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Harald Hardrada – Söldner in Byzanz, König von Norwegen, gefallen bei Stamford Bridge

Geschichte & Funde Harald Hardrada – Söldner in Byzanz, König von Norwegen, gefallen bei Stamford Bridge

Harald Hardrada (altnordisch Haraldr harðráði, „der Hartherrschende“, eigentlich Harald Sigurðarson) war ein norwegischer Königssohn, der 1030 bei Stiklestad als Halbwüchsiger floh, in der Kiewer Rus und in der byzantinischen Warägergarde diente, ab 1046 König von Norwegen wurde und am 25. September 1066 bei Stamford Bridge in England fiel. Hier erfährst du, was zeitgenössische griechische und englische Quellen über ihn sagen, was erst die isländischen Sagas erzählen – und warum das Etikett „letzter Wikinger“ mehr Mythos als Befund ist.

Ein Fünfzehnjähriger liegt verwundet auf einem Schlachtfeld in Trøndelag. Sein Halbbruder, der König, ist tot. Wer ihn findet, wird ihn erschlagen. Sechsunddreißig Jahre später steht derselbe Mann mit einem Heer vor York, hat Konstantinopel, Kiew und Sizilien gesehen, ist König von Norwegen und will auch noch England. Wenige Tage später ist er tot. Dazwischen liegt eines der unwahrscheinlichsten Leben des 11. Jahrhunderts – und eines der am besten erzählten.

Genau da liegt das Problem: Harald Sigurðarson ist für uns heute zum großen Teil eine Sagafigur. Die ausführlichsten Erzählungen über ihn stammen aus Island, rund 150 Jahre nach seinem Tod: die Morkinskinna (um 1220), die Fagrskinna und vor allem die Haralds saga Sigurðarsonar in der Heimskringla des Snorri Sturluson (um 1230). Diese Texte stützen sich auf Skaldenstrophen, die teils noch zu Haralds Lebzeiten gedichtet wurden – das ist ihr Schatz. Daneben sehen ihn einige Quellen von außen: der Byzantiner Kekaumenos, die Angelsächsische Chronik, Adam von Bremen.

Herkunft: der jüngste Halbbruder Olafs des Heiligen

Harald wurde um 1015 geboren, vermutlich in Ringerike im südöstlichen Norwegen. Sein Vater war Sigurd Syr („die Sau“), ein Kleinkönig in Ringerike. Seine Mutter Åsta Gudbrandsdatter war in erster Ehe mit Harald Grenske verheiratet gewesen; aus dieser Ehe stammte Olaf Haraldsson, der spätere heilige Olaf. Harald war also Olafs jüngerer Halbbruder – ein Verwandtschaftsverhältnis, das er sein Leben lang politisch nutzen sollte.

Olaf war 1015 König von Norwegen geworden, wurde aber 1028 von Knut dem Großen und den mit ihm verbündeten norwegischen Großen aus dem Land gedrängt. Wie es dazu kam, erzählen wir ausführlich im Beitrag über Knut den Großen. 1030 kehrte Olaf aus dem Exil in der Rus zurück, um sein Reich zurückzuerobern. Am 29. Juli 1030 traf er bei Stiklestad auf ein Bauernheer – und fiel. Harald kämpfte nach den Sagas auf Olafs Seite, war fünfzehn Jahre alt und wurde schwer verwundet. Ein Bauer soll ihn versteckt und gepflegt haben, bevor er über die Berge nach Schweden entkam.

Gesichert: Die Schlacht von Stiklestad 1030 und Olafs Tod sind gut bezeugt. Haralds Teilnahme kennen wir aus den Königssagas und aus Skaldenstrophen; dass er dort fünfzehn war, ist Sagaangabe und passt zu einer Geburt um 1015.

Kiewer Rus: im Dienst Jaroslaws des Weisen

Um 1031 erreichte Harald die Kiewer Rus, wahrscheinlich zuerst Staraja Ladoga, das alte Aldeigjuborg der Sagas. Dort herrschte Großfürst Jaroslaw der Weise, der mit Ingegerd, einer schwedischen Königstochter, verheiratet war.

Die Sagas lassen Harald einige Jahre als Anführer in Jaroslaws Gefolge dienen. Er habe um Jaroslaws Tochter Elisabeth – altnordisch Ellisif oder Elisiv – geworben und sei abgewiesen worden, weil er weder Land noch Schatz besaß. Ob diese Werbung wirklich schon damals stattfand, wissen wir nicht. Sicher ist nur das Ende: Nach seiner Rückkehr aus Byzanz, um 1043/44, heiratete Harald Ellisif tatsächlich.

