Gleipnir ist die dritte und letzte Fessel, mit der die Götter den Fenriswolf banden – ein Band, glatt und weich wie Seide, das Zwerge aus sechs Dingen fertigten, die es nicht gibt: dem Schall eines Katzentritts, dem Bart einer Frau, den Wurzeln eines Berges, den Sehnen eines Bären, dem Atem eines Fisches und dem Speichel eines Vogels. Es hält, wo zwei Eisenketten zersprangen, und es kostete den Gott Tyr seine Hand. Erzählt wird das fast nur bei Snorri Sturluson im 13. Jahrhundert. Wir gehen die Geschichte Satz für Satz durch.
Stell dir vor, du sollst das gefährlichste Wesen der Welt festbinden. Du hast es mit der stärksten Eisenkette versucht, die deine Schmiede hergeben. Sie ist zersprungen. Du hast eine doppelt so starke schmieden lassen. Auch die liegt in Stücken. Und dann kommt jemand aus der Unterwelt zurück und reicht dir ein Band, so dünn und weich, dass man es für ein Haarband halten könnte.
Genau das ist die Lage der Götter in einer der dichtesten Erzählungen der nordischen Mythologie. Sie steht in der Gylfaginning, dem ersten großen Teil der Prosa-Edda, die der isländische Gelehrte und Politiker Snorri Sturluson um 1220 verfasste. Gylfaginning bedeutet etwa „Gylfis Betörung“: Ein schwedischer König namens Gylfi reist verkleidet zu den Asen und stellt drei rätselhaften Gestalten – Hár, Jafnhár und Þriði – Fragen über die Welt. Ihre Antworten sind unsere Hauptquelle.
Am Anfang steht eine Familie. Loki hat mit der Riesin Angrboða drei Kinder: den Wolf Fenrir, die Midgardschlange Jörmungandr und Hel. Die Götter erfahren aus Weissagungen, dass ihnen von diesen Geschwistern großes Unheil droht. Odin lässt die Schlange ins Meer werfen und schickt Hel in die Unterwelt. Den Wolf aber behalten die Asen bei sich und ziehen ihn auf.
Das ist bemerkenswert: Fenrir wächst mitten unter den Göttern auf. Nach Snorri wagt nur einer, ihm Futter zu bringen – Tyr. Der Wolf wird jeden Tag größer, und die Prophezeiungen besagen, dass er zum Verderben der Götter bestimmt ist. Töten wollen sie ihn trotzdem nicht. Snorri gibt dafür einen klaren Grund an: Die Götter achteten ihre heiligen Stätten und Friedensorte so hoch, dass sie sie nicht mit dem Blut des Wolfes beflecken wollten.
Der erste Versuch ist plump und ehrlich zugleich. Die Götter lassen eine sehr starke Fessel anfertigen, die sie Læðingr nennen (in manchen Ausgaben Leyðingr oder Lœðingr geschrieben). Sie tragen sie zum Wolf und fordern ihn auf, seine Kraft daran zu erproben. Fenrir sieht sich die Kette an, findet sie nicht besonders beeindruckend und lässt sie sich anlegen. Ein einziges Stemmen – und Læðingr zerbricht.
Also schmieden die Götter eine zweite Fessel, nach Snorri hálfu sterkara, was meist als „doppelt so stark“ verstanden wird, und nennen sie Drómi. Wieder bitten sie den Wolf um eine Kraftprobe, wieder mit dem Köder des Ruhms: Wer eine solche Kette sprengt, wird berühmt. Fenrir überlegt. Die Kette ist stark, aber er ist seit dem letzten Mal gewachsen. Er beschließt, dass man für Ruhm ein Risiko eingehen muss. Er lässt sich binden, schüttelt sich, schlägt die Fessel gegen den Boden, stemmt sich dagegen – und Drómi fliegt in Stücke, so heftig, dass die Teile weit davonspringen.
An dieser Stelle fügt Snorri eine sprachliche Fußnote ein. Seither, schreibt er, sagt man at leysa ór Læðingi und at drepa ór Dróma – „sich aus Læðingr lösen“, „aus Drómi herausschlagen“ –, wenn etwas mit äußerster Anstrengung gelingt. Ob die Redewendung tatsächlich älter ist als die Geschichte oder ob Snorri eine vorhandene Redensart mit einer Erzählung unterfüttert, lässt sich nicht entscheiden.
