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Die Triquetra: Dreiheitsknoten zwischen Runenstein, Buchmalerei und moderner Legende

Symbole Die Triquetra: Dreiheitsknoten zwischen Runenstein, Buchmalerei und moderner Legende

Die Triquetra ist ein Flechtknoten aus drei ineinander verschlungenen Bögen, und ihre ehrliche Bedeutung lautet: Sie ist ein uraltes, weit verbreitetes Ornament, aber kein Zeichen, dessen heidnischer Sinn irgendwo überliefert wäre. Im Norden findest du sie auf einem Runenstein aus Funbo in Uppsala und auf den Münzen Harald Hardradas, in Irland und England in der Kunst der Klöster. Die Dreifaltigkeitsdeutung ist eine christliche Lesart, Nornen, Dreifachgöttin und „Macht der Drei“ sind modern. Wir zeigen dir die Funde, trennen Triquetra, Triskele und Valknut sauber und sagen, wie wir das Motiv gravieren.

Drei Bögen, ein Faden

Nimm einen Stift und zeichne, ohne abzusetzen: einen spitzen Bogen nach oben, einen nach links unten, einen nach rechts unten, und am Ende landest du wieder dort, wo du angefangen hast. Drei Schlaufen, eine Linie, kein Anfang, kein Ende. Das ist die Triquetra. Sie gehört zu den Motiven, die sich so selbstverständlich anfühlen, als hätte es sie immer gegeben. Und tatsächlich ist sie alt. Nur nicht auf die Art, wie es Schmuckanhänger und Tattoo-Vorlagen gern behaupten.

Der Name kommt aus dem Lateinischen. Triquetrus heißt „dreieckig“ oder „dreizipflig“, die weibliche Form triquetra wurde in der Neuzeit zum Fachwort für die Figur. Im Deutschen sagt man auch Dreiheitsknoten, Dreipass-Knoten oder, mit Blick auf die christliche Deutung, Dreifaltigkeitsknoten. Geometrisch besteht die klassische Triquetra aus drei gleich großen, sich überschneidenden Kreisbögen, also drei spitzen Ovalen, die man in der Kunstgeschichte vesica piscis nennt, „Fischblase“. Oft liegt ein Kreis darum oder durch die Schlaufen hindurch.

Wird die Figur als echtes Flechtband gezeichnet, also mit Über- und Unterführungen, entsteht in der Sprache der Mathematik der Kleeblattknoten, der einfachste nicht auflösbare Knoten überhaupt. Das ist mehr als eine Spielerei: Genau diese Eigenschaft, aus einem einzigen geschlossenen Strang zu bestehen, hat das Motiv für Flechtwerkkünstler attraktiv gemacht. Es fügt sich nahtlos in Bänder, Rahmen und Tierleiber ein.

Für diesen Artikel haben wir unsere frühere, kurze Fassung gründlich überprüft. Einiges hielt der Prüfung stand, anderes nicht. Wo wir uns korrigieren, sagen wir es dir offen.

Runenstein in Uppsala mit Triquetra
Runenstein im Universitetsparken in Uppsala: Runen und eine Triquetra auf einem echten Stein der Wikingerzeit. Wiglaf, gemeinfrei, über Wikimedia Commons.

Triquetra, Triskele, Valknut: drei Zeichen, nicht eines

Bevor wir in die Funde gehen, müssen wir aufräumen. Im Netz werden drei verschiedene Zeichen ständig durcheinandergeworfen, und das verfälscht jede Aussage über „das Alter der Triquetra“.

Die Grenzen sind in der Archäologie nicht immer scharf. Ein englischsprachiges Fachpublikum benutzt „triquetra“ manchmal sehr weit, für jede Figur aus drei Bögen, sogar für windradartige Wirbel. Wir halten es enger: Triquetra heißt bei uns das Dreiblatt aus Bögen. Wer so trennt, merkt schnell, dass manche berühmte „Triquetra“ eigentlich etwas anderes ist.

Lange vor den Wikingern: Wirbel und Dreiblätter der Antike

Die Dreizahl als Bildform ist so alt wie Ornamentik selbst. Im irischen Ganggrab von Newgrange, rund 5.000 Jahre alt, ist eine dreifache Spirale in den Stein gepickt, die heute oft als „keltisches“ Symbol verkauft wird. Sie ist älter als alles Keltische um gut zwei Jahrtausende, und sie ist eine Triskele-artige Spirale, keine Triquetra.

