Zwischen der Elbe im Süden und dem Dänenreich im Norden lag ein umkämpftes Stück Land: Nordalbingien, das Land der Sachsen nördlich des Flusses. Hier trafen drei Welten aufeinander – Franken, Sachsen und Dänen.
Nordalbingien („das Land nördlich der Elbe", von lateinisch Albis = Elbe) war der nördlichste Teil des alten Sachsenlandes, im heutigen Holstein und Hamburg-Umland. Hier lebten sächsische Gruppen wie die Holsten, Stormarn und Dithmarschen – und hier verlief zugleich die Nahtstelle zwischen dem Frankenreich und den Dänen im Norden.
Im Zuge seiner Sachsenkriege (772–804) unterwarf Karl der Große auch Nordalbingien. Am Ende stand eine harte Maßnahme: Ganze sächsische Bevölkerungsgruppen wurden umgesiedelt, und das eroberte Land teils an die verbündeten Obodriten (Slawen) übergeben. Damit war die alte Ordnung nördlich der Elbe zerbrochen – und eine neue, fränkisch kontrollierte Grenze entstand.
Um 809/810 ließ Karl die Burg Esesfeld an der Stör errichten (beim heutigen Itzehoe) – die erste fränkische Befestigung nördlich der Elbe. Sie sollte die neue Grenze gegen die Dänen sichern, deren König Godfred zur selben Zeit das Danewerk ausbaute. Zwei Großmächte befestigten also gleichzeitig ihre Seite derselben Grenze.
Nordalbingien war auch ein Filter für den Handel: Über Plätze wie Bardowick lief der Austausch mit den Slawen und dem Norden, und Karls Diedenhofener Kapitular (805) regelte, wo Handel erlaubt war – und verbot den Export von Waffen an die Nachbarn. Später wurde Hamburg von hier aus zum Missions- und Handelsvorposten Richtung Norden. Nordalbingien war damit weniger ein Volk als eine Aufgabe: Grenze, Handel und Glaube zu kontrollieren.
„Verstand bedarf, wer weit reist; daheim ist alles leicht."Hávamál 5, nach Karl Simrock 1851 (gemeinfrei)
Nordalbingien ist die deutsche Seite der Wikingerzeit-Grenze: Wo im Norden das Danewerk stand, sicherte im Süden eine fränkische Burg die andere Seite. Die berühmte Geschichte von Nordmännern und Franken spielte sich hier ganz konkret in der Landschaft ab.

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