Ja, die Germanen und später die Skandinavier haben Götterbilder gemacht – nur selten aus Stein oder Marmor, sondern meist aus Holz, und davon hat fast nur das Moor etwas übrig gelassen. Tacitus' berühmter Satz vom bildlosen Kult ist eine römische Deutung, keine Bestandsaufnahme. Gabelholzfiguren wie in Braak und Broddenbjerg, Pfahlidole aus Oberdorla, kleine Bronzen wie die von Rällinge und Eyrarland und die Tempelstatuen, die Adam von Bremen für Uppsala beschreibt, zeigen ein anderes Bild. Welcher Gott jeweils gemeint ist, bleibt allerdings fast immer offen.
Stell dir einen Mann im Torfstich vor, irgendwo in Ostholstein, kurz nach dem Krieg. Der Spaten stößt auf Holz, schwarz und schwer vom Wasser. Was er da freilegt, ist keine Wurzel. Es hat einen Kopf, einen offenen Mund und eine Haartracht. Daneben liegt ein zweites Stück, ebenso groß. Zwei Gestalten, zusammen fast fünf Meter Eichenholz, mehr als zweitausend Jahre alt. Und sie widersprechen einem der meistzitierten Sätze über die Religion unserer Vorfahren.
Im Jahr 98 n. Chr. schrieb der römische Historiker Publius Cornelius Tacitus seine kleine Schrift über Germanien, die Germania. Im neunten Kapitel, nach der Aufzählung der Götter, die er mit römischen Namen belegt – Merkur, Herkules, Mars –, kommt der Satz, der bis heute jedes Gespräch über germanische Götterbilder eröffnet:
„Im Übrigen halten sie es für unvereinbar mit der Größe der Himmlischen, die Götter in Wände einzuschließen oder sie irgendeiner menschlichen Gestalt nachzubilden. Haine und Wälder weihen sie und rufen mit den Namen von Göttern jenes Geheimnisvolle an, das sie allein in Ehrfurcht schauen.“Tacitus, Germania 9 (eigene Übertragung)
Im Lateinischen heißt es: nec cohibere parietibus deos neque in ullam humani oris speciem adsimulare. Keine Tempelwände, keine Menschengestalt. Stattdessen der heilige Hain, der lucus, wie ihn auch unser Artikel über den Semnonenhain beschreibt. Das ist ein starkes, schönes Bild, und genau deshalb ist es so oft unkritisch übernommen worden.
Spannend wird es, wenn man Tacitus mit Tacitus liest. Schon zwei Kapitel vorher, in Germania 7, erzählt er, die Germanen trügen effigies et signa – Bilder und Feldzeichen – aus ihren Hainen in die Schlacht. In den Historien (4,22) holen die aufständischen Bataver und ihre Verbündeten „aus Wäldern und Hainen hervorgeholte Bilder wilder Tiere“ als Zeichen hervor. Bilder gab es also, nur offenbar keine Götterstatuen nach römischer Art. Bei der Göttin Nerthus (Germania 40) fährt ein verhüllter Wagen umher, und am Ende wird „die Gottheit selbst“ in einem See gewaschen. Was genau da gewaschen wurde – ein Bild, ein Symbol, ein Tuch –, verrät Tacitus nicht. Und bei den Naharnavalern, die das Brüderpaar der Alcis verehren, betont er ausdrücklich: nulla simulacra – keine Bilder. Gerade diese Betonung zeigt, dass er Bildlosigkeit als bemerkenswert empfand, nicht als selbstverständlich.
Dazu kommt ein Grundproblem: Ein Römer dachte bei „Götterbild“ an eine Bronzestatue im Tempel. Ein Gabelast mit eingeschnittenem Gesicht am Moorrand hätte für ihn kaum als simulacrum gegolten. Tacitus beschreibt also eher die Abwesenheit des Römischen als die Abwesenheit von Bildern.
