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Runen für Liebe, Harmonie und Beziehung

Runen & Schrift Runen für Liebe, Harmonie und Beziehung Gibt es eine „Liebesrune"? Nicht so, wie das Internet manchmal verspricht. Aber es gibt alte Bilder von Gabe, Freude, Wachstum und Vertrauen, die wunderbar zu einer Beziehung passen. Ein ehrlicher Rundgang durch Gebo, Wunjo, Berkano und Ehwaz.

Warum es keine „Liebesrune" im Zauber-Sinn gibt

„Welche Rune bringt Liebe?" – auch diese Frage hören wir oft, gern vor Hochzeiten und Jahrestagen. Und wieder ist die ehrliche Antwort feiner als jedes Wirkversprechen: In der Wikingerzeit gab es keine Rune, die man wie einen Liebeszauber einsetzte, damit zwei Menschen zueinanderfinden. Runen waren Schrift. Wenn Liebe und Runen zusammenkommen, dann meist so, dass jemand einen Namen, einen kurzen Vers oder eine Widmung ritzte – also durch Worte, nicht durch ein magisches Einzelzeichen.

Was es aber gibt, sind Runen, deren überlieferte Bilder erstaunlich gut zu Liebe, Harmonie und Partnerschaft passen: die Gabe, die zwei Menschen verbindet; die Freude, die ein gutes Miteinander trägt; das Wachstum, das Fürsorge braucht; das Pferdegespann, das nur im Gleichschritt vorankommt. Diese Bilder stammen aus den Runengedichten und aus der Bedeutung der Runennamen – und genau die sehen wir uns jetzt an, ehrlich getrennt in „belegt" und „moderne Deutung".

Gebo – die Gabe, die einen Bund stiftet

Wenn eine Rune die Liebe berührt, dann Gebo, ᚷ – nicht zufällig ein Zeichen in Form eines Kusses, eines X, zweier sich kreuzender Linien. Ihr Name bedeutet schlicht „Gabe, Geschenk" (urgermanisch *gebō). Gebo gehört zu den Runen, die nur im älteren Futhark vorkommen und deshalb im altenglischen wie im nordischen Runengedicht nicht mit eigener Strophe auftauchen – ihre Bedeutung kennen wir aus dem Runennamen selbst und aus verwandten Wörtern.

In der germanischen Welt war die Gabe alles andere als beiläufig: Geben und Gegengeben stiftete Bindung, Treue und Verpflichtung. Ein Geschenk war ein sichtbares Band zwischen zwei Menschen. Genau deshalb ist Gebo für viele die Rune der Partnerschaft: nicht Besitz, sondern das freie Geben und Empfangen, das eine Beziehung trägt. Wie es der Hohe im Hávamál sagt:

Mit Waffen und Gewändern sollen Freunde einander erfreuen; das weiß jeder an sich selbst. Die einander schenken, bleiben am längsten Freunde – wenn es gut ausgeht.Hávamál, Strophe 41 (Lieder-Edda); deutsche Wiedergabe nach der gemeinfreien Übersetzung von Karl Simrock, 1851

Das ist kein Zauberspruch, sondern Lebensweisheit – und ein perfektes Bild für Gebo: Was man einander gibt, hält die Verbindung lebendig.

Wunjo – Freude und ein gutes Miteinander

Wunjo, ᚹ, trägt den Namen „Freude, Wonne" (*wunjō) – man hört das Wort noch im deutschen „Wonne". Auch Wunjo ist eine reine Ältere-Futhark-Rune ohne eigene Strophe in den erhaltenen Runengedichten; ihre Bedeutung steckt im Namen und in verwandten altenglischen Wörtern für Glück und Wohlbehagen. Sinnverwandt ist die altenglische Wynn-Strophe, die dasselbe Wortfeld beschreibt: die Freude dessen, der ohne Kummer, Sorge und Angst lebt und ein gutes Auskommen hat.

Für eine Beziehung ist das ein warmes Bild: nicht der große Rausch, sondern das ruhige, tragende Glück eines guten Miteinanders. Wunjo steht für Harmonie, Zufriedenheit und das Gefühl, am richtigen Ort und mit den richtigen Menschen zu sein. Wer sie als Symbol wählt, wählt weniger die Leidenschaft eines Augenblicks als die Freude, die bleibt.

