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Harald Blauzahn: Leben, Taufe und Herrschaft des Königs, der Dänemark christlich machte

Geschichte & Funde Harald Blauzahn: Leben, Taufe und Herrschaft des Königs, der Dänemark christlich machte

Harald Blauzahn (altnordisch Haraldr Gormsson, dänisch Harald Blåtand) war von etwa 958 bis 986/87 König der Dänen: Sohn Gorms des Alten und Thyras, Täufling des Missionars Poppo, Gegner und Partner der Ottonen, Oberherr über Teile Norwegens und der größte Bauherr der dänischen Wikingerzeit. Gestürzt hat ihn am Ende sein eigener Sohn Sven Gabelbart. Wir zeigen dir, was die Runensteine, die Chronisten und die Jahrringe der Eichen über sein Leben verraten – und wo die Legende beginnt.

Stell dir einen König vor, der sich selbst in Stein meißeln lässt. Nicht als Krieger mit Schwert, sondern als Mann, der zwei Dinge geschafft haben will: ein ganzes Land zu gewinnen und ein ganzes Volk zu taufen. Genau das tut Harald in Jelling, um 965. Der Satz auf seinem Runenstein ist bis heute die kürzeste Regierungsbilanz des Nordens. Und wie bei jeder Regierungsbilanz lohnt es sich, nachzurechnen.

Bei Harald geht das besser als bei fast jedem anderen Wikingerkönig. Vieles, was über ihn erzählt wird, stammt allerdings aus Quellen, die hundert bis dreihundert Jahre später entstanden. Diesen Unterschied nehmen wir ernst.

Wer erzählt eigentlich von Harald? Die Quellenlage

Ganz vorne stehen die Runensteine. Der große Jelling-Stein ist Haralds eigene Stimme, also Propaganda aus erster Hand. Zeitgenössisch ist auch Widukind von Corvey, ein Mönch aus dem Weserbergland, der seine Sachsengeschichte (Res gestae Saxonicae) in den späten 960er und frühen 970er Jahren schrieb – also, während Harald regierte.

Gut hundert Jahre jünger ist Adam von Bremen, der um 1075 die Geschichte der Hamburg-Bremer Erzbischöfe schrieb. Adam hatte Gewährsleute am dänischen Königshof, verfolgte aber ein klares Interesse: Er wollte zeigen, dass die Kirche des Nordens zu Hamburg-Bremen gehört. Noch später kommen die dänischen Geschichtsschreiber um 1200 (Sven Aggesen, Saxo Grammaticus) und die isländischen Sagas des 13. Jahrhunderts, allen voran die Jómsvíkinga saga, die Knýtlinga saga und Snorris Heimskringla. Sie erzählen farbig, oft dramatisch – und oft frei.

Die vierte Gruppe schweigt, aber sie lügt nicht: die Archäologie. Grabkammern, Palisaden, Brücken und Burgen lassen sich mit der Dendrochronologie datieren. Das ist die Methode, bei der man die Jahrringe verbauter Eichen mit einer Referenzkurve abgleicht und so das Fälljahr des Baums bestimmt.

Herkunft: der Sohn von Gorm und Thyra

Haralds Eltern kennen wir aus den Runensteinen von Jelling. Sein Vater war Gorm der Alte, der erste dänische König, den wir als Person halbwegs greifen können. Seine Mutter war Thyra, für die Gorm den kleineren Jelling-Stein setzte und die er dort „Zierde Dänemarks“ nennt (altnordisch tanmarkaR but). Haralds großer Stein erwähnt beide Eltern ausdrücklich. Ein Geburtsjahr kennt keine Quelle; da er um 958 die Herrschaft übernahm und sein Sohn Sven um 985 schon alt genug für eine Rebellion war, wird Harald wohl im ersten Drittel des 10. Jahrhunderts geboren sein.

Ob Gorm bereits über ganz Dänemark herrschte, ist umstritten. Haralds späterer Anspruch, „ganz Dänemark“ gewonnen zu haben, deutet eher darauf hin, dass er Gebiete hinzufügte, die sein Vater nicht oder nicht sicher beherrscht hatte – vermutlich die Inseln und Schonen, das damals zu Dänemark gehörte.

