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Der Valknut – drei Dreiecke, ein moderner Name und eine offene Frage

Symbole Der Valknut – drei Dreiecke, ein moderner Name und eine offene Frage

Der Valknut ist ein Zeichen aus drei ineinandergreifenden Dreiecken, das auf Bildsteinen von Gotland, im Schiffsgrab von Oseberg und auf einem angelsächsischen Goldring vorkommt – meist in Szenen, in denen es um Tod, Opfer und Odin zu gehen scheint. Was es für die Menschen des 8. und 9. Jahrhunderts bedeutete, hat niemand aufgeschrieben. Selbst der Name ist modern. Wir zeigen dir, was wirklich gefunden wurde, was Snorri dazu beiträgt, welche Deutungen die Forschung vertritt – und woran du einen guten Valknut für Gravur, Schmuck oder Tattoo erkennst.

Valknut – Knoten der Gefallenen

Ein Zeichen, das jeder kennt – und keiner erklären kann

Drei Dreiecke, verschränkt zu einem einzigen Gebilde. Neun Spitzen, die nach außen zeigen. Du hast das Zeichen auf Thorshammer-Anhängern gesehen, auf Unterarmen, auf Trinkhörnern vom Mittelaltermarkt und in Firmenlogos. Kaum ein „Wikinger-Symbol“ ist so verbreitet. Und kaum eines wird so selbstbewusst erklärt, obwohl die Quellen dazu so beharrlich schweigen.

Genau das macht den Valknut für uns so reizvoll. Er gehört nicht zu den neuzeitlichen Zauberzeichen wie Vegvísir und Ægishjálmr, die erst in isländischen Handschriften der Frühen Neuzeit auftauchen. Er ist echt alt, in Stein gehauen, in Holz geschnitzt, in Gold graviert. Aber er ist stumm. Kein Runenstein sagt, wie er heißt. Keine Saga erklärt ihn. Was wir haben, sind Bilder – und die Nachbarschaft, in der sie stehen. Also: erst die Funde, dann die eine Textstelle, dann die Deutungen, sauber getrennt nach Beleg und Vermutung. Und zum Schluss Tipps aus unserer Werkstatt.

Der Valknut auf dem Stora-Hammars-I-Bildstein, Gotland
Der echte Beleg – eine Nahaufnahme: der Valknut, die drei verschlungenen Dreiecke, auf dem Stora-Hammars-I-Bildstein (Gotland). Abbildung: nach Berig, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.

Ein Name ohne Vergangenheit: Valknut und Wotansknoten

Fangen wir mit der unbequemsten Wahrheit an. Das Wort Valknut stammt nicht aus der Wikingerzeit. Es ist eine neuzeitliche skandinavische Bezeichnung; im heutigen Norwegisch wird es üblicherweise als „Knoten der Gefallenen“ verstanden. Das erste Glied steckt auch in Walhall und Walküre: altnordisch valr bezeichnet die Gesamtheit der im Kampf Gefallenen. Eine altnordische Form valknútr liest man zwar gelegentlich, sie ist aber nirgends in einer mittelalterlichen Quelle überliefert. Sie ist eine Rückbildung aus dem modernen Wort.

Spannend ist, dass valknute im Norwegischen auch ganz anderes meint: ein geschlungenes Vieleck mit einer Schlaufe an jeder Ecke, wie es etwa im Wappen der Kommune Lødingen steht. Solche Schlaufenknoten finden sich schon auf Siegeln des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Dass das Wort zuerst die Gefallenen meinte und dann auf Knotenmuster überging – oder umgekehrt –, lässt sich aus dem, was wir prüfen konnten, nicht sicher sagen. Fest steht nur: Die Verbindung von Name und Bildsteinzeichen ist eine Sache der Neuzeit.

Im Deutschen hörst du außerdem Wotansknoten, Walknoten oder „Knoten der Gefallenen“. Auch das sind moderne Namen. Die Menschen auf Gotland hätten den Gott Óðinn genannt, nicht Wotan.

