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Die Helvier – ein kleines Volk, ein großer Auftritt

Geschichte & Funde Die Helvier – ein kleines Volk, ein großer Auftritt

Die Helvier saßen zwischen Rhône und Cevennen, dort, wo heute die Ardèche liegt. Sie waren klein, unauffällig und blieben in ihrem eigenen Land ohne Ruhm. Und doch verdanken wir ihnen eine der menschlichsten Szenen des ganzen Gallischen Kriegs – und einen Dolmetscher, den Caesar einen Freund nannte.

Ein kleines Volk mit einem großen Auftritt

Die meisten gallischen Völker treten bei Caesar als Heere auf: so und so viele Tausend Mann, so und so viele Geiseln. Die Helvier tauchen anders auf. Sie erscheinen als Familie. Ein Vater mit römischem Bürgerrecht, zwei Söhne, ein Dolmetscher in Ketten, ein Anführer, der auf eigene Faust in die Schlacht geht und dabei stirbt. Das ist ungewöhnlich – und es ist der Grund, warum ein Volk, das nie mehr als eine Randnotiz der großen Politik war, in den Quellen erstaunlich scharf gezeichnet ist.

Wir wissen von den Helviern weniger, als wir gerne hätten, und mehr, als bei einem Volk dieser Größe zu erwarten wäre. Beides gehört zusammen. Was folgt, hält beides auseinander: das, was in den Texten steht, und das, was die Forschung daraus baut.

Sitzreihen des römischen Theaters von Alba-la-Romaine
Die Sitzreihen des gallo-römischen Theaters von Alba-la-Romaine – dem antiken Alba Helviorum, dem Hauptort der Helvier in der Ardèche. Foto: Aubry Françon, CC BY-SA 4.0.

Zwischen Rhône, Cevennen und Basalt

Das Gebiet der Helvier lag westlich der Rhône, am Nordrand der römischen Provinz, ungefähr im heutigen Departement Ardèche – genauer im unteren Vivarais. Im Norden zog sich ihre Grenze zum Kamm der Cevennen hinauf, wo sie an die Gabaler und Vellaver stieß; im Westen begann Arvernerland. Im Süden lagen die Volcae Arecomici, im Nordosten die Segovellauner, jenseits der Rhône die Allobroger. Die Rhône selbst bildete die natürliche Ostgrenze.

Es ist ein hartes, schönes Land: enge Flusstäler, Kalkschluchten, darüber die Basaltplateaus des Coiron. Wer dort heute steht, sieht sofort, warum die Römer diesen Streifen wollten. Er ist der Korridor zwischen dem Mittelmeer und dem gallischen Hochland – und die Tür zu den Arvernern liegt gleich dahinter.

Innerhalb der Provinz – und was die Quellen hergeben

Der entscheidende Punkt wird oft übersehen: Die Helvier gehörten nicht zum „freien" Gallien, sondern zur römischen Provinz Gallia Transalpina, der späteren Narbonensis. Sie waren spätestens seit dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert Grenzvolk auf römischer Seite. Alles, was sie im Gallischen Krieg tun, ergibt erst vor diesem Hintergrund Sinn. Sie kämpften nicht gegen Rom. Sie deckten Roms Rücken.

Die Quellenlage ist dünn, aber solide. Caesar nennt sie in seinen Kommentaren mehrfach und bezeichnet sie ausdrücklich als civitas, nicht als bloßen pagus – also als ein politisches Gemeinwesen mit eigenen befestigten Orten. Strabon führt sie in seiner Geographie als Ἐλουοί (Elouoi) auf und beginnt mit ihnen, von der Rhône her, seine Aufzählung der Völker zwischen Garonne und Loire. Und Plinius der Ältere nennt in seiner Liste der Städte lateinischen Rechts in der Narbonensis ein „Alba Helvorum". Das war es dann auch schon. Es gibt keine helvische Chronik, keine Sage, kein Epos.

Jastres: die Höhensiedlungen vor Alba

Vor der römischen Stadt gab es Höhensiedlungen. Die bekannteste liegt auf dem Plateau von Jastres über der Ebene von Aubenas: Jastres-Nord, an eine Felskante gebaut, dazu einen Kilometer weiter südlich Jastres-Sud, eine große, rechteckig ummauerte Anlage von rund zwölf bis dreizehn Hektar. Claude Lefebvre grub dort von 1974 bis 1993 und fand im Inneren dichte Bebauung.