Herrschaftsbeginn um 958: ein Datum aus dem Grabhügel

Wann Gorm starb und Harald allein König wurde, wissen wir nicht aus einer Chronik, sondern aus einem Grab. Im Nordhügel von Jelling legten die Ausgräber eine hölzerne Grabkammer frei. Ihr Holz wurde im Winter 958/959 gefällt. Diese Kammer gilt als Gorms ursprüngliches Grab. Damit ist „um 958“ das beste Datum für Haralds Herrschaftsbeginn.

Die Kammer war allerdings leer; schon in der Wikingerzeit hatte man den Toten entnommen. Unter der späteren Kirche von Jelling fand man 1978/79 die Gebeine eines Mannes in einem Kammergrab, die viele Forscher als die umgebetteten Überreste Gorms deuten. Wenn das stimmt, hat Harald seinen heidnisch bestatteten Vater nach der eigenen Taufe in eine Kirche überführt – ein Akt, der aus einem heidnischen Ahnen nachträglich einen christlichen Gründervater machte. Sicher ist das nicht, aber plausibel. Mehr dazu findest du in unserem Artikel über die Jellingsteine.

Gesichert: Grabkammer im Nordhügel dendrodatiert 958/959; der Südhügel wurde um 970 aufgeschüttet und enthielt kein Grab. Beide Daten stammen aus der Jahrringanalyse des Nationalmuseums.

Ehe und Familie: Tove, Gunhild und die Kinder

Haralds Ehefrau kennen wir aus einer ungewöhnlichen Quelle. Auf dem Runenstein von Sønder Vissing in Mitteljütland steht sinngemäß: „Tova ließ das Denkmal machen, Mistivojs Tochter, nach ihrer Mutter, die Frau Haralds des Guten, Gorms Sohnes.“ Tove war also die Tochter von Mistivoj, einem Fürsten der Abodriten, eines slawischen Volkes im heutigen Mecklenburg und Ostholstein. Diese Ehe war Politik: Sie sicherte Harald einen Verbündeten an der Südostflanke, zwischen Dänemark und dem Reich der Ottonen.

Bemerkenswert ist auch der Beiname auf diesem Stein: Harald heißt dort „der Gute“ (Haralds hins góða). Von „Blauzahn“ ist in keiner zeitgenössischen Quelle die Rede. Adam von Bremen nennt dagegen eine Gunhild als Haralds Frau, Saxo später eine Gyrid. Ob Harald mehrfach verheiratet war oder ob sich die Überlieferung verheddert hat, bleibt offen.

Als Kinder werden genannt: Sven Gabelbart, der spätere Eroberer Englands, ein Sohn Håkon sowie Töchter, darunter Thyra, die laut späteren Sagas erst mit dem Schweden Styrbjörn und dann mit Olav Tryggvason verheiratet worden sein soll. Eine Tochter Gunhild, die 1002 beim Massaker am St.-Brictius-Tag in England umgekommen sein soll, kennt nur der englische Chronist Wilhelm von Malmesbury aus dem 12. Jahrhundert; ihre Existenz ist fraglich.

Die Taufe: Poppo und das glühende Eisen

Widukind von Corvey erzählt im dritten Buch seiner Sachsengeschichte (Kapitel 65) ungefähr Folgendes: Bei einem Gelage am dänischen Hof stritten die Gäste über die Götter. Die Dänen, so Widukind, gaben zu, dass Christus ein Gott sei, hielten aber andere Götter für größer, weil sie mächtigere Zeichen täten. Ein Kleriker namens Poppa widersprach: Es gebe nur einen wahren Gott, die anderen seien Dämonen.

König Harald fragte ihn, ob er bereit sei, das zu beweisen. Poppa sagte ja. Am nächsten Tag ließ der König ein großes, schweres Stück Eisen glühend machen und befahl dem Kleriker, es für den katholischen Glauben zu tragen. Poppa trug es, so Widukind, so weit der König wollte, und zeigte danach seine unversehrte Hand. Daraufhin beschloss Harald, Christus allein als Gott zu verehren, befahl seinem Volk, die Götzen aufzugeben, und erwies den Priestern fortan gebührende Ehre.

Das ist ein Gottesurteil (Ordal): ein Verfahren, bei dem eine überirdische Macht durch eine körperliche Probe die Wahrheit zeigen soll. Prüfen kann das niemand. Aber sie ist zeitnah aufgeschrieben, und Widukind hatte keinen Grund, Hamburg-Bremen besonders gut aussehen zu lassen. Die meisten Historiker datieren Haralds Taufe deshalb in die Zeit um 963–965. Interessant ist Widukinds Nebensatz, die Dänen seien „schon lange Christen“ gewesen, hätten aber nebenher die Götzen verehrt. Das passt zu dem, was wir von Händlern in Haithabu und Ribe wissen, wo seit Ansgar im 9. Jahrhundert Kirchen standen: Christus war im Norden kein Fremder, nur noch nicht der einzige Gott.