Mythos-Check: „Die Wikinger nannten das Zeichen Valknut.“ – Dafür gibt es keinen einzigen Beleg. Wie sie es nannten, ob sie überhaupt einen festen Namen dafür hatten, wissen wir nicht. Das Bild ist rund zwölfhundert Jahre alt, der Name allenfalls ein paar Jahrhunderte.

Lärbro auf Gotland: wo die meisten Valknuts stehen

Wenn du den Valknut an seiner Quelle sehen willst, musst du in den Norden Gotlands. Im Kirchspiel Lärbro wurden zwei der wichtigsten Steine gefunden: die Steine von Tängelgårda und die von Stora Hammars. Beide gehören zur Gruppe der gotländischen Bildsteine, hohe Kalksteinplatten mit flachen Reliefs, die in mehreren Bildfeldern übereinander erzählen. Die Forschung ordnet diese großen, pilzförmigen Steine nach Sune Lindqvist dem Typ C/D zu und datiert sie heute meist in das 8. bis 10. Jahrhundert. Für einzelne Steine gehen die Vorschläge weit auseinander – das gilt auch für unsere beiden.

Tängelgårda I wurde in den 1860er-Jahren mit drei weiteren Steinen bei Fånggården nahe dem Hof Tängelgårda entdeckt, wiederverwendet in einer Steinsetzung, vermutlich einer Grabeinfassung. Heute steht er im Historischen Museum (Statens historiska museum) in Stockholm. Ganz unten fährt ein großes Segelschiff. Darüber reiht sich eine Prozession: Männer mit gesenkten Schwertern, ein Pferd, das manche mit Sleipnir in Verbindung bringen, und ein Reiter, dem Männer Ringe entgegenhalten. In dieser Szene, beim Reiter und zwischen den Beinen des Pferdes, sitzt der Valknut – nicht einmal, sondern mehrfach.

Wichtig für alle, die das Zeichen nachzeichnen wollen: Auf Tängelgårda I ist der Valknut aus einer einzigen durchlaufenden Linie gebildet. Mehr dazu weiter unten bei den Varianten.

Befund Tängelgårda I: Bildstein aus dem Kirchspiel Lärbro, Gotland, Statens historiska museum Stockholm. Valknut in Form eines unikursalen (einlinigen) Knotens, in der Bildzone mit Reiter und ringtragenden Männern. Datierung umstritten; die Angaben reichen von der Vendelzeit bis in die Wikingerzeit.

Wie man die Szene liest, ist bereits Deutung. Häufig wird sie als Ankunft eines Toten in Walhall verstanden, manchmal als Huldigung an einen Fürsten oder an Odin selbst. Die Ringe könnten Eidringe sein oder Gaben eines Gefolgsherrn. Was es aber zeigt: Der Valknut steht hier nicht als Dekoration in einer Ecke, sondern mitten im Geschehen, eng beim Reiter.

Stora Hammars I: Knoten über dem Opferplatz

Noch eindrücklicher ist Stora Hammars I, ebenfalls aus Lärbro. Der Stein ist in sechs Bildfelder gegliedert, die von oben nach unten gelesen werden. Er steht heute zusammen mit weiteren Steinen vom selben Hof im Freilichtmuseum Bungemuseet bei Fårösund im Norden Gotlands – unter freiem Himmel, nur im Winter gegen Frost geschützt, und entsprechend verwittert. Seine Datierung schwankt in der Literatur zwischen etwa 700 (Lindqvist) und dem 10. Jahrhundert; andere Vorschläge liegen um 790 bis 840.

Im dritten Bildfeld von oben spielt sich das ab, was die Forschung seit über hundert Jahren beschäftigt. Unter zwei ineinander verschlungenen Bäumen steht ein Mann mit Schild, eine Schlinge um den Hals. Ein Raubvogel fliegt auf ihn zu. Darunter: die drei verschränkten Dreiecke, und daneben eine Art Altar mit zwei Männern. Rechts davon stehen vier Krieger mit erhobenen Schwertern. Ein weiteres Feld zeigt ein Schiff voller Bewaffneter, ganz unten fährt wieder ein großes Segelschiff.

