. Die Völuspá erwähnt in Strophe 2 neun Welten, zählt sie aber nicht auf. Die heute verbreitete Liste mit Midgard, Asgard, Vanaheim, Jötunheim, Alfheim, Svartalfheim, Niflheim, Muspelheim und Hel ist eine moderne Zusammenstellung aus verstreuten Angaben. Wie diese Liste zustande kam und wo sie wackelt, erklären wir ausführlich im Artikel über die neun Welten.
Midgard ist zwar umzäunt, aber nicht abgeschlossen. Nach Snorri bauten die Götter eine Brücke „von der Erde zum Himmel“, die Bifröst heißt – in Brodeurs Übersetzung „a bridge from earth to heaven, called Bifröst“. Menschen sehen sie als Regenbogen. Über diese Brücke reiten die Götter täglich zu ihrer Gerichtsstätte am Urdbrunnen, und am Brückenkopf hält Heimdall Wache gegen die Riesen.
Damit hat Midgard eine eindeutige Stellung im Kosmos: Es ist die Mitte, an die die Götterwelt angebunden ist, und zugleich die verletzlichste Zone, weil sie zwischen Göttern und Riesen liegt. Bei Ragnarök, so die Prophezeiung, wird Bifröst unter den Söhnen Muspells zerbrechen.
Wenn du dich ein wenig mit nordischer Mythologie beschäftigt hast, bist du sicher dem Gegensatzpaar Midgard und Utgard begegnet. Útgarðr heißt „der Außenhof, das Draußen“. Das Modell klingt bestechend: Drinnen die geordnete Welt der Menschen und Götter, draußen die chaotische Welt der Riesen, die man meist mit Jötunheim gleichsetzt. Ganz aus der Luft gegriffen ist das nicht – Snorri setzt die Riesen ja tatsächlich an den äußeren Meeresrand und schützt Midgard durch einen Wall gegen sie.
Bekannt gemacht hat dieses Modell vor allem die strukturalistisch geprägte Forschung des 20. Jahrhunderts, darunter der russische Historiker Aaron Gurjewitsch und der Mythenforscher Eleasar Meletinski, später die dänische Anthropologin Kirsten Hastrup, die es auf die isländische Gesellschaft übertrug.
Inzwischen ist die Forschung vorsichtiger geworden. Der Haken: Als Ortsname taucht Útgarðr in den mythologischen Quellen fast nur in einer einzigen Geschichte auf – als Burg des Riesenkönigs Utgard-Loki, den Thor in Snorris Erzählung besucht und der ihn mit Blendwerk vorführt. Ein fest benannter kosmischer Gegenbereich „Utgard“ ist in der Edda nicht belegt. Der schwedische Namenforscher Per Vikstrand hat sich 2006 sprachwissenschaftlich mit Ásgarðr, Miðgarðr und Útgarðr beschäftigt, und Klaus Böldl fasst den Stand im Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (Band 20, 2001) zusammen. Die gängige Linie lautet heute: Der Gegensatz von Innen und Außen ist in den Mythen spürbar, aber das saubere Begriffspaar Midgard–Utgard ist eher ein Werkzeug der Forschung als ein Wort der Wikinger.
Draußen, jenseits von Wall und Riesenküste, liegt das Weltmeer. Und darin liegt die Midgardschlange, altnordisch Miðgarðsormr, auch Jörmungandr genannt. Der Name wird meist als „gewaltiger Stab“ oder „gewaltiges Ungeheuer“ gedeutet; das Vorderglied jǫrmun- bedeutet „gewaltig, allumfassend“. Nach Snorri ist sie ein Kind Lokis und der Riesin Angrboða. Odin warf sie ins Meer, das alle Länder umgibt, und dort wuchs sie, bis sie mitten im Ozean um alle Länder lag und sich in den eigenen Schwanz biss.
Die Menschenwelt wird also nicht nur von einem Wall begrenzt, sondern auch von einem lebenden Ring. Solange die Schlange ihren Schwanz im Maul hält, bleibt die Ordnung geschlossen. Die Schlange ist Grenze und Bedrohung zugleich – sie hält Midgard zusammen, und sie wird es am Ende vernichten.
