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Die Zlicanen: Das Fürstentum von Kouřim und Libice

Geschichte & Funde Die Zlicanen: Das Fürstentum von Kouřim und Libice

Östlich der Moldau, im fruchtbaren Elbland, lebte vor den Přemysliden ein Verband, dessen Namen nur wenige Quellen überliefern: die Zlicanen. Ihre Burg Kouřim ist ausgegraben, ihr angeblicher Fürst Radslav ist eine Sagengestalt, und das berühmteste Kapitel ihrer vermeintlichen Geschichte, der Untergang der Slavnikiden in Libice 995, ist in Wahrheit eine Geschichte, die sich nur mit Vorbehalt mit ihnen verbinden lässt.

Bewachsenes Gelände des Burgwalls von Kouřim mit Wiese und Gehölz
Das Gelände des Burgwalls von Kouřim in Mittelböhmen, einer der Burgen, die der älteren Forschung als Sitz der Zlicanen galten. Das Foto zeigt die Landschaft, keinen Fund. Foto: Palickap, CC BY-SA 3.0.

Ein Name, der fast nur aus späten Texten bekannt ist

Wer nach den Zlicanen (tschechisch Zličané) sucht, steht rasch vor einer Schwierigkeit: Der Name ist dünn bezeugt. Die ältere Forschung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sah in ihnen einen eigenständigen westslawischen Stamm im Böhmen vor der Herrschaft der Přemysliden. Er habe neben den Tschechen im engeren Sinn gelebt, durch einen Fluss von ihnen getrennt, und sein Mittelpunkt sei die Burg Kouřim gewesen. Die Chronik des Dalimil, ein tschechischsprachiges Reimwerk aus dem 14. Jahrhundert, kennt einen „zlický“ Fürsten Radslav, der in Kouřim saß. Mehr als diese Erwähnung, die fast vierhundert Jahre nach den Ereignissen niedergeschrieben wurde, liefern die erzählenden Texte kaum.

Das ist kein Zufall. Das frühe Böhmen ist im 9. und 10. Jahrhundert fast nur durch Außenblicke zu fassen, etwa durch fränkische Annalen, und durch Geschichtsschreibung, die erst später entstand. Der Prager Chronist Cosmas (um 1045 bis 1125) schloss das erste Buch seiner Chronica Boemorum 1119 ab. Es reicht von der Urzeit bis 1038 und stellt die Geschichte konsequent aus der Sicht des Prager Fürstenhauses dar. Alles, was mit rivalisierenden Herrschaftsräumen zu tun hat, erscheint dort bereits mit den Augen der Sieger. Neuere Forschung geht deshalb vorsichtiger mit dem Begriff „Stamm“ um. Solche Gruppen werden heute eher als kleine Fürstentümer verstanden, also als regionale Machtbereiche mit eigener Burg und eigenem Gefolge, nicht als ethnisch geschlossene Völker mit einer gemeinsamen Abstammungsgeschichte.

Für diesen Beitrag heißt das: Wo „Zlicanen“ steht, ist vor allem ein Forschungsbegriff gemeint. Er bezeichnet die Menschen im Umfeld von Kouřim und im mittleren Elbtal, nicht ein Volk, dessen Selbstbezeichnung wir kennen. Näheres zu den übrigen böhmischen Gruppen steht im Beitrag über die Tschechen.

Wo lag Zlicko?

Die Lage lässt sich nur grob angeben. Nach der traditionellen Rekonstruktion bewohnten die Zlicanen die fruchtbaren Gebiete des mittleren Elbtals östlich von Prag. Ihr Vorort war Kouřim, rund 40 Kilometer östlich der heutigen tschechischen Hauptstadt. Der tschechische Archäologe Zdeněk Váňa beschrieb in seinem Überblickswerk „The World of the Ancient Slavs“ (1983) Kouřim als das Zentrum der „zweiten wichtigen Rivalen“ des tschechischen Stammes. Wo genau die Grenzen verliefen, bleibt offen. Dass bei einem Fund aus der Gegend von Kolín ein reich ausgestattetes Fürstengrab mit Schmuck großmährischen Typs und karolingischen Importen (Kelch, Sporen, Steigbügelbeschläge, Glasgefäße) erwähnt wird, zeigt immerhin, dass in diesem Raum schon früh eine Oberschicht mit weitreichenden Verbindungen lebte. Ob sie sich als „Zlicanen“ verstand, sagt der Fund nicht.

