Kein germanischer Stamm bekam von Tacitus so viel Respekt wie die Chatten. Sie kämpften nicht in wilden Stürmen, sondern diszipliniert wie ein Heer. Ihr Land war das heutige Hessen – und ihr Name lebt bis heute darin fort.
Die Chatten (lateinisch Chatti) siedelten an Eder, Fulda und oberer Weser, im Kern des heutigen Nordhessen. Tacitus widmet ihnen in der Germania ein ganzes Kapitel und zeichnet sie als etwas Besonderes unter den Germanen: nicht wilder Draufgänger-Haufen, sondern ein Volk mit Ordnung, Ausdauer und beinahe römischer Disziplin.
Tacitus hebt hervor, dass die Chatten planvoll kämpften: feste Reihen, gewählte Anführer, Befehle, die man befolgte. Sie verließen sich mehr auf den Fußsoldaten als auf den ungestümen Einzelkämpfer, trugen Werkzeug und Vorrat mit sich und führten Krieg wie einen Feldzug, nicht wie einen Überfall.
„Andere Germanen gehen in die Schlacht, die Chatten in den Krieg."nach Tacitus, Germania 30 (gemeinfrei, eigene Übersetzung)
Ein ungewöhnlicher Brauch fiel den Römern auf: Junge Chatten ließen Haar und Bart wachsen und legten dieses Aussehen erst ab, wenn sie ihren ersten Feind erschlagen hatten. Manche trugen einen Eisenring wie eine Fessel, bis dieselbe Tat sie „auslöste" – ein sichtbares Gelübde von Mut. Tacitus beschreibt sie als raue, entschlossene Männer, die den Kampf suchten, nicht den Frieden.
Ihr Hauptort hieß nach Tacitus Mattium – wo genau er lag, ist bis heute nicht gesichert (Kandidaten liegen im Raum um Fritzlar/Gudensberg). Germanicus verwüstete ihn 15 n. Chr. Die Chatten blieben über Generationen ein Dorn im römischen Fleisch: Sie fielen in römisches Gebiet ein, führten Krieg gegen Nachbarstämme wie die Hermunduren (um eine heilige Salzstelle) und tauchen über Jahrhunderte in den Quellen auf.
Das Bemerkenswerteste an den Chatten ist ihr Nachleben im Namen: Aus Chatti wurde über die lautliche Entwicklung (Chatti → Hatti → Hassi → Hessen) der Name der Hessen. Wer heute in Kassel, Fritzlar oder im Knüllgebirge wohnt, trägt einen Stammesnamen aus der Zeit des Tacitus. Damit sind die Chatten einer der wenigen germanischen Stämme, deren Name bis in die Gegenwart durchgehend lebt.
Die Chatten sind der germanische Stamm, den man in Hessen buchstäblich noch im Namen trägt – und der beste Beleg dafür, dass „die Germanen" keine wilde Masse waren, sondern Völker mit Ordnung, Bräuchen und einem langen Gedächtnis.

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