Befund Stora Hammars I: Bildstein aus Lärbro, heute Bungemuseet, Gotland. Valknut aus drei geschlossenen, ineinandergreifenden Dreiecken, unmittelbar bei einer Szene mit Hängendem, Raubvogel und einem „Altar“. Die Nachbarschaft ist belegt – die Bedeutung ist erschlossen.

Wer die Eddalieder kennt, denkt bei einem Hängenden am Baum sofort an Odin, der sich nach dem Hávamál selbst neun Nächte an den windigen Baum hängte. Andere erinnern an die Sage von König Víkarr, den Starkaðr in der Gautreks saga zum Schein hängt – und der dann doch als echtes Opfer für Odin stirbt. Ob der Steinmetz von Stora Hammars eine dieser Geschichten im Kopf hatte, eine ganz andere oder eine echte Opferpraxis abbilden wollte, ist offen. Klar ist nur: Hier stehen Hängen, Vogel, Krieger und der Valknut auf engstem Raum beisammen.

Oseberg, ein Ring aus dem Nene und ein paar Münzen

Gotland ist das Kerngebiet, aber nicht der einzige Fundort. Das zweite große Zeugnis kommt aus Norwegen: aus dem Oseberg-Schiffsgrab am Oslofjord, das dendrochronologisch auf das Jahr 834 datiert ist. Dort trägt ein geschnitzter Bettpfosten den Valknut in der Form aus drei geschlossenen Dreiecken. Hilda Ellis Davidson wies außerdem auf das Zeichen in den Fragmenten des gewebten Wandbehangs aus demselben Grab hin, der unter anderem einen Zug von Wagen und Reitern zeigt. Ein Bettpfosten im Grab zweier Frauen – ein ganz anderer Kontext als ein Gedenkstein für Krieger.

Das dritte klassische Stück liegt im British Museum in London: der sogenannte River-Nene-Ring. Ein Goldring mit Niello-Einlagen, angelsächsisch, ins 8. bis 9. Jahrhundert datiert, mit einem Durchmesser von 2,7 Zentimetern. Gefunden wurde er beim Aalstechen im Fluss Nene bei Peterborough, unter der Eisenbahnbrücke der Great Northern Railway; das Museum kaufte ihn 1855. Auf einer seiner beiden aufgesetzten Platten sind drei verschränkte Dreiecke eingraviert. Das Museum selbst beschreibt sie nüchtern als „drei eingeritzte, verflochtene Dreiecke“ und deutet sie nicht.

Daneben gibt es weitere, kleinere Belege: Zeichen auf Münzen, Schmuck und weiteren Bildsteinen. Ellis Davidson nennt zudem angelsächsische Brandbestattungsurnen aus East Anglia, auf denen ähnliche Zeichen neben Wölfen und Raben auftauchen. Die bislang umfangreichste Sammlung hat Tom Hellers 2012 in seiner Wiener Studie Valknútr. Das Dreiecksymbol der Wikingerzeit vorgelegt; er unterscheidet dort fünf Varianten des Zeichens.

Mythos-Check: „Der Valknut war überall in der Wikingerwelt.“ – Nein. Im Vergleich zum Thorshammer, von dem es weit über tausend Amulette gibt, ist der Valknut selten. Sein Schwerpunkt liegt eindeutig auf Gotland, dazu kommen Einzelstücke aus Norwegen und England.

Zwei Arten, drei Dreiecke zu verschränken

Wenn du dir Valknuts im Netz ansiehst, fällt dir vielleicht auf, dass nicht alle gleich gebaut sind. Das ist kein Fehler der Grafiker, sondern spiegelt die alten Funde wider. Es gibt zwei Grundformen:

Die unikursale Form. Der ganze Knoten lässt sich mit einer einzigen Linie zeichnen, ohne abzusetzen. Mathematisch ist das ein Kleeblattknoten, eng verwandt mit der Triquetra, nur eben mit spitzen Ecken statt Bögen. So erscheint der Valknut auf Tängelgårda I.

