Im 9. Jahrhundert entsteht nördlich der mittleren Donau ein Herrschaftsgebilde, das die Nachbarn ernst nehmen mussten: Fränkische Könige führen Feldzüge dagegen, ein byzantinischer Kaiser schickt Gelehrte, ein Papst schreibt seinem Fürsten. Es hinterlässt Burgwälle, Kirchenfundamente und eine Schrift, aus der die slawische Schriftkultur hervorging. Was es sich selbst nannte, wissen wir nicht. Und wann es endete, auch nicht.
Die zeitgenössischen Texte sprechen von den Marauani oder Marahenses, von einem regnum Marahensium, einer terra Marauorum, schlicht von Maraha oder Marawa; altkirchenslawische Quellen kennen die Moravьska oblastь. Oft wird das Gebilde gar nicht als Staat, sondern über seinen Herrscher benannt: regnum Rastizi, regnum Zuentibaldi – das Reich Rastislavs, das Reich Svatopluks. Ein feststehender Eigenname begegnet in keiner Quelle des 9. Jahrhunderts. Alles, was wir heute an Namen verwenden, ist Forschungssprache.
Die früheste sichere Nennung fällt ins Jahr 822. Die fränkischen Reichsannalen berichten, Kaiser Ludwig der Fromme habe in Frankfurt Gesandtschaften und Geschenke entgegengenommen – von Obodriten, Sorben, Wilzen, Böhmen, Mährern und Praedenecenten. Die Mährer erscheinen also nicht als Sonderfall, sondern als einer unter mehreren slawischen Verbänden an der fränkischen Ostgrenze, ähnlich wie die Obodriten an der Ostsee oder die Sorben zwischen Saale und Elbe.

Der geläufige Name stammt aus einer einzigen Quelle: De administrando imperio, geschrieben um 950 unter Kaiser Konstantin VII. Porphyrogennetos. Dort ist von der megale Morabia die Rede, dem „großen Mähren". Kein anderer Text des 9. oder 10. Jahrhunderts verwendet das Adjektiv in diesem Zusammenhang. Und Konstantin schreibt rund ein halbes Jahrhundert nach dem Untergang, aus Konstantinopel, über eine Gegend, die er nie gesehen hat.
Was megale überhaupt bedeutet, ist offen. Weil der Kaiser das Adjektiv nur dort setzt, wo er von Ereignissen nach dem Ende des Reiches spricht, hat Charles Bowlus vorgeschlagen, es mit „alt" oder „ehemalig" wiederzugeben. Andere lesen es geographisch: „das weiter entfernte", also jenseits der byzantinischen Grenze gelegene Mähren. Lubomír Havlík verwies auf den byzantinischen Sprachgebrauch für Herkunftsgebiete – wie bei „Großbulgarien". Wer „Großmähren" sagt, benutzt also einen fremden, späten und mehrdeutigen Begriff. Präziser ist schlicht: das Mährische Reich.
Die Quellenlage ist dünn und einseitig. Über die inneren Verhältnisse des Reiches sagen die Texte des 9. Jahrhunderts so gut wie nichts. Was wir haben, zerfällt in drei Gruppen, die alle ein Interesse verfolgen.
Die fränkischen Annalen – vor allem die Fuldaer Annalen – sind Gegnerperspektive: Sie berichten von Feldzügen, Eidbrüchen und Tributen, und sie wurden in Klöstern verfasst, deren geographische Kenntnis Mitteleuropas begrenzt war. Die Conversio Bagoariorum et Carantanorum, in den 870er Jahren in Salzburg entstanden, ist eine Denkschrift zur Verteidigung bayerischer Kirchenrechte gegen die byzantinische Mission; sie schreibt also in eigener Sache, Jahrzehnte nach den Ereignissen, die sie schildert. Dieselbe Schrift ist übrigens die Hauptquelle für die Christianisierung der Karantanen. Die slawischen Viten Konstantins und Methods schließlich sind Heiligenliteratur: erbaulich, parteiisch, auf Rechtfertigung angelegt. Keine dieser Quellen ist neutral. Wo sie sich widersprechen, lässt sich das oft nicht auflösen.