In der Mittelmeerwelt tauchen drehende Dreierfiguren ab etwa dem 4. Jahrhundert v. Chr. häufig auf Keramik aus Anatolien und Persien auf, außerdem auf frühen Münzen Lykiens im Südwesten Kleinasiens. Die drei Beine Siziliens, die Trinacria, gehören in dieselbe Familie. All das zeigt: Die Freude an der Drei ist kein Sondergut des Nordens. Sie ist eine europäische, ja eurasische Grundform.

Die verschlungene Triquetra im engeren Sinn ist dagegen ein Kind der Flechtwerkkunst. Und Flechtwerk ist eine Technik, die sich in der Spätantike und im frühen Mittelalter von Italien und Südgallien aus über Europa verbreitete. Wer nach den Wurzeln der Triquetra sucht, landet deshalb nicht in einem heidnischen Hain, sondern in Werkstätten, in denen Steinmetzen, Goldschmiede und Buchmaler ihr Repertoire austauschten.

Gold aus der Völkerwanderungszeit: was auf den Brakteaten wirklich zu sehen ist

In unserer alten Fassung stand, die Triquetra erscheine schon auf germanischen Goldbrakteaten. Das müssen wir einschränken. Goldbrakteaten sind dünne, einseitig geprägte Goldanhänger des 5. bis 7. Jahrhunderts, angelehnt an römische Kaisermedaillons, gefunden vor allem in Dänemark, Südschweden und Norwegen. Rund tausend Stück sind bekannt, katalogisiert vor allem durch Karl Hauck, Morten Axboe und Klaus Düwel im Ikonographischen Katalog.

Auf diesen Brakteaten gibt es sehr wohl Dreierfiguren: Wirbelzeichen, Tierkörper, die sich zu einer Tier-Triskele drehen, besonders auf den späten Stücken der Vendelzeit. Eine klar verflochtene Triquetra im Sinne des späteren Flechtknotens gehört aber, soweit wir es prüfen konnten, nicht zu den typischen Brakteatenmotiven. Ehrlicher ist also: Auf Brakteaten drehen sich Dreierfiguren, sie verknoten sich kaum.

Gesichert: Goldbrakteaten des 5. bis 7. Jahrhunderts tragen neben Köpfen, Reitern und Tieren auch drehende Beizeichen und Tier-Triskelen. Eine typische verflochtene Triquetra konnten wir auf Brakteaten nicht nachweisen.

Das ist kein Detail für Pedanten. Wer behauptet, die Triquetra sei „seit der Völkerwanderungszeit germanisch“, nimmt einen Wirbel und nennt ihn Knoten. Die Bildsprache ist verwandt, die Form ist eine andere.

Gotland: Hörner, Valknut und Wirbelscheiben

Ähnlich sieht es auf den Bildsteinen von Gotland aus. Die ältesten dieser Kalksteinplatten, etwa 400 bis 600 n. Chr., zeigen große kreisrunde Wirbel- und Spiralscheiben, dazu Schiffe, Menschen und Tiere. Die Wirbel drehen sich, sie erinnern eher an Triskelen oder Sonnenräder als an Flechtknoten.

Spannend wird es auf den hohen Steinen des 8. Jahrhunderts. Auf Stenkyrka Lillbjärs III steht über einem Reiter ein Valknut, daneben drei ineinandergreifende Trinkhörner. Auf Lärbro Stora Hammars I und Lärbro Tängelgårda I begegnen ebenfalls Valknut-Figuren, mitten in Szenen von Kampf, Tod und Opfer. Die Forschung diskutiert, ob sie Odin anzeigen, ein Herz darstellen oder eine Erzählung markieren. Gesichert ist keine dieser Deutungen.

Eine Triquetra im engeren Sinn ist auf diesen berühmten Steinen nicht das Leitmotiv. Was du auf Gotland siehst, sind Valknut, Hörner und Wirbel. Gerade deshalb lohnt der Blick: Er zeigt, wie reich die Dreierformen im Norden schon vor der Wikingerzeit waren, und wie wenig sie sich auf ein einziges Zeichen reduzieren lassen. Einen guten Überblick über die echten Zeichen gibt unser Artikel Wikinger-Symbole und ihre Bedeutung.

