Ein Thingplatz war der feste Ort, an dem sich die freien Männer einer Landschaft zur Versammlung trafen: unter freiem Himmel, oft an einem Hügel, einem Gewässer oder alten Gräbern, deutlich abgegrenzt und für alle erreichbar. Die berühmtesten sind Þingvellir in Island, wo ab 930 das Althing tagte, und Tynwald Hill auf der Isle of Man, wo bis heute jedes Jahr die Gesetze verkündet werden. Dazu kommen Gulating und Frostating in Norwegen, Anundshög und Alt-Uppsala in Schweden – und ein Netz von Thingwall-Namen quer durch Britannien.
Wer nach dem Parlament der Wikinger sucht, findet kein Haus. Keine Säulen, keine Sitzreihen, keinen Saal. Er findet eine Wiese am Fluss, einen flachen Hügel, eine Felsspalte, eine kleine Insel in einem See. Das ist Absicht: Das Thing – die Versammlung der freien Männer, auf der Recht gesprochen, gestritten, gewählt und beschlossen wurde – brauchte einen Ort, den jeder kannte, den jeder erreichen konnte und der niemandem allein gehörte. Was das Thing als Institution war, wer dort reden durfte und wie ein Prozess ablief, erzählen wir im eigenen Beitrag. Hier geht es um die Plätze selbst: Wo lagen sie, wie sahen sie aus, und was bleibt von ihnen?
Das altnordische Wort dafür ist þingvǫllr, wörtlich „Thingfeld“ oder „Versammlungsebene“. Es steckt in Þingvellir in Island, in Tingvoll in Norwegen, in Tingvalla in Schweden – und, wie wir noch sehen werden, in Tynwald, Tingwall, Dingwall und Thingwall auf den Britischen Inseln. Wo immer Skandinavier siedelten, nahmen sie dieses Wort mit. Ein Name auf der Landkarte ist oft das Einzige, was von einem Thing übrig geblieben ist. Manchmal aber steht noch der Hügel. Und an ein paar Orten tagt man sogar heute noch.
„Með lǫgum skal land byggja.“ – „Mit Gesetz soll man das Land bauen.“Njáls saga; ähnlich in nordischen Rechtsbüchern, etwa im Jyske Lov von 1241 (eigene Übertragung)
Kein Thingplatz ist so berühmt wie Þingvellir, gut 40 Kilometer nordöstlich von Reykjavík. Nach der isländischen Überlieferung kam hier um 930 zum ersten Mal das Althing zusammen, die Versammlung für die ganze Insel. Die frühesten Siedler waren erst seit einigen Jahrzehnten im Land – wie es dazu kam, erzählen wir im Beitrag über die Isländer, ihre Goden und das Allthing. Jedes Jahr im Frühsommer zogen nun die Goden – die Häuptlinge, die zugleich religiöse und politische Rollen hatten – mit ihren Gefolgsleuten für rund zwei Wochen an diesen Ort. Sie wohnten in Buden (búðir) aus Torf- und Steinmauern, die mit Stoffbahnen überdacht wurden; Reste solcher Mauern, viele aus späterer Zeit, sind noch sichtbar.
Das Herz der Versammlung war der Lögberg, der „Gesetzesfelsen“. Von hier sprach der Gesetzessprecher (lögsögumaðr), der einzige gewählte Amtsträger der isländischen Freistaatszeit. Er wurde für drei Jahre gewählt und musste in dieser Zeit das gesamte geltende Recht vortragen – ein Drittel pro Jahr, aus dem Gedächtnis. Erst im Winter 1117/18 begann man nach Aris Íslendingabók, die Gesetze schriftlich zu fassen. Wo genau der Lögberg lag, ist übrigens nicht sicher. Heute markiert ein Fahnenmast die wahrscheinlichste Stelle am Rand der Schlucht Almannagjá, doch die Forschung hat auch andere Punkte erwogen.
Daneben tagte die Lögrétta, der Gesetzesrat, der neues Recht beschloss und Streitfragen über das Recht klärte. Ab etwa 965 gab es zusätzlich vier Viertelsgerichte, eines für jedes Landesviertel, und um 1005 kam als Berufungsinstanz das „Fünfte Gericht“ hinzu. Die großen Prozesse der Isländersagas spielen genau hier: Die Njáls saga schildert den Prozess nach dem Mordbrand an Njál als dramatischen Rechtsstreit am Althing, der schließlich in eine offene Schlacht auf dem Thingfeld umschlägt. Die Saga stammt aus dem späten 13. Jahrhundert und ist keine Gerichtsakte, zeigt aber, wie die Isländer sich ihr Thing vorstellten.
