Sven Gabelbart (altnordisch Sveinn tjúguskegg) war der dänische König, der 1013 England eroberte: Ende des Jahres erkannten ihn die Engländer als König an, Æthelred II. floh in die Normandie. Am 3. Februar 1014 starb Sven in Gainsborough. Der Sohn Harald Blauzahns und Vater Knuts des Großen stürzte um 986/87 den eigenen Vater, siegte bei Svolder und machte aus Danegeld eine Eroberung. Wir zeigen dir, was die Quellen belegen und wo Adam von Bremen, Wilhelm von Malmesbury und Klosterlegenden übertreiben.
Weihnachten 1013. Auf der Isle of Wight feiert ein König das Fest, der kein Land mehr hat. Æthelred II. von England, später „der Unberatene“ genannt, sitzt auf einer Insel vor seiner eigenen Küste, während fast das ganze Reich einem Dänen gehuldigt hat. Wenige Tage danach setzt er nach Frankreich über, zu seinem Schwager in der Normandie. Der Däne, der ihn vertrieben hat, heißt Sven Gabelbart. Er ist der Sohn Harald Blauzahns, Herr über Dänemark, Oberherr über weite Teile Norwegens und jetzt auch König der Engländer. Sechs Wochen später ist er tot.
Sven hieß auf Altnordisch Sveinn. Die isländischen Sagas geben ihm den Beinamen tjúguskegg, „Gabelbart“: tjúga ist eine Gabel, etwa eine Heu- oder Mistgabel, skegg der Bart. Im Dänischen heißt er bis heute Svend Tveskæg, „Zweibart“, im Englischen Sweyn oder Swein Forkbeard. Der Beiname taucht schriftlich erst um 1140 in der Roskilder Chronik auf, mehr als hundert Jahre nach seinem Tod. Ob Sven tatsächlich einen gespaltenen Kinnbart oder einen zweigeteilten Schnurrbart trug, lässt sich nicht prüfen.
Sein Vater war Harald Blauzahn, der um 965 nach eigener Aussage auf dem großen Jellingstein „die Dänen christlich machte“. Der Großvater war Gorm der Alte, die Großmutter Thyra. Wer seine Mutter war, ist nicht sicher. Dänische Nachschlagewerke nennen oft Tove, die Tochter des Abodritenfürsten Mistivoj, die auf dem Runenstein von Sønder Vissing als Haralds Frau bezeugt ist; ausdrücklich als Svens Mutter belegt ist sie nicht. Auch das Geburtsjahr ist unbekannt. Zahlen wie „um 960“ oder „963“ sind Schätzungen.
Svens eigene Familie ist besser greifbar. Thietmar von Merseburg berichtet, dass Sven eine Schwester des polnischen Herzogs Bolesław Chrobry heiratete. Aus dieser Ehe stammen Harald, sein Nachfolger in Dänemark, und Knut, der spätere Knut der Große. Tochter Estrid wurde die Mutter Sven Estridsens, König ab 1047. Tochter Gyda heiratete Eiríkr Hákonarson, den Jarl von Lade. Die Sagas machen Svens Frau zur schwedischen Königinwitwe Sigrid der Stolzen, einer literarischen Figur, deren Existenz die Forschung stark bezweifelt.
Der erste sichere Auftritt Svens auf der politischen Bühne ist ein Bruch mit der eigenen Familie. In den späten 980er-Jahren, meist wird 986 oder 987 angesetzt, erhob er sich mit Teilen des dänischen Adels gegen Harald Blauzahn. Es kam zu Kämpfen, Harald wurde verwundet und floh nach Süden zu den Slawen an der Ostsee. Adam von Bremen nennt als Zuflucht die Stadt Jumne, die meist mit Wolin an der Odermündung gleichgesetzt wird. Dort starb der alte König an seinen Wunden. Sein Leichnam wurde nach Roskilde gebracht und in der Kirche bestattet, die er selbst errichtet hatte.
Warum Sven rebellierte, sagen die Quellen nicht zuverlässig. Adam von Bremen deutet den Konflikt religiös: Der fromme Vater sei von einem heidnischen Sohn gestürzt worden, hinter dem die heidnische Partei des Landes gestanden habe. Moderne Historiker sehen eher handfeste Gründe. Haralds Großprojekte, die Ringburgen vom Trelleborg-Typ, die Brücke von Ravning Enge und der Ausbau des Danewerks, verlangten Arbeitskraft, Abgaben und Gehorsam in einem bis dahin unbekannten Maß. Dazu kamen Rückschläge: 974 hatte Kaiser Otto II. das Danewerk durchbrochen, Harald holte sich das Grenzland 983 zwar zurück, doch in Norwegen entglitt ihm die Lage, als Jarl Hákon von Lade sich von der dänischen Oberhoheit löste.