Das Bemerkenswerte ist nicht der Bau, sondern das Ende: Die Anlage wurde offenbar freiwillig geräumt, im frühen ersten nachchristlichen Jahrhundert, als unten in der Ebene die neue Stadt entstand. Kein Brand, keine Eroberung, kein Drama. Man zog um. Für ein Volk, das sich früh auf die römische Seite geschlagen hatte, ist das ein sehr passendes Bild.

Caburus und das Bürgerrecht von 83 v. Chr.

Um 83 v. Chr. verlieh der römische Statthalter Gaius Valerius Flaccus dem führenden Mann der Helvier das römische Bürgerrecht. Der Mann hieß danach Gaius Valerius Caburus: römischer Vorname und Familienname vom Patron übernommen, der keltische Eigenname als Beiname behalten. Caesar erwähnt diese Verleihung eigens, als er dessen Sohn vorstellt.

Das ist mehr als eine Personalie. Es zeigt, dass die Romanisierung im Süden Galliens eine Generation vor dem Gallischen Krieg bereits ganze Führungsfamilien erfasst hatte. Caburus' Söhne wuchsen zweisprachig und zweiheimisch auf: Kelten von Herkunft, römische Bürger von Rechts wegen. Genau diese Doppelnatur macht den einen Sohn für Caesar so wertvoll.

Der Dolmetscher, dem Caesar traute

Im Jahr 58 v. Chr. steckt Caesar in einer heiklen Lage: Der Häduer Dumnorix steht im Verdacht, mit den Helvetiern gemeinsame Sache zu machen, und sein Bruder Diviciacus ist Caesars Verbündeter. Caesar schildert, wie er das Gespräch führt – und die Formulierung ist der eigentliche Beleg: cotidianis interpretibus remotis, „nachdem die alltäglichen Dolmetscher entfernt worden waren", spricht er mit Diviciacus durch Gaius Valerius Troucillus.

Caesar nennt ihn princeps Galliae provinciae, einen führenden Mann der gallischen Provinz, und familiaris suus, seinen persönlichen Freund, „dem er in allen Dingen das höchste Vertrauen schenkte". Ein römischer Feldherr schickt seine Berufsdolmetscher hinaus und lässt einen Provinzialen übersetzen. Vertrauen wird hier nicht behauptet, sondern vorgeführt.

Procillus oder Troucillus? Eine Frage der Handschriften

Und hier beginnt ein hübsches philologisches Problem. In Buch 1, Kapitel 19 heißt der Mann in den Handschriften Troucillus. In den Kapiteln 47 und 53 heißt er Procillus. Beide Formen stehen im überlieferten Text, und beide meinen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit dieselbe Person: denselben Sohn desselben Caburus, denselben Freund Caesars, dieselbe Rolle.

Die Mehrheit der Forschung geht von einem Mann aus. Der Grund, warum viele Fachleute heute „Troucillus" bevorzugen, ist ein klassisches textkritisches Argument: Troucillus ist die schwierigere, aber sprachlich saubere keltische Namensform, Procillus dagegen sieht aus wie ein römischer Name – und Abschreiber machen aus Fremdem gern Vertrautes, nicht umgekehrt. Sicher ist das nicht. In der Literatur begegnen Ihnen beide Schreibungen, und wer Ihnen erzählt, die Frage sei entschieden, war nicht in der Fußnote.

Gesandter zu Ariovist – und in Ketten

Wenige Kapitel später wird aus dem Dolmetscher ein Gesandter. Caesar soll erneut mit dem Suebenkönig Ariovist verhandeln, hält ein persönliches Treffen aber für zu gefährlich. Er schickt zwei Männer: Marcus Metius, der mit Ariovist durch Gastfreundschaft verbunden war, und eben Gaius Valerius Procillus, „einen jungen Mann von höchster Tüchtigkeit und Bildung" (summa virtute et humanitate adulescentem).

Caesar begründet die Wahl ausdrücklich dreifach: wegen seiner Zuverlässigkeit, wegen seiner Kenntnis der gallischen Sprache – die Ariovist durch langen Umgang beherrschte – und weil die Germanen bei ihm keinen Anlass hätten, sich zu vergehen. Genau das ging schief. Ariovist ließ die Gesandten vor versammeltem Heer anschreien, ob sie zum Spionieren gekommen seien, verbot ihnen das Wort und warf sie in Ketten. Das war ein Bruch des Gesandtenrechts, und Caesar erzählt es auch so.

