Wikinger Blog / Geschichte & Funde
Aus dem Wissensarchiv

Die Volcae: Ein Keltenname, der bis „welsch" reicht

Geschichte & Funde Die Volcae: Ein Keltenname, der bis „welsch" reicht Ihr Name wanderte weiter als jedes Heer: Von den Volcae stammt das germanische Wort für „die Fremden" – und ein sagenhafter Goldschatz.

Die Volcae waren ein großer keltischer Stammesverband, geteilt in Volcae Tectosages (um Tolosa/Toulouse) und Volcae Arecomici (um Nemausus/Nîmes) in Südgallien.

Silbermünze der Volcae Tectosages
Silbermünze der Volcae Tectosages, 3,58 Gramm. PHGCOM, gemeinfrei, über Wikimedia Commons.

Bis nach Kleinasien und in die Sprache

Teile der Tectosagen wanderten weit: Sie zogen bis nach Kleinasien und gehörten zu den Galatern, jenen Kelten, an die der biblische Galaterbrief gerichtet ist. Und ihr Name lebt noch anders weiter: Aus Volcae wurde das germanische Wort für „die Fremden/Romanen" – bis heute in „welsch", „Wallonen" und „Wales".

„Die Volcae Tectosages besetzten einst die fruchtbarsten Gegenden Germaniens um den Herkynischen Wald."nach Caesar, De Bello Gallico VI (gemeinfrei, eigene Übersetzung)

Ein weitverzweigtes Volk

Die Volcae waren ein großer keltischer Stammesverband in Südgallien, geteilt in die Volcae Arecomici (um Nîmes) und die Volcae Tectosages (um Toulouse). Sie gehörten zu den mächtigsten und weitreichendsten Völkern der keltischen Welt.

Das Gold von Tolosa

Berühmt-berüchtigt war der Schatz ihrer Stadt Tolosa (Toulouse). 106 v. Chr. raubte der römische Feldherr Caepio dieses „Gold von Tolosa" – und verlor es auf mysteriöse Weise. „Aurum Tolosanum" wurde zum Sprichwort für unheilbringenden Reichtum.

Bis nach Kleinasien

Teile der Tectosagen zogen mit den großen Keltenwanderungen bis nach Kleinasien und gehörten dort zu den Galatern. So verband dieser Stammesbund den äußersten Westen mit dem äußersten Osten der keltischen Welt.

Ein Name für die Fremden

Der Name der Volcae hatte eine erstaunliche Nachwirkung: Über das germanische Wort *walhaz („der Fremde/Keltische") wurde er zur Wurzel vieler Namen – von „welsch" über „Wales" und „Wallonien" bis zur „Walnuss" (der „welschen Nuss").

Beleg: Volcae Arecomici und Tectosages sind bei Caesar und Strabon bezeugt; das Gold von Tolosa berichten Strabon und Justin. Die *walhaz-Etymologie ist sprachwissenschaftlich anerkannt.
Mythos-Check: Das „Gold von Tolosa" ist historisch – doch die dramatische Fluch-Geschichte („wer es berührt, kommt um") ist eine antike Erzähltradition, keine belegbare Tatsache. Solche Fluchmotive schmückten in der Antike gern reale Ereignisse aus.
Was belegt ist: Volcae Tectosages und Arecomici in Südgallien (Caesar, Strabo), das Gold von Tolosa und Caepios Plünderung 106 v. Chr. (Justin, Strabo, Cassius Dio), die keltischen Galater in Kleinasien und die Sprachwurzel *walhaz → „welsch".
Was Deutung ist: Der „Fluch" des Goldes von Tolosa ist antike Legende; was wirklich mit dem Schatz geschah, ist unbekannt. Die Herleitung „welsch/Wales" aus Volcae ist sprachwissenschaftlich gut gestützt, im Detail aber vereinfacht.

Die Volcae zeigen, wie weit keltische Namen und Menschen wanderten. Weiter mit den Boiern und keltischen Kriegern.

Glanz & Gravur
Aus unserer Manufaktur: keltisch-germanische Motive auf Naturschiefer, lasergraviert. Im Shop →

Weiterlesen bei uns

Die keltischen Krieger · Keltische Fürstengräber · Die Arverner · Die Häduer · Die Boier.

Quellen & Literatur

Zum Shop Mehr Beiträge

Mehr aus der Geschichte & Funde

Alle Geschichte & Funde-Artikel →

881 – als die Wikinger vor Aachen standen

Wikinger und Aachen? Klingt nach zwei Welten, die nichts miteinander zu tun haben. Doch im Winter 881/882 standen die …

Weiterlesen →

Wikinger-Spuren in Deutschland – von Haithabu bis Aachen

Weiterlesen →

Winterlager am Rhein – Asselt, Nijmegen, Leuven

Die Wikinger kamen, raubten – und blieben. Jedenfalls über den Winter. Statt nach jedem Beutezug heimzusegeln …

Weiterlesen →

Wolin & Jomsborg: Die Metropole an der Odermündung

Weiterlesen →