Die isländische Überlieferung des 13. Jahrhunderts hat diese Jahre mit den sagenhaften Jomswikingern ausgeschmückt, die Sven gefangen nehmen und verheiraten. Das ist große Erzählkunst, aber keine verlässliche Quelle für die 980er-Jahre.
Fast alles, was wir über Svens Herrschaft in Dänemark wissen, stammt aus der Feder von Leuten, die ihn nicht mochten. Am einflussreichsten ist Adam von Bremen, der um 1075 die Geschichte der Hamburg-Bremer Erzbischöfe schrieb. Bei ihm ist Sven ein Abtrünniger: Er habe nach dem Sturz des Vaters das Christentum verfolgt, sei zur Strafe vom Schwedenkönig Erik dem Siegreichen vertrieben worden und habe vierzehn Jahre im Exil verbracht, zuletzt bei einem schottischen König. Erst nach seiner Umkehr habe Gott ihm Glück geschenkt.
Das Problem: Diese vierzehn Jahre passen nicht in die bekannte Chronologie. Sven führte ab 991 oder spätestens 994 Feldzüge nach England, siegte um 1000 bei Svolder und ließ um 995 Münzen in seinem Namen prägen. Ein König im langen Exil tut das nicht. Der dänische Historiker Niels Lund kam zu dem Schluss, Adam habe seine Geschichte eher als Predigt über Sünde und Strafe erzählt denn als Bericht über Tatsachen. Adam selbst erwähnt übrigens einen englischen Bischof Gotebald, der unter Sven in Schonen wirkte. Das passt schlecht zu einem Kirchenverfolger.
Der zweite Zeuge ist Thietmar von Merseburg, ein sächsischer Bischof, der bis 1018 schrieb und damit Svens Zeitgenosse war. Auch er ist feindselig, schildert die dänischen Angriffe auf England in düsteren Farben und erzählt von der Überführung seines Leichnams nach Dänemark, auf die wir noch kommen.
Abseits der Chroniken hinterließ Sven eigene Spuren. Um 995 wurden Pfennige nach englischem Vorbild geprägt, deren Umschrift ihn als König der Dänen nennt. Sie gelten als die ältesten dänischen Münzen mit Königsname und Landesname. Das Vorbild war Æthelreds Münztyp, und das Silber dürfte zu einem guten Teil aus englischen Zahlungen stammen.
Noch unmittelbarer sind zwei Runensteine aus Haithabu, die heute im Wikinger Museum Haithabu bei Schleswig stehen. Auf einem davon (DR 3) steht, König Sven habe den Stein für Skarði gesetzt, seinen Hausgenossen, der „nach Westen gefahren“ war und nun bei Haithabu den Tod fand. Ein zweiter Stein (DR 1) nennt einen Thorulf als Gefolgsmann Svens. „Nach Westen“ meint in Runeninschriften häufig England; beide Steine erinnern wohl an Kämpfe um Haithabu um 1000. Solche Gefolgsleute, altnordisch heimþegi oder Mitglieder der Hirð, waren das Rückgrat jeder Königsmacht: Männer, die vom Tisch und Silber des Herrn lebten und dafür mit ihm in den Krieg zogen.
991 schlug ein großes skandinavisches Heer bei Maldon in Essex die Männer des Ealdorman Byrhtnoth. Danach zahlte England 10.000 Pfund, um die Angreifer loszuwerden. Ob Sven 991 dabei war, ist umstritten; einige Handschriften der Chronik nennen Olaf (Tryggvason) als Anführer, Sven wird für dieses Jahr nicht ausdrücklich erwähnt. Wie dieses System aus Erpressung und Zahlung funktionierte, zeigen wir ausführlich in unserem Beitrag zu Danegeld und der Schlacht von Maldon.
Sicher ist das Jahr 994. Die Angelsächsische Chronik berichtet, dass Olaf und Sven mit 94 Schiffen vor London erschienen und die Stadt am Tag von Mariä Geburt, dem 8. September, angriffen. Sie wollten sie niederbrennen, doch die Bürger wehrten sich so heftig, dass die Angreifer mehr Schaden erlitten, als sie anrichteten. Nach dem Fehlschlag zogen die Wikinger plündernd durch Essex, Kent, Sussex und Hampshire, nahmen sich Pferde und ritten, wohin sie wollten. Am Ende zahlte Æthelred 16.000 Pfund und versorgte das Heer über den Winter in Southampton.