Die berühmteste Begegnung mit der Schlange ist Thors Fischzug. Im Eddalied Hymiskviða fährt Thor mit dem Riesen Hymir aufs Meer. Als Köder nimmt er den Kopf von Hymirs bestem Ochsen. Und dann beißt etwas an, das das Lied mit einer wunderbaren Umschreibung benennt: umgjǫrð allra landa, „der Gürtel aller Länder“. Thor zieht die Schlange bis an die Bordwand und schlägt ihr mit dem Hammer auf den Kopf. Im Lied kommt sie danach wieder frei und sinkt zurück ins Meer.
Snorri erzählt die Szene im Gylfaginning dramatischer. Thor stemmt sich so kräftig gegen den Zug, dass seine Füße durch den Bootsboden brechen und er auf dem Meeresgrund steht. Hymir bekommt es mit der Angst zu tun und schneidet die Leine durch, bevor Thor zuschlagen kann. Auch die Skalden kannten den Stoff: Schon Bragi der Alte, dessen Gedicht meist ins 9. Jahrhundert gesetzt wird, und Úlfr Uggason in der Húsdrápa (um 985) beschreiben Thors Fischzug, Úlfr sogar ausdrücklich nach Bildern an den Wänden eines isländischen Hallenbaus.
Das Beste daran: Wir haben Steine, die diese Geschichte zeigen, und zwar unabhängig von Snorri.
Dazu kommt der Bildstein Ardre VIII auf Gotland, auf dem viele Forscher ebenfalls eine Fischzug-Szene erkennen; diese Deutung ist allerdings weniger eindeutig. Für dich heißt das: Die Geschichte vom Gott, der die Weltschlange angelt, wurde nicht erst im 13. Jahrhundert erfunden. Sie war schon Jahrhunderte vorher von Schweden bis Nordengland bekannt.
Kein Gott ist so eng mit Midgard verbunden wie Thor. In der Völuspá trägt er bei Ragnarök den Beinamen Miðgarðs véurr, „Hüter“ oder „Heiligender“ Midgards; Simrock übersetzt „Midgards Segner“. Das passt zu allem, was wir über ihn wissen: Thor ist der Gott, der hinauszieht, um Riesen zu erschlagen, damit drinnen Ruhe herrscht. Er ist der Wachhund am Hofzaun der Welt, nicht der Herr im Saal.
Bei Ragnarök treffen die beiden Gegner ein letztes Mal aufeinander. Die Schlange wälzt sich aus dem Meer, und mit ihr kommen die Wassermassen über das Land. Thor erschlägt sie, geht noch neun Schritte – Simrock schreibt „neun Fuß“ – und stürzt dann tot zu Boden – nach Snorri vom Gift des Wurms getroffen. Danach versinkt die Erde im Meer, und die Welt geht im Feuer unter. Mit dem Ende des Hüters endet auch Midgard.
Doch die Völuspá kennt einen Neuanfang. Die Seherin sieht die Erde ein zweites Mal aus dem Meer auftauchen, immergrün, mit Wasserfällen und einem Adler, der über ihnen jagt. Hier schließt sich der Kreis zu Strophe 4: Wie Midgard am Anfang aus der Tiefe gehoben wurde, so taucht die Welt nach dem Untergang wieder auf. Es ist eine der schönsten Klammern der ganzen Edda.
Warum stellte man sich die Menschenwelt in der Mitte vor? Bemerkenswert am germanischen Wort ist der Zaun. Die Mitte ist nicht einfach gegeben, sie ist umfriedet, gebaut und verteidigt.
Das spiegelt sich im Alltag. Ein Hof in Skandinavien war eine kleine Welt für sich: Langhaus, Nebengebäude, Weide, alles von Zäunen und Wällen umgeben. Draußen lagen Moor, Wald, Gebirge und Meer – Orte, an denen man sich verirren, erfrieren oder Unholden begegnen konnte. In isländischen Rechtstexten erscheinen die Ausdrücke „innerhalb“ und „außerhalb des Zauns“ als ganz praktische Begriffe für Weideland und Grenzen. Die Mythologie hat dieses Lebensgefühl ins Kosmische vergrößert.
