Das Danewerk (dänisch Danevirke, „Werk der Dänen“) ist ein rund 30 Kilometer langes System aus Wällen, Gräben, Mauern und einer Seesperre bei Schleswig, das die schmalste Stelle zwischen Ostsee und Nordsee abriegelte. Gebaut wurde es nicht auf einmal, sondern über mehr als 500 Jahre: sicher seit dem späten 7. Jahrhundert, mit einem großen Ausbau 737, Erweiterungen unter Harald Blauzahn um 968 und einer Backsteinmauer um 1170. Seit 2018 ist es zusammen mit Haithabu UNESCO-Welterbe. Wir zeigen dir, was Jahrringe, Grabungen und Chronisten verraten.
Stell dir einen Wall vor, der so alt ist, dass er schon stand, bevor die ersten Wikinger in Lindisfarne an Land gingen. Und der so lange benutzt wurde, dass im Jahr 1864 noch Kanonen hinter ihm in Stellung gebracht wurden. Das Danewerk ist kein Bauwerk einer einzigen Epoche. Es ist ein Archiv aus Erde, Holz, Feldstein und Backstein, in dem jede Generation ihre eigene Schicht hinterlassen hat.
Und das Beste daran: Dieses Archiv liegt nicht in Skandinavien, sondern mitten in Schleswig-Holstein, zwischen Schleswig und Hollingstedt. Vieles, was über ihn erzählt wird, ist allerdings Legende oder veraltet. Wir trennen für dich, was der Boden, was zeitgenössische Texte und was spätere Chroniken sagen.
Um das Danewerk zu verstehen, musst du einen Blick auf die Karte werfen. Die Jütische Halbinsel ist zwischen Nord- und Ostsee nirgends so leicht zu queren wie bei Schleswig. Von Osten schneidet die Schlei – ein langer, schmaler Meeresarm der Ostsee – tief ins Land. Von Westen reichen Eider und Treene mit ihren Niederungen und Mooren heran, die in der Wikingerzeit nass und kaum begehbar waren. Dazwischen bleibt eine trockene Landbrücke von nur wenigen Kilometern Breite.
Genau diese Lücke ist der Schlüssel. Wer von Süden auf dem Landweg nach Jütland wollte, musste hier durch. Und wer Waren zwischen Ostsee und Nordsee bewegen wollte, ohne um die gefährliche Nordspitze Jütlands (das Skagerrak) zu segeln, konnte sie an der Schlei ausladen, über Land nach Hollingstedt an der Treene bringen und von dort über Treene und Eider zur Nordsee verschiffen. Die Strecke zwischen dem Schleiufer bei Haithabu und Hollingstedt beträgt rund 15 Kilometer Luftlinie.
Das Danewerk nutzt diese Landschaft geschickt aus. Es sperrt nicht die ganze Halbinsel, sondern nur die trockenen Stellen. Wo Moor und Wasser ohnehin jedes Heer aufhielten, brauchte man keinen Wall. Deshalb sieht das Danewerk auf der Karte auch nicht aus wie eine gerade Mauer, sondern wie ein Bündel einzelner Linien: Hauptwall, Krummwall, Nordwall, Osterwall, Verbindungswall, Kograben und eine Sperre im Wasser der Schlei.
Der Name ist schlicht und selbstbewusst: Danevirke bzw. altdänisch Danæwirki heißt etwa „Werk (Befestigung) der Dänen“. Schriftlich greifbar ist diese Namensform laut dem dänischen Fachlexikon Lex.dk erst im 12. Jahrhundert, also lange nach dem Bau der ältesten Teile. Die fränkischen Annalen des 9. Jahrhunderts nennen den Wall nicht beim Namen, sie sprechen nur von einem vallum, einem Wall.