Für Olaf Tryggvason endete der Feldzug mit einem Abkommen: Er ließ sich in Andover in Gegenwart Æthelreds firmen und versprach, nie wieder feindlich nach England zu kommen, ein Versprechen, das er hielt. Er segelte stattdessen nach Norwegen und machte sich dort zum König. Damit wurde der Waffenbruder von London zu Svens gefährlichstem Rivalen. Mehr über ihn findest du in unserem Porträt Olaf Tryggvason.
Olaf Tryggvason regierte Norwegen ab 995 und versuchte, das Land mit harter Hand zu christianisieren. Für Sven war das doppelt bedrohlich. Norwegen hatte unter Harald Blauzahn zum dänischen Einflussbereich gehört, und ein starker Nachbarkönig konnte den Seeweg durch Skagerrak und Kattegat kontrollieren. Um das Jahr 1000 schmiedete Sven deshalb ein Bündnis mit dem Schwedenkönig Olof Skötkonung und mit Eiríkr Hákonarson, dem Sohn des von Olaf vertriebenen Jarls von Lade. Eiríkr war zugleich Svens Schwiegersohn.
Die Verbündeten stellten Olaf auf der Rückfahrt von einer Ostseeexpedition. Die Schlacht ist unter dem Namen Svolder (altnordisch Svǫlð oder Svǫlðr) bekannt, doch schon ihr Ort ist umstritten. Adam von Bremen verlegt sie in den Öresund, die isländischen Sagas an eine Insel namens Svǫlðr in der Nähe der wendischen Küste, vermutlich bei Rügen. Die isländische Tradition datiert sie auf den 9. September 1000, manche Forscher halten 999 für möglich. Sicher ist der Ausgang: Olafs Flotte wurde geschlagen, sein berühmtes Schiff, der Lange Wurm, geentert, und der König sprang nach der Überlieferung in voller Rüstung über Bord.
Politisch aber gewann Sven. Norwegen wurde aufgeteilt. Eiríkr und sein Bruder Sveinn Hákonarson regierten große Teile des Landes als Jarle unter dänischer Oberhoheit, Gebiete im Osten fielen an Schweden, und Sven selbst sicherte sich die Region um den Oslofjord, die Vík.
In England verschärfte sich die Lage. Im Jahr 1002 zahlte Æthelred 24.000 Pfund an eine Flotte, die im Land stand. Kurz darauf, am 13. November, dem Gedenktag des heiligen Brictius (englisch St Brice), befahl er, wie die Chronik knapp vermerkt, „alle dänischen Männer, die in England waren“, zu töten, weil man ihm berichtet habe, sie wollten ihn und seine Ratgeber ermorden. Gemeint waren wohl nicht die alteingesessenen Nachkommen dänischer Siedler im Danelag, sondern Söldner und neu Angekommene, besonders in Städten im Süden.
Ein seltener Augenzeugenbeleg ist eine Urkunde Æthelreds von 1004 für das Kloster St Frideswide in Oxford. Darin rechtfertigt der König den Wiederaufbau der Kirche: Die Dänen in Oxford hätten sich in die Kirche geflüchtet, die Bürger hätten sie mitsamt dem Gebäude verbrannt.
Berühmt wurde das Massaker vor allem durch eine Erzählung, die eine persönliche Rache in Svens Feldzüge legt: Unter den Toten sei auch Svens Schwester Gunnhild gewesen, verheiratet mit dem Jarl Pallig, der in englischen Diensten stand. Sven habe deshalb seine Rückkehr geschworen.
1003 war Sven wieder da. Die Chronik nennt ihn ausdrücklich als Anführer des Heeres, das Exeter einnahm und plünderte, nachdem ein Vogt der Königin Emma die Stadt verraten haben soll. Danach zogen die Dänen durch Wiltshire, brannten Wilton nieder und kehrten über Salisbury zu ihren Schiffen zurück. Ein englisches Aufgebot unter Ealdorman Ælfric zerfiel, bevor es kämpfte, weil sein Anführer sich krank stellte. Die Chronik kommentiert bitter mit einem alten Sprichwort: Wenn der Heerführer verzagt, wird das ganze Heer gehemmt.