Kaum ein Fantasy-Fan weiß, dass er jedes Mal ein uraltes germanisches Wort benutzt, wenn er „Mittelerde“ sagt. J. R. R. Tolkien war Professor für Altenglisch in Oxford und kannte middangeard aus der Dichtung bestens. Im Mittelenglischen war daraus middel-erde geworden, weil man den zweiten Teil volksetymologisch als „Erde“ verstand. Tolkiens „Middle-earth“ ist also nichts anderes als eine modernisierte Form dieses Wortes. In seinen Briefen hat er selbst betont, dass es keine Erfindung sei, sondern ein altes Wort für die bewohnte Welt der Menschen.
Die Verbindung ist sogar noch enger. Tolkien hat beschrieben, wie ihn die Zeilen aus dem altenglischen Crist berührten, in denen Earendel „über middangeard“ gesandt wird. Aus diesem Earendel wurde Eärendil, der Seefahrer seines eigenen Mythos. Mehr dazu, welche nordischen und altenglischen Fäden Tolkien aufgegriffen hat, findest du in unserem Beitrag über Tolkien und die nordische Mythologie.
Für uns in der Werkstatt in Alsdorf ist Midgard eines der dankbarsten Motive überhaupt, weil es etwas Persönliches mit dem großen Mythos verbindet. Midgard ist ja der eigene Ort, der umfriedete Hof. Ein Türschild mit einem Schlangenring, der einen Namen oder ein Haus umschließt, erzählt genau das: Hier drinnen ist unsere Welt. Als Vorlage für die Schlange eignet sich der Altuna-Stein besonders gut, weil seine Linienführung klar und gravurtauglich ist.
Auf Schiefer wirkt ein Midgard-Motiv in konzentrischen Ringen sehr stark: außen das Meer mit der Schlange, dann der Wall, innen das Land. Der dunkle Stein und die hellen Gravurlinien geben dem Ganzen etwas Urtümliches. Wer es schlichter mag, nimmt nur ein Wort – Miðgarðr in lateinischer Schrift oder in Runen des jüngeren Futhark – oder den Halbvers aus dem Muspilli. Wie wir mit Stein arbeiten, zeigen wir auf unserer Seite zur Schieferplatten-Gravur.

Was bedeutet Midgard? Midgard (altnordisch Miðgarðr) bedeutet wörtlich „eingehegter Ort in der Mitte“ oder „Mittelhof“. Gemeint ist die von Menschen bewohnte Welt, gedacht als umzäunter Bereich zwischen Göttern und Riesen.
Wer hat Midgard erschaffen? Nach der Völuspá die Söhne Burs, nach Snorri also Odin, Vili und Vé. Sie formten die Erde aus dem Leib des Urriesen Ymir und bauten aus seinen Brauen einen Wall gegen die Riesen.
Was ist der Unterschied zwischen Midgard und Asgard? Midgard ist die Welt der Menschen, Asgard die Burg der Götter. Nach Snorri liegt Asgard in der Mitte der Welt, und die Brücke Bifröst verbindet die Erde mit dem Himmel.
Was ist die Midgardschlange? Die Midgardschlange Jörmungandr ist ein Kind Lokis, das im Weltmeer um alle Länder liegt und sich in den eigenen Schwanz beißt. Bei Ragnarök töten sich Thor und die Schlange gegenseitig.
Gibt es Utgard wirklich in der Edda? Als Ortsname kommt Útgarðr fast nur als Burg des Riesen Utgard-Loki bei Snorri vor. Das Gegensatzpaar Midgard–Utgard als Weltmodell ist vor allem eine Deutung der modernen Forschung.
Kommt Mittelerde von Midgard? Tolkiens Middle-earth geht auf das altenglische middangeard zurück, das mit Midgard urverwandt ist. Inhaltlich hat Tolkiens Welt aber mit der nordischen Kosmologie nur wenig gemein.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Ymir & die Weltentstehung · Jötunheim – Land der Riesen · Bifröst – die Regenbogenbrücke · Die Midgardschlange · Asgard.
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