Innerhalb von neunzehn Tagen musste ein englischer König zwei Invasionen abwehren, an zwei Enden seines Reiches. Die erste gewann er so gründlich, dass von dreihundert norwegischen Schiffen vierundzwanzig genügten, um die Überlebenden heimzubringen. Drei Wochen später war er tot, sein Heer zerschlagen, sein Land vergeben. Was am 14. Oktober 1066 auf dem Hügel bei Hastings geschah, wissen wir aus vier Quellen, die einander widersprechen – und aus einer Stickerei, an der das 19. Jahrhundert herumgeflickt hat.

Am 5. Januar 1066 starb Eduard der Bekenner, kinderlos, nach dreiundzwanzig Jahren auf dem Thron. Wenige Tage zuvor war seine neue Klosterkirche in Westminster geweiht worden; dort begrub man ihn. Einen Tag später war Harold Godwinson König.
Die Angelsächsische Chronik berichtet, Eduard habe auf dem Sterbebett noch einmal das Bewusstsein erlangt und seine Witwe und das Reich Harolds Schutz anbefohlen. Was das juristisch bedeutete, war schon damals auslegbar – und genau darum wurde gekämpft. Harold war kein Königssohn, sondern der mächtigste Earl Englands, Schwager des Toten, vom Witan gewählt.
Schon die Krönung ist ein Lehrstück in Quellenkritik. Johann von Worcester schreibt, Ealdred, der Erzbischof von York, habe Harold gekrönt. Sämtliche normannischen Quellen und der Teppich von Bayeux nennen dagegen Stigand von Canterbury – einen Mann, dessen Amt kirchenrechtlich angreifbar war. Das ist das Argument: Wer von einem unrechtmäßigen Erzbischof gekrönt wird, ist ein unrechtmäßiger König. Harold hatte Stigand zuvor die Weihe einer eigenen Kirche verweigert. Dass er ihn zur Krönung geholt hätte, ist unwahrscheinlich.
Wilhelm, Herzog der Normandie, war ein entfernter Verwandter des Toten: Eduards Mutter Emma stammte aus dem normannischen Herzogshaus, und Eduard hatte den größten Teil seines Lebens im Exil in der Normandie verbracht. Die normannischen Autoren behaupten, Eduard habe Wilhelm um 1051 die Nachfolge zugesagt. Englische Quellen wissen davon nichts.
Dazu kommt der Eid. Um 1064 oder 1065 verschlug es Harold an die französische Küste, in die Hand des Grafen von Ponthieu und dann an Wilhelms Hof. Dort, sagen die Normannen, habe er auf Reliquien geschworen, Wilhelms Anspruch zu stützen; der Teppich zeigt die Szene. Die englischen Quellen schweigen auch dazu. Eine Geschichte also, die nur eine Seite erzählt – und die diese Seite dringend brauchte.
Man sollte dabei nicht vergessen, wer diese Normannen waren. Die Normandie war gut hundertfünfzig Jahre zuvor einem nordischen Kriegsherrn überlassen worden; die Linie führt zurück auf Rollo und die Flotten an der Seine, von denen wir bei den Wikingern in Frankreich erzählen. Und der englische Thron war nicht zum ersten Mal in skandinavischer Hand: Fünfzig Jahre vor Hastings hatte Knut der Große ihn genommen und behalten.
Harold rechnete mit Wilhelm. Den ganzen Sommer 1066 stand er mit Heer und Flotte an der Südküste. Das Problem waren Verpflegung und Ernte: Sein Aufgebot bestand großenteils aus Bauern. Am 8. September entließ er sie.
Neun Tage später kam der Angriff – aus dem Norden. Harald Hardrada, König von Norwegen, war mit einer großen Flotte gelandet, dazu Tostig, Harolds eigener Bruder. Am 20. September schlugen sie bei Fulford das Aufgebot der Earls Edwin und Morcar. Am 25. September stand Harold nach einem Gewaltmarsch vor ihnen und schlug sie bei Stamford Bridge vernichtend. Hardrada fiel, Tostig fiel. Von über dreihundert norwegischen Schiffen brauchte es vierundzwanzig, um die Überlebenden heimzufahren.
Das war die letzte große Nordlandfahrt dieser Art, und deshalb gilt 1066 vielen als Ende der Wikingerzeit. Was davon belegt ist, steht in unseren Beiträgen zu Stamford Bridge und zu Harald Hardrada. Hier zählt nur eines: Harolds beste Truppen hatten einen Gewaltmarsch und eine Schlacht hinter sich.
Wilhelms Flotte war seit etwa Mitte August bereit. Wochenlang hielt widriger Wind sie in der Normandie fest. Erst Ende September kam sie herüber – drei Tage nach Stamford Bridge.
Am 28. September landeten die Normannen bei Pevensey, zogen nach Hastings, warfen dort eine hölzerne Burg auf und verwüsteten das Umland. Sussex war Harolds Erbland. Wer dort brandschatzt, zwingt den König zu kommen.