1004 folgten Norwich und Thetford in Ostanglien. Hier traf Sven auf einen Gegner, der ihm wirklich weh tat: Ulfcytel, ein ostanglischer Adeliger, griff die Dänen bei Thetford an. Die Chronik schreibt, die Dänen hätten selbst gesagt, nie habe man ihnen in England einen härteren Kampf geliefert. 1005 brachte eine Hungersnot, und die dänische Flotte kehrte heim.
Ab 1009 beherrschte ein anderer Name die englische Chronik: Thorkell der Hohe, ein dänischer Heerführer, den die Überlieferung mit den Jomswikingern verbindet. Sein Heer verwüstete drei Jahre lang Südengland, eroberte 1011 Canterbury und nahm Erzbischof Ælfheah gefangen, der im April 1012 in Greenwich von betrunkenen Kriegern erschlagen wurde, weil er sich weigerte, für sich Lösegeld zahlen zu lassen. Danach erhielt das Heer 48.000 Pfund, und Thorkell trat mit 45 Schiffen in Æthelreds Dienste.
Im Sommer 1013, laut Chronik vor dem August, segelte Sven mit einer großen Flotte nach England. An Bord war auch sein jüngerer Sohn Knut, während der ältere, Harald, in Dänemark die Herrschaft führte. Sven lief zunächst Sandwich in Kent an, den klassischen Landeplatz der Wikinger. Dann aber tat er etwas Ungewöhnliches: Er segelte nicht ins Herz von Wessex, sondern um Ostanglien herum in die Mündung des Humber und den Trent hinauf bis Gainsborough in Lincolnshire.
Die Wahl war klug. Hier lag das Gebiet, in dem seit dem 9. Jahrhundert dänische Siedler lebten und skandinavisches Recht galt. In kürzester Zeit unterwarfen sich ihm Earl Uhtred und die Northumbrier, die Leute von Lindsey, die Bewohner der sogenannten Fünf Burgen (Derby, Leicester, Lincoln, Nottingham, Stamford) und schließlich das ganze Heer nördlich der Watling Street, der alten Römerstraße, die als Grenze zum Danelag galt. Sven ließ sich Geiseln stellen, Pferde und Proviant liefern und übergab die Schiffe und Geiseln seinem Sohn Knut.
Erst als sein Heer die Watling Street überschritten hatte, ließ er plündern und brennen. Oxford ergab sich sofort und stellte Geiseln, ebenso Winchester. London dagegen hielt stand. Dort waren Æthelred und Thorkell mit seiner Flotte, und beim Versuch, die Themse zu überqueren, ertranken viele Dänen, weil sie nicht nach einer Brücke suchten. Sven wandte sich nach Westen. In Bath unterwarfen sich ihm Ealdorman Æthelmær und die Thegns des Westens. Danach gab auch London auf, aus Furcht, dass Sven die Stadt vernichten werde.
Und das ganze Volk hielt ihn da für den vollen König. Angelsächsische Chronik, zum Jahr 1013 (eigene Übertragung)
Æthelreds Frau Emma war schon in die Normandie zu ihrem Bruder, Herzog Richard II., vorausgereist, die Söhne folgten. Der König selbst hielt sich bei Thorkells Flotte auf, verbrachte Weihnachten auf der Isle of Wight und setzte dann ebenfalls über. Sven forderte volle Bezahlung und Verpflegung für sein Heer über den Winter.
Sven kehrte in sein Hauptquartier am Trent zurück. Dort endete seine Geschichte abrupt. Die Chronik notiert für 1014 nur, Sven habe zu Lichtmess seine Tage beendet, und gibt den 3. Februar an. Die Flotte habe daraufhin Knut zum König gewählt. Über die Todesursache schweigt die zeitgenössische Überlieferung. Ein Bericht von einem Sturz vom Pferd taucht in der populären Literatur auf, ist aber nicht zeitgenössisch belegt.
Die Mönche von Bury St Edmunds hatten ihre eigene Erklärung. In den Miracula sancti Eadmundi, die der Archidiakon Herman gegen Ende des 11. Jahrhunderts verfasste, erscheint der heilige Edmund, der 869 von Wikingern getötete König der Ostangeln, dem Dänenkönig in Gainsborough. Sven hatte nach dieser Erzählung Tribut auch von den Ländereien des Heiligen gefordert. Edmund durchbohrt ihn daraufhin mit einer Lanze. Die Morgan Library in New York bewahrt eine Handschrift aus Bury aus der Zeit um 1130, in der diese Szene gemalt ist: Edmund, gekrönt, mit Geldbeutel in der einen Hand, stößt dem im Bett liegenden Sven den Speer in die Brust.