Berkano – Wachstum, Fürsorge und Neubeginn

Berkano, ᛒ, ist die Birke (*berkanan). Die Birke ist im Norden der erste Baum, der nach dem Winter ausschlägt – Zeichen für Frühling, Wachstum und neues Leben. Das nordische Runengedicht beschreibt das Birkenreis als grünstes Laub; das altenglische Gedicht deutet dieselbe Rune als Pappel/Birke, die ganz ohne Samen aus sich heraus neue Triebe bildet:

Die Birke trägt keine Frucht und bringt doch ohne Samen junge Schösslinge hervor, denn sie ersteht aus ihren eigenen Blättern. Prächtig sind ihre Zweige und herrlich geschmückt ihr hoher Wipfel, der bis in den Himmel reicht.Altenglisches Runengedicht, Strophe zu Beorc (Birke); deutsche Wiedergabe nach Bruce Dickins, 1915 (gemeinfrei)

In einer Beziehung ist das ein wunderbares Bild: Wachstum, das gepflegt sein will, Fürsorge, ein gemeinsames Gedeihen. Berkano wird traditionell mit dem Weiblichen, mit Fruchtbarkeit und Fürsorge verbunden – als Symbol steht sie für einen Neubeginn zu zweit, für eine junge Liebe oder für eine Familie, die wächst.

Ehwaz – Partnerschaft und Vertrauen auf gleichem Weg

Ehwaz, ᛖ, bedeutet „Pferd" (*ehwaz, verwandt mit lateinisch equus). In der Welt der Wikinger war das Pferd Gefährte, Wegbegleiter und ein Wesen, dem man vertrauen musste. Das altenglische Runengedicht beschreibt genau dieses innige Verhältnis zwischen Reiter und Ross:

Das Ross ist den Fürsten eine Freude vor den Kriegern, ein Pferd, stolz auf seine Hufe; wenn wohlhabende Männer zu Pferde darüber Worte tauschen, ist es dem Ruhelosen stets ein Trost.Altenglisches Runengedicht, Strophe zu Eh (Pferd); deutsche Wiedergabe nach Bruce Dickins, 1915 (gemeinfrei)

Reiter und Pferd kommen nur im Gleichschritt voran, im Vertrauen, im Aufeinander-Hören. Genau deshalb gilt Ehwaz als die Rune der Partnerschaft schlechthin: zwei, die ein Team bilden und sich verlassen können. Wo Gebo den Bund stiftet, beschreibt Ehwaz das tägliche Zusammenwirken – Treue, Verlässlichkeit, gemeinsamer Weg.

Was belegt ist

Belegt sind die Runennamen und ihre Bilder: Gebo als „Gabe", Wunjo als „Freude/Wonne", Berkano als Birke des Neubeginns, Ehwaz als vertrautes Pferd. Belegt ist auch, dass Gabe und Gegengabe in der germanischen Kultur Bindungen stifteten (siehe Hávamál 41). Aus diesen Bildern lassen sich die heutigen Kurzbedeutungen „Liebe, Harmonie, Partnerschaft" gut ableiten. Nicht belegt ist, dass man in der Wikingerzeit eine dieser Runen als Liebeszauber verwendete, um Zuneigung herbeizuführen.

Mythos-Check

„Ritze Gebo, dann kommt die Liebe" ist moderne Deutung, kein historischer Runenzauber. Die Vorstellung, einzelne Runen gezielt „für die Liebe" einzusetzen, entstand vor allem in der esoterischen Runenkunde des 20. Jahrhunderts; populär gemacht hat das Orakel-Denken das New-Age-Buch von Ralph Blum (1982). In den alten Quellen finden sich keine Liebesrunen als Zauberzeichen. Was es gab, waren Worte: In der Egils saga heißt es sogar, ein junger Mann habe aus lauter gutem Willen unbeholfen Runen für eine kranke Frau geritzt – und es damit schlimmer gemacht, bis Egil die falschen Zeichen abschabte und richtige ritzte. Die Moral der Geschichte ist bezeichnend nüchtern: Es kommt nicht auf ein magisches Symbol an, sondern darauf, dass man weiß, was man tut. Wir versprechen keine Wirkung – aber eine bewusst gewählte Rune ist ein schönes Zeichen für zwei.

Als Gravur zu zweit

Gerade für Liebe und Beziehung liegt der Reiz weniger im „Zauber" als im gemeinsam gewählten Zeichen. Gebo auf zwei Ringen oder Anhängern, Ehwaz auf einem Paar-Geschenk zum Jahrestag, Berkano zur Geburt oder Hochzeit, Wunjo für ein Zuhause voller Freude – das sind keine Beschwörungen, sondern Symbole, auf die man sich gemeinsam einigt. Und weil eine Beziehung selten in ein einziges Zeichen passt, ist oft die schönste Lösung ein kurzer Name oder Vers in Runen – ganz so, wie es die Menschen damals wirklich taten.

Taste dich ruhig zuerst spielerisch heran, etwa mit unserer Tagesrune, und wenn ihr euer Zeichen gefunden habt, gravieren wir es euch dauerhaft und sauber. Ehrlich in der Bedeutung, klar im Handwerk – das ist unsere Art, Liebe in Material zu übersetzen.

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