Um 1200 wurde die Szene zum Bildprogramm. Die vergoldeten Kupferplatten aus der Kirche von Tamdrup in Ostjütland, heute im Dänischen Nationalmuseum, zeigen Poppos Feuerprobe und Haralds Taufe in mehreren Bildfeldern. Saxo verlegt die Geschichte später zu Haralds Sohn Sven.

Adams Gegenversion: getauft mit dem Schwert?

Adam von Bremen erzählt die Bekehrung ganz anders. Bei ihm besiegt Kaiser Otto I. den Dänenkönig in einem Feldzug, der bis tief nach Jütland führt, und zwingt ihn so zur Taufe. Harald lässt sich mit seiner Frau Gunhild und seinem kleinen Sohn taufen; Otto selbst hebt den Jungen aus der Taufe, der daher Sven Otto heißt. Der Erzbischof von Hamburg-Bremen erscheint dabei als treibende Kraft der Mission.

Moderne Historiker sind skeptisch. Für einen solchen Feldzug Ottos I. gibt es keinen zeitgenössischen Beleg, und Widukind, der als Sachse jeden Sieg seines Kaisers gern berichtet hätte, schweigt davon. Der dänische Historiker Michael Gelting nennt Adams Version unglaubwürdig. Wahrscheinlicher ist, dass Harald sich aus eigenem politischem Kalkül taufen ließ: Ein christlicher König nahm dem mächtigen Nachbarn im Süden den Vorwand, Dänemark mit dem Schwert zu missionieren.

Bistümer ohne Bischöfe? Schleswig, Ribe und Aarhus

Dänemark bekam Bischöfe, bevor es einen getauften König hatte – zumindest auf dem Papier. Auf der Synode von Ingelheim im Jahr 948 unterschrieben drei Bischöfe für dänische Sitze: Hored für Schleswig, Liafdag für Ribe und Reginbrand für Aarhus. Alle drei waren vom Hamburger Erzbischof Adaldag geweiht worden.

Ob sie ihre Bistümer je betraten, ist eine offene Forschungsfrage. Es gibt keine Quelle, die zeigt, dass sie vor Haralds Taufe tatsächlich in Dänemark residierten. Viele Historiker sehen in den Weihen von 948 vor allem einen Schachzug Hamburg-Bremens, das sich mit eigenen Suffraganbischöfen – also untergeordneten Bischöfen – als Erzbistum absichern wollte. Andere halten zumindest Schleswig und Ribe für reale Missionsstützpunkte, weil dort schon seit Ansgars Zeiten Kirchen bestanden.

Fester wird der Boden 965. In diesem Jahr stellte Otto I. eine Urkunde für die Bistümer Schleswig, Ribe und Aarhus aus, die ihre Besitzungen von Abgaben und Diensten gegenüber dem König befreite und die Oberhoheit des Hamburger Erzbischofs bestätigte. Bald darauf kam mit Odense ein viertes Bistum hinzu. Ob die Bischöfe nun wirklich in Dänemark lebten, bleibt dennoch unklar – aber die Kirche hatte jetzt eine Adresse im Norden.

Zwischen Kaiser und Slawen: Otto II., 974 und das Danewerk

Solange Otto I. lebte, blieb das Verhältnis zum Reich weitgehend ruhig. Nach dessen Tod im Mai 973 testete Harald den jungen Nachfolger. 974 griffen dänische Truppen in Nordelbien an. Otto II. reagierte im Herbst desselben Jahres mit einem Gegenfeldzug, durchbrach das Danewerk, den großen Grenzwall quer über die Jütische Halbinsel, und ließ dort eine Burg anlegen. Das Gebiet um Haithabu stand danach für knapp ein Jahrzehnt unter ottonischer Kontrolle.

Ein Runenstein aus Haithabu erzählt vermutlich aus genau dieser Zeit. Ein gewisser Thorulf setzte ihn für seinen Gefährten Erik, der starb, „als die Krieger Haithabu belagerten“. Welche Belagerung gemeint ist, sagt der Stein nicht; viele Runologen denken an die Kämpfe der 970er oder 980er Jahre.