Laut dem Encomium Emmae Reginae, einer Lobschrift, die ein flämischer Mönch um 1041/42 für Königin Emma verfasste, wurde Sven zunächst in England bestattet, wahrscheinlich in York. Thietmar von Merseburg berichtet, eine englische Frau habe den Leichnam ausgraben und nach Dänemark bringen lassen. Manche Historiker vermuten in dieser Frau Ælfgifu von Northampton, Knuts erste Gefährtin, die aus einer Familie des englischen Nordens stammte.
Das Encomium nennt als letzte Ruhestätte eine Dreifaltigkeitskirche, die Sven selbst gegründet habe, ohne den Ort zu nennen. Die meisten Forscher denken an Roskilde, wo schon Harald Blauzahn begraben lag. Die schwedische Archäologin Maria Cinthio argumentierte dagegen für die Dreifaltigkeitskirche in Lund im damals dänischen Schonen, deren Anfänge in Svens Zeit fallen. Der Streit ist nicht entschieden. Ein sicher Sven zugewiesenes Grab gibt es bis heute nicht.
In Dänemark folgte Svens älterer Sohn Harald II. Knut kehrte 1015 mit großer Flotte nach England zurück, unterstützt von Eiríkr Jarl und erneut von Thorkell dem Hohen. Nach Æthelreds Tod im April 1016 und der Schlacht bei Assandun im Oktober wurde Knut nach dem baldigen Tod Edmund Ironsides König von ganz England. 1017 heiratete er Emma, die Witwe des Mannes, den sein Vater vertrieben hatte. Später kamen Dänemark (um 1018/19) und Norwegen (1028) hinzu: Der Sohn vollendete, was der Vater begonnen hatte. Mehr dazu in unserem Artikel über Knut den Großen.
Die moderne Forschung, etwa Peter Sawyer und Niels Lund, hat Adams Bild vom gottlosen Rebellen gründlich zurechtgerückt. Sven erscheint heute als machtbewusster, wendiger Herrscher, der die Ressourcen seines Vaters nicht in Burgen, sondern in Flotten und Gefolgschaften investierte. Er nutzte die Schwäche der englischen Führung mit politischem Instinkt, setzte auf die Loyalität des Danelags und gewann das reichste Königreich im Nordwesten Europas fast ohne große Feldschlacht. Ein Heiliger war er nicht: Seine Feldzüge kosteten unzählige Menschen Leben, Freiheit oder Besitz. An ihm zeigt sich der Übergang von den Raubzügen nach England zu den christlichen Königreichen, ein Weg, der erst 1066 endete, als Harald Hardrada bei Stamford Bridge fiel.

Wer war Sven Gabelbart? Sven Gabelbart (altnordisch Sveinn tjúguskegg, dänisch Svend Tveskæg) war König von Dänemark von etwa 986/87 bis 1014, Sohn Harald Blauzahns und Vater Knuts des Großen. Ende 1013 erkannten ihn die Engländer als König an.
Wann war Sven Gabelbart König von England? Von der Unterwerfung Londons Ende 1013 bis zu seinem Tod am 3. Februar 1014, also nur wenige Wochen. Eine förmliche Krönung ist nicht überliefert.
Woran starb Sven Gabelbart? Die zeitgenössischen Quellen nennen keine Todesursache. Er starb in Gainsborough in Lincolnshire. Die Geschichte, der heilige Edmund habe ihn mit einer Lanze getötet, ist eine Klosterlegende aus Bury St Edmunds.
Warum heißt er Gabelbart? Der altnordische Beiname tjúguskegg bedeutet „Gabelbart“. Er ist erst ab etwa 1140 schriftlich belegt; wie Svens Bart tatsächlich aussah, wissen wir nicht.
Wo ist Sven Gabelbart begraben? Zunächst in England, dann wurde sein Leichnam nach Dänemark überführt und in einer von ihm gegründeten Dreifaltigkeitskirche bestattet. Ob in Roskilde oder in Lund, ist umstritten.
War Sven Gabelbart Heide oder Christ? Er war getauft und ließ Münzen mit Kreuzsymbol prägen. Das Bild des heidnischen Abtrünnigen stammt von Adam von Bremen und gilt in der Forschung als parteiisch.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
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