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Die keltische Religion: Druiden, Götter und der heilige Hain

Folklore & Glaube Die keltische Religion: Druiden, Götter und der heilige Hain Die Kelten teilten mit den Germanen mehr, als man denkt: heilige Haine, ein reiches Götterreich und die Verehrung im Freien. Ihre Religion kennen wir vor allem durch Caesar – und durch die römische Brille.

Die keltische Religion war der Glaube der keltischen Völker Mittel- und Westeuropas – von Gallien über Britannien bis in den Alpenraum. Wie bei den Germanen fehlen eigene Schriftquellen fast völlig; wir sind auf Caesar, andere antike Autoren und die Archäologie angewiesen. Und wie bei den Germanen gilt: Es war kein einheitliches Dogma, sondern regional vielfältiger Glaube.

Die Druiden

Die bekanntesten Gestalten sind die Druiden – Priester, Richter und Gelehrte in einer Person. Caesar beschreibt sie als mächtige Standeselite, die über Recht und Kult wachte, jahrelang auswendig lernte (nichts durfte aufgeschrieben werden) und Opfer leitete. Ihr Wissen gaben sie mündlich weiter – weshalb wir es kaum kennen.

Die Götter

Das keltische Götterreich war groß und regional verschieden. Bekannt sind Lugh (Licht/Kunstfertigkeit), Taranis (Donner, mit Rad-Symbol), Teutates („Gott des Stammes", von toutā = Volk) und Cernunnos, der geweihtragende „Herr der Tiere" – berühmt vom Silberkessel von Gundestrup. Caesar ordnete sie kurzerhand römischen Göttern zu: Merkur, Apollo, Mars, Jupiter, Minerva.

„Verstand bedarf, wer weit reist; daheim ist alles leicht."Hávamál 5, nach Karl Simrock 1851 (gemeinfrei)

Parallelen zum germanischen Glauben

Die Nähe zum germanischen Glauben ist auffällig: heilige Haine (keltisch nemeton) statt Tempel, Verehrung an Quellen und in Wäldern, ein Kriegsgott vom Mars-Typ. Besonders schön ist die sprachliche Brücke: keltisch Teutates (von toutā, „Volk") und germanisch *þeudō („Volk", vgl. „deutsch") gehen auf dieselbe indogermanische Wurzel zurück – ein „Volksgott" auf beiden Seiten des Rheins. Der Rhein war eben eine Grenze der Römer, keine Mauer zwischen zwei völlig fremden Welten.

Was belegt ist: Die Druiden als Priester-/Gelehrtenstand (Caesar, Plinius). Keltische Götter (Lugh, Taranis, Teutates, Cernunnos u. a.) aus Inschriften, Bildwerken und antiken Autoren. Heilige Haine (nemeton). Die interpretatio Romana keltischer Götter (Caesar).
Was Mythos/Deutung ist: Das romantische Druidenbild (weiße Roben, Stonehenge-Rituale) ist neuzeitliche Erfindung – Stonehenge ist Jahrtausende älter als die Kelten. Auch das „keltische Baumhoroskop" ist modern (Robert Graves, 20. Jh.), kein antiker Kult. Viele Gottheiten kennen wir nur als Namen; ihre Geschichten sind meist verloren oder erst mittelalterlich-irisch überliefert.

Die keltische Religion ist der große Nachbar der germanischen – verwandt in Hain, Götterfülle und Weltgefühl. Mehr zur römischen Umbenennung germanischer Götter im Beitrag Interpretatio Romana.

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