Ein einziges Mal, im 2. Jahrhundert, taucht der Name der Silingen bei einem Geographen auf. Danach schweigen die Quellen rund zweieinhalb Jahrhunderte lang, bis ein spanischer Bischof berichtet, dass dieser Stamm 411 die Provinz Baetica zugelost bekam und 418 dort „allesamt“ ausgelöscht wurde. Dieser Artikel prüft, was sich über die Silingen tatsächlich sagen lässt, wo die Forschung deutet statt belegt, und welche Rolle der schlesische Berg Ślęża dabei spielt.

Von den Silingen gibt es keine Inschrift, keinen Grabstein, keinen Herrschernamen aus ihrer Frühzeit und keine Schilderung ihrer Bräuche. Was überliefert ist, passt auf wenige Zeilen: Um die Mitte des 2. Jahrhunderts führt sie Klaudios Ptolemaios in seiner Geographie als Volk im Innern Germaniens auf. Dann folgt eine Lücke von mehr als zwei Jahrhunderten. Erst im 5. Jahrhundert erscheinen sie wieder, diesmal bei dem spanischen Bischof Hydatius, der sie als „Vandalen mit dem Beinamen Silingen“ bezeichnet und ihr Ende festhält.
Gerade diese Dürftigkeit macht den Fall lehrreich. Die Vandalen kennen wir als das Volk, das 429 nach Nordafrika übersetzte und Karthago eroberte. Dass dieses Volk aus mehreren Teilverbänden bestand, die in Spanien auf sehr verschiedene Weise endeten, geht im großen Erzählbogen leicht unter. Die Silingen sind einer dieser Teilverbände, und sie liefern ein Beispiel dafür, wie ein ganzer Stamm von zwei Sätzen einer einzigen Chronik abhängt.
Die früheste Erwähnung steht in der Geographie des Ptolemaios, entstanden um die Mitte des 2. Jahrhunderts in Alexandria. Im Kapitel über Germanien (Buch 2, Kapitel 11; die Paragraphenzählung unterscheidet sich je nach Ausgabe, genannt werden meist die Paragraphen 9 und 10) nennt er die Silingai. Er setzt sie „unterhalb“, also südlich, der Semnonen an, jenes suebischen Verbandes, den er zwischen der Elbe und einem Fluss namens Suebos verortet. Die gängige Gleichsetzung des Suebos mit der Oder ist eine Deutung, keine Angabe des Textes.
Mehr sagt Ptolemaios über die Silingen nicht. Er nennt keinen Ort, keinen König, keine Eigenschaft. Der Name steht in einer langen Reihe von Völkern, jeweils mit Positionsangaben, aus denen Kartenzeichner eine Landkarte konstruieren sollten. Ob Ptolemaios die Silingen selbst für Vandalen hielt, geht aus der Stelle nicht hervor. Dass sie zu den Vandalen gehörten, steht erst bei Hydatius, rund dreihundert Jahre später.
Wer aus „südlich der Semnonen“ eine genaue Landschaft ableiten will, überfordert die Quelle. Ptolemaios arbeitete am Schreibtisch, nicht im Gelände. Er rechnete Reiseberichte und Marschrouten in Breiten- und Längengrade um und verzerrte dabei Mitteleuropa merklich: Distanzen sind gestaucht, Küsten verschoben, Flüsse mit falschem Verlauf eingezeichnet. Seine Koordinaten liefern Nachbarschaften, keine Messwerte.
Trotzdem ist die Zuordnung der Silingai zum oberen Odergebiet in der Forschung weit verbreitet, weil sie zu zwei anderen Beobachtungen passt: zur archäologischen Landschaft Schlesiens im 2. Jahrhundert und zu dem Namen, von dem später die Rede sein wird. Mit Sicherheit lässt sich allerdings nur sagen, dass Ptolemaios die Silingai als eigenes Volk im Raum östlich der Elbe und südlich der Semnonen führte. Die genaue Lage bleibt eine Rekonstruktion.