Odin – Snorri nennt hier allgemein Allvater – schickt einen Boten in die Unterwelt. Es ist Skírnir, der Diener des Gottes Freyr – sonst vor allem als Brautwerber aus dem Lied Skírnismál bekannt. Er reist hinab nach Svartálfaheim, die Welt der Schwarzalben, und lässt dort von Zwergen eine Fessel anfertigen.
Gleipnir, sagt Hár zu Gylfi, wurde aus sechs Dingen gemacht. Im Altnordischen lautet die Liste: af dyn kattarins ok af skeggi konunnar ok af rótum bjargsins ok af sinum bjarnarins ok af anda fisksins ok af fogls hráka. In eigener Übertragung:
Die Form ist kunstvoll: sechs Glieder nach demselben Muster, jeweils ein Ding, das zu einem Wesen gehört. Katze, Frau, Berg, Bär, Fisch, Vogel – Haustier, Mensch, Landschaft, Raubtier, Wasser, Luft. Die Liste geht einmal durch die ganze Welt, und jedes Glied ist etwas, das man nicht greifen oder sammeln kann.
Gangleri, wie sich Gylfi nennt, wird stutzig, und Hár antwortet sinngemäß: Auch wenn du das bisher nicht wusstest, kannst du hier rasch einen Beweis finden, dass man dich nicht anlügt. Du hast doch sicher gesehen, dass eine Frau keinen Bart hat, dass der Sprung einer Katze kein Geräusch macht und dass unter einem Berg keine Wurzeln sind. Und bei meinem Glauben: Genauso wahr ist alles, was ich dir erzählt habe, auch wenn es Dinge darunter gibt, die du nicht überprüfen kannst.
„thou must have seen that a woman has no beard, and no sound comes from the leap of a cat, and there are no roots under a mountain“Gylfaginning 34, in der Übersetzung von Arthur G. Brodeur (1916)
Man muss sich die Logik auf der Zunge zergehen lassen. Der Beweis dafür, dass die Zwerge diese Dinge verarbeitet haben, ist: dass es sie nicht gibt. Das ist ein Zirkelschluss mit Augenzwinkern, und Snorri setzt ihn ganz bewusst. Der Erzähler Hár gehört zu einer Rahmenhandlung, in der Gylfi am Ende mit einem Donnerschlag allein auf freiem Feld steht – die ganze Halle war eine Täuschung.
In vielen Nacherzählungen wird daraus die griffige Pointe: Die Zwerge haben alle Katzentritte, Frauenbärte und Bergwurzeln aufgebraucht, deshalb gibt es sie heute nicht mehr. So ausdrücklich steht das bei Snorri nicht. Er legt die Schlussfolgerung nahe und überlässt sie dem Leser – was den Witz eher noch besser macht.
Was die Zwerge liefern, sieht nicht nach Waffe aus. Snorri beschreibt Gleipnir als slétt ok blautt sem silkiræma – glatt und weich wie ein Seidenband. Seide war im Norden ein kostbares Importgut; in reichen Gräbern der Wikingerzeit, etwa in Birka oder im Oseberg-Schiff, finden sich Seidenstreifen als Besatz an Kleidung. Für Snorris Publikum war ein silkiræma also etwas Feines, Zierliches, Teures – das Gegenteil einer Kette.
Für die dritte Kraftprobe wählen die Götter einen besonderen Ort. Sie fahren mit Fenrir hinaus auf den See Ámsvartnir zu einer Insel, die Lyngvi heißt. Der Name des Sees wird meist als „der Pechschwarze“ oder ähnlich gedeutet; Lyngvi lässt sich gut mit altnordisch lyng, „Heidekraut“, verbinden – eine Heideinsel also. Beide Deutungen sind naheliegend, aber nicht zwingend.
Rudolf Simek hält es für möglich, dass Snorri den See selbst erfunden hat, denn er kommt in keiner anderen Quelle vor.
Auf Lyngvi zeigen die Asen dem Wolf das Seidenband. Sie reichen es untereinander herum, ziehen daran mit aller Kraft, und es reißt nicht. Aber der Wolf, sagen sie, würde es sicher zerreißen. Fenrir ist nicht dumm.
Fenrirs Antwort ist eine der klügsten Reden der ganzen Gylfaginning. Er sagt sinngemäß: Bei diesem dünnen Band sieht es so aus, als könne ich keinen Ruhm damit gewinnen, es zu zerreißen. Ist es aber mit List und Zauberei gemacht, dann kommt es mir nicht an die Füße, so dünn es auch aussieht.
Die Götter setzen nach: Ein Wolf, der so große Eisenketten gesprengt hat, werde ein Seidenband doch wohl schaffen. Und wenn nicht, dann brauche er sich vor den Göttern nicht zu fürchten – sie würden ihn wieder freilassen. Fenrir glaubt ihnen nicht. Er kennt seine Gastgeber. Wenn sie ihn binden, so sagt er, werde er lange auf ihre Hilfe warten. Aber er will auch nicht als Feigling dastehen. Also stellt er eine Bedingung: Einer von euch legt mir seine Hand ins Maul, als Pfand, dass das ohne Falsch geschieht.
Die Asen schauen einander an. Snorri lässt den Moment stehen: Keiner will seine Hand hergeben. Bis Tyr die rechte Hand hebt und sie dem Wolf ins Maul legt.
Dann wird gebunden. Fenrir stemmt sich gegen das Band, wie er es bei Læðingr und Drómi getan hat. Doch je mehr er sich anstrengt, desto härter wird Gleipnir, desto fester schneidet es. Er kommt nicht los. Und die Götter lachen – alle außer Tyr, sagt Snorri, denn der verlor seine Hand.
„Then all laughed except Týr: he lost his hand.“Gylfaginning 34, Übersetzung Arthur G. Brodeur (1916)
In einem früheren Kapitel (Gylfaginning 25) kommt Snorri darauf zurück. Dort beschreibt er Tyr als den kühnsten der Götter und erzählt, die Stelle, an der der Wolf die Hand abbiss, heiße seitdem úlfliðr, „Wolfsgelenk“ – das altnordische Wort für Handgelenk. Und er fügt hinzu, Tyr gelte nicht als einer, der Menschen versöhnt. Ein Gott, der einen Vertrag mit seiner eigenen Hand verbürgt und dabei weiß, dass der Vertrag gebrochen wird – das ist eine bittere Figur.
Die Lokasenna ist in einer Handschrift um 1270 überliefert; viele halten sie für älter als Snorris Edda, ihre Datierung ist aber umstritten. Sie zeigt: Der gefesselte Wolf, der auf Ragnarök wartet, und der einhändige Tyr gehörten zum Wissen, das Dichter bei ihrem Publikum voraussetzen konnten. In derselben Senna droht Freyr dem Loki (Str. 41): Er sehe einen Wolf an der Flussmündung liegen, bis die Götter vergehen – und Loki werde bald ebenso gebunden. Auch das ist ein Verweis auf Fenrirs Fesselung.
Vom Band Gleipnir geht ein Strang oder Seil aus, das Gelgja heißt. Dieses Seil ziehen die Götter durch eine große Steinplatte, die Gjöll heißt, und versenken die Platte tief in der Erde. Dann nehmen sie einen gewaltigen Stein, Þviti, und treiben ihn noch tiefer in den Boden; er dient als Pflock, der alles festhält.
Die Namen sind sprechend, auch wenn die Deutungen nicht alle sicher sind. Gjöll hängt mit dem Verb für „gellen, laut tönen“ zusammen und ist zugleich der Name des Grenzflusses zur Unterwelt, über den die Brücke Gjallarbrú führt. Þviti wird oft als „der Schläger“ oder „der Hämmernde“ erklärt. Für Gelgja findet man Wiedergaben wie „Fessel“ oder „Strick“; eine wirklich gesicherte Etymologie gibt es nicht.
Der gebundene Wolf reißt das Maul auf und schnappt nach den Göttern. Da stoßen sie ihm ein Schwert in den Rachen: den Griff gegen den Unterkiefer, die Spitze gegen den Gaumen. Snorri nennt es seinen gómsparri, seinen „Gaumensperrer“. Seitdem steht das Maul offen.