Um das Jahr 1000 fiel auf Þingvellir die folgenreichste Entscheidung der isländischen Geschichte. Heidnische und christliche Partei standen sich so feindselig gegenüber, dass eine Spaltung des Landes drohte. Nach Ari dem Gelehrten zog sich der Gesetzessprecher Þorgeirr, selbst noch Heide, einen Tag und eine Nacht unter seinen Mantel zurück und verkündete dann: Alle Isländer sollen Christen werden, private heidnische Opfer bleiben vorerst geduldet.
Das Althing tagte auf Þingvellir bis 1798. Danach wurde es aufgelöst und 1845 in Reykjavík neu begründet. Þingvellir selbst wurde 1930, zur Tausendjahrfeier, zum ersten Nationalpark Islands und 2004 als Kulturlandschaft in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Und dann ist da noch die Geologie: Das Tal liegt im Grabenbruch des Mittelatlantischen Rückens, wo die Nordamerikanische und die Eurasische Platte auseinanderdriften. Die Almannagjá, die gewaltige Felswand, an der das Thing lag, ist die westliche Bruchkante. Dass die Isländer ihre Versammlung ausgerechnet dort abhielten, wo die Erde sich buchstäblich auseinanderzieht, hat natürlich niemand geplant. Es ging um Wasser, Weide und Erreichbarkeit. Aber die Felswand gibt dem Ort eine Wucht, die bis heute wirkt.
Wenn Þingvellir der berühmteste Thingplatz ist, dann ist Tynwald Hill in St John's auf der Isle of Man der lebendigste. Der Name kommt vom selben altnordischen þingvǫllr. Die Insel war seit dem 9. Jahrhundert von Nordleuten besiedelt und gehörte jahrhundertelang zum norwegisch geprägten Königreich von Man und den Inseln – mehr dazu im Beitrag über die Nordleute auf der Isle of Man.
Der Hügel selbst ist erstaunlich bescheiden: etwa 3,7 Meter hoch, aufgebaut aus vier kreisrunden Stufen, die nach oben kleiner werden. Eine Überlieferung sagt, in ihm stecke Erde aus allen 17 alten Kirchspielen der Insel. Belegen lässt sich das nicht – schön ist die Idee trotzdem.
Jedes Jahr am Tynwald Day, meist am 5. Juli, versammelt sich hier das Parlament der Insel unter freiem Himmel. Ursprünglich war der Termin der Johannistag, der 24. Juni; mit der Kalenderreform von 1753 verschob er sich auf den 5. Juli, weil man den alten Tag beibehielt. Auf dem Hügel werden die im vergangenen Jahr beschlossenen Gesetze kurz verlesen, auf Englisch und auf Manx, der gälischen Sprache der Insel. Das ist mehr als Folklore: Ein Gesetz, das nicht innerhalb von 18 Monaten nach seiner Bestätigung auf dem Hügel verkündet wird, verliert seine Gültigkeit. Ein Rest der alten Vorstellung, dass Recht erst dann Recht ist, wenn es laut vor dem Volk ausgesprochen wurde.
In Norwegen entwickelten sich die Thinge zu großen regionalen Versammlungen, den lagting. Die beiden ältesten und wichtigsten waren das Gulating an der Westküste und das Frostating in Trøndelag. Nach Snorri Sturluson soll König Hákon der Gute (regierte etwa 935–961) die Gesetze beider Versammlungen festgelegt haben – die Gulathingsgesetze mit Rat des weisen Þorleifr, die Frostathingsgesetze mit Jarl Sigurd von Lade. Snorri schreibt allerdings rund 270 Jahre später; die Thinge selbst sind wahrscheinlich älter als jedes Königsgesetz, das man ihnen zuschrieb.