Eine Verbindung über die Elbe ist sicher: Sie gehörte zu den großen Verkehrsadern des Frühmittelalters. Flussaufwärts führte sie zu den Böhmen im Prager Kessel, flussabwärts in das Gebiet der Heveller und Sorben und von dort nach Sachsen. Wer im Elbland eine Burg besaß, kontrollierte also mehr als Ackerland. Er saß an einer Handelsroute.

Radslav von Kouřim: Sage und Sinn

Die bekannteste Gestalt der zlicanischen Überlieferung ist Radslav. Nach Dalimil führte der Fürst von Kouřim Krieg gegen den heiligen Wenzel (Václav), den Přemysliden-Herzog, der 935 ermordet wurde. Die Datierung seines Todes schwankt in der Forschung, die Jahre 929 und 935 werden genannt; 28. September 935 ist die traditionelle Angabe. Die Erzählung läuft auf einen Zweikampf hinaus: Wenzel bietet ihn an, Radslav sieht an der Seite seines Gegners himmlische Gestalten und weicht zurück. Er zieht sein Heer nach Kouřim ab. Das ist eine Heiligenlegende, keine Schlachtbeschreibung. Sie dient dazu, die Heiligkeit Wenzels zu zeigen und die Přemysliden als die moralisch überlegene Macht darzustellen.

Ob hinter Radslav ein tatsächlicher Fürst steht, ist ungeklärt. Die englischsprachige Forschungsliteratur bezeichnet ihn als halblegendär. Es gibt die Vermutung, er sei ein Bruder des „mythischen Vaters“ Slavníks gewesen, des Begründers der später berühmten Libicer Dynastie. Das ist eine Hypothese ohne Beleg in den frühen Quellen. In der populären Geschichtsschreibung kursiert zudem die Angabe, Herzog Boleslav I. habe Kouřim um 936 zerstört, als er seinen Bruder Wenzel beseitigte. Auch diese Verknüpfung gehört zur Überlieferung, nicht zum gesicherten Wissen.

Was Kouřim im Boden verrät

Während die Schriftquellen schweigen, spricht die Archäologie. Die Burg „Stará Kouřim“, die Alte Kouřim, wurde in den 1950er-Jahren von Miloš Šolle untersucht. Die Befestigung bestand aus mächtigen Wällen in Holz-Erde-Bauweise, in der Rekonstruktion vergleichbar mit den Anlagen der Antike. Váňa spricht von einer dreifachen Befestigung mit Toren und von einem Heiligtum mit einem kleinen See. Zudem nennt er eine 89 Meter lange Halle, die er als Versammlungsraum des fürstlichen Palastes deutet. Wie viel von dieser Interpretation heute noch vertreten wird, lässt sich hier nicht beurteilen, und der Begriff „Palast“ ist ohnehin eine Deutung, kein Befund.

Bemerkenswert sind Funde, die nach einem Kampf aussehen: Außerhalb des Grabens fanden sich Reste unbestatteter Toter, wahrscheinlich Verteidiger, die bei einem Angriff fielen. Tierknochen deuten auf rituelle Opfergaben. Die Siedlung wird als sehr bevölkerungsreich beschrieben. Nach 995, als der Rivale Libice fiel, kam Kouřim unter přemyslidische Kontrolle, und die Siedlung wurde später an anderer Stelle neu gegründet, mit Marktplatz und Kirche. Die Zeitangaben zur Dauer der Burg sind in der Literatur uneinheitlich und werden deshalb hier nicht festgelegt.

Libice: Ein Fürstensitz an Elbe und Cidlina

Etwa 35 Kilometer nordöstlich von Kouřim liegt Libice nad Cidlinou, am Zusammenfluss von Cidlina und Elbe. Hier saß die Familie der Slavnikiden (tschechisch Slavníkovci, ein Begriff, den der Historiker František Palacký im 19. Jahrhundert prägte; die mittelalterlichen Quellen kennen einzelne Personen, keine Dynastie dieses Namens). Die Burg besteht aus zwei Teilen, die durch eine schmale Landenge verbunden sind. Die Akropolis im Westen trägt sichtbare Erdwälle, die Vorburg, das Suburbium, bildet heute den Dorfkern. Die slawische Besiedlung beginnt im 9. Jahrhundert, ab der Mitte des 10. Jahrhunderts erreicht der Ort seine Blüte. Im Ostteil der Akropolis wurden Reste eines Palastes und eines Sakralbaus freigelegt, daneben Wohnbauten und Gräberfelder. Die Akropolis ist seit 1989 Nationales Kulturdenkmal. Am Dorfrand sind heute die Grundrisse der ottonischen Kirche des 10. Jahrhunderts und eines Palastes des 11. Jahrhunderts markiert.

Der Ort sticht auch durch etwas anderes hervor: Soběslav, der Erbe Slavníks, ließ in Libice Silbermünzen schlagen. Damit durchbrach er das Münzmonopol der Přemysliden in Prag. In der Numismatik sind diese Silberdenare unter dem Namen „Libicer Senare“ bekannt. Das Münzrecht war im Frühmittelalter nicht einfach Wirtschaftspolitik, es war Herrschaftsanspruch. Der Slavnikide Soběslav tritt damit als Herrscher eigenen Rechts auf, der sich in den Beziehungen zu Sachsen und Polen auch außenpolitisch selbstständig bewegt. Zu seiner Zeit habe er, so heißt es in der Literatur, über eine Machtbasis verfügt, die der der Přemysliden gleichkam.

Die Frage der Verbindung: Waren die Slavnikiden Zlicanen?

In der älteren Literatur gelten die Slavnikiden als Herrscher der Zlicanen. Die Lage von Libice und Kouřim, die beiden Zentren nur wenige Tagesritte voneinander entfernt, schien dies nahezulegen. In der Literatur wird vermerkt, Slavníks Frau Střezislava sei „vermutlich“ mit den Zlicanen verwandt gewesen. Der tschechische Historiker Dušan Třeštík widersprach dem deutlich: Selbst wenn man diese Gruppe im Nordosten Böhmens lokalisieren könne, gebe es keinen Grund anzunehmen, dass die Slavnikiden ihre Herrscher gewesen seien.

Der Streit ist nicht entschieden. Dazu gesellt sich eine weitere Lesart, die in der populären tschechischen Literatur diskutiert wird, nämlich die, die Slavnikiden seien eine Nebenlinie der Přemysliden gewesen. Die Belege dafür sind dünn, und die Archäologie gilt in dieser Frage als mehrdeutig. Als gesichert darf gelten, dass die Slavnikiden zu den mächtigsten Familien des Landes gehörten und dass ihr Herrschaftsraum weit über Libice hinausreichte: nach der Rekonstruktion bis Litomyšl und bis Kłodzko an der Glatzer Neiße im Osten.

Slavník, seine Söhne und der Bischof

Slavník starb 981. Seine Frau Střezislava starb 987. Die Quellen nennen mindestens sieben Söhne. Einer von ihnen, Soběslav, wurde sein Erbe. Ein anderer, Vojtěch, bekannt als Adalbert von Prag, wurde um 956 in Libice geboren. Er studierte etwa zehn Jahre in Magdeburg beim Erzbischof Adalbert, dessen Namen er bei der Firmung annahm, und wurde 982 zweiter Bischof von Prag. Das Bistum war 973 unter Boleslav II. gegründet worden. Der erste Bischof war der Sachse Thietmar (Dětmar), den man nicht mit dem späteren Chronisten Thietmar von Merseburg verwechseln darf.

