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Die Sprewanen: Slawen an der Spree

Geschichte & Funde Die Sprewanen: Slawen an der Spree Unter Deutschlands Hauptstadt liegt eine slawische Vergangenheit: Im Raum des heutigen Berlin saßen die Sprewanen an der Spree – und ihr Name klingt bis heute nach.

Berlin ist keine „deutsche Gründung" auf leerem Boden – unter der Hauptstadt liegt ein slawisches Land. Im Raum zwischen Spree und Dahme saß der Stamm der Sprewanen (Sprevane), benannt nach dem Fluss Spree. Zusammen mit den benachbarten Hevellern bilden sie die slawische Wurzel der Region Berlin-Brandenburg.

Das Land an der Spree

Die Sprewanen lebten in der wasserreichen Landschaft der Spree, mit Burgen, Fischerdörfern und Äckern. Ihr wichtigster Sitz war die Burg Köpenick (slawisch Copnic, „Ort am Wasser") am Zusammenfluss von Spree und Dahme – heute ein Stadtteil Berlins. Von hier aus beherrschten sie das Gebiet, das später zur Keimzelle der Doppelstadt Berlin-Cölln wurde. Beide Namen sind slawischen Ursprungs: „Berlin" geht wohl auf ein slawisches Wort für Sumpf- oder Trockenstelle zurück, nicht auf den Bären des Wappens.

Karte der westslawischen Stämme; die Sprewanen saßen an der Spree im Raum Berlin
Die westslawischen Stämme östlich von Elbe und Saale; die Sprewanen saßen an der Spree im Raum des heutigen Berlin. Karte gemeinfrei (Wikimedia Commons).

Jaxa von Köpenick

Die bekannteste Gestalt der Sprewanen ist Fürst Jaxa von Köpenick (Jaksa), ein slawischer Herrscher des 12. Jahrhunderts. Als der askanische Markgraf Albrecht der Bär 1157 die Brandenburg an sich brachte, trat Jaxa als slawischer Gegenspieler auf und versuchte, das Erbe der Heveller für sich zu gewinnen – er soll die Brandenburg zeitweise sogar besetzt haben, ehe Albrecht sie endgültig eroberte. Jaxa prägte eigene Münzen (Brakteaten mit seinem Namen), ein Zeichen fürstlicher Macht. In ihm verdichtet sich der letzte slawische Widerstand im Raum Berlin-Brandenburg.

Die Christianisierung und die Ostsiedlung

Mit dem Sieg der Askanier begann auch hier die deutsche Ostsiedlung. Klöster, Städte und Bauern aus dem Westen kamen ins Land; die Spree wurde zur Handels- und Mühlenstraße, an der um 1237 Berlin und Cölln erstmals urkundlich erscheinen. Die slawische Bevölkerung wurde nicht vertrieben, sondern verschmolz über die Generationen mit den Zuwanderern. Archäologische Funde – die slawische Burg unter der Köpenicker Altstadt, Keramik, Grubenhäuser – belegen diese slawische Frühzeit unter dem heutigen Berlin.

Was von ihnen bleibt

Die Sprewanen sind kaum bekannt – und doch ist ihr Erbe allgegenwärtig: im Namen der Spree, in Köpenick, in „Berlin" selbst und in unzähligen brandenburgischen Ortsnamen. Sie erinnern daran, dass die deutsche Hauptstadt auf slawischem Grund steht und aus der Begegnung zweier Kulturen erwuchs. Wer die Geschichte Berlins wirklich verstehen will, muss bei den Slawen an der Spree beginnen.

Slawische Spuren unter Berlin

Dass Berlin auf slawischem Grund steht, ist keine Vermutung, sondern durch Funde belegt. Unter der Altstadt von Köpenick liegen die Reste einer slawischen Burg mit Häusern, Werkstätten und Keramik; auch anderswo im Stadtgebiet stieß man auf slawische Siedlungsspuren, Gräberfelder und Brunnen. Die Sprewanen waren also lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung Berlins da – ihre Dörfer und Burgen bildeten das Netz, in das sich die deutsche Ostsiedlung später einfügte.

Slawen und Deutsche: ein gemeinsames Erbe

Berlin-Brandenburg ist aus der Begegnung von Slawen und Deutschen entstanden – nicht aus der Verdrängung der einen durch die anderen. Slawische Bauern blieben, wurden christlich und deutschsprachig, ihre Namen und Fluren aber blieben erhalten. Diese Doppelwurzel ist bis heute in der Landschaft lesbar und macht die Geschichte der Region so vielschichtig. Für uns als Manufaktur ist das ein schöner Gedanke: Nordische, germanische und slawische Stränge treffen sich hier zu einem gemeinsamen Erbe.

