Blog / Wissen

Dein Handy trägt einen Wikingerkönig

Wissen Dein Handy trägt einen Wikingerkönig

Das kleine blaue Symbol auf deinem Handy ist über tausend Jahre alt: Es sind zwei ineinander verschränkte Runen – die Initialen des Wikingerkönigs Harald Blauzahn, der einst Dänemark einte. Die Geschichte dahinter ist echt belegt, und schöner, als man denkt.

Wer war Harald Blauzahn?

Harald Gormsson (altnord. Haraldr Blátǫnn), Sohn von König Gorm dem Alten und Königin Thyra, herrschte etwa von 958 bis 985/86 über Dänemark. Er vollendete die Einigung des Reiches, beherrschte zeitweise auch Teile Norwegens und führte das Christentum als Königsreligion ein. Am Ende wurde er ausgerechnet von seinem eigenen Sohn Sven Gabelbart gestürzt und starb kurz darauf.

Woher kommt der „Blauzahn“?

Ehrlich: Das weiß niemand sicher. Der Beiname ist erst rund 150 Jahre nach Haralds Tod schriftlich belegt (erstmals in der Roskilde-Chronik um 1140). Die populärste Deutung – Harald habe einen toten, dunkel verfärbten („blauen“) Zahn gehabt – ist plausibel, aber durch nichts bewiesen. Sprachlich konnte altnord. blá- auch „dunkel/schwarz“ heißen, weshalb manche an dunkles Haar oder einen dunklen Typ denken; eine weitere These leitet den Namen aus dem altenglischen „thane“ (Gefolgsmann) ab. Kurz: schöner Beiname, unsichere Herkunft.

Die Jelling-Steine – Dänemarks „Taufurkunde“

Um das Jahr 965 ließ Harald in Jelling einen gewaltigen Runenstein zum Gedenken an seine Eltern errichten. Er trägt die älteste Christus-Darstellung Skandinaviens und nennt den Landesnamen „Dänemark“ – deshalb heißt er oft „Dänemarks Geburts- oder Taufurkunde“. Seit 1994 gehören die Steine, Grabhügel und die Kirche von Jelling zum UNESCO-Welterbe.

„König Harald ließ dieses Denkmal errichten zum Gedenken an Gorm, seinen Vater, und an Thyra, seine Mutter – jener Harald, der sich ganz Dänemark und Norwegen gewann und die Dänen zu Christen machte.“Inschrift des großen Jelling-Steins, Übersetzung nach dem Nationalmuseet Dänemark
Der große Jelling-Stein Harald Blauzahns
Der große Jelling-Stein (um 965), Dänemark – UNESCO-Welterbe. Foto: gemeinfrei (CC0), via Wikimedia Commons.
Denkmal und Propaganda zugleich. „Machte die Dänen zu Christen“ ist Haralds eigene Selbstdarstellung. In Wahrheit war die Christianisierung ein längerer Prozess: Schon 826 war der dänische König Harald Klak mit über 400 Gefolgsleuten in Mainz getauft worden, und Metallsonden-Funde zeigen christliche Einflüsse lange vor Haralds „offiziellem“ Religionswechsel. Der Stein ist also auch eine kraftvolle Machtbotschaft.

Ein König, der verband – mit Wall und Brücke

Harald war ein Meister der Machtdemonstration. Unter ihm entstanden die geometrisch exakt geplanten Trelleborg-Ringburgen (Trelleborg, Fyrkat, Aggersborg, Nonnebakken; eine fünfte, Borgring, wurde 2014 bestätigt) – dendrochronologisch um 975–980 datiert, teils in einer einzigen Wintersaison erbaut. Dazu kam die knapp 760 Meter lange Ravning-Brücke (um 985) und der Ausbau des Grenzwalls Danewerk. Wer so baut, kann ein ganzes Reich koordinieren.

Vom König zur Funktechnik

Jetzt die Pointe. 1996/97 suchten Intel, Ericsson und Nokia einen gemeinsamen Standard, damit Geräte verschiedener Hersteller drahtlos miteinander „reden“ können. Der Intel-Ingenieur Jim Kardach hatte auf einer Reise von einem Kollegen skandinavische Geschichte gehört – aus dem historischen Roman „Die Abenteuer des Röde Orm“ von Frans G. Bengtsson, in dem Harald Blauzahn vorkommt. Zu Hause fand Kardach im Sachbuch „A History of the Vikings“ das Bild des Jelling-Steins und die Zeile, Harald habe „ganz Dänemark einte“.

Beleg. Kardach schlug „Bluetooth“ als Codenamen vor – weil Harald einst Stämme einte, so wie die neue Technik Geräte einen sollte. Der Name war nur als Platzhalter gedacht; ersetzt werden sollte er durch „RadioWire“ oder „PAN“. Doch „PAN“ war als Marke unbrauchbar (zu viele Treffer), und die Markenprüfung für „RadioWire“ wurde nicht rechtzeitig fertig. So blieb der Codename – und wurde weltberühmt. (Quelle: Jim Kardach, EE Times; Bluetooth SIG.)

Das Logo ist eine Bindrune

Und das blaue Zeichen selbst? Es ist eine Bindrune – zwei Runen des Jüngeren Futhark, übereinandergelegt: Hagall (ᚼ, Lautwert „H“) und Bjarkan (ᛒ, Lautwert „B“) – die Initialen von Harald Blauzahn.

Hagall — „H“
+
Bjarkan — „B“
=
ᚳᚲHaralds Monogramm
Offiziell bestätigt. Die Bluetooth SIG selbst schreibt: Das Logo ist eine Bindrune, die die Younger-Futhark-Runen Hagall (ᚼ) und Bjarkan (ᛒ) verbindet – Haralds Initialen. Damit trägt praktisch jedes Smartphone, jeder Kopfhörer und jeder Lautsprecher der Welt das Monogramm eines Wikingerkönigs.

Runen bewahren Namen

Genau das fasziniert uns an Runen: Sie halten einen Namen fest – dauerhaft, klar, über Jahrhunderte, wie bei Harald. Probier es selbst aus: Mit unserem Runen-Namensgeber schreibst du deinen eigenen Namen in echten Runen und kannst ihn als Bild speichern. Mehr zu den Zeichen selbst steht in unserem Runen-Beitrag.

Und wenn aus dem Bild ein bleibendes Stück werden soll – in Schiefer, Holz oder Glas graviert –, bist du bei uns genau richtig.

Quellen & Belege

  • Bluetooth SIG, „Origin of the Bluetooth name“ – Logo als Bindrune (Hagall + Bjarkan) und Codename-Geschichte.
  • Jim Kardach, „Tech History: How Bluetooth got its name“, EE Times (2008) – Bengtsson-Roman, Gwyn-Jones-Sachbuch, RadioWire/PAN.
  • Nationalmuseet Dänemark – der große Jelling-Stein, Christus-Darstellung, „Taufurkunde“ und die Einordnung als Selbstdarstellung (Harald Klak 826).
  • UNESCO World Heritage – Jelling Mounds, Runic Stones and Church (seit 1994).
  • Wikingerschiffsmuseum Roskilde – Ravning-Enge-Brücke; Trelleborg-Ringburgen (Dendrodatierung ~975–980).
  • Roskilde-Chronik (um 1140) – früheste Bezeugung des Beinamens; Deutung „Blauzahn“ bis heute unsicher.

Namen in Runen schreiben Mehr Beiträge