Ein Eber, dessen Borsten aus Gold sind und im Dunkeln leuchten, der über Himmel und Wasser schneller läuft als jedes Ross: Gullinbursti („Goldborste"), das Reittier des Fruchtbarkeitsgottes Freyr.
Gullinbursti (auch Slíðrugtanni genannt) entstand im berühmten Schmiedewettstreit der Zwerge: Sindri und Brokkr fertigten ihn aus einer Schweinshaut, die sie ins Feuer warfen – im selben Guss wie Odins Ring Draupnir und Thors Hammer. Seine goldenen Borsten erhellen noch die finsterste Nacht, und er zieht Freyrs Wagen oder trägt ihn selbst.
Als die Götter den toten Baldr bestatten, reitet Freyr auf Gullinbursti zum Scheiterhaufen – ein Bild von leuchtender Trauer. Der goldene Eber ist damit ein Sinnbild für Sonne, Fruchtbarkeit und den Reichtum, den die Wanen verkörpern.
Der Eber war den Nordgermanen heilig – und ausgerechnet den Wanen, den Göttern der Fruchtbarkeit. Zum Julfest führte man den sonargöltr, den „Sühne-Eber", vor: Man legte die Hände auf seine Borsten und schwor feierliche Eide. Auch Freyja reitet einen Eber, Hildisvíni. In Gullinbursti steckt also mehr als ein glänzendes Reittier – er ist Sinnbild von Sonne, Wachstum und der Kraft, die im Frühjahr wiederkehrt.
Und der Kult ist archäologisch fassbar: Die angelsächsischen Eberhelme von Sutton Hoo und Benty Grange trugen einen Eber als Helmzier – ein Schutzsymbol im Kampf. Wer den goldenen Eber gravieren lässt, führt eine der ältesten heiligen Tiergestalten des Nordens fort.
Freyr · Sindri & Brokkr · Die Schätze der Götter · Draupnir.
Snorri Sturluson, Skáldskaparmál (35), Gylfaginning (49). Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie.