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Ogham: Kerben am Stein – die Schrift der Kelten

Runen & Schrift Ogham: Kerben am Stein – die Schrift der Kelten Eine Schrift aus einfachen Strichen entlang einer Kante, in Stein gehauen: Ogham ist die früheste keltische Schrift. Sie erzählt vor allem Namen – und ist die keltische Schwester der germanischen Runen.

Ogham (gesprochen etwa „Ohm") ist die älteste bekannte Schrift der Kelten, vor allem im frühmittelalterlichen Irland und in Teilen Britanniens (etwa 4.–7. Jh. n. Chr.). Sie besteht aus Gruppen von Kerben und Strichen, die entlang einer Mittellinie – meist der Kante eines Steins – angeordnet sind.

Wie Ogham funktioniert

Das Alphabet umfasst 20 Grundzeichen (später erweitert), gegliedert in vier Gruppen (aicme) zu je fünf Buchstaben. Ein Zeichen ist eine bestimmte Anzahl von Strichen rechts, links oder quer über der Kante. Man liest von unten nach oben. Jeder Buchstabe trägt einen Namen, traditionell nach Bäumen – daher der (allerdings überschätzte) Beiname „Baumalphabet".

Wofür sie diente

Die meisten Ogham-Inschriften sind kurz und stehen auf Grenz- und Gedenksteinen. Sie nennen fast immer Namen: „(Stein) des X, Sohn des Y". Ogham markierte Besitz, Grab und Erinnerung – eine Schrift für das Wesentliche, in Stein für die Ewigkeit.

„Verstand bedarf, wer weit reist; daheim ist alles leicht."Hávamál 5, nach Karl Simrock 1851 (gemeinfrei)

Ogham und die Runen

Der Vergleich zu den germanischen Runen liegt nahe: Beide sind früh, bestehen aus geraden Linien (ideal zum Ritzen und Hauen), tragen Buchstabennamen und stehen oft auf Gedenksteinen. Ob sie sich gegenseitig beeinflussten, ist unklar – wahrscheinlich entstanden beide unabhängig aus dem Kontakt mit der lateinischen Schrift. Zwei Völker, dieselbe Idee: Sprache in Stein zu bannen.

Was belegt ist: Ogham als frühe keltische Schrift (ca. 4.–7. Jh.), rund 400 erhaltene Steininschriften v. a. in Irland/Britannien. Der Aufbau in vier aicme zu je fünf Zeichen. Der Inhalt: meist Namen auf Grenz-/Gedenksteinen. Der Bezug der Buchstabennamen zu Bäumen.
Was Mythos/Deutung ist: Das „keltische Baumhoroskop", das Ogham zugeschrieben wird, ist eine moderne Erfindung (v. a. Robert Graves, 20. Jh.) – kein antiker Kult. Ogham als „Geheim-" oder „Zauberschrift" ist überzeichnet: Es ist in erster Linie eine praktische Schrift. Die Deutung einzelner Zeichen als magische Symbole ist neuzeitlich.

Ogham ist die keltische Kunst, Sprache in Stein zu ritzen – nüchtern, elegant und der germanischen Runenschrift verwandt. Mehr zu den Runen in unserem Runen-Überblick.

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