Snoldelev: drei Hörner für einen Redner

Der vielleicht bekannteste Kandidat für eine „wikingerzeitliche Triquetra“ steht im Dänischen Nationalmuseum in Kopenhagen: der Snoldelev-Stein aus Seeland, Rundata-Nummer DR 248, aus dem 9. Jahrhundert. Bauern fanden ihn im späten 18. Jahrhundert. Die Inschrift im jüngeren Futhark lautet sinngemäß: „Gunnvalds Stein, des Sohnes Hróalds, des Þulr auf Salhaugar.“ Ein þulr war ein Redner oder Sprecher, vielleicht ein Kenner von Recht, Überlieferung oder Dichtung. Was genau sein Amt war, wissen wir nicht.

Über der Inschrift sind drei Trinkhörner so ineinandergelegt, dass sie ein Dreieck bilden. Sie greifen ineinander wie unvollständige Borromäische Ringe. Das ist ein Dreiermotiv, aber keine Triquetra: Die Hörner haben offene Enden, sie drehen sich um eine Mitte, im Fachgespräch spricht man deshalb von einer Hörner-Triskele.

Warum ausgerechnet Hörner? Naheliegend ist ein Bezug zum Trinken und Reden in der Halle, zur Gabe des Wortes. Manche Forschende denken an den Dichtermet der Mythologie, den Odin raubte. Das ist eine reizvolle Deutung, aber eben eine Deutung. Die Inschrift selbst sagt nichts über die Bedeutung der Hörner.

Mythos-Check: Die Snoldelev-Hörner werden im Netz oft als „Odins Triquetra“ oder „Hörner-Triquetra“ verkauft. Formal sind sie eine Triskele aus Hörnern, und die Verbindung zu Odin ist eine moderne Vermutung, keine Aussage des Steins.

Funbo und Uppsala: die echte Triquetra auf dem Runenstein

Und nun der Stein, den wir suchen. Im Universitetsparken in Uppsala, mitten unter Studierenden und Fahrrädern, steht der Runenstein U 937. Er wurde 1875 in Uppsala gefunden, vermauert in den Resten eines Franziskanerklosters, und gehört zu einer Gruppe von vier Steinen, die eine einzige Familie im 11. Jahrhundert im Kirchspiel Funbo setzen ließ. Man spricht von den Funbo-Steinen.

Auf U 937 windet sich eine Runenschlange in den eleganten Schleifen des Urnes-Stils, des letzten Tierstils der Wikingerzeit. Und in ihrer Mitte: eine verflochtene Triquetra. Die Inschrift ist schlicht. Sinngemäß: Þegn und Gunnarr ließen den Stein für Veðr errichten, ihren Bruder. Der Stein ist nicht signiert, die Forschung schreibt ihn und seinen Zwilling U 991 aber dem Runenmeister Fótr zu, einem der großen Urnes-Ritzer Upplands.

Jetzt der entscheidende Punkt. Auf einem anderen Stein derselben Familie, U 990, bitten die Söhne Gott, der Seele ihres Vaters zu helfen, und ein Kreuz steht im Zentrum. Diese Familie war also christlich. Die bekannteste Triquetra auf einem schwedischen Runenstein stammt damit aus einem christlichen Haushalt des 11. Jahrhunderts, gesetzt in der Kunstsprache der späten Wikingerzeit. Wer daraus ein „heidnisches Wikingersymbol“ macht, liest den Stein gegen seinen eigenen Kontext.

Gesichert: Der Runenstein U 937 aus der Funbo-Gruppe (11. Jahrhundert, heute im Universitetsparken Uppsala) zeigt eine Triquetra im Zentrum einer Urnes-Runenschlange. Ein Stein derselben Familie trägt ein Gebet an Gott.

Wie die Urnes-Schlangen funktionieren, siehst du in unseren Artikeln über das Urnes-Portal und die Kunststile der Wikingerzeit. Unsere frühere Fassung nannte auch den Mammen-Stil als Heimat der Triquetra. Dafür konnten wir kein belastbares Beispiel finden, deshalb lassen wir es weg.

Lindisfarne und Kells: die Triquetra der Mönche

Ihren großen Auftritt hat die Triquetra nicht in Skandinavien, sondern auf den Britischen Inseln. In der sogenannten insularen Kunst, also der irisch-angelsächsischen Kunst des 7. bis 9. Jahrhunderts, verschmolzen Flechtbänder aus dem Mittelmeerraum, Spiralen aus der älteren keltischen Kunst und germanischer Tierstil zu etwas völlig Neuem. Als frühestes Beispiel echter Knotenmuster in diesem Stil gilt ein Evangelienfragment des 7. Jahrhunderts in der Kathedralbibliothek von Durham.

