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Wie feiern Heiden heute? Blót und Sumbel erklärt

Gelebtes Heidentum Wie feiern Heiden heute? Blót und Sumbel erklärt

Ein Feuer in freier Natur, ein Trinkhorn, das reihum wandert, ein paar Worte an Götter und Ahnen, und am Ende ein Schluck Met, der in die Erde gegossen wird: So sieht gelebtes Heidentum heute aus. Kein Museum, kein Kostümfest, sondern ein echtes Fest, das Menschen quer durch den deutschsprachigen Raum feiern. Die beiden wichtigsten Formen heißen Blót und Sumbel. Was steckt dahinter – und was davon ist alt, was neu?

Was ein Blót ist

Das altnordische Wort blót gehört zum Verb blóta: eine Gottheit durch eine Gabe ehren. Ein Blót ist also kein Gebet und keine Predigt, sondern eine Opferhandlung – ein Geben und Nehmen. Moderne Heiden verstehen die Gabe dabei nicht als Verzicht, den man erleidet, sondern als Akt des Teilens und der Dankbarkeit. Man teilt sein Wohlergehen mit den höheren Mächten und bittet im Gegenzug um ein gutes, friedliches Jahr.

Gefeiert wird meist draußen: an einem Feuer, unter einem Baum, an einem Fluss oder auf einem Hügel. Anlass sind vor allem die Jahreskreisfeste, aber auch Übergänge im Leben – eine Namensweihe für ein Kind, eine Eheschließung, ein Abschied. Das Blót markiert immer eine Schwelle: das Ende einer alten und den Beginn einer neuen Zeit.

Der Ablauf – so feiern viele Gruppen heute

Auch wenn jede Gruppe ihre eigene Handschrift hat, folgt ein Blót meist einem klaren Dreischritt. Am Anfang steht die Eröffnung: Oft wird ein Thingfrieden ausgerufen – alle Zwistigkeiten haben für die Dauer des Festes zu ruhen. Dann werden die Götter, die Ahnen und die Geister der Natur angerufen und eingeladen, am Fest teilzuhaben.

Es folgt die Opferung: der zentrale Akt. Eine Gabe geht an die Mächte – meist ein Trankopfer (Met, Bier, Apfelsaft), manchmal eine Speise. Und dann kommt das Herzstück, das Sumbel. Zum Abschluss steht die Aufhebung: Das Trankopfer wird ausgegossen. Im Eldaring e.V., einer der größten deutschsprachigen heidnischen Gemeinschaften, hat sich dafür eine schöne Formel eingebürgert.

„Von den Göttern zur Erde zu uns, von uns zur Erde zu den Göttern." Schlussformel beim Blót, moderne Ritualpraxis des Eldaring e.V.

Das Sumbel – das Horn geht um

Das Sumbel ist das gesellige, gesprochene Herz des Festes. Ein gefülltes Trinkhorn wandert im Kreis von Hand zu Hand. Wer es hält, spricht: einen Trinkspruch auf einen Gott, ein Gedenken an einen Ahnen, ein Versprechen, einen Dank, manchmal auch nur einen guten Wunsch. Dann trinkt man, gibt das Horn weiter, und der Nächste ist dran.

Oft läuft das Sumbel in mehreren Runden: eine für die Götter, eine für die Ahnen und Helden, eine für freie Worte. Das Wort ist dabei nicht nebensächlich – im heidnischen Verständnis hat das laut Ausgesprochene Gewicht. Ein Eid am Horn ist ein ernstes Ding. Genau das macht das Sumbel bis heute so kraftvoll: Es ist der Moment, in dem eine Gemeinschaft hörbar wird.

Wo das Alte aufhört und das Neue anfängt

Vieles daran hat einen echten historischen Kern. Der Begriff Blót, das Trankopfer, das gemeinsame Trinken auf die Götter, die Bitte um ár ok friðr – „gutes Jahr und Frieden" – all das findet sich in den altnordischen Quellen. Anderes ist bewusst neu gestaltet: die genaue Reihenfolge, die Texte, die Formeln. Moderne Heiden machen daraus kein Geheimnis. Sie feiern in der Tradition, aber mit eigener Kreativität – und trennen dabei ehrlich, was belegt ist und was Rekonstruktion.

Wenn du selbst einmal hineinschnuppern willst, ohne gleich einem Verein beizutreten: Unser Blót-Kalender zeigt dir die neun großen Feste des Jahres mit Terminen und Bräuchen, und im germanischen Mondkalender siehst du, wie die alten Feste einst nach dem Mond berechnet wurden.

Was gesichert ist

Die Grundbegriffe sind altnordisch belegt: blóta („durch Opfer verehren") und die Formel til árs ok friðar („für gutes Jahr und Frieden") stehen u.a. in Snorris Heimskringla. Die Hákonar saga góða beschreibt ein Blót mit gemeinsamem Trinken, bei dem auf Óðinn, Njörðr und Freyr getrunken wird; die Ynglinga saga (Kap. 8) nennt drei große Blóts im Jahr. Das gemeinsame, ritualisierte Trinken (das spätere Sumbel) ist ebenfalls in der Dichtung und den Sagas greifbar. Der hier beschriebene moderne Ablauf – Eröffnung mit Thingfrieden, Opferung, Sumbel, Ausgießen – ist die dokumentierte Praxis heutiger Gemeinschaften wie des Eldaring e.V.

Mythos-Check

Man sollte ein heutiges Blót nicht mit einem wikingerzeitlichen Ritual verwechseln. Die schriftlichen Quellen sind überwiegend spät, skandinavisch und teils aus christlicher Feder – sie geben uns Bruchstücke, kein Drehbuch. Wie ein Opferfest im 9. Jahrhundert in jedem Detail ablief, weiß niemand. Das moderne Blót ist deshalb eine ehrliche Wiederbelebung: Es knüpft an belegte Formen an, füllt die Lücken aber mit heutiger Gestaltung. Wer das weiß, feiert nicht weniger echt – nur ehrlicher.

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