Das Gulating lag in der heutigen Gemeinde Gulen nördlich von Bergen, an der Mündung des Sognefjords. Hier trafen sich Abgesandte aus mehreren Landschaften – anfangs Sogn, Hordaland und die Fjordane, später kamen Rogaland, Agder und Sunnmøre hinzu. Das Gulating war also kein Volksfest aller Bauern, sondern früh schon eine Repräsentativversammlung: Jede Landschaft schickte eine festgelegte Zahl von Thingmännern. Wo genau der Thingplatz lag, ist bis heute Gegenstand der Forschung; diskutiert werden Stellen auf und bei der Insel Guløy und bei Eivindvik, wo seit 2005 ein Denkmal an das Gulating erinnert.
Wie ein solches Gericht aussah, beschreibt die Egils saga (Kap. 56) in einer berühmten Szene. Egil Skallagrímsson klagt am Gulating um ein Erbe. Der Gerichtsplatz ist eine ebene Fläche, rundherum in einem Kreis Haselstangen eingeschlagen und außen Seile darum gespannt – die vébǫnd, die „heiligen Bänder“. Darin sitzen zwölf Richter aus Fjordane, zwölf aus Sogn und zwölf aus Hordaland (sinngemäß nach der Saga). Der Ausdruck vé bedeutet „heilig, unverletzlich“: Wer die Bänder durchschnitt oder im Kreis Gewalt übte, verletzte den Frieden des Gerichts. In der Saga passiert genau das: Die Gegenpartei zerschneidet die Bänder. Ob die Szene historisch ist, wissen wir nicht.
Aus dem Gulating stammt das älteste erhaltene norwegische Recht, die Gulaþingslǫg, überliefert in Handschriften des 12. und 13. Jahrhunderts. Es regelt Erbe, Wergeld, Strandrecht, Walfang, Kirchenpflichten – und verbietet heidnische Opfer. Das Frostating hatte sein eigenes Recht, die Frostuþingslǫg. Sein Thingplatz lag auf der Halbinsel Frosta im Trondheimsfjord, am sogenannten Tinghaugen bei der mittelalterlichen Kirche von Logtun; ein Bautastein markiert heute die Stelle. Acht Landschaften Trøndelags gehörten dazu, später auch Hålogaland im Norden. Beide Rechte gingen 1274 im Landslov König Magnus Lagabøtes („des Gesetzesverbesserers“) auf, dem ersten landesweiten Gesetzbuch Norwegens. Die alten Thingplätze verloren damit an Bedeutung, die Namen aber blieben: Frostating lagmannsrett und Gulating lagmannsrett heißen noch heute zwei norwegische Berufungsgerichte.
Ganz anders sieht ein schwedischer Thingplatz aus. Bei Västerås in Västmanland, im Kirchspiel Badelunda, liegt Anundshög, der größte Grabhügel Schwedens: rund 60 Meter im Durchmesser und etwa 9 Meter hoch. An seinem Fuß liegen zwei große Steinschiffe – schiffsförmige Setzungen aus aufrecht gestellten Steinen –, hintereinander in einer Linie, das eine etwa 51, das andere etwa 54 Meter lang. Dazu kommen kleinere Schiffssetzungen und eine Reihe von 15 aufrechten Steinen, die in den 1960er-Jahren wieder aufgerichtet wurden.
Einer davon ist ein Runenstein, Vs 13. Seine Inschrift lautet sinngemäß: „Folkviðr errichtete alle diese Steine nach Heðinn, seinem Sohn, dem Bruder Önunds. Vrað ritzte die Runen.“ Der Runenstein stammt aus dem 11. Jahrhundert. Die Steinreihe scheint einen alten Weg zu markieren, möglicherweise einen Abschnitt der Eriksgata, des Umritts, den ein neu gewählter schwedischer König durch die Landschaften machen musste, um von jedem Landesthing anerkannt zu werden.
Wie alt ist der Hügel selbst? Unter ihm wurde eine Feuerstelle gefunden, die per Radiokarbon in die Zeit zwischen etwa 210 und 540 n. Chr. datiert wurde. Der Hügel ist also jünger als diese Feuerstelle, aber wie viel jünger, bleibt offen. Die Schätzungen in der Literatur reichen weit, von der Bronzezeit bis in die späte Eisenzeit. Wer darin liegt, weiß niemand. Der Name „Anunds Hügel“ verweist auf einen sagenhaften König Anund, doch das ist Volksüberlieferung, kein Befund.