Die tricursale oder borromäische Form. Drei geschlossene Dreiecke greifen so ineinander, dass sie zusammenhalten, obwohl keine zwei von ihnen direkt verkettet sind. Nimmst du ein Dreieck weg, fallen die beiden anderen auseinander. Dieses Prinzip kennt man aus der Mathematik als Borromäische Ringe, benannt nach dem Wappen der italienischen Adelsfamilie Borromeo. So zeigen den Valknut Stora Hammars I, der Oseberg-Bettpfosten und der Nene-Ring.

Daneben findest du heute eine dritte Variante, die drei Dreiecke einfach wie Kettenglieder ineinanderhängt. Die ist neu. Unter den alten Funden ist sie nach unserem Kenntnisstand nicht belegt.

Kurz gesagt: Unikursal (eine Linie) – Tängelgårda I. Borromäisch (drei Dreiecke, die nur gemeinsam halten) – Stora Hammars I, Oseberg, Nene-Ring. Beide Formen sind historisch; keine ist „richtiger“ als die andere.

Ob die Menschen damals mit dem Unterschied etwas meinten, wissen wir nicht. Das borromäische Prinzip – drei, die nur zusammen halten – lädt heute zu Gedanken über Verbundenheit ein. Als moderne Lesart ist das legitim, als Aussage über das 8. Jahrhundert Spekulation.

Hrungnirs Herz: Snorris rätselhafte Parallele

Die gesamte altnordische Literatur kennt keinen Valknut. Aber sie kennt eine Stelle, die seit Langem mit ihm in Verbindung gebracht wird. Sie steht bei Snorri Sturluson in den Skáldskaparmál, dem Lehrbuch der Dichtersprache in seiner Edda, um 1220 geschrieben. Dort erzählt Snorri vom Zweikampf zwischen Thor und dem Steinriesen Hrungnir. Bevor es zur Sache geht, beschreibt er den Riesen:

„Hrungnir had the heart which is notorious, of hard stone and spiked with three corners, even as the written character is since formed, which men call Hrungnir's Heart.“Snorri Sturluson, Skáldskaparmál, Kap. 17, englische Übersetzung von Arthur G. Brodeur, 1916 (gemeinfrei)

Sinngemäß auf Deutsch: Hrungnir hatte ein berühmtes Herz aus hartem Stein, mit drei Ecken, so wie das geritzte Zeichen, das seitdem gemacht wird und das „Hrungnirs Herz“ heißt. Im Altnordischen steht für dieses Zeichen das Wort ristubragð, wörtlich etwa „Ritzzeichen“. Kopf und Schild des Riesen sind ebenfalls aus Stein; sein Lehmriese Mökkurkálfi dagegen bekommt ein Stutenherz, das beim Anblick Thors nicht standhält.

Ein Zeichen mit drei Ecken, das man ritzt und das einen Namen trägt – das klingt verlockend nach unserem Valknut. Und tatsächlich halten manche Forscher hrungnishjarta für die einzige überlieferte alte Bezeichnung des Symbols. Aber drei Punkte mahnen zur Vorsicht:

Mythos-Check: Man kann nicht beides zugleich haben. Wer Snorri als Beleg anführt, müsste das Zeichen „Hrungnirs Herz“ nennen und es mit einem Riesen verbinden. Wer es „Knoten der Gefallenen“ nennt und Odin zuordnet, stützt sich auf die Bildsteine und einen modernen Namen. Beide Lesarten sind diskutabel – zusammengerührt ergeben sie eine Geschichte, die keine Quelle erzählt.

Was bedeutet der Valknut? Drei Deutungen

Jetzt kommen wir zu der Frage, die du wahrscheinlich gegoogelt hast. Die ehrliche Antwort zuerst: Niemand weiß es sicher. Alles, was folgt, sind Deutungen – gut begründete, aber eben erschlossen aus dem Zusammenhang der Bilder. Wir stellen dir die drei wichtigsten vor.