Für das 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. ist das Gebiet zwischen oberer Oder und oberer Weichsel archäologisch gut erforscht. Es gehört zur Przeworsk-Kultur, benannt nach einem Fundort im heutigen Südostpolen. Ihre Merkmale sind Brandbestattungen, bei denen der Leichenbrand in Urnen oder in Gruben beigesetzt wurde, ferner Waffengräber mit zusammengebogenen Schwertern und Lanzenspitzen sowie eine charakteristische Keramik. Viele Forscher verbinden diese Kultur mit den Vandalen und Lugiern der schriftlichen Überlieferung; Kazimierz Godłowski hat dazu grundlegend gearbeitet.
Man sollte aber trennen, was hier belegt ist. Belegt ist ein Fundkreis mit gemeinsamen Zügen, der Schlesien einschließt. Eine Deutung ist es, diesen Fundkreis „vandalisch“ zu nennen. Und eine Deutung auf zweiter Stufe wäre es, einen einzelnen Friedhof oder eine Siedlung den Silingen zuzuschreiben. Kein Fundort trägt einen Namen aus der Antike, und die Przeworsk-Kultur reicht weit über jedes Gebiet hinaus, das ein einzelner kleiner Stamm eingenommen haben kann. Auf die Frage, wo genau die Silingen lebten und was sie von ihren Nachbarn unterschied, antwortet die Archäologie deshalb nicht.
Südöstlich von Breslau (Wrocław) erhebt sich aus der flachen Ebene ein einzelner Granitberg: der Ślęża, deutsch Zobten, 718 Meter hoch. Zu seinen Füßen liegt die Stadt Sobótka, durch das Vorland fließt die Ślęza. Der Berg ist seit der Jungsteinzeit und der Lausitzer Kultur als Kultplatz erkennbar; Wallanlagen und Steinskulpturen auf dem Gipfel belegen eine lange Nutzung, wobei die Datierung der Skulpturen umstritten ist. Man hat sie keltisch, vorgeschichtlich oder frühmittelalterlich eingeordnet.
Mit den Silingen verbindet den Berg eine sprachliche Kette, die so oft wiederholt wird, dass sie wie ein Fakt wirkt. Sie lautet: Der Stammesname Silingi sei in den Namen des Berges, des Flusses und schließlich des Landes eingegangen, aus Ślęża und Ślęza werde Schlesien (polnisch Śląsk). Die Online-Etymologie führt Schlesien tatsächlich auf Berg, Fluss und das Volk der Silingen zurück, mit dem Zusatz „angeblich“. Das ist der richtige Ton. Auf der Gegenseite steht die slawistische Deutung, die Ślęża und Ślęza aus einer slawischen Wurzel mit der Bedeutung „feucht, sumpfig“ ableitet. Der Landesname würde dann nichts mit den Vandalen zu tun haben, sondern mit slawischen Bewohnern, den Ślężanie, die im frühen Mittelalter in der Region siedelten.
Beide Herleitungen sind in der Forschung vertreten, und keine ist bewiesen. Auch die Richtung bleibt offen: Hat der Stamm seinen Namen vom Berg bekommen, oder der Berg vom Stamm? Eine Schriftquelle, die die Silingen am Zobten verortet, gibt es nicht. Auch dass der Berg ein silingisches „Religionszentrum“ gewesen sei, ist eine Annahme, die aus der Namensgleichung folgt und nicht aus einem Befund. Wer sie weitergibt, sollte sie als Hypothese kenntlich machen. Das früheste Zeugnis für die Landschaft selbst ist deutlich jünger: Im Jahr 1017 wird ein pagus Silensi genannt, ein Gau mit einem Namen, der dem heutigen Schlesien schon nahekommt.
Tacitus kennt die Silingen nicht. In Kapitel 43 der Germania nennt er für das Gebiet östlich der Oder die Lugier mit ihren fünf starken Völkern, darunter die Naharvalen (bei Tacitus Nahanarvali), und beschreibt deren Hain mit dem Kult der göttlichen Brüder Alcis. Wie sich Tacitus' Liste zu der des Ptolemaios verhält, haben wir in den Artikeln über die Lugier, die Naharvalen und die Helisier dargestellt und wollen es hier nicht wiederholen.
