Berserker waren Krieger, die im Kampf in einen gefürchteten Rausch verfielen, den Berserkergang – zuerst bezeugt im späten 9. Jahrhundert als Elitetruppe König Harald Schönhaars. Was danach kam, ist eine lange Kette aus Sagas, Schachfiguren, Gesetzen und Spekulationen: Snorris unverwundbare Krieger Odins, Schildbeißer aus Walrosszahn, ein isländisches Verbot und die Fliegenpilz-These von 1784. Wir gehen die Quellen der Reihe nach durch und trennen sauber, was belegt ist, was Saga-Literatur des 13. Jahrhunderts ist und was moderne Hypothese bleibt.
Ein Fjord bei Stavanger, Schiffe Steven an Steven, Speere, Schilde, Geschrei. Irgendwann im späten 9. Jahrhundert schlägt Harald Schönhaar hier eine Koalition norwegischer Kleinkönige. Die isländische Tradition setzte die Schlacht am Hafrsfjord auf 872, heutige Historiker denken eher an die 880er Jahre. Genau weiß es niemand. Sicher ist nur: Von diesem Tag stammt das älteste Gedicht, in dem das Wort fällt, um das es hier geht.
Das Preislied Haraldskvæði, auch Hrafnsmál („Rabenlied“) genannt, wird meist dem Skalden Þorbjǫrn hornklofi zugeschrieben, einem Hofdichter Haralds. Ein Skalde ist ein Berufsdichter, der Könige in streng gebauten Versen rühmte. Das Gedicht ist als Gespräch zwischen einer Walküre und einem Raben angelegt und nur in Bruchstücken erhalten, zitiert in Königssagas des 13. Jahrhunderts. Ein Teil der Forschung schreibt einzelne Strophen dem Skalden Þjóðólfr ór Hvini zu. Die Zuweisung ist also nicht ganz sicher, die Datierung ins späte 9. Jahrhundert aber weitgehend anerkannt.
„Grenjuðu berserkir … emjuðu ulfheðnar“ – Es brüllten die Berserker, der Kampf war für sie gekommen; es heulten die Wolfspelze und schüttelten die Eisenspeere.Haraldskvæði, Strophe 8 (eigene Übertragung)
Wenige Strophen später fragt die Walküre den Raben nach den Berserkern: Wie geht es diesen Männern, die in die Schlacht waten? Der Rabe antwortet sinngemäß, man nenne sie Wolfspelze, sie trügen blutige Schilde, und der König vertraue nur Männern, die nicht weichen. Kein Pilz, kein Hörnerhelm, keine Unverwundbarkeit – aber ein Zeugnis aus der Zeit selbst.

Altnordisch berserkr (Mehrzahl berserkir) ist ein zusammengesetztes Wort. Der zweite Teil ist klar: serkr heißt „Hemd, Kittel“, verwandt mit dem englischen Dialektwort sark. Beim ersten Teil scheiden sich die Geister seit dem 19. Jahrhundert.
Lesart eins: „Bärenhemd“. Ber- gehört zum germanischen Wort für den Bären, das im Altnordischen etwa in bersi („Bär“, auch als Beiname) weiterlebt. Ein Berserker wäre dann ein Mann im Bärenfell – oder einer, der sich im Kampf wie in eines gekleidet fühlte. Das große altisländisch-englische Wörterbuch von Cleasby und Vigfússon (1874) bevorzugt diese Deutung und verweist auf das Gegenstück im Haraldskvæði: úlfheðnar, „Wolfspelze“, von úlfr („Wolf“) und heðinn („Fellrock“). Bär und Wolf, nebeneinander in einer Strophe, das ist ein starkes Argument.