Ein Wort zur Vorsicht: „Grenze Dänemarks“ klingt nach Schlagbaum und Landkarte. Das gab es im 8. Jahrhundert nicht. Das Danewerk markierte eher eine befestigte Zone am Südrand eines Machtbereichs, dessen Ausdehnung sich im Lauf der Jahrhunderte veränderte. Südlich davon lag das Grenzland Nordalbingien, umkämpft zwischen Sachsen, Franken, Slawen und Dänen. Als Grenzfluss nennen die Reichsannalen im Jahr 811 übrigens nicht den Wall, sondern die Eider: Dort trafen sich je zwölf fränkische und dänische Große, um Frieden zu schließen.
Die Bauabfolge des Danewerks ist eines der am besten erforschten Kapitel der nordeuropäischen Archäologie – und trotzdem nicht in allen Punkten geklärt. Die wichtigsten Grabungen führten Herbert Jankuhn (1930er Jahre), der dänische Archäologe H. Hellmuth Andersen (1969–1975 und später) und seit 2010 das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein gemeinsam mit dem Museum Sønderjylland durch. Andersen allein unterschied am Hauptwall mehrere aufeinanderfolgende Bauphasen.
Datiert wird auf zwei Wegen. Die Dendrochronologie vergleicht die Jahrringe verbauter Eichen mit einer Referenzkurve und liefert im besten Fall das Fälljahr des Baums. Die Radiokarbonmethode (C14) misst den Zerfall von Kohlenstoff in organischem Material und gibt nur Zeitspannen von einigen Jahrzehnten an. Beides zusammen ergibt folgendes Bild:
| Abschnitt / Phase | Datierung | Art des Belegs |
|---|---|---|
| Älteste Erdwälle am Hauptwall | sicher spätes 7. Jh.; Anfänge im 5./6. Jh. werden diskutiert | Radiokarbon, Schichtenfolge |
| Krummwall nach Westen Richtung Hollingstedt | wohl um 700 (unsicher) | Bauweise, Stratigrafie |
| Palisadenwall mit Holzfront, Nordwall, Osterwall | 737 | Dendrochronologie |
| Seesperrwerk in der Schlei | um 740 bzw. 8. Jh. | Dendrochronologie, Taucheruntersuchungen |
| Feldsteinmauer vor dem Hauptwall | 8. Jh. | Grabungen 1983 und 2010–2014 |
| Verbindungswall zu Haithabu | 964/65–968 | Dendrochronologie |
| Kograben (gerade Linie südlich davor) | 2. Hälfte 10. Jh. (umstritten) | Radiokarbon |
| Waldemarsmauer aus Backstein | um 1170 | Schriftquelle, Bauweise |
Die Frage nach dem allerersten Spatenstich ist offen. Das dänische Lexikon Lex.dk nennt einen Baubeginn um 450 und „sicher vor 500“; Radiokarbondaten aus den Grabungen am Tor deuten in diese Richtung. Das Kulturlandschaftsportal KuLaDig des Landes formuliert vorsichtiger: Der Hauptwall bestand „mindestens seit dem späten 7. Jahrhundert“. Wir halten es mit der vorsichtigen Variante. Sicher ist: Das Danewerk ist älter als die Wikingerzeit, die man üblicherweise um 793 beginnen lässt.
Das Jahr 737 ist das berühmteste Datum des Danewerks, und es stammt nicht aus einer Chronik, sondern aus dem Holz selbst. In diesem Jahr wurden die Eichen gefällt, aus denen man die Palisade und die schwere Holzfront des Hauptwalls baute. Auch an der sogenannten Thyraburg, einem künstlichen Plateau am Ostende des Hauptwalls beim ehemaligen Dannewerker See, fand Andersen 1972 ein Kastenbauwerk aus Holz mit demselben Datum.
Fast gleichzeitig entstanden der Nordwall und der Osterwall, der die Halbinsel Schwansen zwischen Schlei und Eckernförder Bucht absperrte. Dazu kam eine Sperre im Wasser: das Seesperrwerk in der Schlei, eine Reihe von Pfählen und Holzkonstruktionen, die Schiffen die Zufahrt verwehrte. Taucher der Bundeswehr halfen Willi Kramer ab 1992, diese Anlage unter Wasser zu vermessen.