983 kam die Wende. Otto II. hatte im Sommer 982 in Süditalien eine schwere Niederlage gegen ein arabisches Heer erlitten, und 983 erhoben sich die Slawen östlich der Elbe in einem großen Aufstand. Im selben Jahr eroberten die Dänen das Grenzgebiet um Haithabu zurück. Hier zahlte sich die Ehe mit Tove aus: Haralds Schwiegervater Mistivoj und seine Abodriten standen auf der Seite der Aufständischen.

Zur Danewerk-Chronologie: Die Jahrringdaten zeigen Bauphasen von 737 bis 968. Der Verbindungswall wurde in den 960er Jahren erneuert und um 968 abgeschlossen – also in Haralds Regierungszeit, wenige Jahre vor dem Angriff Ottos II.

„Ganz Dänemark und Norwegen“: Harald und der Norden

Haralds Runenstein behauptet, er habe Norwegen gewonnen. Was steckt dahinter? Nach den Sagas, also nach Quellen des 12. und 13. Jahrhunderts, unterstützte Harald zunächst die Söhne Eriks Blutaxt, die nach ihrem Exil in Dänemark in Norwegen die Macht übernahmen. Der älteste von ihnen, Harald Graufell, wurde um 970 am Limfjord in Jütland erschlagen – laut Snorri bei einem Hinterhalt, den Harald Blauzahn mit eingefädelt hatte. Ob das so stimmt, ist nicht überprüfbar; die Sagas lieben Intrigen.

Danach regierte in Norwegen Håkon Sigurdsson, der Jarl von Lade aus dem Trøndelag (mehr über ihn und sein Geschlecht in unserem Artikel über die Jarle von Lade). Håkon erkannte Harald als Oberherrn an. Ein Jarl war ein Fürst unterhalb des Königs, oft mit großer eigener Macht – Harald war also eher Oberkönig als König Norwegens.

Diese Treue hielt nicht lange. Snorri erzählt, Håkon sei 974 mit Truppen zum Danewerk gekommen, um Harald gegen Otto II. zu helfen, und dort zwangsweise getauft worden. Auf der Heimfahrt habe er die mitgegebenen Priester an Land gesetzt und sich vom Christentum wie von Harald losgesagt. Die Einzelheiten sind Saga, der Kern wird auch von Lex.dk vertreten: Nach 974 wandte sich Håkon gegen Harald. Die dänische Oberherrschaft über Norwegen dauerte also wohl nur wenige Jahre in den 970ern.

Ein Bauherr in Holz und Erde

Was Harald wirklich von anderen Königen seiner Zeit abhebt, ist sein Bauprogramm. Hier sprechen keine Chronisten, sondern Eichen.

In Jelling ließ Harald um den Königssitz eine rautenförmige Holzpalisade von rund 360 mal 360 Metern errichten, die etwa 12,5 Hektar umschloss. Im Inneren standen Häuser vom Trelleborg-Typ. Dazu kamen eine riesige Schiffssetzung aus Steinen von rund 360 Metern Länge, der zweite Hügel und der große Runenstein. Jelling wurde so zur Bühne einer Dynastie. Das Holz der Palisade wurde zwischen 958 und 985 gefällt, am wahrscheinlichsten um 968. Sie brannte irgendwann ab, und nach Haralds Tod wurde die Anlage offenbar rasch aufgegeben.

Zehn Kilometer südlich von Jelling überspannte die Brücke von Ravning Enge das breite Tal der Vejle Å. Sie war rund 760 Meter lang und mindestens fünf Meter breit und ruhte auf 280 Jochen mit je vier senkrechten Pfosten, dazu schräge Stützen. Das Holz wurde um 979 gefällt. Wozu sie diente, ist umstritten: Verkehrsweg nach Jelling, militärische Achse, Machtdemonstration – vermutlich alles zugleich.

Am bekanntesten sind die Ringburgen: exakt kreisrunde Wallanlagen mit Achsenkreuz und quadratisch angeordneten Langhäusern. Trelleborg auf Seeland ist dendrochronologisch auf 980/981 datiert. Welchem Zweck sie dienten – Zwingburgen gegen innere Gegner, Sammelplätze für ein Heer, Verwaltungszentren –, darüber streitet die Forschung bis heute. Gemeinsam ist ihnen eine kurze Nutzungsdauer.

Dazu kommt eine weniger sichtbare Reform: Nach Forschungen des dänischen Numismatikers Jens Christian Moesgaard ließ Harald in den 970er/980er Jahren erstmals im ganzen Reich einheitliche Münzen mit Kreuzmotiv prägen.