Dass wir so wenig in der Hand haben, liegt am Material. Holz verrottet. Eine Figur, die an einem Hofplatz, an einer Wegkreuzung oder in einem Hain stand, ist nach ein, zwei Generationen zerfallen. Erhalten bleibt sie nur, wenn sie unter Luftabschluss gerät, also im wassergesättigten, sauren Torf eines Moores. Das verzerrt unser Bild gewaltig: Wir kennen vor allem die Figuren, die im Moor standen oder dort niedergelegt wurden, und schließen daraus leicht, Götterbilder hätten nur dort existiert. Wie viele Figuren auf trockenem Boden standen, wissen wir schlicht nicht.
Moore waren in der Eisenzeit besondere Orte, an denen Waffen, Schmuck, Tiere und manchmal Menschen niedergelegt wurden – mehr dazu unter Opfermoore und Moorfunde und germanische Opfer und Heiligtümer. Die Holzfiguren standen oft genau dort, wo man auch opferte.
Broddenbjerg (Jütland). 1880 stießen Torfstecher im kleinen Broddenbjerg Mose bei Viborg auf eine 88 Zentimeter hohe Figur aus Eichenholz. Zwei Äste bilden die Beine, ein dritter, abgewinkelter Ast einen übergroßen Phallus, oben sitzt ein grob geschnitzter Kopf. Arme hat sie nicht. Neben ihr lag ein Haufen aus rund 200 handlichen Steinen mit einem fast vollständigen Tongefäß und Scherben weiterer Gefäße. Pechreste an der Figur wurden mit der Radiokarbonmethode datiert, das dänische Lexikon nennt 760 bis 410 v. Chr., also späte Bronzezeit bis frühe Eisenzeit. Heute steht sie im Nationalmuseet in Kopenhagen.
Braak (Ostholstein). Das Paar aus dem Moor bei Braak, nahe Eutin, wurde 1946/47 beim Torfstechen gefunden. Beide Figuren sind aus natürlich gegabelten Eichenästen geschnitzt: der Mann rund 2,75 Meter hoch, die Frau etwa 2,30 Meter. Sie haben offene Münder, Zapfenlöcher für nicht erhaltene Arme und deutlich herausgearbeitete Geschlechtsmerkmale; die Frau trägt einen Haarknoten. In der Nähe lag ein Steinhaufen mit Keramikscherben und Brandspuren. Zur Datierung findet man unterschiedliche Angaben: Radiokarbondaten weisen ins 3. bis 2. Jahrhundert v. Chr., andere Angaben nennen das 4. Jahrhundert v. Chr. Vorsicht bei Fotos: Dem Nachkriegsrestaurator Karl Schlabow wird vorgeworfen, auch diese Figuren stark überarbeitet zu haben. Ausgestellt sind sie im Archäologischen Landesmuseum auf Schloss Gottorf.
Wittemoor (Wesermarsch). Hier haben wir das seltene Glück einer jahrgenauen Datierung. Der Bohlenweg im Wittemoor bei Berne, der die Geest bei Hude mit der Hunte verband, wurde dendrochronologisch auf 135 v. Chr. datiert. An ihm fanden sich bei Grabungen 1965 und 1970 ein männliches und ein weibliches Brett-Idol, aus Eichenbohlen im Umriss ausgesägt, rund einen Meter hoch und ohne Gesicht. Die weibliche Figur zeigt breite Hüften und eine Vulva, die männliche einen rechteckigen Körper. Dazu kamen vier weitere Pfähle an schadhaften Stellen des Weges. Ob das Wegschutz-Gottheiten, Warnmarken oder einfach Schmuck waren, ist offen.
Oberdorla (Thüringen). Das bedeutendste deutsche Fundensemble stammt aus dem Opfermoor bei Niederdorla in der Vogtei. Ab 1948 tauchten beim Torfabbau Funde auf, von 1957 bis 1964 grub Günter Behm-Blancke den Platz aus. Kultisch genutzt wurde er von der Hallstattzeit im 6. Jahrhundert v. Chr. bis in die Völkerwanderungszeit, mit vereinzelten Niederlegungen noch im 11. und 12. Jahrhundert. Am Ufer des einstigen Sees standen Dutzende kleiner Heiligtümer mit Holzidolen in vielen Formen: einfache Pfähle, Gabelhölzer – hier überwiegend weiblich –, ein hoher Pfahl mit Pferdekopf aus dem 5. Jahrhundert, ein weibliches Kultbild beim Altar aus dem 3. Jahrhundert. Der Ort ist so wichtig, dass er einen eigenen Artikel verdient: Das Opfermoor von Oberdorla.
