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Erik Blutaxt – vom Königssohn zum letzten Wikingerkönig von York

Geschichte & Funde Erik Blutaxt – vom Königssohn zum letzten Wikingerkönig von York Sein Beiname klingt nach Legende, doch Erik Blutaxt hat es wirklich gegeben: Königssohn, kurzzeitig Herr über Norwegen, dann zweimal gekrönter König im englischen York. Zwischen Saga und Münzfund lässt sich sein Leben besser fassen als das der meisten Wikinger – und gerade darum lohnt der genaue Blick.

Kaum ein Name der Wikingerzeit klingt so nach Blut und Eisen wie „Blutaxt“. Doch hinter Eiríkr blóðøx steckt keine reine Erfindung: Er war ein historischer König mit eigenen Münzen, ein Mann zwischen Norwegen und England, dessen Leben die Sagas später kräftig ausgemalt haben.

Ein Königssohn mit blutigem Beinamen

Erik war ein Sohn Harald Schönhaars (Haraldr hárfagri), des Königs, der Norwegen der Überlieferung nach zuerst einte. Harald hatte viele Söhne, und das war das Problem: Als der alte König seinem Liebling Erik die Oberherrschaft übertrug, standen dem zu viele Brüder im Weg. Nach der isländischen Überlieferung ließ Erik mehrere von ihnen töten – daher, so eine Deutung, der Beiname „Blutaxt“. Andere lesen ihn schlicht als Kriegernamen, als „die Axt, die Blut trinkt“. Welche Deutung stimmt, ist bis heute offen; der Beiname taucht erst in späteren Quellen auf.

König von Norwegen – kurz und umkämpft

Eriks Herrschaft über Norwegen war kurz und ungeliebt. Er galt als harter, von seiner Frau Gunnhild beeinflusster Herrscher; Gunnhild, „Königsmutter“, wird in den Sagas zur mächtigen, gefürchteten Gestalt, der man Zauberei nachsagte. Als Eriks jüngster Bruder Hákon – am Hof des englischen Königs Æthelstan christlich erzogen – nach Norwegen zurückkehrte, liefen die Großen zu ihm über. Erik musste weichen. Mit Gunnhild und den Söhnen ging er außer Landes, auf die Inseln im Westen und schließlich nach England.

König von York

Dort begann sein zweites Leben. Im angelsächsischen Northumbria, rund um die alte Wikingerstadt Jórvík (York), wurde Erik zum König erhoben – nach den Quellen sogar zweimal, unterbrochen von Vertreibung und Rückkehr. Das ist der historisch am besten gesicherte Teil seiner Geschichte: Aus York kennt man Silbermünzen mit der Umschrift ERIC REX, „König Erik“. Er war damit einer der letzten unabhängigen Wikingerkönige auf englischem Boden, in einer Zeit, in der die angelsächsischen Könige das Danelag Stück für Stück unter ihre Krone zwangen.

Egill und das Haupt-Lösegeld

Die berühmteste Szene um Erik erzählt die Egils saga. Der isländische Skalde und Haudegen Egill Skallagrímsson, ein alter Feind Eriks und Gunnhilds, strandet ausgerechnet in dessen Machtbereich bei York und gerät in Eriks Gewalt. Sein Leben ist verwirkt. In einer einzigen Nacht dichtet Egill ein großes Preislied auf den König, die Höfuðlausn, das „Haupt-Lösegeld“ – ein endgereimtes Lob auf den Mann, der ihn töten will. Erik lässt ihn ziehen: sein Kopf sei das Lied wert. Ob sich das genau so zugetragen hat, ist Sagenstoff; dass ein Skalde sein Leben mit einem Gedicht auslösen konnte, passt aber genau zu einer Welt, in der das rechte Wort Gold wert war.

Der Fall bei Stainmore – und die Halle Odins

Eriks Ende kam 954: Vertrieben und auf der Flucht, fiel er der Überlieferung nach in einem Hinterhalt bei Stainmore in den Penninen. Mit ihm endete das eigenständige Wikingerkönigtum von York. Doch die Dichtung gab ihm ein glänzendes Nachleben: Das gemeinfreie Gedächtnislied Eiríksmál, wohl von Gunnhild in Auftrag gegeben, lässt Odin selbst die Tore Walhalls öffnen und den gefallenen König mit seinen Kriegern empfangen – ein Ehrenplatz für den, den das Leben hart behandelt hatte. So wird aus dem vertriebenen König am Ende ein Held, den der Allvater herbeiruft.

Besitz stirbt, / Sippen sterben,
du selbst stirbst wie sie;
eins weiß ich, / das ewig lebt:
der Toten Tatenruhm.Hávamál 77, Übersetzung nach Karl Simrock 1851 (gemeinfrei)

Genau darum ging es Männern wie Erik: nicht ums lange Leben, sondern um den Namen, der bleibt. Und der ist geblieben – bis heute.

Was belegt ist. Eriks Königtum in York ist historisch gut gesichert: Silbermünzen mit der Umschrift ERIC REX stammen aus dem York des 10. Jahrhunderts. Die angelsächsische Chronik verzeichnet die wechselnden Herrscher Northumbrias und Eriks Ende um 954. Dass er ein Sohn Harald Schönhaars war und dass sein Bruder Hákon am Hof Æthelstans erzogen wurde, steht in Heimskringla und Fagrskinna. Die Eiríksmál (10. Jh.) und Egills Höfuðlausn sind als Dichtung überliefert.
Was Deutung ist. Der Beiname „Blutaxt“ und die Erzählung vom Brudermord tauchen erst in isländischen Quellen des 12./13. Jahrhunderts auf – rund zweihundert Jahre nach Eriks Tod. Ob „Blutaxt“ wirklich den Brudermord meint oder schlicht einen Kriegernamen, ist umstritten. Gunnhild als zauberkundige Intrigantin ist ein literarisches Bild der Sagas, das ihren Söhnen und Gegnern in die Hände spielte. Und ob Egills nächtliches Preislied genau so den Kopf rettete, gehört ins Reich der guten Geschichte. Der Kern – ein Königssohn, der in York regierte und dort fiel – ist echt; die Ausschmückung ist Sagenkunst.
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Egill Skallagrímsson · Ragnars Söhne · Stamford Bridge 1066 · Das Große Heer · Haithabu.

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