Für die Silingen ist nur die Querverbindung wichtig. In der Forschung wird erwogen, dass die Silingen ungefähr denselben Raum einnahmen wie die Naharvalen oder unter diesem Namen schon bei Tacitus stecken; J. H. W. G. Liebeschuetz hat diese Möglichkeit in seinem Aufsatz „Gens into Regnum: The Vandals“ (2003) angesprochen. Wer darüber hinaus den Hain der Alcis auf den Zobten legt, verknüpft zwei Hypothesen miteinander. Beweisen lässt sich nichts davon, denn Tacitus nennt weder die Silingen noch einen Ort der Naharvalen. Die Gleichung bleibt eine Möglichkeit unter mehreren.
Nach Ptolemaios wird es still. Plinius der Ältere zählt in seiner Naturgeschichte um 77 n. Chr. die Vandili als große Gruppe auf, zu der er Burgodiones, Varinnae, Charini und Gutones rechnet – die Silingen fehlen. Cassius Dio kennt die Astingen, die unter Mark Aurel in Dakien einfielen; die Silingen kommen bei ihm nicht vor. In den Zeugnissen über die Vandalen und Alanen, die 406 über den Rhein gingen, nennt keine der heute bekannten Quellen den Namen Silingen. Der Brief 123 des Hieronymus von 409 reiht die Völker auf, die Gallien verwüsteten – Quaden, Vandalen, Sarmaten, Alanen, Gepiden, Heruler, Sachsen, Burgunder, Alemannen und Pannonier. Auch hier stehen die Silingen nicht.
Das ist ein auffälliger Befund. Ein Volk, das 411 eine ganze Provinz zugelost bekommt, muss 406 nennenswert groß gewesen sein. Entweder wurden sie in den Berichten unter dem Sammelnamen „Vandalen“ mitgezählt, oder sie schlossen sich dem Zug erst später an, oder die Lieferanten der Nachrichten kannten ihren Namen nicht. Welche Erklärung zutrifft, lässt sich aus den Quellen nicht entscheiden. Klar ist nur: Der Teilstamm, den Hydatius später benennt, ist in den Berichten über den Rheinübergang unsichtbar.
Mit dem Rheinübergang am Ende des Jahres 406 beginnt die Geschichte, die die Silingen schließlich nach Spanien führt. Die spätantike Chronistik überliefert, dass Vandalen, Alanen und Sueben den Strom überschritten; als traditioneller Termin gilt der letzte Tag des Jahres. Den Ort nennen die Quellen nicht ausdrücklich. Die Forschung vermutet den Übergang im Raum Mainz, weil Hieronymus (Brief 123) berichtet, dass die einst berühmte Stadt Mainz erobert und zerstört worden sei und in der Kirche viele Tausend Menschen erschlagen wurden. Das ist die belegte Zerstörung; der Rheinübergang selbst dort ist ein Rückschluss.
Auch die Namen der Beteiligten sind dünn. Gregor von Tours, der hier den verlorenen Historiker Renatus Profuturus Frigeridus ausschreibt, nennt für die Vandalen den König Godegisel, der in einer Schlacht gegen die Franken fiel; die Alanen unter Respendial kamen den bedrängten Vandalen zu Hilfe. Von den Silingen ist keine Rede. Ob sie unter den Männern waren, die den Rhein bei Mainz überschritten, wissen wir nicht. Drei Jahre später, 409, standen die Wanderer in Spanien, und Hydatius hält diesen Moment mit einem Satz fest: Alani, et Vandali, et Suevi Hispanias ingressi, also „Alanen, Vandalen und Sueben betraten Spanien“.
Zwei Jahre später trifft Hydatius die Aussage, auf der unser ganzes Wissen über die Silingen beruht. Nach Hydatius wandten sich die Eindringlinge dem Frieden zu und teilten die spanischen Provinzen unter sich auf, und zwar durch das Los (sortiuntur). Orosius, der um 417 schreibt, erwähnt denselben Vorgang, ohne Namen zu nennen: Die Fremden hätten das Land nach Losen aufgeteilt und besäßen es bis heute.