Hier liegt vielleicht der Schlüssel zu seinem Ende: Lex.dk vermutet, dass die enorme Arbeitslast dieser Großprojekte, die alle in wenige Jahre um 980 fallen, den Unmut im Land schürte. Brücken und Burgen kosten Holz, Zeit und Menschen.

Der Sohn als Gegner: Sven Gabelbarts Aufstand

Gegen Mitte der 980er Jahre erhob sich Haralds Sohn Sven gegen ihn. Über die Gründe sind die Quellen sich nicht einig. Adam von Bremen schildert Sven als heidnischen Rebellen, der sich mit den Gegnern des Christentums verbündete und den frommen Vater stürzte. Adam brauchte einen bösen Sohn, um den frommen Vater zu erhöhen. Das Dänische Nationalmuseum hält Adams Bild von Sven als grausamem Heiden ausdrücklich für unzutreffend.

Wahrscheinlicher ist ein klassischer Machtkampf, befeuert durch die Lasten des Bauprogramms und vielleicht durch die Niederlagen in Norwegen. Wie die Kämpfe verliefen, weiß niemand genau. Fest steht nur: Sven gewann, Harald verlor die Herrschaft und kurz darauf sein Leben.

Tod in Jumne – und ein leeres Grab in Roskilde

Nach Adam von Bremen wurde Harald in einer Schlacht gegen seinen Sohn verwundet, floh per Schiff zu den Slawen in die Stadt Jumne und starb dort an seinen Wunden; die Überlieferung nennt den 1. November als Todestag. Jumne ist mit großer Wahrscheinlichkeit das heutige Wolin an der Odermündung, ein bedeutender Handelsplatz – und in den späteren Sagas der Sitz der legendären Jomsborg. Als Todesjahr gelten 985, 986 oder spätestens 987.

Seinen Leichnam, so Adam weiter, hätten Haralds Leute nach Roskilde gebracht und in der Kirche beigesetzt, die er selbst dort zu Ehren der Dreifaltigkeit erbaut habe. Im Dom von Roskilde gibt es eine Pfeilergrabstelle, die Haralds Gebeine bergen soll; nach Lex.dk ist sie leer, Adams Angabe gilt als unsicher. Archäologisch ist eine Kirche Haralds in Roskilde nicht nachgewiesen.

Mythos-Check: Liegt Harald in Polen? 2014 tauchte in einem Museumsdepot eine kleine Goldscheibe wieder auf, die zu einem 1841 in der Kirche von Groß Weckow (heute Wiejkowo) gefundenen Schatz gehören soll. Ihre Inschrift nennt einen „Harald, Gorms Sohn“ als König der Dänen und Orte wie Schonen und Jumne. Der schwedische Archäologe Sven Rosborn schloss daraus, Harald könnte dort begraben sein. Die Echtheit der Scheibe und die Deutung sind in der Fachwelt umstritten. Eine belastbare Grabstelle Haralds kennt niemand.

„Blauzahn“: woher der Beiname kommt

Zu Haralds Lebzeiten hieß er nach heutigem Wissen schlicht Harald, Gorms Sohn – auf dem Jelling-Stein haraltr kunukR, „König Harald“ – oder eben „Harald der Gute“, wie auf dem Stein seiner Frau. Der Beiname „Blauzahn“ taucht erst um 1140 in der Roskilder Chronik auf, als „Blatan sive Clac Harald“, also „Blåtand oder Klak-Harald“. Eine Glosse aus dem späten 12. Jahrhundert erklärt blatan als dens lividus vel niger, „bläulicher oder schwarzer Zahn“.

Die gängige Erklärung ist daher ein auffälliger, abgestorbener dunkler Zahn. Altnordisch blár bezeichnet übrigens nicht nur Blau, sondern auch ein dunkles Blauschwarz – genau die Farbe eines toten Zahns. Der dänische Historiker Benito Scocozza schlug 1997 eine ganz andere Lösung vor: Der Name könnte aus einem englischen Titel entstanden sein, etwa „blauer Thegn“. Diese These hat sich nicht durchgesetzt. Kurz: Es gibt eine plausible Erklärung, aber keine gesicherte. Gesichert ist nur, dass der Name zwei Jahrhunderte jünger ist als der König.