Ballachulish (Schottland) – zum Vergleich. Oft mitgenannt, aber kein germanischer Fund: Die fast lebensgroße Frauenfigur aus Erlenholz mit Augen aus Quarzitkieseln kam 1880 unter tiefem Torf zum Vorschein und datiert nach National Museums Scotland um 600 v. Chr. Sie zeigt, dass Holzfiguren im Moor ein gesamteuropäisches Phänomen waren.
Behm-Blancke hat aus dem Material von Oberdorla vier Grundtypen herausgearbeitet: einfache Pfähle, manchmal phallisch; Gabelhölzer mit geschnitztem Kopf; Brettfiguren im Umriss; und kantige Pfähle mit geneigtem Kopf, die an römische Hermen erinnern. Die Fachliteratur nennt solche Figuren oft „Pfahlgötter“ – ein Arbeitsbegriff, kein Beweis.
Denn die eigentliche Frage ist: Wen sollten sie zeigen? Die Möglichkeiten reichen weit. Göttinnen und Götter der Fruchtbarkeit, wie es die betonten Geschlechtsmerkmale nahelegen. Ein göttliches Paar, wie es die Forscherin Hilda Ellis Davidson für Braak erwog, in der Art von Freyr und Freyja. Ahnen, die das Land der Sippe bewachen. Wesen ohne Namen, Hüter einer Stelle, eines Weges, einer Furt. Oder schlicht Markierungen eines Kultplatzes. Die Archäologie kann sagen, wo eine Figur stand, wie alt sie ist und was um sie herum lag. Den Namen, den die Menschen ihr gaben, gräbt sie nicht aus.
Ein Gedanke hilft: Zwischen „Gott“ und „Bild eines Gottes“ ist ein Unterschied. Ein Pfahl kann Sitz der Macht sein, ohne sie abzubilden. Das passt erstaunlich gut zu Tacitus' Formulierung, die Germanen bildeten ihre Götter nicht in Menschengestalt nach. Viele Figuren sind nur angedeutet menschlich, ein Gabelast mit Kerbe. Vielleicht lag die Wahrheit irgendwo dazwischen: kein Porträt, aber ein Ort, an dem das Göttliche anwesend gedacht wurde.
Dass es solche Holzfiguren auch in späterer Zeit gab, bestätigen Texte. Der arabische Gesandte Ibn Faḍlān beobachtete 921/922 an der Wolga skandinavisch geprägte Händler, die er Rūs nennt. Sie gingen, so schreibt er, nach der Ankunft zu einem hohen, aufgerichteten Holz mit einem Gesicht wie das eines Menschen, umgeben von kleineren Figuren, hinter denen lange Hölzer in der Erde steckten. Vor dem großen Bild warfen sie sich nieder und legten Brot, Fleisch und Getränk ab. Ein fremder Blick, aber ein zeitgenössischer Augenzeugenbericht. Den Text kannst du bei uns im Zusammenhang lesen: Ibn Faḍlān – der Bericht.
Aus dem fränkischen Raum stammt der Indiculus superstitionum et paganiarum, eine kurze Liste „abergläubischer“ und heidnischer Bräuche aus dem 8. Jahrhundert, überliefert in einer Handschrift, die man mit der Sachsenmission in Verbindung bringt. Sie nennt unter anderem Bilder aus Teig, Bilder aus Stoff und ein Bild, das man über die Felder trägt. Nur Stichworte – aber christliche Beobachter rechneten offenbar mit Bildern, auch mit ganz vergänglichen.