Woher wir das wissen

Fast alle Schriftquellen zur slawischen Geschichte stammen von ihren Nachbarn und Gegnern – deutschen, dänischen, byzantinischen und arabischen Autoren. Sie schrieben aus der Ferne oder aus christlicher bzw. islamischer Sicht, oft mit eigener Absicht. Deshalb ist die Archäologie so wichtig: Burgwälle, Münzhorte, Gräber und Handelsfunde ergänzen und korrigieren das Bild der Texte. Erst beide zusammen ergeben ein ehrliches Bild – und genau so trennen wir hier, was belegt ist, von dem, was Deutung bleibt.

Köpenick und das slawische Netz

Die Sprewanen waren kein isolierter Einzelstamm, sondern Teil eines dichten slawischen Netzes im Raum der heutigen Mark Brandenburg. Neben Köpenick gab es zahlreiche weitere Burgwälle an Spree, Dahme und Havel; die benachbarten Heveller saßen an der Havel, dahinter die Lutizen. Dieses Netz aus Burgen, Dörfern und Wasserwegen bildete eine zusammenhängende slawische Kulturlandschaft – jene Welt, die dem Land zwischen Elbe und Oder über Jahrhunderte ihr Gesicht gab, ehe die deutsche Ostsiedlung sie überformte.

Warum das heute zählt

Die slawische Frühgeschichte Berlins ist kein Randthema, sondern Teil der Identität der Stadt. Namen wie Spree, Panke, Köpenick, Pankow oder Buckow sind slawischen Ursprungs; sie erzählen von den Sprewanen und ihren Nachbarn. Diese Wurzel ehrlich zu erinnern heißt, die Hauptstadt als das zu sehen, was sie ist: ein Ort, an dem sich seit tausend Jahren Kulturen begegnen. Für uns fügt sich der slawische Strang harmonisch zum nordischen und germanischen Erbe, das wir in unseren Gravuren pflegen.

Die slawische Wurzel der Hauptstadt

Kaum jemand weiß, dass Berlin auf slawischem Boden gewachsen ist – dabei steckt es im Namen der Stadt, ihrer Flüsse und ihrer ältesten Stadtteile. Die Sprewanen an der Spree waren die erste Schicht dieser Geschichte, lange vor Askaniern, Hohenzollern und Preußen. Ihr Erbe zu kennen bedeutet, die Hauptstadt als das zu sehen, was sie immer war: ein Treffpunkt der Kulturen an der Grenze zwischen slawischer und deutscher Welt. Gerade diese Vielschichtigkeit macht die Geschichte Berlin-Brandenburgs so reich – und erinnert daran, dass Herkunft selten einfach ist.

Jaxa von Köpenick ließ sogar eigene Brakteaten mit seinem Namen prägen – ein deutliches Zeichen fürstlicher Souveränität. Nach der Überlieferung besetzte er 1157 kurzzeitig die Brandenburg, ehe Albrecht der Bär sie am 11. Juni desselben Jahres endgültig zurückeroberte – ein Datum, das oft als Geburtsstunde der Mark Brandenburg gilt. Mit Jaxa endete der letzte ernsthafte slawische Herrschaftsanspruch im Raum zwischen Havel und Spree.

Archäologisch fassbar werden die Sprewanen vor allem über ihre Burgen: Neben Köpenick an der Mündung der Dahme in die Spree gehörten Ringwälle wie die auf der Spreeinsel im heutigen Berlin-Mitte und Anlagen im Umland zu ihrem Kernraum. Slawische Keramik, Grubenhäuser und Wallschnitte belegen eine dichte Besiedlung des Spree-Dahme-Gebiets vom 8. bis ins 12. Jahrhundert. Erst mit der Mark Brandenburg und der deutschen Ostsiedlung verschmolz diese slawische Bevölkerung nach und nach mit den zuziehenden Siedlern – ein stiller Übergang, der im Namen der Stadt und ihrer Flüsse bis heute nachklingt.

„Die Slawen aber, die an der Spree und um Köpenick saßen, wehrten sich lange gegen die neuen Herren."frei nach mittelalterlichen Chroniken (gemeinfrei, eigene Zusammenfassung)
Was belegt ist: Die Sprewanen als slawischer Stamm an der Spree mit der Burg Köpenick; Fürst Jaxa von Köpenick als askanischer Gegenspieler um 1157 und seine Brakteaten; der slawische Ursprung der Namen Spree, Köpenick und Berlin; slawische Siedlungsfunde im Raum Berlin; die deutsche Ostsiedlung und die Ersterwähnung Berlins/Cöllns um 1237.
Was Deutung ist: Details zu Jaxa (Herkunft, ob Sprewane oder Pole) sind umstritten. Die genaue Etymologie von „Berlin" ist slawisch, aber in der Bedeutung nicht endgültig gesichert (Sumpf/Trockenstelle). Das obige Zitat ist eine zusammenfassende Umschreibung, kein wörtliches Quellenzitat.
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