Der erste namentlich bekannte mährische Herrscher ist Mojmír I. Die Conversio berichtet, „Mojmír, Herzog der Mährer", habe „einen gewissen Pribina" über die Donau vertrieben. Pribina floh zu Ratpot, dem Verwalter der pannonischen Mark, und baute sich später am Plattensee eine eigene Herrschaft auf, mit dem Zentrum Mosaburg – dem heutigen Zalavár. Er fiel 861 im Kampf gegen die Mährer.
Ob Pribina zuvor ein eigenständiger Fürst von Nitra war oder ein Statthalter Mojmírs, ist bis heute strittig. Die Conversio nennt ihn bezeichnenderweise nicht dux. Ein Teil der Forschung sieht in Nitra ein autonomes Fürstentum, das gewaltsam einverleibt wurde; andere halten Mojmír und Pribina schlicht für zwei von mehreren mährischen Fürsten. Die Frage ist deshalb aufgeladen, weil an ihr eine slowakische Traditionslinie hängt.
Ein Satz der Conversio gehört zu den meistzitierten der mitteleuropäischen Kirchengeschichte: Adalramus archepiscopus ultra Danubium in sua proprietate loco vocato Nitrava consecravit ecclesiam – „Erzbischof Adalram weihte ihm jenseits der Donau, auf seinem Eigengut, an einem Ort namens Nitrava eine Kirche." Sie gilt als die erste in Schriftquellen belegte Kirche bei West- und Ostslawen. Errichtet hat sie allerdings ein Fürst, der selbst wohl noch nicht getauft war.
Wichtig: Der Text nennt kein Jahr. Das übliche Datum 828 ist eine moderne Erschließung aus der Amtszeit Adalrams von Salzburg (821–836). Auch die Gleichsetzung von Nitrava mit dem heutigen Nitra ist eine sprachliche Identifikation, keine urkundliche – wenn auch die am besten begründete. Zu 831 meldet eine erst im 13. Jahrhundert verfasste Passauer Bischofsgeschichte, Bischof Reginhar habe „alle Mährer" getauft. Nähere Umstände sind nicht überliefert, und die Viten lassen erkennen, dass vorchristliche Opferbräuche noch Jahrzehnte weiterliefen.
846 zog Ludwig der Deutsche gegen die Mährer und setzte Mojmírs Neffen Rastislav als Herzog ein – ein fränkischer Klientelfürst also. Er blieb es nicht. 855 scheiterte ein großes fränkisches Heer; die Fuldaer Annalen notieren, der Feind sei „durch starke Befestigungen geschützt" gewesen. 864 kehrte sich das Blatt: Ludwig belagerte Rastislav in einer Burg, „die in der Sprache jenes Volkes Dowina heißt", und erzwang erneut einen Treueid.
Zwischen diesen Feldzügen versuchte Rastislav, den Einfluss der bayerischen Geistlichkeit in seinem Land zu begrenzen. Um 862 wandte er sich zuerst nach Rom an Papst Nikolaus I. Als von dort keine Antwort kam, ging die Bitte nach Konstantinopel. Kirchenpolitik war hier immer auch Außenpolitik.
Die Vita Constantini legt Rastislav die Begründung in den Mund, mit der die ganze weitere Entwicklung beginnt:
Unser Volk hat sich vom Heidentum abgewandt und hält sich an das christliche Gesetz. Nur haben wir keinen Lehrer, der uns den rechten Glauben in unserer eigenen Sprache auslegen könnte, damit auch andere Länder, die auf uns sehen, es uns nachtun. Sende uns darum, Herr, einen solchen Bischof und Lehrer – denn von euch geht gutes Recht aus in alle Länder.Vita Constantini 14; sinngemäße Übersetzung: Glanz & Gravur
Der Text ist eine Heiligenvita und kein Protokoll: Er formuliert im Rückblick, was die Mission legitimieren sollte. Bemerkenswert bleibt trotzdem, worum gebeten wird – nicht um Taufe, sondern um Unterricht in der eigenen Sprache und um Recht.
