Ein Germanenstamm, dem die Römer so weit vertrauten, dass er frei bei ihnen Handel treiben durfte: Die Hermunduren waren Roms verlässlichste Nachbarn im Binnenland – und kämpften mit den Chatten einen erbitterten Krieg um Salz.
Die Hermunduren waren ein germanischer Stamm im Binnenland, etwa im Gebiet der oberen Elbe, im heutigen Thüringen/Franken. Tacitus hebt sie besonders hervor: Sie galten als so treu und zuverlässig, dass sie als einzige Germanen ohne Aufsicht in den römischen Provinzen handeln durften – ein einzigartiges Privileg.
„Ihnen allein unter den Germanen wird nicht nur am Ufer, sondern tief im Inneren Handel gestattet."nach Tacitus, Germania 41 (gemeinfrei, eigene Übersetzung)
Tacitus berichtet auch von einem denkwürdigen Konflikt: Um 58 n. Chr. kämpften die Hermunduren gegen die Chatten um einen heiligen Fluss reich an Salz. Beide Seiten weihten im Voraus das feindliche Heer den Göttern (Mars und Merkur) – ein Gelübde, das die Vernichtung des Gegners bedeutete. Die Hermunduren siegten. Die Stelle zeigt, wie eng bei den Germanen Wirtschaft, Krieg und Religion verflochten waren: Salz war lebenswichtig – und heilig.
Nach der Völkerwanderungszeit verlieren sich die Hermunduren aus den Quellen. Vieles spricht dafür, dass sie in dem neuen Verband aufgingen, aus dem das Volk der Thüringer hervorging – auch hier wurde aus einem antiken Stamm eine spätere Landschaft.
Die Hermunduren zeigen die andere Seite der Germanen: nicht nur Krieger, sondern Händler – und ein Volk, für das ein salziger Fluss heilig genug war, um dafür ein ganzes Heer den Göttern zu weihen. Verwandt sind sie mit den Sueben und Nachbarn der Chatten.

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