Adalberts Amtszeit war schwierig. Er wandte sich gegen den Sklavenhandel unter Christen, gegen Vielehe und gegen heidnische Bräuche. Das stieß auf Widerstand beim Herzog wie bei Teilen des Klerus. Um 988 ging er nach Rom, 989 folgte ihm sein Halbbruder Radim Gaudentius, ein unehelicher Sohn Slavníks. Beide traten in ein Benediktinerkloster auf dem Aventin ein. 992 kehrte Adalbert zurück, Boleslav hatte seine Wiedereinsetzung betrieben. 993 entstand das Kloster Břevnov bei Prag. Doch der Konflikt blieb, und die Machtfrage zwischen dem Herzog in Prag und der Familie in Libice stand dahinter.

Der 28. September 995

Am 28. September 995, dem Fest des heiligen Wenzel und genau sechzig Jahre nach dessen Ermordung nach traditioneller Zählung, griff ein Heer Libice an. Boleslav II. führte es, unterstützt von der Adelsfamilie der Vršovci. Cosmas, der mehr als hundert Jahre später schreibt, schildert den Überfall mit starken Worten. Der Herzog sei zu diesem Zeitpunkt nicht Herr seiner selbst gewesen, sondern in der Hand seiner Gefolgsleute (comites). Die Angreifer hätten die Burg gestürmt, als die Brüder Slavníks die Messe feierten, und sie vor dem Altar erschlagen. Cosmas nennt mehrere Brüder bei Namen. Die Zahlen und Namen werden in den Darstellungen unterschiedlich wiedergegeben und sollten deshalb mit Vorsicht übernommen werden. Soběslav und Adalbert überlebten, weil sie nicht anwesend waren. Radim ebenfalls. Warum Soběslav fehlte, wird unterschiedlich erklärt: Einmal heißt es, er habe gegen lausitzische Stämme gekämpft, ein andermal, er habe sich in Deutschland um Hilfe beim Kaiser bemüht.

Die Burg wird gestürmt, die Brüder werden vor dem Altar erschlagen: Der Herzog habe gar nicht mehr selbst entschieden, sondern unter dem Einfluss seiner Gefolgsleute gestanden.Sinngemäße Wiedergabe von Cosmas von Prag, Chronica Boemorum, Buch I, Bericht zum Jahr 995 (der genaue Wortlaut ist hier nicht zitiert)

Es fällt auf, wie sehr die Darstellung auf eine Entlastung des Herzogs zielt. Cosmas schreibt als Prager Domgeistlicher, und die Přemysliden sind sein Fürstenhaus. Sie sind es, deren Ruhm er mehren will. Dass er dennoch von einem Mord am Altar spricht, zeigt, wie fest das Ereignis im Gedächtnis der Region verankert war. Die Vršovci, die auch Thietmar von Merseburg kennt, galten später als die dritte große Kraft im christlich gewordenen Böhmen. Dass sie die Hauptlast des Angriffs getragen hätten, wird häufig behauptet, ist aber nicht bewiesen.

Was die Archäologie sagt, und was danach kam

Die Bodenfunde zeichnen ein weniger dramatisches Bild als die Chronik. Über ein Jahrhundert archäologischer Forschung in Libice hat keine durchgehende Brandschicht erbracht, und die Burg blieb nach 995 offenbar in Funktion. Libice wurde der Prager Herrschaft angegliedert. Im 11. Jahrhundert diente der Ort als Verwaltungsmittelpunkt, 1130 vernichtete ein Brand die Siedlung, später wurde der Burgwall abgetragen, und die Dorfbewohner nutzten die Steine. Zwischen 1228 und 1233 gehörte das Dorf dem Prager Georgskloster.

Adalbert, der Bischof, kehrte nicht mehr zurück. Er ging als Missionar zu den Pruzzen und wurde am 23. April 997 nahe dem heutigen Elbląg erschlagen. Seine Angabe schwankt in den Quellen: Auch die Jahre 994 und 996 werden diskutiert. Sein Leichnam wurde vom polnischen Herzog Bolesław Chrobry, dem Tapferen, freigekauft, und das Grab in Gniezno wurde zum Ausgangspunkt des polnischen Erzbistums. Radim Gaudentius wurde um das Jahr 1000 erster Erzbischof von Gniezno. Soběslav fand Zuflucht bei Bolesław in Polen, nahm an kaiserlichen Feldzügen gegen heidnische Slawen teil und kam 1004 bei Kämpfen um die Moldaubrücke in Prag ums Leben, als polnische Truppen sich aus der Burg zurückzogen und ein kaiserlich-böhmisches Heer eintraf. Wer sich für die Gegenspieler Prags im Osten interessiert, findet bei den Polanen den Zusammenhang zu Bolesław.