Lesart zwei: „bloßes Hemd“. Hier steckt im ersten Teil berr, „nackt, bloß“: ein Krieger, der ohne Kettenhemd kämpft. Diese Deutung stützt sich auf Snorris Bemerkung, Odins Männer seien brynjulausir, „ohne Brünne“, in den Kampf gezogen. Sir Walter Scott, der das Wort 1822 in seinem Roman The Pirate ins Englische holte, scheint so gedacht zu haben. Sprachlich hakt es aber: serkr ist ein Hauptwort, und „Bloß-Hemd“ ergibt als Zusammensetzung wenig Sinn. Die meisten Fachleute halten „Bärenhemd“ heute für wahrscheinlicher, ohne dass die Frage endgültig entschieden wäre.
Das englische to go berserk, „ausrasten“, ist übrigens keine Wikinger-Redensart, sondern erst nach Scott entstanden.
Das berühmteste Berserker-Porträt schrieb Snorri Sturluson um 1230 in der Ynglinga saga, dem ersten Teil seiner Königsgeschichte Heimskringla. Snorri erzählt dort Odin als zauberkundigen König der Vorzeit, und im sechsten Kapitel beschreibt er dessen Krieger:
„Seine Männer aber gingen ohne Brünne, waren toll wie Hunde oder Wölfe, bissen in ihre Schilde, waren stark wie Bären oder Stiere. Sie erschlugen das Volk, doch weder Feuer noch Eisen konnte ihnen etwas anhaben. Das heißt Berserkergang.“Snorri Sturluson, Ynglinga saga, Kap. 6 (eigene Übertragung aus dem Altnordischen)
Aus diesem einen Absatz stammt fast das ganze Bild, das wir bis heute im Kopf haben: der Rausch, das Schildbeißen, die Tiervergleiche, die Unverwundbarkeit, der Fachbegriff berserksgangr. Snorri war ein gebildeter christlicher Isländer, der heidnische Überlieferung systematisch ordnete. Er schrieb rund 350 Jahre nach Hafrsfjord, aus Gedichten, Erzählungen und eigener Deutung. Die Unverwundbarkeit etwa gehört eher in die Welt der Sage als in einen Kampfbericht.
Trotzdem ist die Verbindung zu Odin kein Zufall. Sein Name hängt mit altnordisch óðr zusammen, was „rasend, wütend“ und zugleich „dichterische Begeisterung“ bedeutet. Schon Adam von Bremen schrieb um 1075 knapp: Wodan, id est furor – „Wodan, das ist die Raserei“. Ein Gott der Ekstase und des Kriegsglücks, dem Männer im Kampfrausch gehören – das passt, auch wenn die Deutung als Kult modern ist.
Wo Berserker sind, sind die Wölfe nicht weit. Die úlfheðnar (Einzahl úlfheðinn) stehen schon im Haraldskvæði direkt neben den Berserkern, und dort fällt eine Doppelung auf: Die Walküre fragt nach den Berserkern, der Rabe antwortet mit den Wolfspelzen. Entweder sind beide Namen für dieselbe Truppe, oder es sind zwei verwandte Abteilungen derselben Kriegerelite. Die Quellen ziehen keine scharfe Grenze.
In den Sagas des 13. Jahrhunderts setzt sich dann „Berserker“ als Oberbegriff durch, während die Wolfspelze fast verschwinden. Unsere Faustregel: „Berserker“ ist das weitere Wort für den Krieger im Kampfrausch, „Ulfhednar“ eine Ausprägung, die sich über den Wolf definiert. Wer beide streng trennen will, steht auf dünnem Eis. Alles Weitere zu den Wolfskriegern findest du in unserem Beitrag über die Ulfhednar, und wie der Bär selbst im Norden verehrt, gejagt und gefürchtet wurde, erzählen wir in Der Bär im Norden.
Wer nur Texten traut, hat bei den Berserkern ein Problem: Fast alles stammt aus dem 13. Jahrhundert. Umso wertvoller sind Bilder, die deutlich älter sind. Die wichtigsten sind vier kleine Bronzestempel, die Torslunda-Matrizen. Sie wurden 1870 in einem Steinhügel im Kirchspiel Torslunda auf der schwedischen Insel Öland gefunden und liegen heute im Historischen Museum in Stockholm. Datiert werden sie in die Vendelzeit, grob ins 6. bis 7. Jahrhundert, also gut zwei Jahrhunderte vor der Wikingerzeit.