Harald selbst hat diese Geschichte in Verse gefasst. In den sogenannten Gamanvísur („Scherzstrophen“ oder „Vergnügungsverse“), die die Sagas ihm zuschreiben, rühmt er seine Taten zur See und auf dem Schlachtfeld – und jede Strophe endet sinngemäß mit der Klage, dass ihn trotzdem eine Frau in Garðaríki, dem Land der Rus, verschmähe.

Nach wenigen Jahren in der Rus zog Harald mit einem Gefolge weiter nach Süden, den Dnjepr hinab über den Weg von den Warägern zu den Griechen, Richtung Konstantinopel. Das war wahrscheinlich 1034, vielleicht auch etwas früher.

Die Warägergarde: was eine griechische Quelle über Harald sagt

In Konstantinopel – nordisch Miklagarðr, „die große Stadt“ – trat Harald in die Warägergarde ein. Diese Leibwache der byzantinischen Kaiser bestand seit Ende des 10. Jahrhunderts aus Kriegern aus der Rus und Skandinavien; später kamen viele Engländer hinzu. Waräger (griechisch Varangoi, altnordisch Væringjar) bedeutet vermutlich so viel wie „Eidgenossen“, Männer, die durch einen Treueid gebunden sind. Wie sich Waräger, Rus und Normannen begrifflich unterscheiden, erklären wir im Beitrag Wikinger, Normannen, Waräger.

Und jetzt kommt das Besondere: Für Haralds Byzanz-Zeit haben wir nicht nur die Sagas, sondern eine zeitgenössische griechische Quelle. Der byzantinische Offizier Kekaumenos schrieb in den 1070er-Jahren eine Sammlung von Ratschlägen und Anekdoten, die in der deutschen und englischen Literatur oft als Strategikon bezeichnet wird (lateinisch auch Consilia et narrationes). Darin erzählt er von einem gewissen Araltes – Harald –, Sohn eines Königs von „Varangia“, dessen Bruder Julavos (Olaf) dort König gewesen sei.

Kekaumenos berichtet in groben Zügen: Harald kam unter Kaiser Michael IV. (reg. 1034–1041) mit rund 500 tapferen Männern nach Konstantinopel. Der Kaiser schickte ihn nach Sizilien, wo das römische, also byzantinische Heer Krieg führte. Nach der Unterwerfung der Insel kehrte er zurück und erhielt den Rang eines manglabites – eines Angehörigen der kaiserlichen Leibwache, die mit Stöcken den Weg freimachte. Danach kämpfte er in Bulgarien gegen den Aufstand des Deljan und erhielt dafür den Titel spatharokandidatos. Unter Kaiser Konstantin IX. Monomachos wollte Harald heimkehren, durfte nicht und entwich heimlich. Daheim herrschte er an Stelle seines Bruders – und blieb, so Kekaumenos, den Griechen gegenüber treu und freundlich gesinnt.

Warum Kekaumenos so wertvoll ist: Er schreibt unabhängig von der nordischen Überlieferung, nur wenige Jahrzehnte nach den Ereignissen, und er hat kein Interesse daran, Harald zu glorifizieren. Die Bestätigung von Sizilien, Bulgarien, rund 500 Gefolgsleuten und der heimlichen Abreise ist ein Glücksfall.

Sizilien unter Maniakes und der „Bulgarenverbrenner“

Ab 1038 versuchte Byzanz unter dem Feldherrn Georgios Maniakes, Sizilien den Arabern abzunehmen. Im Heer kämpften Waräger, lombardische Kontingente und normannische Söldner – darunter Männer, die später das normannische Süditalien aufbauen sollten (mehr dazu bei den Normannen in Süditalien). Messina und Syrakus wurden eingenommen, doch der Feldzug zerfiel, als Maniakes nach Konstantinopel zurückgerufen wurde.

Die Sagas erzählen aus dieser Zeit mehrere Belagerungen, die Harald mit List gewonnen habe. Die berühmteste: Er habe Vögel aus der belagerten Stadt eingefangen, ihnen Splitter aus geteertem Holz auf den Rücken gebunden, angezündet und zurückfliegen lassen – die Vögel setzten die Dächer in Brand. Den Ort nennt Snorri nicht. Auffällig ist, dass genau dieser Trick schon der Fürstin Olga von Kiew zugeschrieben wird und in ähnlicher Form auch anderswo erscheint. Hier haben wir es mit einem Wandermotiv zu tun, nicht mit einem Kriegsbericht.