Warum ist das ein Thingplatz? Weil hier nach Lage, Anlage und Forschungstradition das Thing des Bezirks tagte – das gilt als gut gestützt, auch wenn Einzelheiten offen sind – an einem Ort, an dem man buchstäblich auf den Gräbern der Vorfahren stand. Die Archäologin Alexandra Sanmark und andere haben gezeigt, dass das in Skandinavien eher die Regel als die Ausnahme war: Thinge wurden auffallend oft an alten Grabhügeln abgehalten. Wer dort sprach, sprach im Angesicht derer, die das Land vor ihm bebaut hatten.
Etwas Seltenes findet sich bei Bällsta in Vallentuna, nördlich von Stockholm: ein Thingplatz, der sich selbst als solcher bezeichnet. Die Anlage ist als Arkils tingstad bekannt – eine rechteckige Steinsetzung mit zwei Runensteinen, U 225 und U 226. Beide hat derselbe Runenritzer, Gunnar, gefertigt; die Inschrift läuft über beide Steine. Nach Stil und Formulierung stammen sie aus dem frühen 11. Jahrhundert, etwa den 1010er-Jahren.
Der Text nennt die Söhne eines Mannes namens Ulf – Ulfkell, Arnkell und Gýi –, die hier einen Thingplatz (þingstaðr) machten. Kein Denkmal solle größer sein als das, was die Söhne Ulfs zu seinem Gedenken errichteten. Und dann ein Satz, der unter die Haut geht: Gyríðr, die Witwe, liebte ihren Mann; man werde seiner in Klage lange gedenken. Ob das Wort grati hier „unter Tränen“ oder „in einem Klagelied“ bedeutet, ist umstritten. Möglich ist, dass Gyríðr selbst ein Trauergedicht verfasste, das hier auf den Stein kam. Die Familie, die hinter den Steinen steht, nennt die Forschung nach einem Hof den Skålhamra-Clan; sie ließ auch auf der anderen Seite des Sees Runensteine setzen.
Ganz in der Nähe steht an der Kirche von Vallentuna ein Stein des berühmten Jarlabanke, U 212. Darauf rühmt er sich, er habe „diesen Thingplatz gemacht“ und besitze allein die ganze Hundertschaft. Das Thing war eben auch Bühne der großen Familien.
Das bekannteste schwedische Thing überhaupt lag in Alt-Uppsala, bei den großen Königshügeln: das „Thing aller Schweden“ (allsherjarþing). Nach Snorris Óláfs saga helga wurde dort in heidnischer Zeit im Monat Gói, also Ende Februar oder Anfang März, ein großes Opferfest gehalten; zugleich tagte das Thing, und es gab einen Markt, der eine Woche dauerte. Nach der Christianisierung, schreibt Snorri, wurde der Markt auf Lichtmess verlegt und auf drei Tage verkürzt. Der Name Disting wird meist als „Thing der Dísen“ gedeutet, verbunden mit dem Dísablót, einem Opfer an weibliche Schutzmächte.
Der Markt lebt bis heute: Distingen wird jedes Jahr Anfang Februar in Uppsala abgehalten. 1895 wurde er offiziell abgeschafft, fand aber einfach weiter statt. Gesetze und Götter wechseln, der Markt bleibt.
Auf Shetland lag das Hauptthing, das Lawting, in Tingwall – wieder das altnordische þingvǫllr. Der eigentliche Versammlungsort war der Law Ting Holm, eine kleine Halbinsel am Nordende des Loch of Tingwall. Ursprünglich war sie eine Insel, nur über einen Steindamm erreichbar; erst als man in den 1850er-Jahren den Wasserspiegel senkte, bekam sie ihre heutige Form. Wer mehr über die Nordleute auf Shetland wissen will, findet es im Beitrag über Jarlshof und die Shetländer.
Auf den Färöern tagte das Løgting auf Tinganes, der felsigen Landzunge im Hafen von Tórshavn – wörtlich „Thing-Landzunge“. Wasser taucht bei all diesen Orten immer wieder auf, und das ist kein Zufall: Im Inselnorden reiste man per Boot. Ein Thingplatz am Ufer war für alle erreichbar, und eine Insel oder Halbinsel war leicht abzugrenzen und zu schützen.