Mit solchen Matrizen (Prägestempeln) presste man dünne Bronzebleche, die auf Prunkhelme genietet wurden. Eine Platte zeigt einen Mann zwischen zwei Bären, eine andere Krieger mit Eberhelmen, eine dritte einen Mann mit Axt und einem angeleinten Tier. Die vierte ist die berühmte: links ein tanzender Mann mit einem Helm, dessen Bügel in Vogelköpfen enden, daneben eine Gestalt mit Wolfskopf und Wolfsfell, die ein Schwert zieht und Speere hält.
Eine Laseruntersuchung ergab, dass dem Tänzer ein Auge fehlt. Es wurde offenbar schon im Modell entfernt, nach dem die Bronze gegossen wurde. Ein einäugiger Tänzer neben einem Wolfskrieger: Viele Forschende lesen das als Odin, der die Wolfspelze in den Kampfrausch führt. Gleiche oder sehr ähnliche Bildmotive kennt man von den Helmen aus den Bootgräbern von Vendel und Valsgärde in Uppland und vom angelsächsischen Helm aus Sutton Hoo.
Snorri sagt, Odins Krieger hätten „in ihre Schilde gebissen“. Dass das nicht nur ein Bild für Wut war, sondern ein festes Motiv, zeigen die Lewis-Schachfiguren. Sie wurden 1831 auf der Insel Lewis in den Äußeren Hebriden gefunden: 78 Schachfiguren, 14 Spielsteine und eine Gürtelschnalle, fast alles aus Walrosszahn. Entstanden sind sie wohl zwischen 1150 und 1200, sehr wahrscheinlich im Umfeld von Trondheim in Norwegen; einige Forschende denken auch an Island.
Die Türme sind hier keine Burgen, sondern Fußkrieger mit Schild, Helm und Schwert, auf Englisch warders. Vier von ihnen beißen mit weit aufgerissenen Augen in den oberen Rand ihres Schildes. Eine andere Deutung als die des Berserkers hat sich nie durchgesetzt. Heute liegen 82 Stücke im British Museum in London und 11 im National Museum of Scotland in Edinburgh.
Die meisten Berserker begegnen dir in den Isländersagas und den Vorzeitsagas des 13. und 14. Jahrhunderts. Und dort passiert etwas Bemerkenswertes: Aus der Elite des Königs wird nach und nach der Bösewicht vom Dienst.
Egils saga. Gleich am Anfang steht Kveldúlfr, der „Abendwolf“, Großvater des Dichters Egill Skallagrímsson. Er gilt als hamrammr, als „gestaltstark“: Gegen Abend wird er mürrisch und schläfrig, und man munkelt, er gehe dann in fremder Gestalt umher. Bei einem Überfall auf ein Schiff packt ihn und seinen Sohn Skalla-Grímr der Berserkergang; danach liegt der alte Mann erschöpft darnieder und stirbt bald. Später besiegt Egill selbst im Zweikampf den Berserker Ljótr den Bleichen, der vor dem Kampf zu toben und in den Schild zu beißen beginnt.
Hrólfs saga kraka. Der legendäre Dänenkönig Hrólfr kraki hat zwölf Kämpen, der berühmteste heißt Bǫðvarr bjarki – bjarki bedeutet „Bärchen“. In der letzten Schlacht kämpft ein riesiger Bär in Hrólfs Reihen, während Bǫðvarr reglos in der Halle sitzt. Als ihn ein Gefährte aufweckt, verschwindet der Bär. Gestaltwandel statt Kampfrausch – in der Vorstellung lag beides eng beieinander.
