Aus einem Plünderer wurde ein Landesherr: Rollo bekam 911 vom Frankenkönig ein Stück Land an der Seinemündung – und legte damit den Grundstein für die Normandie und eine Dynastie, die bis nach England reichte.
Rollo (altnordisch wohl Hrólfr, lateinisch Rollo) war ein Wikingerführer, der um 900 mit seiner Flotte die Seine hinauf ins Frankenreich zog. Statt ihn endlos zu bekämpfen, schloss König Karl der Einfältige 911 im Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte einen Handel: Rollo erhielt Land um Rouen – und wurde im Gegenzug Vasall und Christ.
Aus diesem Landstrich wuchs die Normandie – „das Land der Nordmänner". Rollo und seine Nachfahren siedelten, verwalteten und verschmolzen mit der fränkischen Welt: Sie nahmen die französische Sprache, das Christentum und die fränkische Herrschaftsform an, behielten aber ihre Tatkraft. Innerhalb weniger Generationen wurden aus Wikingern normannische Herzöge.
Rollos Nachkomme in fünfter Generation war Wilhelm der Eroberer, der 1066 England eroberte. Andere Normannen zogen nach Süditalien und Sizilien. So wurde aus einem Wikingerhäuptling an der Seine der Ahnherr einer der einflussreichsten Dynastien des europäischen Mittelalters.
„Verstand bedarf, wer weit reist; daheim ist alles leicht."Hávamál 5, nach Karl Simrock 1851 (gemeinfrei)
Rollo ist der Beweis, dass die Wikingerzeit nicht nur mit dem Schwert Geschichte schrieb: Aus einem Nordmann wurde ein Herzog – und aus seinen Erben Könige.

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