Auf der britischen Hauptinsel sind die Thingplätze meist nur noch Namen. Aber diese Namen sind verräterisch, und einige lassen sich gut belegen:
Thynghowe liegt im Gebiet des Danelag, des von Skandinaviern beherrschten Ostenglands. Dort hießen die Bezirke wapentakes, nach dem altnordischen vápnatak, „Waffenberührung“ – vermutlich nach dem Brauch, Zustimmung auf der Versammlung durch das Schlagen oder Heben der Waffen zu bekunden. Die Archäologen Sarah Semple und Alexis Tudor Skinner haben solche Versammlungshügel in Yorkshire untersucht und gezeigt, dass man häufig ältere, vorhandene Hügel weiterverwendete.
Zwischen 2010 und 2013 untersuchte das internationale Assembly Project („Meeting-places in Northern Europe AD 400–1500“), gefördert vom europäischen Forschungsverbund HERA und geleitet von Frode Iversen (Universität Oslo), mit Sarah Semple (Durham), Alexandra Sanmark (University of the Highlands and Islands) und Natascha Mehler (Wien), Versammlungsplätze in Norwegen, Schweden, Dänemark, Island, auf den Färöern, in Schottland und England. Die Ergebnisse erschienen 2020 als frei zugängliches Buch Negotiating the North. Alexandra Sanmark hat zudem 2017 eine Übersicht über Thingplätze und ihre Rituale im skandinavischen Raum vorgelegt (Viking Law and Order).
Aus diesen Arbeiten ergibt sich ein recht klares Bild. Thingplätze teilen typische Merkmale – nicht alle an jedem Ort, aber auffallend oft:
Für die Archäologie ist das schwierig: Ein Thing hinterlässt kaum Abfall. Gerade das Fehlen von Siedlungsspuren an einem markanten Hügel kann deshalb ein Hinweis sein – so war es in Dingwall, wo man kaum Wohnreste, aber einen künstlichen Hügel und ein paar Scherben fand. Thingforschung ist zur Hälfte Detektivarbeit mit dem, was nicht da ist. Wie die Rechtsordnung insgesamt funktionierte, lest ihr im Beitrag über Recht und Thing der Wikinger.
Schiefer ist selbst ein Stück Stein, so wie die Runensteine, die Thingplätze markierten. Ein paar Ideen aus unserer Werkstatt in Alsdorf: „Með lǫgum skal land byggja“ in jüngeren Runen oder in lateinischer Schrift, darunter die deutsche Übersetzung – etwa für eine Kanzlei oder zum bestandenen Staatsexamen. Ein stilisierter Steinkreis mit Hügel als Familienzeichen. Oder eine Schiffssetzung nach dem Vorbild von Anundshög als Gedenktafel, mit Namen und Datum – genau wie Folkviðr es für seinen Sohn tat. Alles das passt auf eine gravierte Schieferplatte.
Thingplätze erzählen von einer Gesellschaft, die ihre Ordnung selbst machte – aus Stimmen, Erinnerung und Stein. Derselbe Wunsch steckt in jeder guten Gravur: festhalten, was bleiben soll.

Was ist ein Thingplatz? Ein Thingplatz ist der feste Versammlungsort eines Things, also der Volks- und Gerichtsversammlung der freien Männer im germanisch-nordischen Raum. Er lag unter freiem Himmel, oft an einem Hügel, an Wasser oder an alten Gräbern.
Wo ist der bekannteste Thingplatz der Wikinger? Þingvellir in Island, wo ab etwa 930 das Althing tagte. Der Ort ist Nationalpark und seit 2004 UNESCO-Welterbe.
Gibt es heute noch Thingversammlungen? Ja: Auf Tynwald Hill auf der Isle of Man werden jedes Jahr am Tynwald Day (meist 5. Juli) die Gesetze unter freiem Himmel verkündet. Die Parlamente Islands (Alþingi), Norwegens (Storting) und der Färöer (Løgting) tragen das Wort Thing bis heute im Namen.
Was bedeutet Thingwall? Thingwall, Tingwall, Dingwall und Tynwald gehen auf altnordisch þingvǫllr zurück, „Thingfeld“ oder „Versammlungsebene“. Die Namen markieren Orte, an denen skandinavische Siedler ihre Versammlungen abhielten.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Das Thing · Runen · Bestattung · Bildsteine.
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