Warum immer zwölf? Berserker treten in den Sagas selten allein auf, sondern im Dutzend. Arngrímr hat zwölf berserkerhafte Söhne, die auf der dänischen Insel Samsø gegen Hjálmarr und Ǫrvar-Oddr fallen; die Hervarar saga und die Ǫrvar-Odds saga erzählen davon. Zwölf ist wohl eine Erzählkonvention für eine vollständige Gefolgschaft, kein Mannschaftsregister. Sie bewahrt aber eine Erinnerung an das Bild der ältesten Quelle: Berserker als Truppe.
Grettis saga. Im 19. Kapitel verbringt der junge Grettir das Julfest auf einem Hof auf der Insel Haramsøy in Norwegen, als ein Schiff mit zwölf Männern anlegt. Ihre Anführer sind die Brüder Þórir Wanst und Ǫgmundr der Böse, Berserker, die Höfe plündern und Frauen verschleppen. Grettir lockt sie mit List in einen Schuppen und erschlägt sie. In der englischen Übersetzung von Magnússon und Morris (1869) heißt es, sie hätten „geheult wie Hunde“, als die Berserkerwut sie packte.
Eyrbyggja saga. Auf der Halbinsel Snæfellsnes bekommt der Häuptling Víga-Styrr zwei schwedische Berserker, die Brüder Halli und Leiknir. Halli will Styrrs Tochter heiraten. Styrr stellt eine Bedingung: einen Weg durch das Lavafeld zu bahnen. Die beiden schaffen das in kürzester Zeit, doch statt Hochzeit wartet ein heißes Badehaus, und sie werden erschlagen. Das Lavafeld heißt bis heute Berserkjahraun, und ein Pfad hindurch wird von der Überlieferung als ihr Werk gezeigt.
Njáls saga. Um das Jahr 1000 reist der Missionar Þangbrandr durch Island. Bei einem Gastmahl stellt sich ihm der Berserker Ótryggr entgegen. Þangbrandr lässt drei Feuer entzünden: eines von Heiden geweiht, eines von ihm gesegnet, eines ungeweiht. Der Berserker schreitet durch das heidnische Feuer, scheut aber das christliche und wird erschlagen. Mehr zu dieser Saga in unserem Beitrag zur Njáls saga.
Das Muster ist deutlich: In Island wird der Berserker zur Figur, an der sich der Held oder der neue Glaube beweist. Das Wörterbuch von Cleasby und Vigfússon merkt an, dass die Saga-Berserker fast immer von außen kommen, aus Norwegen oder Schweden. Die Vatnsdæla saga behandelt den Berserkergang laut demselben Wörterbuch sogar wie eine Besessenheit, die durch ein Gelübde geheilt wird.
Den deutlichsten Hinweis darauf, dass Berserkergang mehr war als Literatur, liefert nicht die Saga, sondern das Gesetz. Das isländische Recht der Freistaatszeit kennen wir als Grágás („Graugans“). Unter diesem Namen fasst man die Rechtstexte zusammen, die vor allem in zwei Handschriften des 13. Jahrhunderts überliefert sind. Begonnen wurde die schriftliche Fassung im Winter 1117/18.
Der Abschnitt über das Kirchenrecht, der Kristinna laga þáttr, geht auf die Bischöfe Þorlákr Runólfsson von Skálholt und Ketill Þorsteinsson von Hólar zurück. Er entstand zwischen 1122 und 1133; der Rechtshistoriker Peter Foote schlägt „um 1125“ vor. Die oft gelesene Jahreszahl 1123 für das „Berserkerverbot“ ist also eine Vereinfachung: Belegt ist ein Zeitraum, kein Stichtag. Dort heißt es sinngemäß: Wer in Berserkergang verfällt, wird mit Fjörbaugsgarðr bestraft, der „Kleinächtung“. Sie bedeutete in der Regel drei Jahre Verbannung außer Landes. Dieselbe Strafe trifft die Anwesenden, wenn sie den Rasenden nicht festhalten, es sei denn, sie konnten es nicht.
