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Färberhandwerk – die wahren Farben der Wikinger

Alltag & Kultur Färberhandwerk – die wahren Farben der Wikinger

Wenn wir an Wikinger denken, sehen wir oft grau-braune Gestalten in ungefärbter Wolle. Das ist ein Irrtum. Wer es sich leisten konnte, trug Farbe – leuchtendes Rot, tiefes Blau, sattes Gelb. Diese Farben kamen nicht aus dem Laden, sondern aus Pflanzen, Kunst und Geduld. Ein Blick auf das Färberhandwerk und die überraschend bunte Welt des Nordens.

Farbe aus der Pflanze

Die wichtigsten Farbstoffe wuchsen auf dem Feld und am Wegrand. Rot kam aus der Wurzel des Krapps (Rubia tinctorum), Blau aus dem Färberwaid (Isatis tinctoria), Gelb aus dem Färberwau (Reseda) oder anderen Kräutern. Dazu kamen Flechten, Rinden und Zwiebelschalen. Aus wenigen Pflanzen ließ sich eine ganze Palette gewinnen – und durch Übereinanderfärben auch Grün, Violett und Braun.

Eine Kunst, die man lernen musste

Färben war kein Kinderspiel. Die Wolle musste gebeizt werden, damit die Farbe hielt; Temperatur, Zeit und Rezept entschieden über Erfolg oder Fehlschlag. Waid etwa gibt sein Blau erst nach einem geheimnisvollen Gärprozess her. Färben war Erfahrungswissen, meist in Frauenhand, und ein gefärbtes Gewand war ein Zeichen von Können und Wohlstand.

Was die Funde verraten

Dass wir das so genau wissen, verdanken wir der Chemie. Analysen von Textilresten aus Birka, Haithabu und dem Oseberg-Schiff haben die alten Farbstoffe nachgewiesen – Rot vom Krapp, Blau vom Waid, Gelb von Reseda. Reste kostbarer Seide und feiner Bänder zeigen: An der Oberschicht war Farbe Programm.

In den Gräbern lagen keine grauen Lumpen, sondern Reste von Rot, Blau und Gelb – die Farben eines Volkes, das Farbe liebte. Beschreibung nach Farbstoffanalysen wikingerzeitlicher Textilfunde (u. a. Birka, Haithabu)

Kräftige Bilder, die bleiben

Der „graue Wikinger" ist eine Erfindung des Films. In Wahrheit liebte man kräftige, leuchtende Farben – so wie wir es lieben, wenn ein Motiv klar und satt aus dem Material tritt. Wer mag, entdeckt in unserem Beitrag über die Wikinger-Kleidung mehr über Stoff und Tracht des Nordens.

Was gesichert ist

Wikingerzeitliche Textilien waren farbig: Färbepflanzen wie Krapp (Rot), Waid (Blau) und Reseda/Färberwau (Gelb) sind durch Farbstoffanalysen (u. a. HPLC) an Funden aus Birka, Haithabu und dem Oseberg-Schiff nachgewiesen. Färben erforderte Beizen (Mordant), Erfahrung und Sorgfalt und lag meist in Frauenhand. Gefärbte Kleidung und importierte Seide waren Zeichen von Rang und Wohlstand.

Mythos-Check

Der „graue, schmutzige Wikinger" ist ein modernes Klischee (Film und Fernsehen). Umgekehrt sollte man es aber nicht übertreiben: Nicht jeder trug knallige Farben – die satten Töne, besonders Rot und echtes Blau, waren aufwendig und teuer und damit ein Oberschicht-Zeichen. Sicher sind die nachgewiesenen Farbstoffe; wie verbreitet welche Farbe war, bleibt teils Deutung der Fundlage.

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