Kaiser Michael III. entsandte 863 die Brüder Konstantin – später als Mönch Kyrill – und Method aus Thessaloniki. Konstantin schuf für das Slawische ein eigenes Alphabet, die glagolitische Schrift, und übersetzte liturgische Texte. Die Sprache, die dabei entstand und die wir heute Altkirchenslawisch nennen, beruhte auf dem südslawischen Dialekt der Umgebung von Thessaloniki; sie war dem mährischen Slawisch verwandt, aber nicht identisch mit ihm.
Das war kein bloßes Übersetzungsprojekt. Im lateinischen Westen galten faktisch drei heilige Sprachen. Eine vierte Liturgiesprache einzuführen, hieß, den Anspruch der bayerischen Kirche auf das Land zu unterlaufen – und den fränkischen Klerus an eine Autorität zu binden, die nicht in Passau oder Salzburg saß.
867 reisten die Brüder nach Rom. Papst Hadrian II. billigte die slawischen Übersetzungen und weihte sechs ihrer Schüler zu Priestern; 869 teilte er Rastislav, Svatopluk und dem pannonischen Fürsten Kocel seine Zustimmung mit. Konstantin starb in Rom. Method wurde zum Erzbischof geweiht – mit dem Titel des antiken Sirmium, „auf den Sitz des heiligen Andronikos"; die Briefe Papst Johannes' VIII. sprechen von einer diocesis Pannonica. Ein tatsächlicher Amtssitz in Mähren ist nirgends genannt.
Auf dem Rückweg wurde Method von fränkischer Seite festgesetzt und rund drei Jahre lang, etwa 870 bis 873, in Bayern festgehalten. Erst Johannes VIII. erzwang seine Freilassung. Der Höhepunkt folgte 880 mit der Bulle Industriae tuae: Sie stellte Svatopluk unter päpstlichen Schutz, bestätigte Methods Stellung als Oberhaupt der Kirche in dessen Reich – auch über die fränkischen Priester – und erkannte das Slawische neben Latein, Griechisch und Hebräisch als Liturgiesprache an. Im selben Jahr wurde Methods schärfster Gegner, Wiching, Bischof von Nitra.
Method starb am 6. April 885. Seine Gegner setzten bei Papst Stephan V. eine Beschränkung des slawischen Ritus durch; 886 wurden die Schüler aus dem Land getrieben. Sie gingen nach Süden, ins Bulgarenreich. Dort, im Umfeld von Kliment und Naum, entstand später jene Schrift, die nach Kyrill benannt wurde – das Kyrillische. Erfunden hat Kyrill sie nicht: Er schuf die Glagolica; das Kyrillische ist eine spätere Entwicklung im bulgarisch-slawischen Raum.
Damit kippte die Bilanz. In Mähren selbst verschwand das slawische Schrifttum binnen einer Generation. Sein eigentliches Nachleben fand es anderswo – und wurde von dort aus zur Grundlage der Schriftkultur weiter slawischer Völker, bis hin zur serbischen und ostslawischen Überlieferung.
Rastislav stürzte 870 durch seinen Neffen Svatopluk, der ihn den Franken auslieferte; ein fränkisches Gericht verurteilte ihn, geblendet starb er in Haft. Svatopluk selbst wurde 871 verhaftet, kehrte im Aufstand zurück und vertrieb die fränkischen Statthalter. 874 verpflichtete er sich in Forchheim zu Treue und jährlichem Tribut – und begann zu expandieren. Die Vita Methodii erwähnt einen „sehr mächtigen heidnischen Fürsten an der Weichsel", den Svatopluk unterwarf; ein Vorspiel zu jener Region, in der später der Staat der Polanen entstand. 890 übertrug ihm König Arnulf die Herrschaft über Böhmen. Regino von Prüm nennt ihn nach seinem Tod 894 „einen unter seinem Volk höchst klugen und von Natur sehr verschlagenen Mann".