Was heißt das historisch? Wer im Jahr 737 Hunderte Eichen fällen, Tausende Kubikmeter Erde bewegen und Arbeiter über Monate versorgen lassen konnte, verfügte über echte Macht. Das Danewerk ist damit einer der frühesten Hinweise auf eine überregionale Herrschaft in Südskandinavien. Nur: Einen Namen für diesen Bauherrn hat keine Quelle. Alkuin erwähnt in seiner Lebensbeschreibung des Missionars Willibrord einen Dänenkönig namens Ongendus, den Willibrord zu Beginn des 8. Jahrhunderts aufgesucht haben soll. Ob Ongendus oder einer seiner Nachfolger hinter dem Bau von 737 steckt, lässt sich nicht beweisen. Es ist eine reizvolle Vermutung, mehr nicht.
Das erste Mal, dass ein Schreiber vom Danewerk berichtet, ist im Jahr 808. Die Fränkischen Reichsannalen (Annales regni Francorum) waren eine Art offizielle Jahreschronik am Hof Karls des Großen. Seit Karl die Sachsen unterworfen hatte, stand das Frankenreich direkt an der Grenze zu den Dänen. Deren König hieß in den Annalen Godofridus; in der deutschen Literatur liest du meist Göttrik oder Godfred.
Schon 804 war Göttrik mit Flotte und Reiterei nach Sliesthorp gekommen, „an die Grenze seines Reiches und Sachsens“. Diesen Ort vermutet die Forschung heute meist in Sliasthorp bei Füsing an der Schlei, andere suchen ihn bei Haithabu. 808 griff Göttrik dann die mit den Franken verbündeten Abodriten an, zerstörte deren Handelsplatz Reric, nahm die Kaufleute mit und zog mit dem ganzen Heer nach Sliesthorp. Dort, so der Annalist, beschloss er den Wall:
„… beschloss er, die Grenze seines Reiches, die Sachsen zugewandt ist, mit einem Wall zu befestigen, sodass von der östlichen Meeresbucht, die sie Ostarsalt nennen, bis zum westlichen Ozean das ganze Nordufer der Eider eine Schutzmauer abdecken sollte, und nur ein einziges Tor offen blieb, durch das Wagen und Reiter hinaus- und hereingelassen werden konnten.“Annales regni Francorum zum Jahr 808 (gemeinfreier lateinischer Text, eigene Übertragung)
Die Stelle ist ein Glücksfall, weil sie Funktion und Bauweise in einem Satz nennt: Grenzsicherung gegen Süden, eine Linie vom Ostseearm bis zur Nordsee, und ein einziges Tor für Wagen und Reiter. Sie ist zugleich ein Problem. Archäologisch lässt sich bisher keine Bauphase eindeutig auf das Jahr 808 festlegen. Möglich ist, dass Göttrik bestehende Wälle erneuern und verstärken ließ und der fränkische Schreiber daraus einen Neubau machte. Möglich ist auch, dass die Arbeiten von 808 Spuren hinterließen, die man noch nicht sicher zuordnen kann, etwa am Kograben oder in der Feldsteinmauer. Seriös ist nur der Satz: Die Annalen bezeugen für 808 eine Bauentscheidung, der Boden bezeugt einen Wall, der damals schon mindestens siebzig Jahre alt war.
Göttriks Politik war aggressiv. Die Annalen berichten, er habe sich gebrüstet, demnächst mit einem Heer bis nach Aachen zu ziehen. Dazu kam es nicht: 810 wurde er von einem eigenen Gefolgsmann erschlagen. Sein Neffe und Nachfolger Hemming schloss 811 Frieden mit Karl – an der Eider.
Ein Satz aus den Annalen beschäftigte die Forschung besonders: „nur ein einziges Tor“. Wo lag es? Lange vermutete man es dort, wo der alte Nord-Süd-Weg durch Jütland, der Heerweg oder Ochsenweg, den Hauptwall kreuzt. Der Name Ochsenweg stammt übrigens aus späterer Zeit, als hier im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit große Rinderherden nach Süden getrieben wurden. Die Trasse selbst ist viel älter.
