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Die Redonen: Kelten der Bretagne

Aufklärung Die Redonen: Kelten der Bretagne Im Osten der Bretagne, wo zwei Flüsse zusammentreffen, saßen die Redonen. Aus ihrem Hauptort wurde die heutige bretonische Hauptstadt Rennes – ihr Name lebt bis heute.

Die Redonen (lateinisch Redones) waren ein keltischer Stamm im Osten der Armorica, der heutigen Bretagne. Ihr Hauptort lag am Zusammenfluss von Ille und Vilaine und trug den keltischen Namen Condate („Zusammenfluss") – aus ihm wurde die heutige Stadt Rennes, die Hauptstadt der Bretagne. Wie so viele gallische Stämme leben die Redonen vor allem in ihrer Stadt und ihrem Namen weiter.

Ein Volk der Armorica

Die Redonen gehörten zu den Stämmen der Armorica – so nannte man die Halbinsel im Nordwesten Galliens, „das Land am Meer". Ihr Gebiet lag im Osten dieser Region, im fruchtbaren Hinterland, während ihre Nachbarn, die seefahrenden Veneter, die Küste beherrschten. Die Redonen lebten von Ackerbau, Viehzucht und Handel entlang der Flüsse. Ihr Hauptort Condate war ein natürlicher Verkehrsknoten am Zusammenfluss zweier Flüsse – eine ideale Lage für eine spätere Stadt.

Im Gallischen Krieg

Die Redonen erscheinen bei Caesar unter den armorikanischen Stämmen. 56 v. Chr., als sich die Küstenvölker unter Führung der Veneter gegen Rom erhoben, gehörten die Redonen zu den beteiligten Stämmen. Und im großen Aufstand des Jahres 52 v. Chr. stellten sie – wie fast ganz Gallien – Truppen für das Entsatzheer, das das belagerte Alesia befreien sollte. Nach der Niederlage mussten auch die Redonen die römische Herrschaft anerkennen; ihr Land wurde Teil der römischen Provinz.

Condate wird Rennes

Unter Rom entwickelte sich Condate zu einer gallorömischen Stadt und wurde zum Hauptort der civitas Redonum. Über die Jahrhunderte setzte sich, wie bei so vielen gallischen Städten, der Stammesname gegen den alten Ortsnamen durch: Aus „civitas Redonum" wurde Rennes. Der keltische Name Condate verschwand, der Volksname der Redonen blieb – und wurde zum Namen einer der wichtigsten Städte des Westens Frankreichs.

Zwischen Gallien und der Bretagne

Die Geschichte der Redonen ist auch die Vorgeschichte der Bretagne. Nach dem Ende Roms wanderten im 5. und 6. Jahrhundert Briten von der britischen Insel nach Armorica ein und gaben der Halbinsel ihren neuen Namen: Bretagne, „Klein-Britannien". Das Land der Redonen im Osten wurde zur Grenzregion (den „Marken") zwischen der keltisch-bretonischen und der fränkisch-französischen Welt. Rennes wurde später Hauptstadt des Herzogtums Bretagne – ein Erbe, das bis in die Gegenwart reicht.

Der Name lebt: Rennes und das Rennois

Der Name der Redonen ist in der Bretagne allgegenwärtig. Die Stadt Rennes, ihre Bewohner (die „Rennais") und das Umland tragen ihn. Wie bei den Turonen (Tours), den Parisii (Paris) und den Namneten (Nantes) zeigt sich hier das große Muster der gallischen Namensvererbung: Der antike Stammesname überlebte Rom, das Mittelalter und die Neuzeit und prägt die französische Landkarte bis heute.

Nachbarn und Rivalen

Die Redonen saßen an einer wichtigen Grenze der Bretagne: Ihre östlichen Nachbarn führten schon damals ins Landesinnere Galliens, ihre westlichen (die Veneter) und südlichen (die Namneten an der Loire-Mündung) beherrschten Küste und Fluss. Rennes und Nantes, die beiden großen Städte, die aus den Redonen und Namneten hervorgingen, sollten über Jahrhunderte um den Rang der bretonischen Hauptstadt konkurrieren – eine Rivalität, die letztlich in der keltischen Stammeslandschaft wurzelt.

Was die Redonen besonders macht

Die Redonen verbinden keltische Frühzeit, römische Stadtgründung und die Entstehung der Bretagne zu einer durchgehenden Ortsgeschichte. Aus einem Stamm am Zusammenfluss zweier Flüsse wurde eine römische civitas, dann die Hauptstadt eines Herzogtums und schließlich eine moderne Großstadt. Für ein vollständiges Bild der keltischen Welt gehören sie dazu: als Beispiel dafür, wie tief die keltische Schicht unter dem heutigen Frankreich liegt – und wie lebendig sie in Namen bis heute ist.

