König Hákon der Gute, ein Sohn Harald Schönhaars, kämpfte sein Leben lang gegen die Söhne seines Bruders Erik Blutaxt. Zwei Schlachten wurden legendär – die eine durch eine List, die andere durch seinen Tod.
Hákon der Gute war eine tragische Figur zwischen den Welten. Als jüngster Sohn Harald Schönhaars wurde er am Hof des englischen Königs Æthelstan christlich erzogen – daher sein Beiname „Æthelstans Ziehsohn". Als er nach Norwegen zurückkehrte und die Herrschaft übernahm, herrschte er über ein durch und durch heidnisches Volk, das seinen neuen Glauben nicht teilte. Sein Leben lang musste Hákon zugleich gegen die Söhne seines Bruders Erik Blutaxt kämpfen, die ihm die Krone streitig machten. Zwei Schlachten dieses langen Ringens wurden legendär – die eine durch eine geniale List, die andere durch seinen Tod.
Auf der Insel Frei stand Hákon im Jahr 955 einem zahlenmäßig weit überlegenen Feind gegenüber. Ein weniger kühler Kopf wäre geflohen; Hákon aber griff zu einer Kriegslist, die bis heute in Erinnerung ist. Er ließ zehn Feldzeichen in großem Abstand entlang eines niedrigen Höhenrückens aufstellen, jedes so postiert, dass dahinter ein ganzes verborgenes Heer zu lauern schien. Für die anrückenden Gegner sah es aus, als seien sie von einer gewaltigen, unsichtbaren Streitmacht umzingelt.
Die Wirkung war verheerend – für die Feinde. In der Überzeugung, hoffnungslos eingekesselt zu sein, gerieten sie in Verwirrung und Panik, und Hákon nutzte den Moment zu einem entschlossenen Angriff. Er errang einen glänzenden Sieg, in dem Eriks Sohn Gamli fiel. Rastarkalv wurde zum Musterbeispiel dafür, dass im Krieg des Nordens nicht nur Kraft, sondern auch List und Nervenstärke über Sieg und Niederlage entschieden.
Sechs Jahre später, bei Fitjar auf der Insel Stord, trafen Hákon und die Eriksöhne erneut aufeinander. Wieder kämpfte der König mit großer Tapferkeit, wieder siegte sein Heer. Doch mitten im Triumph traf ihn ein Pfeil in den Arm. Die Wunde schien zunächst harmlos, doch das Blut ließ sich nicht stillen, und noch auf dem Weg zurück verließen den König die Kräfte. Hákon starb an dieser scheinbar kleinen Verletzung – ein Sieger, der seinen Sieg nicht überlebte.
Sein Tod berührte die Menschen tief. Obwohl Hákon Christ war, schätzten ihn seine heidnischen Landsleute so sehr, dass der Skalde Eyvindr skáldaspillir ihm das Hákonarmál dichtete – ein Lied, in dem Odin die Walküren aussendet, um den guten König trotz seines fremden Glaubens nach Walhall zu holen.
„Göndul und Skögul sandte Odin, zu wählen unter den Königen." — Hákonarmál, nach der Heimskringla
Kaum ein Bild fasst den Übergang zweier Zeitalter schöner: Ein christlicher König wird von den alten Göttern heimgeholt, weil er ein guter Herrscher war. In der Erinnerung des Nordens gehörte Hákon beiden Welten an.
Wie bei den meisten Ereignissen der Wikingerzeit ist Vorsicht geboten: Die Sagas wurden erst rund 250 Jahre später aufgeschrieben, und Einzelheiten wie die genaue Zahl der Standarten, die Reden der Anführer oder der dramatische Ablauf sind literarisch ausgestaltet. Der harte Kern aber – zwei Siege Hákons über die Eriksöhne und sein Tod an einer Pfeilwunde bei Fitjar – gilt als historisch, denn er wird durch die zeitnahe Skaldendichtung gestützt, die nur wenig später entstand.
Für uns sind solche Geschichten mehr als Kriegsberichte. Sie erzählen von Klugheit unter Druck, von Tapferkeit, von einem guten Herrscher, dessen Andenken selbst die Grenze zwischen altem und neuem Glauben überdauerte. Wenn wir eine Walküre oder einen König in Schiefer bannen, denken wir an genau solche Gestalten – an Menschen, deren Ruhm die Skalden über tausend Jahre hinweg zu uns getragen haben.

Eyvindr skáldaspillir · Harald Blauzahn · Der Schildwall · Walhall.
Snorri Sturluson, Heimskringla (Hákonar saga góða); Eyvindr, Hákonarmál. Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; skaldic.org.