2010 stieß ein Grabungsteam des Archäologischen Landesamts unter Astrid Tummuscheit genau an dieser Stelle bei Dannewerk (Ortsteil Klein Dannewerk) auf eine Lücke in der Feldsteinmauer. In weiteren Kampagnen 2013 und 2014, gemeinsam mit Frauke Witte vom Museum Sønderjylland, wurde das Bild deutlicher:
Die Ausgräber identifizieren die Lücke mit dem „einzigen Tor“ der Reichsannalen. Ganz sicher beweisen lässt sich das nicht, denn eine Inschrift trägt so ein Tor nicht. Aber Lage, Alter und Nutzung passen außerordentlich gut. In mittelalterlichen Quellen erscheint der Durchlass unter Namen wie Wiglesdor (dänisch Viglesport) oder Kalegat. Bei neueren Grabungen 2024/25 im Bereich des Museums zeigte sich zudem eine ältere Steinsetzung unter dem Wall und eine Pfostenkonstruktion, die älter ist als die ältesten Wälle – ein Hinweis darauf, dass die Geschichte dieses Ortes noch nicht zu Ende erzählt ist.
Die naheliegende Antwort ist: Verteidigung. Ein Wall mit Palisade und Graben stoppt kein entschlossenes Heer für immer, aber er zwingt es, sich zu sammeln, verschafft Zeit und lenkt den Angreifer auf wenige Stellen.
Mindestens ebenso wichtig war die Kontrolle des Verkehrs. Wenn es nur ein Tor für Wagen und Reiter gab, wusste der König, wer ins Land kam. Hier liefen der Landweg von Süden und der Querweg zwischen Ostsee und Nordsee zusammen. Dass an einem solchen Engpass auch Abgaben erhoben wurden, ist sehr plausibel, und viele Darstellungen sprechen von Zoll am Danewerk. Eine zeitgenössische Quelle, die ausdrücklich einen Zoll am Danewerk-Tor im 8. oder 9. Jahrhundert nennt, kennen wir allerdings nicht. Belegt ist der wirtschaftliche Zusammenhang: Göttrik brachte 808 die Kaufleute aus Reric in seine Nähe, und Haithabu blühte in den folgenden Jahrzehnten auf.
Im 10. Jahrhundert verschob sich der Schwerpunkt. Haithabu, am Westufer des Haddebyer Noors gelegen, war zur größten Handelsstadt des Nordens geworden. Die Stadt bekam einen eigenen halbkreisförmigen Wall von gut einem Kilometer Länge, dessen genaue Bauzeit umstritten ist. Dann ließ man den Verbindungswall errichten, der den Halbkreiswall von Haithabu mit dem Hauptwall verband. Die Dendrodaten weisen auf die Jahre 964/65 bis 968. Damit regierte damals Harald Blauzahn, derselbe König, der sich auf dem großen Jellingstein rühmte, ganz Dänemark gewonnen und die Dänen zu Christen gemacht zu haben.
Harald war ein Bauherr großen Stils. In dieselben Jahrzehnte fallen die Palisade von Jelling, die Brücke von Ravning Enge und die Trelleborg-Ringburgen. Das Danewerk passt in dieses Programm: Harald band die wichtigste Handelsstadt seines Reiches fest in das Grenzsystem ein. Zum Kograben, einer schnurgeraden Wall-Graben-Linie südlich vor dem Hauptwall, gehen die Meinungen auseinander. Lex.dk nennt Radiokarbondaten zwischen 770 und 970, die deutsche Forschung neigt zu einer Entstehung in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts, womöglich ebenfalls unter Harald.
Genützt hat der Ausbau nicht immer. Im Herbst 974 durchbrach Kaiser Otto II. das Danewerk und ließ eine Burg anlegen. Für knapp ein Jahrzehnt stand das Gebiet um Haithabu unter ottonischer Kontrolle, bis die Dänen es 983 im Zuge des großen Slawenaufstands zurückgewannen. Wenn du heute dein Smartphone per Funk mit Kopfhörern verbindest, benutzt du übrigens Haralds Beinamen: Warum, erklären wir in Dein Handy trägt einen Wikingerkönig.