Der Wolf heult fürchterlich, und der Geifer läuft ihm aus dem Maul. Daraus wird ein Fluss, der Ván heißt. Dort, schließt Snorri, liegt der Wolf bis zur Götterdämmerung, ragnarøkkr.
Ván (auch Vón geschrieben) bedeutet im Altnordischen „Hoffnung, Erwartung“. Nach diesem Fluss heißt Fenrir in der Dichtung auch Vánargandr, „Ungeheuer des Ván“; Loki wird in Kenningen als „Vater des Vánargandr“ umschrieben. Ein Fluss namens Hoffnung, der aus dem gesperrten Maul des Weltfeindes rinnt – es ist eines der stärksten Bilder der Edda, und Snorri bringt es in zwei Sätzen unter.
In manchen Nachschlagewerken und Nacherzählungen ist von zwei Flüssen die Rede, Ván und Víl, wobei víl sich als „Elend, Mühsal“ übersetzen ließe – Hoffnung und Elend aus einem Maul. Das wäre ein schönes Gegensatzpaar. In den gängigen Textausgaben der Gylfaginning, die wir geprüft haben, steht aber nur Ván. Wir haben für Víl keine Handschriftenstelle sicher nachweisen können und nennen es deshalb nur als Hinweis, nicht als Beleg.
Bei so viel sprechenden Namen fragt man natürlich: Was heißt eigentlich Gleipnir? Die ehrliche Antwort: Wir wissen es nicht sicher.
Rudolf Simek gibt in seinem Lexikon die Deutung „die Offene“. Andy Orchard nennt im Dictionary of Norse Myth and Legend ebenfalls „der Offene“ und bringt daneben Bedeutungen wie „der Verstrickende“ ins Spiel. Andere stellen das Wort zu Bildungen rund um „gleiten, glatt sein“ – was zur Beschreibung als glattes Seidenband passen würde. Keine dieser Deutungen ist zwingend bewiesen.
Der norwegische Skalde Eyvindr skáldaspillir dichtete nach dem Tod König Hákons des Guten (um 961) das Preislied Hákonarmál. Die letzte Strophe sagt sinngemäß: Ungebunden wird der Fenriswolf auf die Wohnsitze der Menschen losgehen, bevor ein ebenso guter König an seine Stelle tritt. Das setzt voraus, dass der Wolf jetzt gebunden ist. Wenige Jahre früher, nach dem Tod Eirík Blutaxts (954), fragt im Gedicht Eiríksmál der Held Sigmund Odin, warum er König Eirík vorzeitig in Walhall aufnimmt, und Odin antwortet sinngemäß: Ungewiss ist es, wann der graue Wolf auf die Sitze der Götter losgeht. Das ist zwar nicht ausdrücklich Gleipnir, aber es ist der gebundene Wolf, der auf seinen Tag wartet.
Auch die Bildsteine und Kreuze der Wikingerzeit kennen den Wolf, der Odin verschlingt, und den Gott, der ihm den Rachen aufreißt. Auf Thorwalds Kreuz auf der Isle of Man und dem Gosforth-Kreuz in Cumbria ist das Ragnarök-Geschehen dargestellt. Die Fesselung selbst ist dort nicht zu sehen, wohl aber das, worauf sie hinausläuft. Im Eddalied Vafþrúðnismál (Str. 53) heißt es, der Wolf werde den Vater der Menschen verschlingen und Víðarr werde ihn rächen; in der Völuspá ist Odins Kampf mit dem Wolf das Herzstück der Endzeit.
Gleipnir wird gern als „unzerreißbar“ bezeichnet. Das stimmt nur auf Zeit. Snorri sagt ausdrücklich, dass der Wolf dort liegt bis zu den Ragnarök. In seiner Schilderung des Weltendes (Gylfaginning 51) reißt sich Fenrir los. Er zieht mit aufgesperrtem Maul daher, der Oberkiefer am Himmel, der Unterkiefer an der Erde, und er würde noch weiter aufreißen, wäre Platz dafür. Er verschlingt Odin. Dann tritt Odins Sohn Víðarr dem Wolf mit einem Fuß in den Unterkiefer, packt den Oberkiefer und reißt ihm das Maul auseinander.