Er kam. Harold erfuhr von der Landung, als er noch im Norden war, ritt nach London, sammelte dort rund eine Woche lang ein neues Aufgebot und marschierte nach Süden – noch einmal etwa eine Woche, geschätzte dreiundvierzig Kilometer am Tag. Am Abend des 13. Oktober stand er auf einem Höhenrücken nordwestlich von Hastings, rund elf Kilometer von der normannischen Burg. Wilhelm zog ihm am 14. morgens entgegen.
Warum Harold nicht wartete, bis mehr Leute da waren, ist eine der großen offenen Fragen. Er hatte Stamford Bridge mit genau dieser Methode gewonnen, mit Tempo und Überraschung. Sein Land brannte. Sein Anspruch war jung. Sicher ist keine dieser Antworten.
Die Schlacht begann gegen neun Uhr morgens und dauerte bis in die Dämmerung – außergewöhnlich lang. Die meisten waren nach zwei, drei Stunden entschieden.
Die Zahlen sind moderne Schätzungen und streuen weit: für Wilhelm sieben- bis zwölftausend Mann, etwa zur Hälfte Fußvolk, je ein Viertel Reiter und Bogenschützen; für Harold fünf- bis dreizehntausend, fast alle zu Fuß und mit sehr wenigen Bogenschützen. Keine zeitgenössische Quelle nennt brauchbare Zahlen.
Harolds Leute standen in einem Schildwall auf dem Kamm. Solange der hielt, war die normannische Reiterei machtlos: Pferde rennen nicht in eine Wand aus Schilden und Äxten. Der erste Angriff scheiterte, auf dem linken Flügel brach Panik aus, als das Gerücht umging, Wilhelm sei gefallen. Wilhelm von Poitiers berichtet, der Herzog habe den Helm hochgeschoben und sein Gesicht gezeigt, um die Flucht zu stoppen.
Entschieden wurde die Sache durch das Gegenteil von Standfestigkeit. Teile des normannischen Heeres wichen zurück, die Engländer brachen aus dem Wall, um nachzusetzen, und wurden im offenen Feld von der Reiterei aufgerieben. Ob der erste Rückzug echt war und erst danach zur Taktik wurde, ist umstritten; dass es mehrmals geschah, sagen alle Quellen. Der Schildwall wurde dünner. Irgendwann riss er.
Hier kann man die Entstehung einer Legende fast jahrzehntweise mitlesen.
Die Angelsächsische Chronik, die englische Stimme, sagt nur: Er fiel. Kein Pfeil, kein Detail.
Das Carmen de Hastingae Proelio, ein lateinisches Gedicht von 835 Versen, Guido von Amiens zugeschrieben und wohl schon 1067 entstanden, schildert vier normannische Ritter, die den König niederhauen: Der erste durchstößt Schild und Brust, der zweite schlägt den Kopf ab, der dritte den Leib auf, der vierte trennt den Schenkel ab. Ein Pfeil kommt nicht vor.
Wilhelm von Jumièges, Ende der 1060er, lässt Harold schon im ersten Ansturm von tödlichen Wunden durchbohrt fallen. Wilhelm von Poitiers beschreibt den toten König als bis zur Unkenntlichkeit entstellt, erkennbar nur an bestimmten Merkmalen. Auch das klingt nach Nahkampf.
Der Pfeil erscheint zuerst bei Amatus von Montecassino, vermutlich in den frühen 1080er-Jahren – dessen lateinischer Text ist verloren und nur in einer französischen Übersetzung des 14. Jahrhunderts erhalten. Baudri von Bourgueil nennt Anfang des 12. Jahrhunderts einen Pfeil, aber keine Stelle. Wilhelm von Malmesbury schreibt in den 1120er-Jahren, ein Pfeil habe das Gehirn durchbohrt. Erst Heinrich von Huntingdon, rund siebzig Jahre nach der Schlacht, wird eindeutig:
et ipso in oculo ictus corruit
„und er selbst stürzte, ins Auge getroffen"Heinrich von Huntingdon, Historia Anglorum, entstanden in den 1130er-Jahren; Übertragung von uns
Wace fügt in seinem Roman de Rou, begonnen 1160, beides zusammen: erst der Pfeil über dem rechten Auge, dann die Ritter. Das ist die Fassung, die heute jeder kennt.
Und der Teppich? Die berühmte Szene trägt die Beischrift:
HIC HAROLD REX INTERFECTUS EST
„Hier wird König Harold getötet"Teppich von Bayeux, Beischrift zur Schlachtszene; Übertragung von uns
Unter dieser Zeile stehen zwei Figuren: ein Mann, der sich an den Kopf greift, und daneben ein von einem Reiter niedergehauener Axtkämpfer. Welche von beiden Harold ist, wird bis heute diskutiert. Die Stiche des 18. Jahrhunderts – Benoît 1729, Montfaucon 1730, Lancelot 1733 – zeigen bei der ersten Figur einen Speer oder einen ungefiederten Schaft, jedenfalls keinen Pfeil im Auge. Der Pfeil erscheint erstmals in der Nachzeichnung, die Charles Stothard ab 1816 für die Society of Antiquaries anfertigte – ob er dort Stichlöcher von Pfeilfedern vorfand oder das fand, was er erwartete, ist offen. Später im 19. Jahrhundert wurde der Teppich umfassend ausgebessert, an dieser Figur besonders gründlich. Der goldene Pfeil ist mit einiger Wahrscheinlichkeit Stickerei des 19. Jahrhunderts.
