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Die Vandalen: Mehr als ein Schimpfwort

Geschichte & Funde Die Vandalen: Mehr als ein Schimpfwort Ihr Name wurde zum Schimpfwort für sinnlose Zerstörung – dabei gründeten die Vandalen ein blühendes Reich und beherrschten das Mittelmeer.

Die Vandalen waren ein ostgermanisches Volk, das Tacitus unter dem Namen Vandilii zu den alten germanischen Stammesgruppen zählt. Ursprünglich zwischen Oder und Weichsel, zogen sie in der Völkerwanderung nach Westen.

Schildbuckel und Speerspitzen aus einem Vandalengrab
Eiserner Schildbuckel und Speerspitzen aus einem Vandalengrab bei Zalău, 3. bis 4. Jahrhundert. Keltenmuseum Manching. Wolfgang Sauber, CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons.

Ein ostgermanisches Volk

„Zu den Germanen gehören die Vandilier … ein alter und echter Name."nach Tacitus, Germania 2 (gemeinfrei, eigene Übersetzung)

Die Vandalen waren ein ostgermanisches Volk, das Tacitus schon als „Vandilii" kennt. Ursprünglich im Osten Mitteleuropas beheimatet, wurden sie in der Völkerwanderung zu einem der weitreichendsten Völker der Antike – ihr Weg führte von der Ostsee bis nach Nordafrika.

Der lange Zug nach Süden

Vom Druck der Hunnen getrieben, überschritten die Vandalen 406 den Rhein, zogen durch Gallien und Spanien und setzten schließlich nach Nordafrika über. Dort gründeten sie unter König Geiserich ein mächtiges Reich mit Karthago als Hauptstadt.

Die Plünderung Roms 455

455 n. Chr. eroberte Geiserich Rom und plünderte die Stadt zwei Wochen lang – gründlich, aber nach dem Bericht des Prosper ohne Brand und Blutbad. Diese Plünderung machte den Namen der Vandalen für alle Zeit berüchtigt.

Ein Reich zur See

Das Vandalenreich beherrschte das westliche Mittelmeer mit einer starken Flotte, bis es 534 vom oströmischen Feldherrn Belisar erobert wurde. Damit endete eine der erstaunlichsten Völkerwanderungen der Geschichte.

Beleg: Tacitus (Germania 2) nennt die Vandilii; die Plünderung Roms 455 und das nordafrikanische Reich sind bei Prosper, Prokop u. a. bezeugt.
Mythos-Check: Der Begriff „Vandalismus" für blinde Zerstörungswut wurde erst 1794 vom französischen Bischof Grégoire geprägt – über 1300 Jahre nach den Vandalen. Die historischen Vandalen waren nicht zerstörungswütiger als andere Völker ihrer Zeit; ihre Rom-Plünderung war sogar vergleichsweise diszipliniert.
Was belegt ist: Vandilii bei Tacitus (Germania 2), der Zug durch Gallien/Spanien, Geiserichs Reich mit Karthago (ab 439), die Plünderung Roms 455 und das Ende 534 (Prokop, spätantike Historiker).
Was Deutung ist: „Vandalismus" als Wort für blinde Zerstörungswut entstand erst 1794 in der Französischen Revolution (Abbé Grégoire) – die historischen Vandalen plünderten Rom gezielt und verschonten laut Quellen weitgehend Menschen und Kirchen. Das Schimpfwort ist ein neuzeitliches Zerrbild.

Die Vandalen gehören zu den großen ostgermanischen Wandervölkern – wie die Goten und Heruler. Weiter mit ihnen.

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