Dreimal das Los

Nach der Schlacht gegen Ariovist folgt die Szene, für die man diesen Artikel schreibt. Caesar setzt sie fast ans Ende des ersten Buches, unmittelbar vor den Abschluss des Feldzugs – an eine Stelle also, an der man sonst Bilanz zieht, nicht Rührung zulässt.

C. Valerius Procillus, cum a custodibus in fuga trinis catenis vinctus traheretur, in ipsum Caesarem hostes equitatu insequentem incidit. Quae quidem res Caesari non minorem quam ipsa victoria voluptatem attulit, quod hominem honestissimum provinciae Galliae, suum familiarem et hospitem, ereptum ex manibus hostium sibi restitutum videbat.

„Gaius Valerius Procillus, der auf der Flucht von seinen Wächtern in dreifachen Ketten mitgeschleppt wurde, stieß geradewegs auf Caesar selbst, der mit der Reiterei den Feinden nachsetzte. Und dieser Umstand bereitete Caesar kein geringeres Vergnügen als der Sieg selbst: dass er den ehrenwertesten Mann der gallischen Provinz, seinen Freund und Gastfreund, den Händen der Feinde entrissen und sich zurückgegeben sah."Caesar, De bello Gallico I,53; Übersetzung: Glanz & Gravur

Unmittelbar danach berichtet Caesar, was Procillus ihm erzählte: In seiner Gegenwart sei dreimal das Los befragt worden, ob man ihn sofort im Feuer töten oder für einen späteren Zeitpunkt aufheben solle. Durch die Gunst der Lose sei er unversehrt geblieben. Ein Mann, der in Ketten daneben stand, während über sein Verbrennen gewürfelt wurde – und der es überlebte, weil das Los dreimal nein sagte.

Warum Caesar diese Szene erzählt

Man darf hier zweierlei sehen. Erstens die Sache selbst: Losorakel sind für den germanischen Raum gut bezeugt, Tacitus beschreibt sie später ausführlich, und ein Teil der Forschung liest die Szene als Beschreibung eines geplanten Menschenopfers. Beweisen lässt sich das aus Caesars Sätzen allein nicht; er schreibt nur, was sein Freund ihm sagte.

Zweitens die Erzählabsicht. Caesar gebraucht für den Helvier ausgerechnet die großen römischen Wertwörter: virtus, humanitas, fides. Er nennt ihn den ehrenwertesten Mann der Provinz. Und er stellt seine Freude über die Rettung neben den Sieg über ein ganzes Heer. Der französische Forscher Christian Goudineau hat sogar darauf hingewiesen, wie merkwürdig es ist, dass Caesar eigens betont, dieser Gallier spreche Gallisch – als sei das erklärungsbedürftig. Möglicherweise war Procillus so römisch erzogen, dass seine Muttersprache erwähnenswert wurde. Es bleibt eine Vermutung; aber sie passt zu allem anderen.

Sammelplatz für den Marsch durch den Schnee

52 v. Chr. wird das Helvierland militärisch wichtig. Lucterius, ein Cadurker im Dienst des Vercingetorix, zieht die Ruteni auf die Seite der Arverner, nimmt Geiseln bei Nitiobrogen und Gabalern und stößt Richtung Narbo gegen die Provinz vor. Caesar eilt herbei, legt Besatzungen aus und befiehlt, einen Teil seiner Truppen samt den Verstärkungen aus Italien „bei den Helviern, die an das Gebiet der Arverner grenzen", zu sammeln.

Von dort startet einer der berühmtesten Märsche des ganzen Krieges. Caesar bricht mitten im Winter über die Cevennen auf, die – wie er selbst schreibt – die Arverner von den Helviern trennen, lässt Schnee von sechs Fuß Höhe wegräumen und fällt in ein Land ein, das sich hinter dem Gebirge „wie hinter einer Mauer" sicher glaubte. Das Land der Helvier war das Sprungbrett.