Das Evangeliar von Lindisfarne entstand nach heutiger Einschätzung der British Library um 715 bis 720 auf der Klosterinsel vor Northumbrien, jenem Ort, den nordische Seefahrer im Jahr 793 überfielen. Mehr dazu in Lindisfarne 793. Seine Teppichseiten, ganzseitige Ornamentfelder, sind ein Dickicht aus Flechtwerk, Knoten und verschlungenen Vögeln. Das Book of Kells, um 800 entstanden und heute im Trinity College Dublin, treibt diese Kunst auf die Spitze. Triquetra-Knoten, Triskelen und Spiralen sitzen dort in Initialen, Rahmen und Füllflächen, oft so klein, dass man eine Lupe braucht.

Dazu kommen andere Medien. Auf angelsächsischen Silbermünzen, den Sceattas, ist die Triquetra in der Zeit von etwa 710 bis 760 ein kleines, aber wiederkehrendes Motiv. Sie erscheint auf frühchristlichen Hochkreuzen und Grabplatten in Irland, Schottland und Nordengland, und auf dem steinernen Frithstool, dem Friedstuhl der Abtei Hexham.

Wichtig für die Bedeutungsfrage: Diese Triquetras stehen in Kirchenbüchern, auf Kreuzen, in Klöstern. Ihr Umfeld ist durch und durch christlich. Und doch hat kein Mönch, soweit bekannt, in einem Text erklärt, was er mit dem Knoten meinte. Wir sehen das Motiv, wir kennen seinen Ort, die Absicht der Künstler bleibt stumm.

Als die Wikinger in Irland und Schottland Fuß fassten, lernten sie diese Bildwelt kennen. Auf der Isle of Man, in Nordengland und Schottland verschmolzen danach skandinavische Tierstile und insulares Flechtwerk auf Steinkreuzen, oft so eng, dass man kaum sagen kann, wo das eine endet und das andere beginnt.

Triquetra auf Silber: York und Harald Hardrada

Den deutlichsten Beweis, dass auch skandinavische Herrscher die Triquetra schätzten, liefern Münzen. In York, dem nordischen Jórvík, prägten die Könige der 940er-Jahre einen eigenen Münztyp mit einer Triquetra auf der Vorderseite. Ein erhaltener Penny nennt Ragnald Guthfrithsson als König und zeigt auf der Rückseite eine Fahne mit Kreuz. Numismatiker verbinden diesen Triquetra-Typ mit mehreren Herrschern dieser kurzen, unruhigen Phase.

Noch bekannter ist die Münze von Harald Hardrada, König von Norwegen ab 1046/1047 bis zu seinem Tod 1066 bei Stamford Bridge. Er ließ während seiner Regierung im Wesentlichen einen einzigen Penny-Typ prägen, mit einer Triquetra auf der Vorderseite. Auf der Rückseite steht ein Kreuz. Berühmt sind diese Münzen auch, weil Harald ihren Silbergehalt schrittweise von etwa 90 auf durchschnittlich gut 30 Prozent senkte. 2022 fand ein Sondengänger ein solches Stück sogar in Südungarn, bei Várdomb, weit weg von Trondheim, wo es geprägt wurde.

Was bedeutete die Triquetra für Harald? Die Münze sagt es nicht. Pressemeldungen nannten sie selbstverständlich ein Symbol der Dreifaltigkeit. Das ist plausibel, weil Harald ein christlicher König war und das Kreuz direkt auf der Rückseite steht. Belegt im strengen Sinn ist es nicht. Sicher ist nur: Ein Wikingerkönig des 11. Jahrhunderts setzte die Triquetra auf sein Geld, in einem eindeutig christlichen Bildprogramm.

Dreifaltigkeit: alte Lesart oder späte Gewissheit?

Heute gilt die Triquetra in Kirchen, Gemeindebriefen und irischem Schmuck als „Trinity Knot“, als Bild für Vater, Sohn und Heiligen Geist. Das passt wunderbar: drei gleiche Bögen, untrennbar aus einer Linie. Aber wann wurde diese Deutung ausgesprochen?

Die Antwort ist überraschend jung. Als einer der frühen ausdrücklichen Belege für die Triquetra als Trinitätszeichen wird in der Forschung der irische Altertumsforscher George Petrie genannt, in seinem Werk über die frühe Kirchenarchitektur Irlands von 1845. Breit durchgesetzt hat sich die Lesart mit dem Celtic Revival, der romantischen Wiederentdeckung keltischer Kunst im 19. Jahrhundert. Schon damals gab es Skeptiker: Der britische Archäologe J. Romilly Allen, einer der Pioniere der Flechtwerkforschung, bezweifelte Anfang des 20. Jahrhunderts, dass hinter den Knoten eine Dreifaltigkeitssymbolik stehe.