Woher wir das wissen

Über die Redonen berichtet vor allem Caesar (De bello Gallico); ihr Nachleben ist durch die Archäologie von Condate/Rennes und die Geschichte der Bretagne gut dokumentiert. Wo die Quellen zum keltischen Stamm knapp sind, ist die Stadt umso besser bezeugt. Beleg und Deutung halten wir auseinander: Stamm, Aufstandsbeteiligung und Namensfortleben sind gut belegt; Details der frühen Stammesstruktur und die genauen Grenzen bleiben unsicher.

Münzen und Oppida

Wie viele gallische Stämme prägten auch die Redonen eigene Münzen – kunstvolle Gold- und Bronzestücke mit stilisierten Pferden und Köpfen, wie sie für die keltische Kunst typisch sind. Solche Münzen dienten Handel, Sold und Prestige und zeigen eine entwickelte Wirtschaft. Ihr Hauptort Condate und weitere befestigte Plätze waren Zentren dieses Lebens. Die Funde belegen: Die Redonen waren kein armes Randvolk, sondern Teil der wohlhabenden, vernetzten keltischen Welt Galliens, die mit dem Mittelmeerraum und Britannien in Verbindung stand.

Vom Heidentum zum Christentum

Wie überall in Gallien wurde auch bei den Redonen die keltisch-römische Religion in der Spätantike vom Christentum abgelöst. Rennes wurde Bischofssitz; Heilige wie der heilige Melaine (Melanius) im 6. Jahrhundert prägten die christliche Stadt. Aus der gallorömischen civitas wurde ein kirchliches und weltliches Zentrum, das die Übergänge von der Antike ins Mittelalter überstand. Der religiöse Wandel spiegelt die große Transformation Galliens: von den Göttern der Kelten über die römische interpretatio bis zum christlichen Bistum – ein roter Faden, der sich durch viele gallische Stammesgeschichten zieht.

Rennes und Nantes – eine alte Rivalität

Die beiden großen Städte der östlichen Bretagne, Rennes und Nantes, gehen auf zwei keltische Stämme zurück: die Redonen und die Namneten. Diese Doppelstruktur prägte die Geschichte der Bretagne über Jahrhunderte: Beide Städte konkurrierten um den Rang der Hauptstadt des Herzogtums. Bis heute ist die Frage, ob Rennes oder Nantes „die" bretonische Metropole sei, ein Thema regionaler Identität. Die Wurzeln dieser Rivalität liegen in der keltischen Stammeslandschaft – ein schönes Beispiel dafür, wie tief die antike Gliederung bis in die Gegenwart nachwirkt.

Ein Tor zur Bretagne

Rennes wurde zum östlichen Tor der Bretagne – dort, wo die keltisch-bretonische Welt an das französische Kernland grenzt. Über Jahrhunderte war die Stadt Hauptstadt und Parlamentssitz des Herzogtums und später der Provinz Bretagne. In ihren Straßen und ihrem Namen lebt das Erbe der Redonen weiter, jenes keltischen Stammes, der am Zusammenfluss zweier Flüsse saß. Wer heute durch Rennes geht, bewegt sich auf dem Boden von Condate – einer keltischen Siedlung, aus der eine der lebendigsten Städte Westfrankreichs wurde.

Von Condate zu Rennes, von einem keltischen Stamm zur Hauptstadt der Bretagne: Die Redonen sind ein weiterer Beleg dafür, wie lebendig das keltische Erbe in den Namen Frankreichs bis heute ist – ein stiller Faden von der Eisenzeit in die Gegenwart.

„Zu den armorikanischen Staaten gehören die Curiosoliten, die Redonen, die Ambibarier und andere, die am Ozean liegen."nach Caesar, De bello Gallico VII (gemeinfrei, eigene Übersetzung)
Was belegt ist: Die Redonen als keltischer Stamm im Osten der Armorica (Bretagne); ihr Hauptort Condate → Rennes; ihre Zugehörigkeit zu den armorikanischen Stämmen und ihre Beteiligung an Aufständen gegen Caesar (56 und 52 v. Chr.); das Fortleben des Namens in Rennes.
Was Deutung ist: Die innere Struktur und die genauen Grenzen des Stammes sind kaum bekannt; das meiste Wissen betrifft die römische und mittelalterliche Stadt. Die britische Einwanderung, die aus Armorica die Bretagne machte, gehört zur Regionalgeschichte, nicht unmittelbar zur Stammesgeschichte der Redonen.
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