Deutung 1: Das Zeichen Odins. Auf Tängelgårda I steht der Valknut beim Reiter, auf Stora Hammars I bei einem Hängenden, einem Raubvogel und Kriegern. Hängen, Speer, Vogel, Krieger – das sind Motive, die man aus der Überlieferung über Odin kennt. Er ist der Gott der Gehängten, der Herr der Gefallenen, und in Walhall versammelt er die toten Krieger um sich. Deshalb verbindet die Mehrheit der Forscher den Valknut mit Odin. Rudolf Simek formuliert vorsichtig, das Zeichen könne wegen seines Auftretens auf Bildsteinen mit Odin und unter den Grabbeigaben von Oseberg mit religiösen Vorstellungen rund um den Tod zusammenhängen.

Deutung 2: Tod und Übergang. Fast alle Fundzusammenhänge haben mit dem Tod zu tun. Die Bildsteine sind Gedenkmale, oft bei Gräbern, und die Szenen mit Schiffen und Reitern werden häufig als Reise ins Jenseits gelesen. Oseberg ist ein Grab. Die Urnen aus East Anglia sind Gräber. Daraus ergibt sich eine Lesart des Valknut als Zeichen des Übergangs vom Leben in den Tod, vielleicht als Markierung eines Toten, der einem Gott gehört. Eine Spielart davon verbindet ihn mit den Walküren, die nach der Überlieferung die Gefallenen auswählen.

Deutung 3: Binden und Lösen. Die bekannteste Einzelthese stammt von der britischen Religionshistorikerin Hilda Ellis Davidson. In Gods and Myths of Northern Europe (1964) schlug sie vor, das Zeichen stehe für Odins Macht, zu binden und zu lösen. Gemeint ist eine geistige Fessel: Odin konnte Kriegern im Kampf die Glieder lähmen und Panik schicken, und er konnte umgekehrt Angst lösen, durch Kampfrausch, Rausch und Eingebung.

Für diese Idee gibt es Anknüpfungspunkte in den Quellen, wenn auch keine direkten Belege für den Valknut selbst. Eine der Walküren in der Liste der Grímnismál heißt Herfjǫturr, „Heeresfessel“. Im ersten der Merseburger Zaubersprüche legen göttliche Frauen Fesseln an und lösen sie. Und in der Hávamál rühmt sich Odin eines Zaubers, der Fesseln von den Gliedern springen lässt. Das Binden gehört also tatsächlich zu Odins Bereich. Ob der Valknut dieses Binden darstellt, bleibt eine kluge, aber unbewiesene Vermutung.

Unsere Einordnung: Belegt ist die Nachbarschaft des Zeichens zu Szenen mit Tod, Opfer, Kriegern und Reitern. Die Verbindung zu Odin ist die am breitesten vertretene Deutung. Davidsons Bindezauber ist eine einflussreiche Einzelthese. Tom Hellers prüft in seiner Studie außerdem Deutungen als Zeichen eines Pferdekultes, als Statusmarker der Elite und als Schutzamulett – auch das zeigt, wie offen die Frage ist.

Was die Quellen nicht sagen

Bei einem so beliebten Symbol wachsen die Bedeutungen schneller als die Belege. Ein paar Behauptungen begegnen uns immer wieder – auf Produktseiten, in Tattoo-Katalogen, in Videos. Hier die häufigsten im Kurzcheck:

Mythos-Check: „Neun Spitzen für die neun Welten.“ – Die neun Welten kennt die Eddadichtung, und der Valknut hat tatsächlich neun Ecken. Eine Quelle, die beides verbindet, gibt es aber nicht. Das ist moderne Zahlensymbolik, keine Überlieferung.
Mythos-Check: „Wer den Valknut trägt, ist Odin geweiht und stirbt im Kampf.“ – Eine hübsch schaurige Geschichte, die man oft liest. Ein mittelalterlicher Beleg dafür ist uns nicht bekannt. Sie ist eine moderne Ausschmückung der Odin-Deutung.
Mythos-Check: „Der Valknut war das Kriegerzeichen der Wikinger.“ – Die gotländischen Steine mit Valknut werden zum Teil vor die eigentliche Wikingerzeit datiert, und einer der wichtigsten Funde stammt vom Bettpfosten aus einem Frauengrab. Ein reines Kriegerabzeichen sieht anders aus.