Der Tod des Donnotaurus

Der Preis dafür kam im selben Jahr. Vercingetorix schickte die Gabaler und die nächstgelegenen Gaue der Arverner gegen die Helvier, dazu Ruteni und Cadurker gegen die Volcae Arecomici, und ließ zugleich die Allobroger bearbeiten. Caesar berichtet dann in einem einzigen, kühlen Satz, was geschah: Die Helvier hätten sich sua sponte – aus eigenem Antrieb, also ohne römischen Befehl – ihren Nachbarn zur Schlacht gestellt und seien geschlagen worden; Gaius Valerius Donnotaurus, Sohn des Caburus und Erster des Gemeinwesens, sei mit vielen anderen gefallen, der Rest in ihre Städte und Mauern zurückgedrängt worden.

Das ist derselbe Familienname. Donnotaurus – keltisch wohl etwa „edler Stier" – war der Bruder jenes Mannes, den Caesar zwölf Jahre zuvor persönlich aus den Ketten geholt hatte. Die Familie, die Rom das Bürgerrecht verdankte, bezahlte für Rom mit ihrem Oberhaupt. Über das weitere Schicksal des Procillus schweigen die Quellen vollständig.

Die Rechnung von Massilia

Ein Detail zeigt, wie wenig romantisch dieses Bündnis war. In seinem Bericht über den Bürgerkrieg lässt Caesar die Gesandten von Massilia erklären, sie schuldeten beiden Feldherren etwas: Pompeius habe ihnen öffentlich Ländereien der Volcae Arecomici und der Helvier überlassen, Caesar ihnen die unterworfenen Salluvier zugewiesen. Mit anderen Worten: Rom hatte helvisches Land verschenkt, an eine griechische Stadt, als politische Belohnung.

Warum, sagt Caesar nicht. Die verbreitete Erklärung – die Helvier hätten in den 70er Jahren im Krieg gegen Sertorius auf der falschen Seite gestanden und seien dafür bestraft worden – ist eine plausible Rekonstruktion der Forschung, keine Quellenaussage. Ebenso ist die oft gelesene Folgerung, Caesar habe ihnen das Land nach der Niederlage Massilias zurückgegeben, eine Schlussfolgerung und kein überlieferter Vorgang.

Alba Helviorum: Hauptstadt im Weinberg

Die römerzeitliche Hauptstadt der civitas Helviorum lag bei dem heutigen Dorf Alba-la-Romaine am Fuß des Coiron. Plinius führt sie als Stadt lateinischen Rechts, bei Ptolemaios begegnet der Name Alba Augusta, den man üblicherweise – aber nicht beweisbar – auf denselben Ort bezieht. Ausgegraben wird dort seit dem frühen 19. Jahrhundert, systematisch seit den 1930er Jahren und wieder ab 1964.

Das Bild, das sich ergibt: eine Stadt von rund 30 Hektar mit einem geschätzten Umfang von etwa vier Kilometern, mit monumentalem Zentrum, Forum, Thermen, Wohnhäusern mit Mosaiken und Hypokausten, einem Heiligtum, das über eine Prozessionsstraße mit dem Stadtzentrum verbunden war, und einem sorgfältig gebauten Wasserleitungsnetz. Das Theater entstand in drei Phasen – zuerst als Holz-Erde-Bau am Bachufer, dann in claudischer Zeit, dann im frühen 2. Jahrhundert – und fasste in seiner ausgebauten Form nach heutiger Schätzung etwa 3.000 Zuschauer, auf 22 Sitzreihen. Eine belastbare Einwohnerzahl der Stadt gibt es nicht; alle Zahlen, die dazu kursieren, sind Hochrechnungen.

Von Alba nach Viviers – und der Wein mit Fragezeichen

Vom 3. Jahrhundert an mehren sich in Alba die Zeichen des Rückzugs: Das Theater wird aufgegeben, Steine des Heiligtums werden anderweitig verbaut. Der Bischofssitz wandert an die Rhône nach Viviers, dem lateinischen Vivarium – daher der Landschaftsname Vivarais und damit, über Umwege, die Identität einer ganzen Region. Ob dieser Umzug im 4. oder erst im 5. Jahrhundert erfolgte, ist in der Literatur nicht einheitlich beantwortet.

