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Veleda: Die Seherin, deren Wort Krieg und Frieden lenkte

Folklore & Glaube Veleda: Die Seherin, deren Wort Krieg und Frieden lenkte Sie lebte in einem Turm, niemand durfte ihr nahekommen, und doch hörte man auf ihr Wort wie auf das einer Göttin: Veleda war eine germanische Seherin, deren Einfluss selbst die Römer beeindruckte – und ein Fenster in die Macht der Frauen im germanischen Glauben.

Veleda war eine Seherin des germanischen Stammes der Brukterer, die im 1. Jahrhundert n. Chr. am Niederrhein bzw. an der Lippe lebte. Berühmt wurde sie während des Bataveraufstands (69/70): Tacitus berichtet, dass ihr Wort weithin galt und sie sogar zwischen den Aufständischen und Rom vermittelte.

Die Macht der Seherin

Nach Tacitus lebte Veleda zurückgezogen in einem Turm; niemand durfte sie direkt sprechen. Anfragen und Antworten liefen über einen Verwandten, der als Mittler diente – was ihr Ansehen noch steigerte. Sie sagte den Aufständischen den Sieg voraus und wurde „gleichsam wie eine Gottheit" verehrt. Ihr Rat entschied über Krieg und Frieden.

„… sie galt bei vielen als göttlich."nach Tacitus, Historien IV (gemeinfrei, eigene Übersetzung)

Seherinnen im germanischen Glauben

Veleda war kein Einzelfall. Tacitus schreibt, die Germanen hätten manchen Frauen Seher- und Prophetengabe zugetraut und ihren Rat hoch geachtet; er nennt auch eine Seherin namens Albruna. Diese Wertschätzung weiblicher Weisheit zieht sich durch den germanisch-nordischen Glauben – bis zur Völva, der Seherin der Wikingerzeit. Frauen konnten religiöse Autorität haben, wie sie den meisten Männern verwehrt blieb.

Was belegt ist: Veleda als Seherin der Brukterer und ihr großer Einfluss im Bataveraufstand (Tacitus, Historien IV–V; Germania 8). Ihr zurückgezogenes Leben im Turm und die Vermittlung über einen Angehörigen. Die generelle Achtung vor germanischen Seherinnen (Tacitus nennt auch Albruna).
Was Deutung ist: Tacitus schreibt aus römischer Sicht und mit literarischer Absicht; wie genau Veledas „Turm" und ihr Kult aussahen, wissen wir nicht. Ob „Veleda" ein Eigenname oder ein Titel (verwandt mit einem keltischen Wort für „Seherin") war, ist umstritten – ein weiteres Zeichen des germanisch-keltischen Grenzraums.

Veleda zeigt, dass im germanischen Glauben Frauen die höchste geistige Autorität erlangen konnten – ihr Wort wog mehr als das der Heerführer. Mehr zur Seherei im Beitrag über Seiðr und die Nornen.

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