Wie passt das zusammen mit den christlichen Fundorten? Ganz einfach: Ein Motiv kann in christlichem Kontext stehen, ohne dass es dort einen festen Lehrsinn trägt. Mönche schmückten ihre Bücher mit Vögeln, Hunden und Schlangen, ohne dass jedes Tier eine Botschaft war. Es ist gut möglich, dass manche Künstler bei drei verschlungenen Bögen an die Dreifaltigkeit dachten. Nachweisen lässt es sich für das frühe Mittelalter nicht. In der Gotik gibt es mit dem Dreipass im Maßwerk ein verwandtes Dreierornament an Kirchenfenstern, dort ist die Dreifaltigkeitsdeutung naheliegend, aber auch das ist eine eigene Form.

Für uns heißt das: Die christliche Lesart ist eine alte, ernstzunehmende und heute lebendige Deutung. Sie ist aber nicht „die ursprüngliche Bedeutung“, die man einem Fund von 800 einfach überstülpen könnte. Wie der Norden überhaupt christlich wurde, erzählt unser Artikel über die Christianisierung der Germanen.

Gibt es eine heidnische Bedeutung?

Jetzt die Frage, die die meisten Suchenden eigentlich stellen: Was bedeutete die Triquetra für die heidnischen Germanen und Wikinger? Die ehrliche Antwort: Wir wissen es nicht, und es gibt keinen Hinweis, dass sie überhaupt eine feste Bedeutung hatte.

Keine Runeninschrift erwähnt den Knoten. Keine Strophe der Edda, keine Saga, kein Skaldengedicht beschreibt ein Zeichen aus drei Bögen. Die einzige Runensteintriquetra, die wir sicher kennen, steht in einer christlichen Familie. Was im Netz kursiert, sind spätere Zuschreibungen: die Triquetra als Zeichen der drei Nornen, als Bild von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, von Erde, Meer und Himmel oder der „drei Welten“.

Mythos-Check: „Die Triquetra steht für die drei Nornen Urd, Verdandi und Skuld.“ Die Nornen sind gut belegt, unter anderem in der Völuspá. Eine Verbindung zu einem Knotenzeichen findet sich in keiner Quelle. Diese Deutung ist modern, ebenso wie das sogenannte Web of Wyrd.

Das heißt nicht, dass die Menschen der Wikingerzeit nichts beim Anblick einer Triquetra empfanden. Dreizahlen spielen in der nordischen Überlieferung eine große Rolle, von den drei Wurzeln Yggdrasils bis zu den drei Hörnern auf dem Snoldelev-Stein. Aber zwischen „die Drei war wichtig“ und „dieses Zeichen bedeutete X“ liegt ein Graben, den keine Quelle überbrückt. Unser Artikel Welche nordischen Symbole sind echt zieht diese Linie für viele weitere Zeichen.

Von der Dreifachgöttin bis Charmed: wie die Triquetra modern wurde

Die heutige Popularität der Triquetra hat drei moderne Quellen, und keine davon liegt in der Wikingerzeit.

Die erste ist das Celtic Revival des 19. Jahrhunderts mit seinem irischen Schmuck. Der „Trinity Knot“ wurde zum Markenzeichen irischer Identität und ist es bis heute, gern kombiniert mit dem Claddagh-Ring.

Die zweite ist die moderne Hexenreligion Wicca, die ab der Mitte des 20. Jahrhunderts in England entstand. Dort wurde die Triquetra zum Zeichen der Dreifachgöttin als Jungfrau, Mutter und Greisin. Diese Göttinnenvorstellung geht stark auf den Dichter Robert Graves und sein Buch The White Goddess von 1948 zurück. Sie ist eine poetische Konstruktion des 20. Jahrhunderts, keine überlieferte germanische oder keltische Religion. Auch keltische Rekonstruktionisten und New-Age-Gruppen nutzen die Triquetra als Schutzzeichen.