Besser abgesichert ist Bulgarien. 1040/41 erhob sich Peter Deljan gegen die byzantinische Herrschaft; Michael IV. zog 1041 selbst gegen die Aufständischen. Kekaumenos bestätigt Haralds Teilnahme. Haralds Skalde Þjóðólfr Arnórsson nennt ihn in einer Strophe den „Bulgarenverbrenner“ (Bolgara brennir) – ein deutliches Echo des berühmten Beinamens Kaiser Basileios’ II., des „Bulgarentöters“.

Die Blendung Michaels V. – Saga gegen byzantinische Quellen

Im Dezember 1041 starb Michael IV. Sein Neffe Michael V. folgte ihm, ließ im April 1042 die beliebte Kaiserin Zoe ins Kloster verbannen und löste damit einen Volksaufstand in Konstantinopel aus. Der Kaiser floh in ein Kloster, wurde herausgeholt und geblendet. Das ist durch den Augenzeugen Michael Psellos in seiner Chronographia gut beschrieben.

Snorri erzählt die Geschichte ganz anders. Harald sei zuvor auf Befehl Zoes ins Gefängnis geworfen worden – angeblich, weil er Gold aus der Kriegsbeute unterschlagen oder weil er um eine junge Verwandte der Kaiserin geworben habe. Eine vornehme Frau habe ihn mit Hilfe des heiligen Olaf befreit, worauf Harald mit seinen Warägern den Kaiser gefangen genommen und ihm die Augen ausgestochen habe. Die Saga beruft sich dafür auf die Skalden Þórarinn Skeggjason und Þjóðólfr, die tatsächlich sagen, Harald habe den Kaiser blenden lassen.

Mythos-Check: Dass Harald persönlich Rache an Michael V. nahm, ist nicht belegt. Psellos, der die Szene als Augenzeuge schildert, erwähnt Harald nicht. Möglich ist, dass Harald als Offizier der Garde dabei war, als der gestürzte Kaiser abgeführt und geblendet wurde – Leibwachen standen bei solchen Vorgängen bereit. Seine Skalden haben daraus Haralds Tat gemacht. Die Geschichte vom Gefängnis, der Befreiung und der Liebe zur Kaiserinnen-Nichte gehört eher in die Kategorie Abenteuerroman.

1042 oder 1043 verließ Harald Konstantinopel ohne Erlaubnis. Nach den Sagas sprang er nachts mit zwei Schiffen über die Sperrkette im Bosporus, indem die Ruderer erst nach hinten, dann nach vorn liefen; ein Schiff zerbrach dabei. Kekaumenos bestätigt zumindest die heimliche Flucht. Seine Beute schickte Harald voraus zu Jaroslaw nach Kiew – und es muss viel gewesen sein.

Rückkehr: Ellisif, Magnus und ein geteiltes Königtum

Zurück in der Rus heiratete Harald um 1043/44 Ellisif, die Tochter Jaroslaws. Im Winter 1045/46 zog Harald nach Schweden, wo er sich mit Sven Estridsen verbündete, der ebenfalls Ansprüche geltend machte – nämlich auf Dänemark.

In Norwegen herrschte inzwischen Magnus der Gute, Olafs Sohn, der 1035 aus der Rus zurückgeholt worden war und seit 1042 auch König von Dänemark war. 1046 einigte sich Harald mit seinem Neffen Magnus auf ein Mitkönigtum. Harald erhielt die Hälfte Norwegens und musste dafür die Hälfte seines Byzanz-Schatzes abgeben. Magnus behielt den Vorrang. Diese Doppelherrschaft hielt nur ein Jahr: 1047 starb Magnus in Dänemark, ohne Erben. Harald war nun Alleinherrscher in Norwegen, während Sven Estridsen in Dänemark König wurde.

Nach den Sagas heiratete Harald um 1048 noch eine zweite Frau, Tora Torbergsdatter, aus einer mächtigen norwegischen Familie. Ob Ellisif da noch lebte, ist umstritten. Toras Söhne Magnus und Olaf wurden Könige – Olaf Kyrre („der Ruhige“) regierte nach Haralds Tod lange und friedlich.