Hydatius zählt auf. Die Asdingen, die er einfach „Vandalen“ nennt, und die Sueben erhielten Gallaecia, das westliche Ende der Welt am Ozean, also den Nordwesten der Halbinsel. Die Alanen bekamen Lusitanien und die Carthaginiensis. Und die Vandalen „mit dem Beinamen Silingen“ erhielten die Baetica, das fruchtbare Gebiet am Guadalquivir im Süden. Es ist die erste Stelle, an der die Silingen als Vandalen bezeichnet werden, und die einzige Quelle, die ihnen eine Provinz zuweist. Das Wort cognomen bedeutet im Lateinischen einen Zunamen; Hydatius behandelt „Silingi“ demnach als Beinamen innerhalb des Vandalenverbandes, nicht als eigenes Volk neben ihm.
Wer ist dieser Hydatius? Er stammte aus Gallaecia, wurde um 400 geboren, später Bischof von Aquae Flaviae (heute Chaves in Portugal) und schrieb um 468/469 eine Chronik, die Hieronymus' Weltchronik fortsetzt. Er gibt an, als Kind im Osten Hieronymus gesehen zu haben. Seine Chronik ist die wichtigste Quelle für das Spanien des 5. Jahrhunderts, aber sie hat ihre Grenzen. Hydatius schrieb Jahrzehnte nach den Ereignissen von 411 bis 418, aus dem Nordwesten und aus der Perspektive eines Katholiken, der die Sueben als Plage erlebte. Sein Blick richtet sich vor allem auf Gallaecia; Nachrichten über den Süden der Halbinsel, wo die Silingen lebten, fallen knapp aus.
Das bedeutet nicht, dass er sich irrt. Aber es bedeutet, dass eine so wichtige Aussage wie die Zuteilung von 411 allein auf seinem Zeugnis ruht. Weder die gleichzeitigen Berichte aus Gallien noch spätere Autoren bestätigen sie unabhängig. Wer über die Silingen schreibt, gibt im Kern Hydatius wieder. Die moderne Edition und Übersetzung von R. W. Burgess (Oxford 1993) ist die heute maßgebliche Ausgabe.
Dass die Silingen in der Baetica ein Königtum hatten, erfahren wir nur durch ein Ereignis: ihre Niederlage. Seit 416 führte der Westgotenkönig Wallia, dessen Goten als Verbündete Roms auftraten, im Auftrag des Kaisers Honorius Krieg auf der Halbinsel, nachdem ein Versuch der Goten, nach Afrika überzusetzen, im Sturm gescheitert war. Hydatius notiert zu 416, Wallia habe „Fredibalus, den König des Vandalenvolkes, ohne jeden Kampf mit List gefangen“ und dem Kaiser Honorius zugeschickt. Der Name wird in der Forschung meist Fredbal geschrieben. Dass er der König der Silingen war, ist die übliche Deutung, weil die Vandalen in der Baetica nach Hydatius Silingen waren; der Text selbst sagt nur „gens Vandalorum“. Über Fredbals Schicksal in Ravenna berichten die Quellen nichts.
Zwei Jahre später folgt die Meldung, die wir als Zitat hier ausschreiben, weil sie den Kern des Falls enthält:
Vandali Silingi in Betica per Valliam regem omnes extincti.
„Die vandalischen Silingen in der Baetica wurden durch König Wallia allesamt ausgelöscht.“Hydatius, Chronicon zum Jahr 418 (Ausgabe R. W. Burgess, Oxford 1993); eigene Übersetzung
Im selben Eintrag steht die Notiz über die Alanen. Sie seien von den Goten so geschlagen worden, dass nach dem Tod ihres Königs Addax die wenigen Überlebenden den Namen ihres Reiches vergaßen und sich dem Schutz des Vandalenkönigs Gunderich unterstellten, der in Gallaecia saß. Man sieht an diesem Satz, wie Hydatius arbeitet: Er schreibt für zwei Völker zwei Schicksale, und bei den Alanen nennt er Überlebende, bei den Silingen nicht.
