Wikinger Blog / Geschichte & Funde
Aus dem Wissensarchiv

Die Marser: Ein Stamm, ein Heiligtum, eine Vergeltung

Geschichte & Funde Die Marser: Ein Stamm, ein Heiligtum, eine Vergeltung Sie hüteten ein berühmtes Heiligtum und zahlten dafür einen furchtbaren Preis: Die Marser, ein germanischer Stamm im Westen, und der Tempel der Göttin Tanfana, den Germanicus in einer einzigen Nacht auslöschte.

Die Marser waren ein germanischer Stamm im nordwestlichen Deutschland, etwa zwischen Lippe und Ruhr – im weiteren Umfeld der Cherusker und Brukterer. Sie gehörten zu den Stämmen, die am Aufstand des Arminius gegen Rom beteiligt waren.

Die Zerstörung durch Germanicus

14 n. Chr., im Rachefeldzug nach der Varusschlacht, überfiel der römische Feldherr Germanicus die Marser mitten in der Nacht, während eines Festes. Tacitus berichtet kühl, dass das Heiligtum der Tanfana dem Erdboden gleichgemacht und die Gegend weithin verwüstet wurde. Es ist eine der brutalsten Szenen der römisch-germanischen Kriege – und zeigt, wie gezielt Rom die Heiligtümer der Feinde traf.

„Das bei diesen Völkern berühmteste Heiligtum, das der Tanfana genannt wurde, machten sie dem Boden gleich."nach Tacitus, Annalen I,51 (gemeinfrei, eigene Übersetzung)

Ein Volk zwischen Lippe und Ruhr

Die Marser waren ein germanischer Stamm im Nordwesten, etwa zwischen Lippe und Ruhr. Sie gehörten zu den Völkern, die nach der Varusschlacht 9 n. Chr. in den Kämpfen zwischen Germanen und Rom eine Rolle spielten – und einen der berühmtesten Kultorte Germaniens hüteten.

Das Heiligtum der Tanfana

Im Land der Marser lag das weithin verehrte Heiligtum der Göttin Tanfana. Solche Kultorte waren nicht nur religiöse Zentren, sondern auch Versammlungsplätze und Zeichen der Identität eines ganzen Volkes.

Der Überfall des Germanicus

14 n. Chr. fiel der römische Feldherr Germanicus über die Marser her, als diese ahnungslos ein nächtliches Fest feierten. Nach Tacitus wurde das Heiligtum der Tanfana dem Erdboden gleichgemacht und weite Landstriche verwüstet – ein gezielter Schlag gegen Kult und Volk.

Träger des Adlers

Bei den Marsern wurde einer der drei römischen Legionsadler wiedergefunden, die in der Varusschlacht verloren gegangen waren – ein Zeichen, wie tief sie in die großen Auseinandersetzungen verwickelt waren.

Beleg: Der Überfall auf die Marser und die Zerstörung des Tanfana-Heiligtums 14 n. Chr. sind bei Tacitus (Annalen 1,50–51) bezeugt.
Mythos-Check: Fast alles über die Marser wissen wir aus römischer Feder, die den Feind und den eigenen Sieg schilderte. Über ihren Glauben und Alltag jenseits der Tanfana-Episode ist kaum etwas gesichert.
Was belegt ist: Die Marser als germanischer Stamm im Nordwesten (Tacitus, Strabo). Ihre Beteiligung am Arminius-Aufstand. Das Heiligtum der Göttin Tanfana und seine Zerstörung durch Germanicus 14 n. Chr. (Tacitus, Annalen I,50–51).
Was Deutung ist: Über die Göttin Tanfana wissen wir außer dem Namen nichts Gesichertes; alle Deutungen (Erd- oder Fruchtbarkeitsgöttin) sind Vermutung. Die genaue Lage des Heiligtums ist unbekannt. Und Tacitus schreibt aus römischer Sicht – die „Berühmtheit" des Heiligtums ist seine Einordnung, kein germanischer Selbstbeleg.

Die Marser stehen für die verlorene Götterwelt der westgermanischen Stämme: ein wichtiges Heiligtum, ausgelöscht in einer Nacht – und eine Göttin, von der nur der Name blieb. Mehr im Überblick Germanische Religion.

Glanz & Gravur
Aus unserer Manufaktur: germanische Motive auf Naturschiefer, lasergraviert. Im Shop →

Weiterlesen bei uns

Die Cherusker & Arminius · Die Brukterer · Die germanische Religion · Veleda · Die Chatten.

Quellen & Literatur

Zum Shop Mehr Beiträge

Mehr aus der Geschichte & Funde

Alle Geschichte & Funde-Artikel →

Menzlin: Ein früher Handelsplatz an der Peene

Weiterlesen →

Miklagard und die Warägergarde – Wikinger im Dienst von Byzanz

Für einen Bauern aus Uppland war „die große Stadt" so unvorstellbar wie für uns ein anderer Planet. Konstantinopel …

Weiterlesen →

Das geopferte Heer im Moor

Wer siegte, behielt die Beute nicht immer. In der römischen Kaiserzeit versenkten germanische Sieger die gesamte …

Weiterlesen →

Nordalbingien: Das Grenzland zwischen Franken und Dänen

Weiterlesen →