Harald in den Sagas: der König als Nebenfigur

In der isländischen Saga-Literatur ist Harald selten der Held. In der Jómsvíkinga saga ist er ein alternder, zwielichtiger König, dessen Konflikt mit Sven und mit dem Jomswikinger-Führer Pálnatóki die Handlung antreibt. Dort fällt Harald nicht in einer Schlacht, sondern durch einen Pfeil aus dem Hinterhalt, den Pálnatóki abschießt – ein schmählicher Tod, den auch Saxo Grammaticus ähnlich erzählt. Saxo bringt außerdem die Episode, in der Harald den Bogenschützen Toko (Pálnatóki) zwingt, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schießen – ein Motiv, das später in der Tell-Sage weiterlebt.

Lex.dk nennt diese Erzählungen zurecht farbig und weitgehend erfunden. Sie verraten mehr über das 12. und 13. Jahrhundert als über das 10.: Man brauchte Ursprungsgeschichten für die Jomswikinger, für Svens Herrschaft und für Knut den Großen, Haralds Enkel, unter dem das dänische Großreich seinen Höhepunkt erreichte.

Der Jelling-Stein: Haralds eigene Bilanz

Am Ende kehren wir zurück zum Stein. Seine Inschrift lautet in unserer eigenen Übertragung: „König Harald ließ diese Denkmäler machen nach Gorm, seinem Vater, und nach Thyra, seiner Mutter – jener Harald, der sich ganz Dänemark gewann und Norwegen und die Dänen zu Christen machte.“ Dazu trägt er die älteste Christusdarstellung Skandinaviens.

Jedes der drei Glieder seiner Bilanz hält einer Prüfung nur teilweise stand. „Ganz Dänemark“ – wahrscheinlich ja, wenn auch nicht klar ist, was vorher fehlte. „Norwegen“ – für einige Jahre, über einen Jarl, der ihn bald verließ. „Die Dänen zu Christen gemacht“ – der König ließ sich taufen und förderte die Kirche, aber die Bekehrung des Landes dauerte noch Generationen. Gerade deshalb ist der Stein so wertvoll: Er zeigt, wie ein König des 10. Jahrhunderts gesehen werden wollte.

Dann ist da noch ein Nachleben, das Harald sich nie hätte träumen lassen: 1997 schlug der Intel-Ingenieur Jim Kardach den Codenamen „Bluetooth“ für einen neuen Funkstandard vor, der verschiedene Geräte verbinden sollte, so wie Harald die Dänen geeint hatte. Das Logo kombiniert die Runen für H und B. Die ganze Geschichte erzählen wir in unserem Artikel Dein Handy trägt einen Wikingerkönig.

Wir gravieren bei Glanz & Gravur oft Runen, und wir merken immer wieder: Kaum ein Name aus der Wikingerzeit ist so präsent wie dieser. Umso mehr lohnt es sich, den echten Harald zu kennen – den Mann aus Jelling, nicht nur das Logo.

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Häufige Fragen

Wann lebte Harald Blauzahn? Sein Geburtsjahr ist unbekannt, vermutlich im frühen 10. Jahrhundert. König war er von etwa 958 bis zu seinem Tod 985, 986 oder spätestens 987.

Wer waren die Eltern von Harald Blauzahn? Gorm der Alte und Königin Thyra. Beide nennt Harald auf dem großen Jelling-Stein.

Wie wurde Harald Blauzahn Christ? Nach dem zeitgenössischen Widukind von Corvey überzeugte ihn der Kleriker Poppo, indem er ein glühendes Eisen trug, ohne sich zu verbrennen. Adams spätere Version vom erzwungenen Übertritt nach einer Niederlage gegen Otto I. gilt als unglaubwürdig.

Wie starb Harald Blauzahn? Nach Adam von Bremen wurde er im Kampf gegen seinen Sohn Sven Gabelbart verwundet, floh nach Jumne (Wolin) und starb dort. Die Saga-Version vom Pfeil des Pálnatóki ist Legende.

Wo ist Harald Blauzahn begraben? Laut Adam in Roskilde, doch die dortige Grabstelle im Dom ist leer. Ein gesichertes Grab ist nicht bekannt.

Warum heißt Harald Blauzahn so? Der Beiname ist erst um 1140 belegt und wird meist als abgestorbener, dunkler Zahn gedeutet. Gesichert ist diese Erklärung nicht.

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Knut der Große · Das Danewerk · Trelleborg – Haralds Ringburgen · Haithabu · Rollo von der Normandie.

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