Man beachte die Spiegelung: Das Schwert der Götter hat dem Wolf das Maul offengehalten. Am Ende ist es dieses Maul, das den Göttervater verschlingt, und es wird wiederum mit Gewalt aufgerissen. Gleipnir hat der Welt Zeit gekauft. Mehr nicht.
Die Macht des Unmöglichen. Die Liste der sechs Zutaten erinnert an eine rhetorische Figur, die man Adynaton nennt: die Aufzählung unmöglicher Dinge. Sie ist in vielen Literaturen verbreitet, oft in Schwüren („eher fließen die Flüsse bergauf, als dass …“). Bei Gleipnir wird das Prinzip umgedreht: Aus lauter Unmöglichem entsteht etwas, das wirkt. Was keine Masse hat, kann nicht zerrissen werden. Je weniger greifbar der Stoff, desto fester das Band. Die Asen gewinnen nicht durch Kraft, sondern weil sie die Regeln der Welt umgehen.
Fesseln als Zauber. Das Binden hat in der germanischen Überlieferung eine magische Seite. Im ersten der Merseburger Zaubersprüche (Handschrift des 10. Jahrhunderts) heften göttliche Frauen, die Idisen, Fesseln an Gefangene und lösen sie wieder. Sagas kennen außerdem die „Heerfessel“ (herfjöturr), eine lähmende Starre, die Kämpfer im Gefecht befällt. Vor diesem Hintergrund liegt es nahe, Gleipnir nicht nur als Handwerksstück, sondern als Zauberband zu lesen: Es wird von Wesen der Unterwelt gemacht, aus verborgenen Dingen, und es wird umso stärker, je mehr man sich wehrt. Das ist Magie, nicht Mechanik.
Der gebrochene Eid. Am folgenreichsten ist wohl die Deutung des französischen Religionswissenschaftlers Georges Dumézil. Er sah in Tyr einen Gott des Rechts und der Verträge und las die Fesselung als Geschichte eines Pfandes, das falsch gegeben wird: Tyr verbürgt mit seiner Hand eine Zusage, von der er weiß, dass sie gebrochen wird. Dumézils vergleichende Thesen zu den indogermanischen Göttern sind heute in vielem umstritten, aber die Grundbeobachtung bleibt stark: Am Fundament der göttlichen Ordnung steht eine Täuschung, und einer bezahlt dafür mit seinem Leib. Das passt zu einem Gott, den Snorri ausdrücklich nicht als Versöhner bezeichnet.
In unserer Werkstatt in Alsdorf werden wir oft nach Motiven für Paare, Familien und Freundschaften gefragt. Gleipnir ist dafür ein ungewöhnlicher, aber sehr schöner Gedanke: ein Band, das nicht durch Gewicht hält, sondern durch das, was man nicht sieht. Ein Band, das umso fester wird, je mehr an ihm gezerrt wird.
Was ist Gleipnir in der nordischen Mythologie? Gleipnir ist die Zauberfessel, mit der die Götter den Fenriswolf banden. Zwerge stellten sie aus sechs unmöglichen Dingen her; sie war dünn wie ein Seidenband und hält den Wolf bis Ragnarök.
Woraus besteht Gleipnir? Nach Snorri aus dem Schall eines Katzentritts, dem Bart einer Frau, den Wurzeln eines Berges, den Sehnen eines Bären, dem Atem eines Fisches und dem Speichel eines Vogels.
Wie hießen die anderen Fesseln des Fenrir? Die erste hieß Læðingr, die zweite, doppelt so starke, Drómi. Fenrir sprengte beide.
Warum verlor Tyr seine Hand? Fenrir ließ sich nur binden, wenn ein Gott ihm als Pfand die Hand ins Maul legte. Tyr tat es, und als der Wolf sich nicht befreien konnte, biss er sie ab.
Wo ist Fenrir gefesselt? Auf der Insel Lyngvi im See Ámsvartnir. Das Band ist durch die Steinplatte Gjöll und den Stein Þviti tief in der Erde verankert, ein Schwert sperrt ihm den Rachen.
Reißt Gleipnir? Ja. Bei Ragnarök kommt Fenrir frei, verschlingt Odin und wird von Víðarr getötet.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Der Fenriswolf · Tyr · Die Zwerge · Ragnarök.
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