Januar, Februar, März – diese Namen sind Römer, und noch dazu späte Einwanderer. Erst zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert setzten sie sich bei uns endgültig durch. Davor trugen die Monate deutsche, mondgebundene Namen: Julmond, Hornung, Wonnemond, Erntemond. Sie erzählen nicht von Kaisern, sondern von Wetter, Arbeit und Fest. Ein Blick auf die alten Namen – und warum „Monat" überhaupt „Mond" heißt.
Der Zusammenhang steckt schon im Wort: In allen germanischen Sprachen ist „Monat" eine unmittelbare Ableitung von „Mond". Das ist kein Zufall. Unsere Vorfahren rechneten die Zeit nach dem Mond, nicht nach der Sonne allein. Ein Monat war das, was der Mond vorgab – von einer Sichel zur nächsten.
„Sie zählen nicht nach der Zahl der Tage, sondern der Nächte." nach Tacitus, Germania 11 (gemeinfreie Übersetzungstradition)
Schon der römische Geschichtsschreiber Tacitus notierte diese Eigenart: Die Germanen maßen die Zeit in Nächten, nicht in Tagen. Reste davon leben bis heute in Wörtern wie „Weihnachten" oder im englischen „fortnight" (vierzehn Nächte).
Die überlieferten und rekonstruierten Monatsnamen sind kleine Wetter- und Arbeitsberichte. Eine verbreitete deutsche Reihe lautet etwa: Hartung oder Eismond (Januar), Hornung (Februar), Lenzing oder Lenzmond (März), Ostermond (April), Wonnemond (Mai), Brachmond (Juni), Heumond (Juli), Erntemond oder Ährenmond (August), Herbstmond (September), Gilbhart oder Weinmond (Oktober), Nebelung oder Windmond (November), Julmond oder Christmond (Dezember).
„Hornung" meinte den Februar, in dem manche Tiere ihr erstes Geweih (Horn) abwarfen; „Brachmond" die Zeit, in der der Acker brachlag; „Gilbhart" das Vergilben des Laubs. Das sind keine leeren Etiketten, sondern gelebte Beobachtung.
Zwei Quellen machen die alten Namen greifbar. Der angelsächsische Gelehrte Beda beschrieb um 725 die englischen Monatsnamen seiner heidnischen Vorfahren – darunter Giuli (Jul), Solmonath, Hrethmonath, Eosturmonath (nach einer Göttin Eostre), Winterfilleth und Blodmonath, den „Blutmonat" der Schlachtungen. Und Karl der Große ließ, wie sein Biograf Einhard berichtet, eigene deutsche Monatsnamen festlegen: Wintarmanoth, Hornung, Lenzinmanoth, Ostarmanoth, Winnemanoth, Brachmanoth, Heuvimanoth, Aranmanoth, Witumanoth, Windumemanoth, Herbistmanoth, Heilagmanoth.
Weil die Monate am Mond hingen, das Jahr aber an der Sonne, brauchte es einen Ausgleich – einen Schaltmonat, der alle paar Jahre eingeschoben wurde. Genau dieses alte Rechenmodell, den gebundenen Mondkalender der Germanen, kannst du in unserem germanischen Mondkalender nachvollziehen: Er berechnet Mondphasen, Sonnenwenden und die alten Monate im Browser – inklusive Schaltmonat.
Dass „Monat" von „Mond" kommt und die Germanen die Zeit nach Nächten zählten, ist sprachlich und durch Tacitus (Germania 11) gesichert. Die altenglischen Monatsnamen stehen bei Beda, De temporum ratione, Kap. 15. Die deutschen Monatsnamen Karls des Großen überliefert Einhard in der Vita Karoli Magni (Kap. 29). Belegt ist auch, dass die römischen Monatsnamen erst in der frühen Neuzeit die volkssprachlichen Namen endgültig verdrängten.
Nicht jede Namensliste, die im Netz als „uralt germanisch" kursiert, ist wirklich alt. Manche Namen sind frühneuzeitlich oder wurden im 18. und 19. Jahrhundert im Zuge der Romantik populär gemacht (etwa „Wonnemond"). Auch die Zuordnung schwankt regional stark. Und die Göttin „Eostre" hinter dem Eosturmonath ist einzig bei Beda bezeugt – ihre Existenz ist plausibel, aber dünn belegt. Wer die alten Namen nutzt, nutzt echtes Kulturgut – sollte aber nicht jede hübsche Liste für wikingerzeitlich halten.

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