Ein Symbol wird nicht ärmer, wenn man ihm die erfundenen Geschichten abnimmt. Drei verschränkte Dreiecke neben einem Hängenden, gehauen in Kalkstein vor mehr als tausend Jahren – das ist stark genug.

Valknut heute: Schmuck, Tattoo und Logo

Heute ist der Valknut eines der bekanntesten nordischen Zeichen überhaupt. Du findest ihn als Anhänger, Ring und Gürtelschnalle, als Tattoo vom Unterarm bis zum Schulterblatt, auf Trinkhörnern, Schilden und T-Shirts. Viele, die sich der heutigen nordischen Religion verbunden fühlen, verwenden ihn als religiöses Zeichen – mehr dazu in unserem Beitrag über Ásatrú heute. Für andere ist er ein Erinnerungszeichen für einen verstorbenen Menschen.

Wenn du einen Valknut als Schmuck oder Tattoo planst, lohnt es sich, ein paar Entscheidungen bewusst zu treffen. Erstens: Welche Form? Die borromäische ist die bekanntere, die unikursale die elegantere und seltenere – beide sind historisch belegt. Zweitens: Allein oder im Bild? Auf den Bildsteinen steht der Valknut nie allein, sondern in einer Szene. Ein Motiv mit Schiff, Reiter oder Vogel wirkt deshalb oft näher am Original als das nackte Zeichen. Drittens: Welche Bedeutung willst du ihm geben? Du darfst ihn persönlich deuten – nur solltest du wissen, welcher Teil davon deine Lesart ist. Mehr Anregungen dazu findest du in unserem Beitrag über echte Wikinger-Motive für Gravur und Tattoo.

Den Valknut gravieren: Tipps aus unserer Werkstatt

Der Valknut sieht einfach aus. Beim Gravieren zeigt sich, dass er es nicht ist. Ein Knoten lebt davon, dass man sieht, welcher Strang oben und welcher unten liegt. Fehlen diese kleinen Unterbrechungen, wird aus dem Geflecht ein Gewirr aus Linien. Unsere wichtigsten Erfahrungen:

Über und unter klar zeichnen. Jede Kreuzung braucht eine sichtbare Lücke im unteren Strang. Zähle die Kreuzungen in deinem Entwurf durch und prüfe bei jeder, dass oben und unten im Wechsel stimmen. Beim borromäischen Valknut liegt jedes Dreieck über dem einen Nachbarn und unter dem anderen – sonst fällt der Knoten in Gedanken auseinander.

Linienstärke und Größe. Für eine saubere Lasergravur sollten Linien nicht dünner als etwa 0,2 bis 0,3 Millimeter sein, und die Lücken an den Kreuzungen brauchen ebenfalls Luft. Ein Valknut mit Doppellinien, also Bändern statt einfacher Striche, sieht edel aus, verlangt aber Größe. Auf einem kleinen Anhänger ist ein kräftiger einfacher Strang meist lesbarer.

Das passende Material. Auf Naturschiefer erscheint die Gravur hell auf dunklem Grund – das kommt der Wirkung eines gehauenen Bildsteins erstaunlich nahe. Auf Holz brennt sich der Knoten warm und dunkel ein, auf Glas wird er zu einem milchigen, lichtdurchlässigen Zeichen, besonders schön auf einem Windlicht. Welches Material zu welchem Anlass passt, haben wir in unserem Materialvergleich zusammengestellt.

Proportionen. Die Dreiecke auf den Bildsteinen sind nicht immer perfekt gleichseitig, sondern von Hand gehauen. Für eine Gravur wirken exakte, gleichseitige Dreiecke ruhiger. Wer es historischer mag, kann eine Vorlage nach einem bestimmten Stein wählen, etwa nach Stora Hammars I, und die leichte Unregelmäßigkeit bewusst übernehmen.