König von Norwegen: harte Hand und Münzmonopol

Der Beiname harðráði bedeutet etwa „der hart Regierende“ oder „der von hartem Entschluss“. In älteren Quellen erscheint er noch selten; in Norwegen heißt Harald meist einfach Harald Sigurðarson, und „Hardrada“ ist vor allem im Englischen populär geworden. Verdient hat er ihn wohl. Harald setzte die Königsmacht mit großer Brutalität durch.

Um 1050 ließ er den mächtigen Trønder Einar Tambarskjelve und dessen Sohn in Nidaros (Trondheim) ermorden, nachdem Einar mit einem eigenen Gefolge in der Stadt aufgetreten war. Die alten Machtgeflechte der Jarle, die wir im Artikel über die Lade-Jarle beschreiben, waren damit endgültig gebrochen. 1064/65 schlug Harald einen Aufstand im Oppland nieder, ließ Höfe verbrennen und Bauern töten oder verstümmeln, weil sie Abgaben verweigert hatten.

Zugleich war Harald ein moderner Herrscher. Er setzte ein königliches Münzmonopol durch: Nur noch Münzen des Königs sollten im Land gelten. Dass seine Pfennige im Lauf der Regierung deutlich an Silbergehalt verloren, brachte ihm Einnahmen und zeigt, dass er das Münzwesen als Herrschaftsinstrument verstand. Die Sagas schreiben ihm außerdem die Gründung von Oslo zu. Archäologisch ist der Ort älter; Harald hat ihn eher zu einem königlichen Stützpunkt ausgebaut als gegründet.

Krieg mit Sven Estridsen und die Zerstörung Haithabus

Von 1048 bis 1064 führte Harald nahezu jährlich Krieg gegen Sven Estridsen von Dänemark. Es war ein zermürbender Raubkrieg an den Küsten, ohne entscheidenden Sieg. Um 1049/50 – die Datierungen schwanken – fiel der wichtigste Handelsort des Nordens in die Hände seiner Flotte: Haithabu an der Schlei.

Snorri berichtet, Haralds Heer sei bis nach Haithabu gezogen, habe die Handelsstadt genommen und niedergebrannt. Als Beleg zitiert er die Strophe eines Gefolgsmannes Haralds, nach der „ganz Haithabu“ im Zorn brannte; auch der Skalde Þorleikr fagri („der Schöne“) spielt in einem Gedicht auf Sven auf den Brand an. Eine weitere zeitgenössische Strophe des Isländers Valgarðr á Velli schildert einen dänischen Raubzug Haralds, bei dem Frauen gefesselt zu den Schiffen geführt wurden – ein ungeschöntes Bild dessen, was „Wikingerkrieg“ für die Betroffenen hieß.

Quellenlage Haithabu: Die Zerstörung um 1050 kennen wir aus Skaldik und Saga, nicht aus einer dänischen oder deutschen Chronik. Das Ende Haithabus war ein Prozess: Nach einem weiteren Angriff durch Westslawen 1066 wurde der Ort aufgegeben, und Schleswig auf der Nordseite der Schlei übernahm seine Rolle.

Den Höhepunkt des Krieges bildete die Seeschlacht an der Nissan (Niså) an der Küste von Halland am 9. August 1062. Harald siegte, Sven entkam. 1064 schlossen beide einen Frieden, in dem jeder sein Reich behielt. Für Harald war der Weg frei für ein neues Ziel.

Skalde und Dichter: der König, der selbst Verse schmiedete

Harald war nicht nur Auftraggeber von Skalden – an seinem Hof wirkten unter anderem Þjóðólfr Arnórsson, Arnórr jarlaskáld, Stúfr der Blinde und Valgarðr á Velli –, sondern dichtete auch selbst. Von ihm sind Lausavísur (Einzelstrophen) und die erwähnten Gamanvísur überliefert. In einer bekannten Strophe zählt er seine Fertigkeiten auf, darunter Dichtkunst, Reiten, Schwimmen, Skilauf, Schießen, Rudern und Harfenspiel. Einen ganz ähnlichen Katalog dichtete ein Jahrhundert später Jarl Rögnvaldr Kali von Orkney. Hier zeigt sich ein Ideal des vollkommenen Herrn, nicht ein Lebenslauf.

1066: Fulford, York und der Weg nach England

Haralds Anspruch auf England war dünn, aber nicht aus der Luft gegriffen. Er berief sich auf eine Vereinbarung zwischen Magnus dem Guten und Hardeknut, dem Sohn Knuts des Großen: Wer den anderen überlebe, solle dessen Reich erben. Als Eduard im Januar 1066 starb und Harold Godwinson sich krönen ließ, sah Harald seine Chance. Angestachelt wurde er von Tostig, dem verbannten Bruder Harolds und früheren Earl von Northumbrien.