Wie weit seine Macht wirklich reichte, ist umstritten. Weder Schriftquellen noch Funde belegen die dauerhafte Einverleibung großer Räume. Die Forschung der letzten Jahrzehnte spricht eher von wechselnden, oft nur formalen Oberhoheiten als von einem flächigen Reich.
Die Archäologie liefert das, was die Texte verweigern. Seit 1954 wird Mikulčice-Valy an der March erforscht; in 38 Grabungssaisons wurden fast fünf Hektar freigelegt. Die Akropolis umfasst 7,7 Hektar, die Vorburg 2,4 Hektar. Grabungsleiter Lumír Poláček hat die früher kursierende Angabe von 100 bis 200 Hektar Vorstadtsiedlung ausdrücklich auf höchstens 30 Hektar korrigiert. Rund 2.500 Gräber sind untersucht, allein 564 an der dreischiffigen Basilika. Von den zwölf gezählten Kirchen führen die Ausgräber zwei selbst als „hypothetisch".
Das zweite große Zentrum ist die Agglomeration Staré Město – Uherské Hradiště, die sich über etwa zwei Kilometer beiderseits der March erstreckte; das Gräberfeld „Na Valách" allein erbrachte über 2.000 Bestattungen. In Uherské Hradiště-Sady wurde ein Kirchenkomplex von 22,5 Metern Länge – mit Rotunde 33 Meter – und 16 Metern Breite ausgegraben. In Břeclav-Pohansko fanden sich innerhalb eines etwa ein Hektar großen Herrenhofs eine Kirche mit 407 Gräbern und, 2006/2007 entdeckt, eine zweite Kirche in der Vorburg. Typisch für die Oberschicht sind die gombíky, kugelförmige Hohlknöpfe aus Gold, Silber oder feuervergoldetem Kupfer.
Belegt sind: die Nennung der Mährer 822 in Frankfurt; die Kirchweihe durch Erzbischof Adalram in Nitrava (Jahr in der Quelle nicht genannt); die Vertreibung Pribinas durch Mojmír I.; die Einsetzung Rastislavs 846 durch Ludwig den Deutschen; die byzantinische Mission ab 863; die Schaffung der glagolitischen Schrift; die päpstliche Billigung der slawischen Liturgie 867/869 und erneut 880 in Industriae tuae; Methods Erzbischofsweihe 869 auf den Titel Sirmium und seine bayerische Haft bis 873; sein Tod am 6. April 885 und die anschließende Vertreibung der Schüler; Svatopluks Tod 894. Archäologisch gesichert sind mindestens 30 befestigte Siedlungen, Kirchenbauten an sieben Orten sowie die Großzentren Mikulčice, Staré Město–Uherské Hradiště, Pohansko und Nitra mit ihren Zahlen zu Fläche, Kirchen und Gräbern.
Auf dem zwölf Hektar großen Burgwall von Bojná in der Westslowakei kamen sechs vergoldete Bleche von 13 bis 15 Zentimetern Durchmesser zutage, versehen mit kurzen lateinischen Texten und wohl von einem tragbaren Altar oder Reliquiar stammend, dazu eine bronzene Glocke und zwei beschädigte weitere. Die Bleche entstanden stilistisch um 800 im westeuropäischen, möglicherweise oberitalienischen Umfeld – es sind Importstücke, älter als die Befestigung, deren Wall dendrochronologisch um 890 datiert.
Daraus wird gern gefolgert, das Christentum sei im Raum Nitra „schon vor Kyrill und Method" präsent gewesen. Das ist nicht falsch, aber auch nichts Neues: Die bayerische Mission ist für dieselbe Region ohnehin schriftlich bezeugt. Ein importierter Altaraufsatz belegt einen Gegenstand, nicht zwingend eine Gemeinde. Und ein Objekt von 800 in einem Befund des späten 9. Jahrhunderts sagt zunächst nur, wann es niedergelegt wurde.