Kombinationen. Der Valknut verträgt sich gut mit einem Namen in Runen, einem Datum oder einer kurzen Zeile aus der Hávamál. Achte darauf, dass das Zeichen genug Abstand zum Text hat, damit es nicht in den Buchstaben ertrinkt. Bei einer Gedenktafel kann er sehr würdevoll stehen – gerade weil seine ältesten Spuren auf Gedenksteinen liegen.

Bei uns ist jeder Valknut eine Zeichnung, kein Stempel aus der Grafikbibliothek – und wir sagen dir offen, welche Form auf welchen Fund zurückgeht.

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Häufige Fragen

Was bedeutet der Valknut? Die Bedeutung ist nicht überliefert. Weil das Zeichen auf gotländischen Bildsteinen neben Szenen mit Tod, Opfer und Kriegern steht, verbinden die meisten Forscher es mit Odin und den Gefallenen; andere Deutungen sehen darin ein Zeichen des Übergangs oder, nach Hilda Ellis Davidson, Odins Macht zu binden und zu lösen.

Ist der Valknut ein echtes Wikinger-Symbol? Ja, das Bild ist echt alt: Es kommt auf Bildsteinen aus Gotland, im Oseberg-Grab von 834 und auf einem angelsächsischen Goldring des 8. bis 9. Jahrhunderts vor. Der Name „Valknut“ ist dagegen modern.

Was ist der Unterschied zwischen Valknut und Triquetra? Die Triquetra besteht aus drei Bögen, der Valknut aus drei Dreiecken mit insgesamt neun Spitzen. Die unikursale Form des Valknut ist mathematisch derselbe Knoten wie die Triquetra, nur eckig gezeichnet.

Was ist ein Wotansknoten? Wotansknoten ist ein moderner deutscher Name für den Valknut. Wie die Menschen der Wikingerzeit das Zeichen nannten, ist nicht bekannt.

Wo kann ich einen echten Valknut sehen? Tängelgårda I steht im Historischen Museum in Stockholm, Stora Hammars I im Bungemuseet auf Gotland, der Nene-Ring liegt im British Museum in London. Die Oseberg-Funde gehören zum Kulturhistorischen Museum der Universität Oslo.

Darf man einen Valknut als Tattoo tragen? Natürlich. Er ist ein historisches Zeichen, das heute viele Menschen als Erinnerungs-, Glaubens- oder Kunstzeichen tragen. Sinnvoll ist, die Form bewusst zu wählen und zu wissen, welche Bedeutungen belegt und welche modern sind.

Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.

Quellen & Studien

  • Snorri Sturluson, Skáldskaparmál, Kap. 17 (Hrungnirs Herz); engl. Übersetzung: Arthur Gilchrist Brodeur, The Prose Edda, New York: American-Scandinavian Foundation 1916, online: sacred-texts.com.
  • Tom Hellers, Valknútr. Das Dreiecksymbol der Wikingerzeit, Studia Medievalia Septentrionalia 19, Wien: Fassbaender 2012.
  • Hilda R. Ellis Davidson, Gods and Myths of Northern Europe, Harmondsworth: Penguin 1964.
  • Hilda R. Ellis Davidson, Pagan Scandinavia, London: Thames and Hudson 1967.
  • Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie, Stuttgart: Kröner (Stichworte „Valknut“, „Bildsteine“).
  • Gotland Museum, Datenbank der gotländischen Bildsteine: GP 253 Lärbro Stora Hammars I, gotlandicpicturestones.se.
  • Statens historiska museum, Objekt „Tängelgårda I“ (Lärbro, Gotland), via Europeana.
  • The British Museum, Fingerring („River Nene ring“), Inv. 1855,1115.1, britishmuseum.org.
  • Encyclopaedia Britannica, Artikel „Valknut“, britannica.com.

Grundsatz: Ein Symbol kann alt und ein anderes neuzeitlich sein – beide dürfen schön und sinnvoll sein. Uns geht es nur darum, den Unterschied ehrlich zu benennen.

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