Im Spätsommer 1066 segelte Harald mit einer großen Flotte über die Orkneys nach England. Zwei Fassungen der Angelsächsischen Chronik nennen 300 Schiffe; moderne Schätzungen kommen auf vielleicht 10.000 bis 15.000 Mann, was eine grobe Größenordnung bleibt. Tostig stieß mit eigenen Schiffen dazu. Die Flotte fuhr den Humber und die Ouse hinauf und landete bei Riccall südlich von York.

Am 20. September stellten sich die Earls Edwin und Morcar den Norwegern bei Fulford entgegen und wurden geschlagen. York ergab sich und sollte Geiseln stellen. Harald zog sein Heer ab, um die Übergabe bei Stamford Bridge, einem Flussübergang über den Derwent etwa zwölf Kilometer östlich von York, abzuwarten. Ein Teil der Truppen blieb bei den Schiffen in Riccall.

Stamford Bridge, 25. September 1066

Was dann geschah, ist der berühmteste Überfall des englischen Mittelalters. Harold Godwinson war in wenigen Tagen aus dem Süden heraufmarschiert, sammelte sein Heer am 24. September in Tadcaster, zog am nächsten Morgen durch York und stand am 25. September vor den völlig überraschten Norwegern. Die Angelsächsische Chronik betont genau diese Überraschung und berichtet, dass bis spät in den Tag gekämpft wurde und auf beiden Seiten unzählige Männer fielen. Harald und Tostig wurden erschlagen. Ausführlich schildern wir den Ablauf im Beitrag zur Schlacht von Stamford Bridge.

Snorris Version ist farbiger. Die Norweger hätten an diesem warmen Tag ihre Kettenhemden bei den Schiffen gelassen. Vor der Schlacht sei ein Reiter aus dem englischen Heer herangekommen und habe Tostig die Rückkehr in sein Earldom angeboten. Und Harald von Norwegen, fragte Tostig? Darauf die berühmte Antwort, die Snorri dem englischen Unterhändler in den Mund legt, sinngemäß: Ihm werde man sieben Fuß englischer Erde geben – oder so viel mehr, wie er größer sei als andere Männer. Erst danach habe Harald erfahren, dass der Reiter König Harold selbst gewesen sei. Eine prächtige Szene – und ziemlich sicher eine literarische.

Nach Snorri dichtete Harald vor dem Kampf eine Strophe, fand sie schlecht und machte sofort eine bessere, deren Kern lautet: Wir kriechen nicht hinter den Schild, auch wenn die Waffen dröhnen. Wenig später traf ihn ein Pfeil in die Kehle. Ein Entsatzheer unter Eystein Orri, das von den Schiffen herbeigeeilt war, ohne Rüstung und erschöpft vom Lauf, wurde ebenfalls aufgerieben – die Sagas nennen diesen letzten Ansturm „Orris Sturm“.

Mythos-Check – der Mann auf der Brücke: Die Geschichte vom riesenhaften Norweger, der die Brücke allein gegen das ganze englische Heer hielt, bis ein Engländer unter die Brücke gelangte und ihn von unten durchbohrte, steht nicht im ursprünglichen Text der Chronik. Sie ist ein Nachtrag des 12. Jahrhunderts zur Fassung C; das Fass, in dem der Engländer angeblich heranschwamm, ist eine noch spätere Ausschmückung. Eine gute Legende, aber kein Augenzeugenbericht.

Die Verluste waren gewaltig. Harold ließ Haralds Sohn Olaf und die Orkney-Jarle Paul und Erlend gegen einen Eid abziehen; nach der Chronik reichten etwa zwei Dutzend Schiffe, um die Überlebenden heimzubringen. Der anglonormannische Mönch Orderic Vitalis schrieb rund zwei Generationen später, auf dem Schlachtfeld liege noch immer ein großer Berg von Gebeinen. Haralds Leichnam wurde nach Norwegen gebracht und in der Marienkirche in Nidaros beigesetzt, später in das Kloster Helgeseter umgebettet, das im 17. Jahrhundert abgerissen wurde.

Neunzehn Tage nach Stamford Bridge, am 14. Oktober 1066, fiel Harold Godwinson bei Hastings gegen Wilhelm von der Normandie – einen Nachfahren Rollos und damit ebenfalls einen Mann mit nordischen Wurzeln.

Mythos-Check: War Harald der „letzte Wikinger“?