Die dritte ist das Fernsehen. Von 1998 bis 2006 prangte die Triquetra in der US-Serie Charmed auf dem Buch der Schatten der drei Halliwell-Schwestern, als Zeichen der „Macht der Drei“. Für eine ganze Generation wurde sie damit zum Hexensymbol schlechthin. Später tauchte sie auf Thors Hammer in Marvels Thor von 2011 auf und in der Netflix-Serie Dark ab 2017 als Bild für drei verflochtene Zeitebenen.

Gegen all das ist nichts zu sagen. Moderne Bedeutungen sind echte Bedeutungen, sie sind nur nicht alt. Problematisch wird es erst, wenn ein Anhänger „Uraltes Wikinger-Schutzsymbol der Nornen“ heißt. Da wird eine Fernseh- und Esoterikgeschichte als Archäologie verkauft.

Triquetra als Gravur: wie wir das Motiv einordnen

Wir gravieren die Triquetra gern, auf Schiefer, Holz und Glas. Sie ist eines der dankbarsten Motive überhaupt: klare Linien, starke Symmetrie, auf jeder Größe lesbar. Gerade auf Naturschiefer, wo der Laser die dunkle Oberfläche hell aufbricht, wirkt das Flechtband fast wie in Stein gehauen. Wie das technisch funktioniert, steht in Wie funktioniert Lasergravur auf Naturschiefer?.

Was wir dir dabei nicht erzählen: dass die Triquetra ein geheimes Wikingerzeichen mit festem Zauber sei. Was wir dir erzählen können, ist ehrlicher und, finden wir, schöner:

Für ein besonders stimmiges Motiv orientieren wir uns gern an echten Vorbildern: eine Triquetra im Ring einer Urnes-Schlange wie auf U 937, oder ein strenges insulares Flechtband. Beliebt sind Triquetras als Familienzeichen für drei Personen oder als Geschenk zur Hochzeit und Taufe. Ideen findest du bei unseren nordischen Geschenken zu Hochzeit, Taufe und Namensfest. Wer Runen dazunehmen will, sollte die Schrift ebenso sauber behandeln wie das Ornament. Und wenn du zwischen mehreren Zeichen schwankst, hilft unser Leitfaden Echte Wikinger-Motive für Gravur und Tattoo.

Ein Hinweis noch aus der Werkstatt: Je kleiner die Gravur, desto wichtiger sind ausreichende Abstände zwischen den Bändern. Eine fein verflochtene Triquetra mit Über- und Unterführungen braucht auf Schiefer etwas Fläche, sonst verschwimmen die Kreuzungen. Auf Glas wirkt dagegen die einfache Linienform oft am elegantesten.

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Häufige Fragen

Was bedeutet die Triquetra? Eine aus der Wikingerzeit überlieferte Bedeutung gibt es nicht; sie war vor allem ein Ornament. Christlich wird sie seit dem 19. Jahrhundert verbreitet als Zeichen der Dreifaltigkeit gelesen, modern auch als Symbol für Familie, Verbundenheit oder die Dreifachgöttin.

Ist die Triquetra ein Wikingersymbol? Sie kommt in der späten Wikingerzeit vor, etwa auf dem Runenstein U 937 aus Uppsala und auf Münzen Harald Hardradas. Exklusiv nordisch ist sie aber nicht: Am prächtigsten erscheint sie in der irisch-angelsächsischen Klosterkunst.

Was ist der Unterschied zwischen Triquetra, Triskele und Valknut? Die Triquetra besteht aus drei verflochtenen Bögen, die Triskele aus drei sich drehenden Armen oder Spiralen, der Valknut aus drei ineinandergreifenden Dreiecken. Die drei Hörner des Snoldelev-Steins sind eine Triskele, keine Triquetra.

Ist die Triquetra keltisch oder germanisch? Weder noch im exklusiven Sinn. Die verflochtene Form gehört zur frühmittelalterlichen Flechtwerkkunst, die in Irland, England und Skandinavien gleichermaßen genutzt wurde.

Ist die Triquetra ein Hexensymbol? Erst seit dem 20. Jahrhundert. Wicca deutet sie als Zeichen der Dreifachgöttin, und die Serie Charmed hat sie ab 1998 weltweit als „Macht der Drei“ bekannt gemacht.

Darf ich als Christ eine Triquetra tragen? Ja, die Dreifaltigkeitsdeutung ist in der kirchlichen Kunst heute fest verankert, und die Triquetra steht auf vielen frühmittelalterlichen Kreuzen und in Evangelienbüchern.

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Nordische Symbole: echt oder erfunden? · Der Valknut · Das Troll-Kreuz · Das Web of Wyrd · Runen & ihre Bedeutung.

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