Die Wikingerzeit war längst vorbei, als das Danewerk seine eindrucksvollste Gestalt bekam. König Waldemar I. der Große (reg. 1157–1182) ließ um 1170 vor den Hauptwall eine Mauer aus gebrannten Ziegeln setzen, auf rund vier Kilometern Länge. Sie gehört zu den frühesten Backsteinbauten Dänemarks. Wie hoch sie ursprünglich war, ist nur zu schätzen; Angaben um sieben Meter kursieren, sind aber Rekonstruktion.
Woher wir wissen, dass Waldemar der Bauherr war? Aus seinem eigenen Grab. In der Kirche von Ringsted auf Seeland fand man eine Bleitafel, die ihm beigegeben wurde und die neben seinen übrigen Taten den Bau dieser Mauer festhält.
Heute ist die Waldemarsmauer größtenteils unter Erde und Bewuchs verborgen. Im Archäologischen Park beim Museum ist ein Stück von etwa 80 Metern freigelegt und zu sehen. Wer davorsteht, sieht nicht die Wikingerzeit, sondern das Hochmittelalter.
Keine Geschichte über das Danewerk ist so bekannt wie die von Thyra Danebod, der Frau Gorms des Alten und Mutter Harald Blauzahns. Zwei dänische Geschichtsschreiber des späten 12. Jahrhunderts erzählen sie. Bei Sven Aggesen ist Thyra eine Fürstentochter, die der deutsche Kaiser mit Gorm verheiratet, damit sie für ihn den Tribut der Dänen eintreibt. Stattdessen verweigert sie die Zahlung und lässt das Danewerk bauen, wobei sie dem Kaiser weismacht, der Wall solle Deutschland vor Gorm schützen. Bei Saxo Grammaticus ist sie die kluge, standhafte Königin, die das Land mit dem Wall gegen Angriffe aus dem Süden sichert. Spätere Chronisten schmückten das weiter aus, und im 19. Jahrhundert malte Lorenz Frølich Thyra als Bauherrin.
Warum hielt sich die Legende so zäh? Weil sie eine gute Geschichte ist: eine kluge Frau, die einen Kaiser überlistet und ihr Volk schützt. Wertlos ist sie trotzdem nicht. Sie zeigt, wie stark das Danewerk schon im Mittelalter mit der Idee eines eigenständigen dänischen Reiches verbunden wurde.
Im 19. Jahrhundert erlebte der alte Wall ein unerwartetes Comeback. Nach der Schleswig-Holsteinischen Erhebung von 1848 und dem Krieg bis 1850 baute Dänemark das Danewerk ab 1861 zu einer modernen Verteidigungsstellung mit Artilleriestellungen (Schanzen) aus. Bei diesen Erdarbeiten begann zugleich die archäologische Erforschung des Walls. Schon vorher hatte der Theologe und Dichter N. F. S. Grundtvig eine Zeitschrift namens Dannevirke herausgegeben; der Wall war zum nationalen Sinnbild geworden.
Der Ernstfall kam im Deutsch-Dänischen Krieg 1864. Am 1. Februar überschritten preußische und österreichische Truppen die Eider, am 2. Februar kam es bei Mysunde an der Schlei zu Kämpfen. Doch der Winter war hart, Schlei und Niederungen froren zu, und die Stellung drohte umgangen zu werden. General Christian Julius de Meza ließ das Danewerk in der Nacht vom 5. auf den 6. Februar 1864 räumen, der Rückzug ging nach Düppel. Die dänische Öffentlichkeit, die den Wall für uneinnehmbar gehalten hatte, war schockiert, de Meza wurde abgesetzt.
Seitdem liegt es auf deutschem Gebiet. Für die dänische Minderheit in Südschleswig blieb es ein Ort der Erinnerung.