Kaum ein Buch und kaum eine Dokumentation kommt ohne das Etikett aus: Harald Hardrada, der letzte Wikinger, mit dessen Tod die Wikingerzeit endet. Das ist eine moderne Setzung, keine mittelalterliche. Keine Quelle des 11. oder 13. Jahrhunderts nennt ihn so. Das Datum 1066 ist für Lehrbücher bequem, weil es mit der normannischen Eroberung Englands zusammenfällt. Auch wir verwenden es als Faustregel.

Aber die Faustregel hat Löcher. 1069/70 schickte Sven Estridsen eine dänische Flotte nach England, die York plünderte; 1075 folgte eine weitere. Knut der Heilige plante 1085 eine große Invasion, die nie auslief. Der Norweger Magnus Barfuß unternahm 1098 und 1102/03 Kriegszüge in die Irische See und fiel 1103 in Ulster. Die Hebriden und die Isle of Man blieben bis 1266 unter norwegischer Herrschaft. „Letzter Wikinger“ beschreibt ein Gefühl: Mit Harald endet die Zeit, in der ein skandinavisches Heer ernsthaft um die Krone Englands kämpfte. Mehr nicht.

Die Runen am Piräus-Löwen: war Harald dabei?

Im Arsenal von Venedig steht ein drei Meter hoher Marmorlöwe aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Er stand ursprünglich im Hafen von Piräus bei Athen; der venezianische Feldherr Francesco Morosini nahm ihn 1687 als Kriegsbeute mit. Auf seinen Flanken sind in Schlangenbändern, wie man sie von schwedischen Runensteinen kennt, Runen eingeritzt – Graffiti von Skandinaviern, vermutlich Warägern, aus dem 11. Jahrhundert.

Als der dänische Gelehrte Carl Christian Rafn die Inschriften in den 1850er-Jahren deutete, las er unter anderem den Namen Harald heraus, und so entstand die schöne Vorstellung, Harald Hardrada habe hier seine Spuren hinterlassen. Die Inschriften sind jedoch stark verwittert; jede Lesung ist zu großen Teilen Rekonstruktion. Erik Brate (1914) kam zu einer ganz anderen Lesung, die Schweden als Urheber nennt. Heute gilt eine Beteiligung Haralds als unwahrscheinlich: Stil und Datierung der Ornamentik weisen eher in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts, also nach Haralds Abreise aus Byzanz, und sein Name lässt sich nicht sicher lesen.

Was bleibt von Harald Hardrada?

Bleibt am Ende eine Gestalt, die zwei Zeitalter verbindet. Harald begann als Flüchtling in einer Welt, in der ein kühner Mann mit einem Schwert und ein paar Hundert Gefolgsleuten sein Glück zwischen Kiew und Konstantinopel machen konnte. Er endete als König, der Münzen prägte, Bischöfe einsetzte und seine eigenen Untertanen mit Feuer gefügig machte. Gerade die Nähte zwischen zeitgenössischem Kern und späterem Glanz machen seine Geschichte so gut.

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Häufige Fragen

Was bedeutet der Name Hardrada? Altnordisch harðráði bedeutet etwa „der hart Regierende“ oder „von hartem Rat“. Der Beiname ist vor allem im Englischen verbreitet; in Norwegen heißt er meist Harald Sigurðarson oder Harald Hardråde.

Wie ist Harald Hardrada gestorben? Er fiel am 25. September 1066 in der Schlacht von Stamford Bridge bei York gegen König Harold Godwinson. Nach Snorri traf ihn ein Pfeil in die Kehle.

War Harald Hardrada in der Warägergarde? Ja. Neben den Sagas bestätigt das der Byzantiner Kekaumenos, der seine Einsätze auf Sizilien und in Bulgarien sowie seine Hofränge manglabites und spatharokandidatos nennt.

Hat Harald Hardrada den Kaiser Michael V. geblendet? Das behaupten seine Skalden und Snorri. Byzantinische Quellen wie Psellos nennen ihn nicht; möglich ist, dass er als Gardeoffizier beteiligt war, ein Beweis fehlt.

Warum gilt Harald Hardrada als letzter Wikinger? Weil mit seinem Tod 1066 der letzte große skandinavische Versuch scheiterte, England zu erobern. Das Etikett ist modern; Raubzüge und norwegische Herrschaft im Westen gab es noch lange danach.

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Stamford Bridge 1066 · Knut der Große · Leif Eriksson · Rollo von der Normandie · Ragnars Söhne.

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