Keine der Hauptquellen ist neutral.
Der Teppich von Bayeux ist rund achtundsechzig Meter lang, Wolle auf Leinen, neun Bahnen, achtundfünfzig Szenen mit lateinischen Beischriften. Er entstand in den Jahren nach der Eroberung, vermutlich auf Betreiben Bischof Odos von Bayeux, Wilhelms Halbbruder – und höchstwahrscheinlich in England, im Umkreis von Canterbury. Das Ende fehlt, geschätzt anderthalb Meter, vermutlich mit Wilhelms Krönung. Seit dem 10. September 2026 hängt er als Leihgabe im British Museum, bis zum 11. Juli 2027: zum ersten Mal wieder in dem Land, dessen Eroberung er zeigt.
Wilhelm von Poitiers war Kaplan des Siegers und schrieb zwischen 1071 und 1077; Antonia Gransden hat gezeigt, wie sehr sein Werk Lobrede ist. Die einzige bekannte Handschrift ist verloren, der Text existiert nur über einen Druck von 1619, und ihm fehlen Anfang und Ende – er beginnt und endet mitten im Satz.
Die Angelsächsische Chronik ist knapp, in mehreren Fassungen erhalten und die einzige Stimme der Verlierer. Das Carmen galt lange als Fälschung des 12. Jahrhunderts, gerade weil es so detailliert ist; heute datiert man es überwiegend auf 1067.
Wilhelm zog nicht direkt auf London, wo Edgar Ætheling, der letzte Sprössling des alten Königshauses, zum König ausgerufen wurde. Er ging über Dover und Canterbury, dann in weitem Bogen um die Stadt herum über Wallingford nach Berkhamsted, wo sich ihm die englischen Großen unterwarfen. Am 25. Dezember 1066 wurde er in Westminster gekrönt – von Ealdred von York, demselben Mann, der wahrscheinlich elf Monate zuvor Harold gekrönt hatte.
Der Widerstand hielt Jahre an; im Winter 1069/70 verwüsteten Wilhelms Truppen Northumbrien systematisch. Der englische Adel wurde enteignet: Das Domesday Book von 1086 zeigt südlich des Tees nur noch rund fünf Prozent des Landes in englischer Hand. Auf dem Schlachtfeld ließ Wilhelm eine Abtei errichten, deren Hochaltar der Überlieferung nach dort stand, wo Harold fiel. Wo Harold begraben liegt, weiß niemand sicher; Waltham Abbey, das er selbst neu gestiftet hatte, ist die bekannteste Überlieferung.
Und die Wikingerzeit? Dass sie 1066 endet, ist eine Setzung von Historikern, keine Erfahrung der Zeitgenossen; skandinavische Flotten kamen auch danach noch, 1069 und 1075. Aber die Richtung hatte sich gedreht: Wer jetzt über den Kanal kam, sprach Französisch. Wie England zwischen Lindisfarne und Hastings mit dem Norden lebte, steht in unserem Überblick zu den Wikingern in England.
Zeitgenössisch belegt sind die Daten: Eduards Tod am 5. Januar, Harolds Krönung am 6. Januar, Fulford am 20. September, Stamford Bridge am 25., die Landung am 28., die Schlacht am 14. Oktober, Wilhelms Krönung am 25. Dezember. Belegt ist der Ablauf in Grundzügen: Schildwall, gescheiterte Angriffe, Rückzüge, Zusammenbruch am Abend.
Aus dem Lager des Siegers stammen Eduards angebliches Thronversprechen, Harolds Eid auf die Reliquien und die Krönung durch Stigand. Das heißt nicht, dass nichts davon stimmt – nur, dass es eine Seite allein behauptet.
Spätere Überlieferung ist der Pfeil im Auge: gut fünfzehn Jahre nach der Schlacht ein bloßer Pfeil, siebzig Jahre danach ein Treffer ins Auge, rund hundert Jahre danach eine ganze Szene. Dazu der Pfeil im Teppich selbst, der aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem 19. Jahrhundert stammt.
Moderne Deutung sind die Truppenstärken, die Frage nach der geplanten Scheinflucht und die Einordnung von 1066 als Epochengrenze. Was bleibt, ist ein Tag, an dem ein erschöpftes Heer neun Stunden lang stand und dann nicht mehr. Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.

Stamford Bridge 1066 · Harald Hardrada · Rollo von der Normandie · Die Wikinger in Frankreich & die Normandie · Knut der Große · Das Danelag.