Neun gekreuzte Stäbe, aus denen sich alle Runenformen ergeben: Das Web of Wyrd steht für das Netz des Schicksals, das die Nornen weben. Ein starkes Bild – dessen Geschichte man ehrlich erzählen sollte.
Das Web of Wyrd („Netz des Wyrd", auch „Skulds Netz") ist ein geometrisches Muster aus neun geraden Stäben, die sich kreuzen. In diesem Geflecht lassen sich – so die Idee – die Formen aller Runen wiederfinden. Es symbolisiert das Schicksal: alles ist miteinander verwoben, Vergangenheit und Gegenwart bestimmen die Zukunft.
Der Begriff hat eine echte, tiefe Wurzel. Wyrd ist altenglisch und bedeutet „Schicksal"; das altnordische Gegenstück ist urðr – zugleich der Name der Norne Urðr, die mit ihren Schwestern am Brunnen unter dem Weltenbaum das Schicksal bestimmt. Die Vorstellung vom gewobenen oder gelegten Schicksal ist also alt und gut belegt: Die Nornen und Walküren „weben" in der Dichtung die Fäden des Lebens.
Das gezeichnete Web-of-Wyrd-Muster selbst ist jedoch modern. Der Begriff „wyrd" wurde in der Neuzeit populär – besonders durch Brian Bates' Roman „The Way of Wyrd" (1983). Das heute verbreitete geometrische Neun-Stäbe-Motiv taucht erst in den 1990er-Jahren auf. Es gibt keinen wikingerzeitlichen Fund dieses Zeichens. Das dahinterstehende Weltbild ist alt – das Symbol als Grafik ist neu.
„Verstand bedarf, wer weit reist; daheim ist alles leicht."Hávamál 5, nach Karl Simrock 1851 (gemeinfrei)
Mehr echte-vs-erfundene Zeichen im großen Symbol-Überblick; zum Schicksalsdenken passt unser Beitrag über Seiðr und die Nornen.

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