Die Lebensbeschreibungen Adalberts gehören zu den wichtigsten Quellen dieser Zeit. Als Verfasser der ersten Vita gilt traditionell der römische Abt Johannes Canaparius (um 999). Der Mediävist Johannes Fried hält ihn dagegen für nicht gesichert und vermutet eine Niederschrift in Lüttich. Eine zweite Vita schrieb zwischen 1001 und 1004 Bruno von Querfurt. Radim hatte dem Abt in Rom vom Tod seines Bruders berichtet, der Heiligsprechung folgte 999.

Warum der Name Zlicanen trotzdem lohnt

Man kann die Zlicanen als verlorene Größe betrachten. Man kann sie aber auch als Beispiel nehmen, wie das mittelalterliche Böhmen entstand: nicht aus einem Guss, sondern durch die Unterwerfung von Nachbarn, durch Bündnisse, durch Gewalt und durch die Kraft der Erzählung. Die Přemysliden, die schließlich alle Rivalen ausschalteten, bestimmten auch, wie ihre Gegner erinnert wurden. Dass wir heute über Kouřim und Libice mehr wissen, als die Chronisten uns sagen wollten, ist das Verdienst von Archäologen, die Wälle, Hallen und Grundrisse im Boden gelesen haben.

Was bleibt, sind Orte. Der Burgwall von Libice, die Reste von Stará Kouřim, die Grundrisse im Dorf. Und eine Nachbarschaft, die in der Region weiterreicht: Die Beziehungen nach Mähren, zu dem Großmährischen Erbe im Schmuck der Fürstengräber, finden sich im Beitrag über die Mährer. Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.

Was gesichert ist

  • Am 28. September 995 wurde die Burg Libice von einem Heer unter Herzog Boleslav II. gestürmt, mehrere Angehörige der Slavnikiden wurden getötet. Cosmas von Prag berichtet davon über hundert Jahre später.
  • Soběslav, Adalbert und Radim Gaudentius überlebten, weil sie nicht in Libice waren.
  • Soběslav ließ in Libice Silbermünzen prägen und stellte damit das Prager Münzmonopol in Frage.
  • Adalbert wurde um 956 in Libice geboren, wurde 982 Bischof von Prag und starb als Missionar bei den Pruzzen (997, in der Literatur nicht einhellig datiert).
  • Libice besteht aus Akropolis und Vorburg, im Boden fanden sich Reste eines Palastes, eines Sakralbaus und Gräber; eine durchgehende Brandschicht von 995 fehlt.
  • Kouřim war ein stark befestigter Burgwall; der Name der Zlicanen und der Fürst Radslav sind erst bei Dalimil im 14. Jahrhundert belegt.

Mythos-Check

  • "Die Zlicanen waren ein einheitlicher Stamm mit eigener Selbstbezeichnung." Das ist eine Konstruktion der älteren Forschung. Neuere Arbeiten sprechen von kleinen Fürstentümern, und die Quellenlage ist dünn.
  • "Die Slavnikiden waren die Fürsten der Zlicanen." Das wird häufig behauptet. Třeštík hält es für unbelegt, und die Frage gilt als offen.
  • "Libice wurde 995 niedergebrannt und dem Erdboden gleichgemacht." Die Archäologie fand keine durchgehende Brandschicht, und die Burg blieb in Funktion.
  • "Der Herzog wollte das Massaker nicht, Schuld trugen allein seine Gefolgsleute." So stellt es Cosmas dar. Das ist eine Sicht des Prager Chronisten, nicht neutrale Beobachtung.
  • "Thietmar, der erste Prager Bischof, ist der Chronist Thietmar." Nein: Der Prager Bischof Thietmar (Dětmar) und der Merseburger Chronist Thietmar sind zwei verschiedene Personen.
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