Bleibt der Wein. Marcel Le Glay beschrieb Alba als Mittelpunkt einer Agrarlandschaft mit deutlichem Schwerpunkt auf dem Weinbau; eine Inschrift nennt mehrere Berufsverbände der Stadt, darunter die utricularii, die man mit dem Transportwesen und damit oft mit dem Weinhandel verbindet – eine Deutung, kein Wortlaut. Häufig wird zusätzlich Plinius bemüht, der eine ertragreiche Rebsorte namens helvennaca beschreibt. Der Name klingt verlockend. Aber Plinius stellt an dieser Stelle selbst keine Verbindung zu den Helviern her; sein Rosinenwein-Beispiel gilt ausdrücklich den Vocontiern. Wir führen den Punkt deshalb als offen: hübsch, ungesichert, nicht als Tatsache verkaufbar.

Ein Helvier am Rhein

Zum Schluss ein Fund, der die Helvier überraschend nahe an unsere Werkstatt heranholt. Im nördlichen Bonn hat sich ein römischer Grabstein erhalten, den man für den ältesten bekannten Bonner Grabstein hält. Die Inschrift lautet: P(ublio) Clodio P(ubli) f(ilio) Vol(tinia) Alb(a) mil(iti) leg(ionis) I an(norum) XLIIX stip(endiorum) XXV h(ic) s(itus) e(st) – Publius Clodius, Sohn des Publius, aus der Tribus Voltinia, aus Alba, Soldat der ersten Legion, 48 Jahre alt, 25 Dienstjahre, hier liegt er.

„Alba" allein ist kein eindeutiger Ortsname; es gab mehrere. Die Tribus Voltinia weist aber in die Narbonensis, und deshalb gilt Alba Helviorum als die wahrscheinlichste Heimat dieses Mannes. Wenn das stimmt, dann diente ein Sohn jenes kleinen Volks vom Rhôneufer in der Legio I Germanica am Niederrhein und wurde bei Bonna begraben – rund tausend Kilometer von den Cevennen entfernt, keine sechzig von unserer Werkstatt in Alsdorf. Über solche Wege verband das Imperium seine Ränder.

Was belegt ist

Die Helvier waren eine keltische civitas westlich der Rhône, innerhalb der römischen Provinz. Caesar bezeugt sie als Grenzvolk (BG VII,7–8: Sammelplatz und Ausgangspunkt des Cevennen-Marsches). Gaius Valerius Caburus erhielt das Bürgerrecht von C. Valerius Flaccus; sein Sohn diente Caesar 58 v. Chr. als Dolmetscher (BG I,19) und Gesandter zu Ariovist (BG I,47), wurde in Ketten gelegt und in der Schlacht befreit, wobei dreimal das Los über sein Verbrennen befragt worden war (BG I,53). 52 v. Chr. wurden die Helvier geschlagen; Gaius Valerius Donnotaurus, Caburus' Sohn und princeps civitatis, fiel (BG VII,65). Caesar erwähnt im Bürgerkriegsbericht, dass Pompeius helvisches Land an Massilia vergab (BC I,35). Strabon nennt sie Ἐλουοί; Plinius führt „Alba Helvorum" unter den Städten lateinischen Rechts (NH III,36). Archäologisch gesichert sind die Höhensiedlungen von Jastres (Grabungen 1974–1993) und die Stadt von Alba-la-Romaine mit Forum, Thermen, Heiligtum, Wasserleitung und dreiphasigem Theater.

Was Deutung ist

„Procillus" und „Troucillus" sind zwei Handschriftenformen; dass es sich um einen Mann handelt, ist Konsens, aber Rekonstruktion, und keine der beiden Schreibungen ist bewiesen. Die Helvier waren weder ein germanisches noch ein ligurisches Volk – dafür gibt es keine antike Aussage. Sie sind auch nicht mit den Helvetiern identisch: Beide Namen teilen wahrscheinlich das keltische Element elu- („viel, reich"), was Verwandtschaft der Namen bedeutet, nicht der Völker. Dasselbe gilt für die germanischen Helveconen bei Tacitus – reine Namensähnlichkeit. Ein helvisches Druidenzentrum ist frei erfunden; keine Quelle erwähnt Druiden bei ihnen. Die Verknüpfung der Rebsorte helvennaca mit den Helviern steht nicht bei Plinius. Dass die Helvier für die Unterstützung des Sertorius bestraft wurden und Caesar ihnen das Land später zurückgab, ist Forschungsdeutung, kein Quellentext. Auch die Zuweisung des Bonner Grabsteins an Alba Helviorum ist wahrscheinlich, aber nicht beweisbar, und Einwohnerzahlen für Alba sind Schätzungen.

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