Auch für Norwegen gibt es eine Nachricht, allerdings nur aus der Saga. Die Grettis saga berichtet, Jarl Eiríkr Hákonarson, der Norwegen etwa von 1000 bis 1015 beherrschte, habe die Zweikämpfe abgeschafft und alle Berserker, die raubten und Unfrieden stifteten, für friedlos erklärt. Daher stammt das Jahr 1015, das in vielen Darstellungen auftaucht. Ein Gesetzestext dazu ist nicht erhalten. Wie Recht und Thing im Norden allgemein funktionierten, erklären wir unter Recht und Thing der Wikinger.
Vorweg die ehrliche Antwort: Keine der folgenden Erklärungen ist bewiesen. Es sind Hypothesen, manche gut begründet, manche weniger.
1. Fliegenpilz (Ödmann 1784). Der schwedische Theologe Samuel Ödmann (1750–1829) veröffentlichte 1784 in den Abhandlungen der Schwedischen Akademie der Wissenschaften einen Aufsatz, in dem er den Berserkergang naturkundlich erklären wollte. Seine Idee stützte sich auf Reiseberichte über sibirische Völker, die den Fliegenpilz (Amanita muscaria) als Rauschmittel nutzten. Der US-Neurologe Howard Fabing griff die These 1956 wieder auf, seither steht sie in unzähligen Dokumentationen.
2. Bilsenkraut (Fatur 2019). Der Ethnobotaniker Karsten Fatur von der Universität Ljubljana schlug 2019 im Journal of Ethnopharmacology das Schwarze Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) vor. Dessen Wirkstoffe können Erregung, Halluzinationen, und Schmerzunempfindlichkeit hervorrufen, und Bilsenkrautsamen sind aus einem reich ausgestatteten Frauengrab bei Fyrkat in Dänemark bekannt; mehr dazu in unserem Beitrag über Bilsenkraut. Fatur selbst nennt seinen Vorschlag spekulativ. Fachleute in Oslo wandten ein, dass es keine Beschreibung gebe, wonach Berserker vor dem Kampf irgendetwas einnahmen, und dass Bilsenkraut in spätmittelalterlichen Arzneitexten ganz anders verwendet wird.
3. Alkohol. Gelage gehören in den Sagas zum Berserker-Auftritt, bei Grettir betrinken sich die Eindringlinge zuerst. Den Rausch im Gefecht erklärt das kaum: Betrunkene kämpfen langsam und unkoordiniert.
4. Krankheit. Immer wieder wurden Epilepsie oder psychische Erkrankungen genannt. Das deckt sich mit der Saga-Beobachtung, dass dem Anfall tiefe Erschöpfung folgt, wie bei Kveldúlfr. Der Psychiater Jonathan Shay verglich in Achilles in Vietnam (1994) den Berserkerzustand mit der Übererregung traumatisierter Soldaten. Das ist ein anregender Vergleich, aber keine Diagnose; mittelalterliche Literatur lässt sich nicht auf die Couch legen.
5. Ritual, Trance und Gruppendynamik. Die Erklärung mit den meisten Anhängern in der Forschung: Der Berserkergang war eine eingeübte, ritualisierte Selbststeigerung. Heulen, Brüllen, Schildbeißen, Tierfelle, vielleicht Tanz – Techniken, mit denen sich eine Kriegergruppe in einen Zustand jenseits von Angst und Schmerz versetzte. Der Historiker Michael Speidel sieht darin eine sehr alte, indogermanische Tradition „rasender Krieger“. Er verweist etwa auf Tacitus, der um 98 n. Chr. die Harier mit schwarzen Schilden und bemalten Körpern beschreibt. Ob diese Linie wirklich bis Hafrsfjord reicht, ist umstritten. Im 10. Jahrhundert schildert ein byzantinisches Hofzeremonienbuch einen „gotischen Tanz“ mit Fellen und Masken, den manche mit nordischen Kriegerriten verbinden – auch das eine Deutung.