Und dann die Irminsul, die Karl der Große 772 zerstören ließ. Rudolf von Fulda beschreibt sie im 9. Jahrhundert als großen, aufgerichteten Holzstamm, den die Sachsen unter freiem Himmel verehrten. Ein Bild im engeren Sinn war sie wohl nicht, eher ein Kultpfahl von gewaltigen Ausmaßen, eine Weltsäule. Sie gehört in dieselbe Familie wie die Pfähle von Oberdorla, nur größer und mit Namen.
In der Wikingerzeit begegnen uns vor allem kleine, haltbare Figuren aus Metall. Und sie zeigen das Benennungsproblem in Reinform.
Rällinge (Södermanland). Im Frühjahr 1904 wurde auf dem Hof Rällinge in der Gemeinde Lunda eine 6,9 Zentimeter hohe Bronzefigur gefunden. Ein sitzender Mann mit gekreuzten Beinen, spitzer Kappe oder Helm, langem Spitzbart und hochgezwirbeltem Schnurrbart, eine Hand am Bart, mit erigiertem Phallus und Spiralmustern auf Schultern und Gesäß. Datiert wird er in die späte Wikingerzeit, um das Jahr 1000. Die gängige Deutung lautet Freyr, und sie stützt sich im Wesentlichen auf zwei Punkte: den Phallus und Adam von Bremens Beschreibung des Fricco in Uppsala, zu der wir gleich kommen. Erwogen wurden aber auch ein Spielstein für Hnefatafl, Thor oder ein Herrscher. Neil Price hat darauf hingewiesen, dass der Phallus allein auch zu Odin, Zwergen, Riesen oder Elben passen würde. Das Schwedische Historische Museum in Stockholm zeigt die Figur bis heute als „Freyr“ – mit gutem Grund, aber ohne Gewissheit.
Lejre (Seeland). Am 2. September 2009 fand ein ehrenamtlicher Mitarbeiter bei Grabungen des Roskilde Museums in Gammel Lejre eine winzige Silberfigur, kaum zwei Zentimeter hoch, mit Niello und Resten von Vergoldung, um 900 n. Chr. Eine Gestalt sitzt auf einem Thron mit Tierköpfen an der Lehne, auf den Armlehnen zwei Vögel. Schnell hieß sie „Odin auf Hliðskjálf“ mit den Raben Huginn und Muninn. Doch die Figur trägt ein langes Gewand, eine Schürze, Perlenketten und einen Halsring – nach allem, was wir wissen, Frauenkleidung. Darum deuten andere sie als Freyja oder Frigg, eine Studie von 2018 hielt sogar einen hochrangigen Geistlichen für möglich. Die ganze Debatte findest du in unserem Artikel über die Silberfigur von Lejre.
Eyrarland (Nordisland). Um 1815/16 kam auf einem Hof namens Eyrarland bei Akureyri eine 6,7 Zentimeter hohe Bronzefigur ans Licht, heute im Isländischen Nationalmuseum. Ein sitzender Mann mit großem Bart, der mit beiden Händen einen Gegenstand umfasst, der aus seinem Bart zu wachsen scheint. Er gilt meist als Thor mit seinem Hammer, und auch er wird um das Jahr 1000 datiert. Der kreuzartige Umriss des Gegenstands hat Spekulationen ausgelöst, ob hier Hammer und Kreuz verschmelzen – passend zur Zeit der Christianisierung Islands. Der isländische Archäologe Kristján Eldjárn schlug dagegen vor, die Figur sei die Königsfigur eines Brettspiels, in Analogie zu einer kleineren Walbeinfigur aus Baldursheimur. Mehr zum Hammer selbst steht in unserem Artikel über Mjölnir.
Dazu kommen winzige Goldplättchen, die Guldgubber, die wohl im Kult verwendet wurden – wen sie zeigen, ist ebenso offen.