Im Sommer 2018 nahm das UNESCO-Welterbekomitee auf seiner Sitzung in Manama (Bahrain) den „Archäologischen Grenzkomplex Haithabu und Danewerk“ in die Welterbeliste auf. Für Schleswig-Holstein ist es nach der Lübecker Altstadt und dem Wattenmeer die dritte Welterbestätte. Die Stätte umfasst mehrere Bestandteile: Krummwall, Hauptwall, Nordwall, Verbindungswall, Kograben, Osterwall, die Unterwasser-Sperrwerke sowie Haithabu mit Halbkreiswall, Hafen, Gräberfeldern, der Hochburg und drei Runensteinen.
Begründet wurde die Aufnahme mit zwei Kriterien: Der Komplex ist ein außergewöhnliches Zeugnis für den Austausch zwischen Kontinent und Skandinavien und zwischen Nord- und Ostsee, und er ist ein herausragendes Beispiel für eine Grenzlandschaft des frühen Mittelalters. Übrigens: Rund 95 Prozent von Haithabu sind noch gar nicht ausgegraben.
Wichtig für die Ehrlichkeit: Die Schanzen von 1861–1864, die man am Hauptwall noch sieht, sind Teil der Geschichte, aber nicht wikingerzeitlich. Nur sie wurden in neuerer Zeit teilweise wiederhergestellt und lassen sich von den alten Wällen unterscheiden.
Das Danewerk ist frei zugänglich und lässt sich gut zu Fuß oder mit dem Rad erkunden. Wanderwege folgen dem Hauptwall und dem Verbindungswall, Infotafeln erklären die Abschnitte. Der wichtigste Anlaufpunkt ist das Danevirke Museum in Dannewerk, direkt am alten Ochsenweg und am Tor im Wall. Das alte Museumsgebäude, ein früheres Bauernhaus, wurde 2022 abgerissen; seitdem laufen Ausstellung und Vermittlung in einem Übergangsbau, während ein Neubau und ein neu gestalteter Archäologischer Park entstehen. Prüf vor deinem Besuch den aktuellen Stand auf der Website des Museums.
Das Wikinger Museum Haithabu liegt nur wenige Kilometer entfernt; der Verbindungswall ist der schönste Weg dorthin. Weitere Ziele im Norden findest du in unserem Überblick Wikinger erleben: Museen und Fundorte, und wie andere Befestigungen der Zeit gebaut waren, zeigt unser Beitrag zu den Burgen und Wällen der Wikingerzeit.

Wie alt ist das Danewerk? Sicher datiert ist der Hauptwall mindestens ins späte 7. Jahrhundert, ein großer Ausbau mit Palisade auf das Jahr 737. Ob die ältesten Erdwälle schon um 500 entstanden, wird diskutiert; die letzte mittelalterliche Bauphase ist die Waldemarsmauer um 1170.
Wie lang ist das Danewerk? Alle Wälle zusammen sind rund 30 Kilometer lang. Der Hauptwall allein misst etwa 5,5 Kilometer, der Krummwall etwa 7,5 Kilometer.
Wer hat das Danewerk gebaut? Den ersten Bauherrn kennen wir nicht. König Göttrik (Godfred) ließ es laut den Fränkischen Reichsannalen 808 befestigen, Harald Blauzahn baute um 968 den Verbindungswall, Waldemar I. um 1170 die Backsteinmauer. Königin Thyra ist eine Legende.
Wo kann man das Danewerk sehen? Am besten bei Dannewerk, westlich von Schleswig, rund um das Danevirke Museum. Dort sind Hauptwall, das Tor am Ochsenweg und ein freigelegtes Stück der Waldemarsmauer zu sehen.
Ist das Danewerk UNESCO-Welterbe? Ja, seit 2018 – gemeinsam mit Haithabu als „Archäologischer Grenzkomplex Haithabu und Danewerk“.
Warum hat das Danewerk 1864 nicht gehalten? Wegen Frost und der Gefahr, umgangen zu werden. Die zugefrorene Schlei ließ sich überqueren, und General de Meza räumte die Stellung Anfang Februar 1864 kampflos, um die Armee zu retten.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Haithabu · Wikinger-Spuren in Deutschland · Die nordfriesischen Ringwälle · Reric · Der Ochsenweg.
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