Hier endet die Sicherheit, und das gehört zur Geschichte dazu. Fast alles, was wir über Berserker zu wissen glauben, steht in isländischer Prosa des 13. Jahrhunderts, also 300 bis 400 Jahre nach den Ereignissen, aufgeschrieben von Christen über eine heidnische Vergangenheit. Wirklich zeitnah ist nur das Haraldskvæði, und das erklärt nichts, es nennt nur.
Es gibt kein Grab, das sich als Berserkerbestattung ausweisen ließe. Bärenkrallen kommen in skandinavischen Brandgräbern durchaus vor, sie zeigen aber Bärenfelle als Grabbeigabe, nicht den Beruf des Toten. Es gibt keine Runeninschrift, die jemanden als berserkr bezeichnet. Und es gibt keinen Augenzeugenbericht eines Berserkergangs.
Was bleibt, ist trotzdem eine ganze Menge: ein Wort aus dem 9. Jahrhundert, Bildmotive aus dem 6. und 7. Jahrhundert, Schachfiguren aus dem 12. Jahrhundert, ein Gesetz, das das Verhalten verbietet, und eine reiche Saga-Literatur, die den Berserker vom Elitekrieger zum Schurken umerzählt. Das ist nicht wenig, nur etwas anderes als das, was auf T-Shirts steht. Wenn wir einen Wolfskrieger in Schiefer gravieren, dann im Stil der Torslunda-Bleche, nicht im Stil einer Fernsehserie.

Was ist ein Berserker? Ein Berserker war ein Krieger, der im Kampf in einen rauschhaften Zustand verfiel, den Berserkergang. Die älteste Quelle aus dem späten 9. Jahrhundert zeigt Berserker als Elitetruppe im Gefolge König Harald Schönhaars.
Was bedeutet das Wort Berserker? Altnordisch berserkr bedeutet am wahrscheinlichsten „Bärenhemd“, also ein Mann im Bärenfell. Die ältere Deutung „bloßes Hemd“, ein Kämpfer ohne Rüstung, gilt heute als weniger wahrscheinlich.
Haben Berserker Fliegenpilze gegessen? Dafür gibt es keinen Beleg. Die These stammt von Samuel Ödmann aus dem Jahr 1784; keine mittelalterliche Quelle erwähnt Pilze, und die Wirkung des Fliegenpilzes passt schlecht zum Kampfrausch.
Was ist der Unterschied zwischen Berserkern und Ulfhednar? Berserker sind nach dem Namen Bärenkrieger, Ulfhednar „Wolfspelze“. Beide stehen schon im Haraldskvæði nebeneinander, die Quellen trennen sie aber nicht scharf.
Wann wurde der Berserkergang verboten? Das isländische Kirchenrecht, entstanden zwischen 1122 und 1133, bestrafte den Berserkergang mit Kleinächtung. Nach der Grettis saga ächtete in Norwegen schon Jarl Eiríkr Hákonarson vor 1015 die plündernden Berserker.
Gab es Berserker wirklich? Ja, als Begriff und als gefürchtete Kriegergruppe sind sie zeitgenössisch bezeugt, und ein Gesetz verbot ihr Verhalten. Vieles, was über sie erzählt wird, etwa Unverwundbarkeit oder Drogenrausch, ist dagegen Sage oder moderne Spekulation.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Ehrlich bleibt: Vieles über die Berserker ist Deutung. Wo Fund und Text sich stützen, sagen wir „Beleg“; wo nur die Sage spricht oder spätere Autoren fabulieren, sagen wir „Mythos“.
Walhall war nur eines von vielen Totenreichen. Die Vorstellungen vom Jenseits waren so vielfältig wie die …
Weiterlesen →Das schönste Schmuckstück der Welt gehört der schönsten der Göttinnen: Brisingamen, das goldene Halsband der Freyja …
Weiterlesen →Wir stellen uns Walküren gern als edle Reiterinnen vor, die Gefallene nach Walhall geleiten. Das Darraðarljóð zeigt sie …
Weiterlesen →Manche Sprüche sind älter, als man denkt. Der wohl schönste Trostsatz der germanischen Welt steht in einem gut tausend …
Weiterlesen →