Die berühmteste Beschreibung germanischer Götterstatuen stammt von einem Mann, der sie nie gesehen hat. Adam von Bremen, Domherr in Bremen, schrieb um 1075/76 seine Hamburgische Kirchengeschichte, die Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum. Im vierten Buch beschreibt er den Tempel in Uppsala. Sinngemäß: In diesem Tempel, ganz mit Gold geschmückt, verehre das Volk die Statuen dreier Götter. Der mächtigste, Thor, habe seinen Sitz in der Mitte, zu beiden Seiten säßen Wodan und Fricco. Thor halte ein Zepter und gleiche darin Jupiter; Wodan werde bewaffnet dargestellt wie bei „uns“ Mars; Fricco aber mit einem gewaltigen Phallus.
Präzise, anschaulich – und problematisch. Adam stützt sich auf Gewährsleute; zu seinen wichtigsten Informanten über den Norden zählte der dänische König Sven Estridsen. Er vergleicht die Götter mit römischen, so wie Tacitus tausend Jahre früher. Und er schreibt als Kirchenmann über die letzte große heidnische Kultstätte, die noch bekehrt werden sollte. Ein goldener Tempel voller Götzen ist auch ein rhetorisches Bild. Archäologisch ist Alt-Uppsala mit seinen Königshügeln und großen Hallenbauten ein Zentralort ersten Ranges, aber ein eigenständiges Tempelgebäude im Sinne Adams ist nicht eindeutig nachgewiesen. Viele Forscher denken heute eher an eine große Halle, in der Fest, Herrschaft und Kult zusammenfielen. Mehr dazu in Alt-Uppsala – Tempel und Königshügel und im Porträt Adam von Bremen.
Trotz allem: Adams Bericht ist der einzige zeitgenössische Text, der Göttern Bildtypen zuordnet. Der thronende Thor, der bewaffnete Wodan, der phallische Fricco. Genau deshalb wird jede passende Kleinfigur – Rällinge, Eyrarland – mit ihm abgeglichen. Legitim – solange klar ist, dass hier eine Beschreibung aus zweiter Hand als Bestimmungsschlüssel dient.
Die isländischen Sagas, aufgeschrieben im 13. und 14. Jahrhundert, sind voller Götterbilder – und fast immer begegnen sie uns im Moment ihrer Zerstörung. Das ist kein Zufall. Die Verfasser waren Christen, und die Geschichten feiern die Bekehrung.
In Snorris Heimskringla kommt Olaf Tryggvason Ende der 990er-Jahre nach Mære im Trøndelag, wo die Bauern ihn zum Opfer drängen. Im Tempel schlägt der König mit seinem goldverzierten Stab das Bild Thors vom Sockel, seine Männer stürzen die übrigen Bilder. Draußen wird der Bauernführer Járnskeggi erschlagen, die Bauern lassen sich taufen. In der Saga Olafs des Heiligen findet sich eine ähnliche Szene im Gudbrandsdal: Dala-Guðbrandr lässt ein großes Thorsbild hereintragen, mit Gold und Silber geschmückt. Olafs Mann Kolbeinn zerschlägt es mit einer Keule, und heraus laufen Mäuse, fast so groß wie Katzen, dazu Schlangen und Kröten, die von den Opfergaben gelebt hatten. Die Pointe ist klar: Der Gott ist hohl, die Opfer füttern Ungeziefer.
Noch drastischer ist eine Episode, die als Gunnars þáttr helmings innerhalb des Ögmundar þáttr dytts in der Flateyjarbók (14. Jahrhundert) überliefert ist. Der Norweger Gunnar flieht nach Schweden, schließt sich einer jungen Priesterin Freyrs an und begleitet das Götterbild, das auf einem Wagen durchs Land gefahren wird. Das Bild greift ihn an, Gunnar ruft Christus an, und am Ende ist Freyr nur noch ein Stück Holz. Gunnar schlüpft selbst in die Rolle des Gottes. Eine komische, christliche Erzählung, keine Reportage. Aber das Motiv des umherfahrenden Gottes auf dem Wagen erinnert auffällig an Tacitus' Nerthus.