In populären Darstellungen steht gelegentlich, Orosius habe die Vernichtung der Silingen geschildert. Das stimmt nicht. Orosius beendete seine Historien um 417/418, gleichzeitig mit dem Feldzug. Im 43. Kapitel des siebten Buches schildert er, wie Wallia nach dem gescheiterten Afrikaplan Frieden mit Honorius schloss, die Kaiserschwester Placidia ehrenvoll zurückgab und „der römischen Sicherheit“ sein eigenes Risiko anbot, um gegen die übrigen Völker zu kämpfen, die sich in Spanien niedergelassen hatten. Wallias Gesandte lassen Honorius ausrichten, er solle mit allen Frieden halten und von allen Geiseln nehmen; die Goten kämpften und gingen für sich selbst zugrunde, siegten aber für den Kaiser. Ein Volk mit Namen nennt er in diesem Zusammenhang nicht, und das Wort Silingi kommt in seinen Kapiteln 40 bis 43 nicht vor.
Die Namen Silingen, Alanen und Asdingen sowie die Opferzahlen erfahren wir also nicht aus Orosius, sondern aus Hydatius. Das ist keine Spitzfindigkeit, denn es entscheidet, wie viele unabhängige Zeugen wir haben: nicht zwei, sondern einen.
Hydatius schreibt omnes extincti, „alle ausgelöscht“. Man sollte dieses Wort nicht überlesen und auch nicht zu wörtlich nehmen. Chronisten dieser Zeit verwenden solche Formeln für das Ende eines politischen Verbandes. Gemeint ist sehr wahrscheinlich, dass die Silingen als eigenständige Macht aufhörten zu bestehen: ihr König war gefangen, ihr Heer geschlagen, ihre Provinz wieder unter römischer Kontrolle. Ob jeder Mann, jede Frau, jedes Kind getötet wurde, behauptet der Satz nicht und kann er auch nicht belegen.
Moderne Darstellungen nehmen deshalb oft an, Überlebende der Silingen seien in den Asdingen aufgegangen. Das ist eine plausible Rekonstruktion, aber sie ist Deutung: Hydatius sagt es nur von den Alanen. Auch lässt sich nicht erkennen, welche Folgen die Katastrophe für die Zivilbevölkerung der Baetica hatte. Wie die Baetica nach 418 aussah, schildert Hydatius nicht.
Die Asdingen und Sueben in Gallaecia gerieten bald in Streit. Um 419/420 belagerten die Vandalen unter Gunderich die Sueben in den „nervasischen Bergen“; ein römisches Heer unter Asterius griff ein, und die Vandalen zogen sich nach Braga zurück. In den folgenden Jahren verließen die Asdingen Gallaecia und gingen in den Süden, in die Baetica, die Provinz, die zuvor den Silingen gehört hatte. Gunderich starb 428 nach der Einnahme von Sevilla. Sein Bruder Geiserich übernahm, und 429 setzten die Vandalen nach Afrika über.
Man kann das als Staffelübergabe lesen: Der Name Silingen verschwindet, der Name Asdingen bleibt. Der Name Asdingen lebte nach verbreiteter Auffassung in der Königsfamilie weiter. Von den Silingen hören wir in den späteren Quellen zum Vandalenreich nichts mehr. Das heißt freilich nicht, dass jeder Silinge verschwand, nur dass der Name nicht weitergetragen wurde.
Stellt man alles zusammen, steht ein dünner Faden da: eine Zeile bei Ptolemaios um 150, ein Satz über Spanien 409, ein Satz über das Los von 411, ein Satz über die Gefangennahme Fredbals 416 und ein Satz über den Untergang 418. Alles andere, die Gleichung mit den Naharvalen, die Herleitung Schlesiens, der Kult am Zobten, ist moderne Verknüpfung. Das ist legitim, solange die Verknüpfung erkennbar bleibt.
Wer aus solchen Quellen Geschichte schreibt, muss die Schichten auseinanderhalten: Was ein antiker Autor sagt, was Archäologen finden, was spätere Chronisten ergänzen und was Forscher vermuten. Für die Silingen sind die ersten beiden Schichten fast leer, und gerade deshalb lässt sich an ihnen gut zeigen, wie viel sich auf wenig Text bauen lässt – und wo die Brücke endet.

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