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Indigene DNA in Island – eine Spur bis Vinland?

Geschichte Wikinger landen an einer neuen Küste – Sinnbild für Vinland und die C1e-DNA-Spur

Eine seltene genetische Spur in Island erzählt eine Geschichte, die fast unglaublich klingt: Manche Isländer tragen eine mütterliche DNA-Linie, die eng mit indigenen Völkern Amerikas verwandt ist. Kam vor rund tausend Jahren eine Frau aus Nordamerika mit den Wikingern nach Island?

Forscher fanden bei rund 80 Isländern eine seltene mütterliche Linie namens C1e. Das Besondere: Diese mitochondriale Linie gehört zu einer Gruppe (C1), die vor allem bei indigenen Amerikanern vorkommt. In Europa ist sie praktisch fremd.

Die Spur C1e

Die Spur lässt sich bis zu Vorfahren in Südisland um das Jahr 1700 zurückverfolgen. Doch weil Island seit seiner Besiedlung genetisch relativ abgeschieden war, vermuten die Wissenschaftler, dass die Linie viel früher auf die Insel kam – möglicherweise schon um das Jahr 1000.

Vinland und die Skrælingar

Genau in dieser Zeit erreichten die Wikinger Nordamerika. Die Sagas berichten von Fahrten nach Vinland, das heute oft mit Neufundland verbunden wird; dort ist in L’Anse aux Meadows eine nordische Siedlung archäologisch nachgewiesen. Die Nordmänner trafen dort auf indigene Menschen, die in den Sagas Skrælingar genannt werden. Eine Theorie lautet daher: Eine indigene Frau könnte damals mit den Wikingern nach Island gekommen sein – ob freiwillig, als Gefangene oder als Partnerin, weiß niemand.

Was das bedeuten würde

Stimmt diese Erklärung, wäre sie mehr als eine genetische Kuriosität. Sie würde zeigen, dass der Kontakt zwischen Wikingern und indigenen Amerikanern nicht nur aus kurzen Begegnungen bestand. Mindestens in einem Fall hätte es echte menschliche Verbindung gegeben – Zusammenleben und Nachkommen. Menschen überquerten den Atlantik lange vor Kolumbus; und manchmal bleibt von einer fast vergessenen Begegnung nur ein winziger Code im Erbgut.

Beleg & Quellen. Studie: Sigríður Sunna Ebenesersdóttir u. a., „A new subclade of mtDNA haplogroup C1 found in Icelanders" (American Journal of Physical Anthropology, 2011; deCODE genetics / Univ. Island). C1-Gruppe = überwiegend indigen-amerikanisch. Rückverfolgung bis Südisland um 1700. Vinland-Kontext: L’Anse aux Meadows; Vínland-Sagas.

Mythos-Check. Das ist eine Hypothese, kein Beweis. C1e könnte theoretisch auch eine seltene, in Europa oder Asien bislang nicht beprobte C1-Variante sein; ein vollständiges indigen-amerikanisches Genom wurde in Island nicht gefunden. Die Datierung „um 1000" ist eine begründete Schätzung, kein gemessenes Datum. Sicher ist nur: Die Linie ist echt, alt und in Island ungewöhnlich – der Rest ist die spannendste unter mehreren möglichen Erklärungen.

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Vinland · Frauen der Wikingerzeit · Die Kriegerin von Birka · Die Drachenschiffe.

Quellen & Literatur

S. S. Ebenesersdóttir, Á. Sigurðsson, F. Sánchez-Quinto, C. Lalueza-Fox, K. Stefánsson, A. Helgason: A new subclade of mtDNA haplogroup C1 found in Icelanders (Am. J. Phys. Anthropol. 144, 2011). Zu Vinland: B. Wallace zu L’Anse aux Meadows; Grœnlendinga saga & Eiríks saga rauða.

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