Eine leisere Spur findet sich in der Eyrbyggja saga. Þórólfr Mostrarskegg wirft vor Island seine Hochsitzpfeiler, die öndvegissúlur, über Bord, um dort zu siedeln, wo sie anlanden. Auf einem der Pfeiler, heißt es, war Thor eingeschnitzt. Das ist kein Tempelidol, sondern ein Bild im Haus, am Ehrenplatz des Hausherrn. Gerade solche Figuren an Pfosten und Möbeln dürften im Alltag häufiger gewesen sein als große Kultstatuen.
Und der „Hof“, der Tempel der Sagas? Der dänische Archäologe Olaf Olsen hat 1966 gezeigt, dass sich eigene Tempelgebäude archäologisch kaum nachweisen lassen. Der hof war vermutlich in vielen Fällen ein großer Hof, dessen Halle zu bestimmten Zeiten zum Kultraum wurde. Inzwischen kennt man allerdings auch spezielle Kultbauten, etwa in Uppåkra in Schonen. Wie solche Orte aussahen, beschreibt unser Artikel Blót-Orte: Hörgr, Hof und Kulthalle.
Hier liegt das eigentliche Problem dieses ganzen Themas. Wir haben Bilder ohne Namen und Namen ohne Bilder. Eine Figur trägt kein Etikett. Wer sie „Freyr“ oder „Odin“ nennt, braucht ein Kriterium, und die verfügbaren Kriterien sind wacklig.
Das klingt ernüchternd, macht die Funde aber nicht kleiner. Die Figur aus Broddenbjerg ist ein echtes Zeugnis davon, dass Menschen vor 2500 Jahren einen Ast nahmen, ihm einen Kopf gaben und ihn ins Moor stellten, weil dort etwas war, das Ehrfurcht verdiente. Den Namen dürfen wir offenlassen. Die Ehrfurcht ist belegt.
Wir werden oft gefragt, wie „Odin wirklich aussah“. Ehrlich: Das weiß niemand. Wenn wir ein Motiv gravieren, greifen wir darum lieber auf echte Vorlagen zurück – Bildsteine, Brakteaten, Kleinfiguren wie Rällinge oder Lejre – und sagen offen, was belegt ist und was Deutung bleibt. Den Überblick bietet unser Artikel zur germanischen Religion.

Hatten die Germanen Götterstatuen? Große Steinstatuen nach römischem Vorbild gab es nicht, wohl aber Götter- oder Kultbilder aus Holz. Erhalten sind vor allem Figuren aus Mooren wie Braak, Broddenbjerg, Wittemoor und Oberdorla.
Was sagt Tacitus über germanische Götterbilder? In Germania 9 schreibt er, die Germanen hielten es für unvereinbar mit der Größe der Götter, sie in Wände einzuschließen oder in Menschengestalt darzustellen. An anderer Stelle erwähnt er aber selbst Bilder aus heiligen Hainen.
Was sind Pfahlgötter? So nennt die Forschung hölzerne Pfähle, Gabelhölzer und Brettfiguren mit angedeuteten menschlichen Zügen, die vor allem aus Mooren der Bronze- und Eisenzeit stammen. Ob sie Götter, Ahnen oder Schutzwesen darstellen, ist offen.
Ist die Rällinge-Figur wirklich Freyr? Das ist die verbreitetste Deutung, gestützt auf den Phallus und Adam von Bremens Beschreibung des Fricco in Uppsala. Gesichert ist sie nicht; diskutiert werden auch ein Spielstein, Thor oder ein Herrscher.
Gab es in Uppsala wirklich einen Tempel mit Götterstatuen? Adam von Bremen beschreibt um 1075 Statuen von Thor, Wodan und Fricco, kannte den Ort aber nur aus Berichten. Archäologisch belegt sind große Hallen und Königshügel, ein Tempel im Sinne Adams ist umstritten.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Germanische Opfer & Heiligtümer · Der Hain der Semnonen · Die Irminsul · Nerthus – die Erdgöttin · Die germanische Religion.
Januar, Februar, März – diese Namen sind Römer, und noch dazu späte Einwanderer. Erst zwischen dem 16. und 18 …
Weiterlesen →