Nach Svatopluks Tod zerfiel der Verband rasch. 895 unterstellten sich die böhmischen Fürsten König Arnulf – der Beginn jener Entwicklung, aus der das Reich der Přemysliden hervorging. Mojmír II. gelang 898 immerhin die Wiedererrichtung einer eigenen Kirchenorganisation mit Erzbischof und drei Suffraganen. Zugleich zerrieb ihn der Streit mit seinem Bruder Svatopluk II., in den bayerische Truppen 898 und 899 eingriffen. Um 900 warfen sich Mährer und Bayern gegenseitig vor, Bündnisse mit den Ungarn geschlossen zu haben. 901 schloss Mojmír II. Frieden mit Ludwig dem Kind.
Dann bricht die Überlieferung ab. Die Raffelstettener Zollordnung, ausgestellt zwischen 903 und 906, erwähnt noch „Märkte der Mährer" – danach nichts mehr. Es gibt kein Untergangsdatum, nur ein Verschwinden aus den Quellen. Vorschläge reichen von 902 über 903/904 bis 907. Naturwissenschaftliche Daten aus der Westslowakei zeigen letzte Instandsetzungen an Befestigungen sogar noch zwischen etwa 920 und 950 – ohne dass sich daraus ein Täter ablesen ließe.
1971 stellte Imre Boba in Moravia's History Reconsidered die Standortfrage neu: Das Kernland habe nicht an der March, sondern im Süden gelegen, im Raum Sirmium an der serbischen Morava. Charles Bowlus baute die Argumentation 1995 aus, Martin Eggers verlegte das Zentrum an den Zusammenfluss von Theiß und Mieresch; Péter Püspöki-Nagy und Toru Senga nahmen zwei gleichnamige Mähren an. Die Argumente stützen sich auf Marschrichtungen in den fränkischen Annalen, auf Methods Sirmium-Titel und auf spätere Balkanchroniken.
Die Mehrheit der Forschung folgt dem nicht, und das entscheidende Gegenargument ist archäologisch: Machtzentren des 9. Jahrhunderts lassen sich an der nördlichen March nachweisen, in den postulierten Südräumen nicht. Kritiker verweisen zudem darauf, dass die Balkanchroniken Jahrhunderte später und mit eigenen politischen Zwecken geschrieben wurden. Der Ausgräber Jiří Macháček räumt allerdings ein, dass die geographischen Widersprüche der Schriftquellen, die Boba überhaupt erst aufgeworfen hat, weiterhin einer Erklärung bedürfen. Es bleibt eine Minderheitsposition mit einem offenen Rest.
„Großmähren" ist keine Selbstbezeichnung, sondern ein byzantinisches Wort aus De administrando imperio, um 950 und damit nach dem Untergang geschrieben; ob megale „groß", „alt" oder „entfernt" heißt, ist ungeklärt. Kyrill hat nicht das Kyrillische erfunden, sondern die Glagolica – das Kyrillische entstand später im Bulgarenreich und trägt seinen Namen nur ehrenhalber. Der Amtssitz Methods ist nicht lokalisiert: „Veligrad" ist als Ortsname erst 1141 belegt und wird mit Method erst in Legenden des 14. Jahrhunderts verknüpft; die Zuordnung einzelner Kirchen oder Gräber in Mikulčice zu benannten Personen, etwa zu Method selbst, ist Deutung und wird von den Ausgräbern als problematisch bezeichnet. Die Schlacht von Pressburg 907 war eine bayerisch-ungarische Schlacht; mährische Truppen sind nicht bezeugt, die zeitgenössischen Annalen halten nur fest, dass gekämpft wurde und das bayerische Heer unterging – die ausführliche Schlachtschilderung stammt von Johannes Aventinus aus dem 16. Jahrhundert, und selbst der Ort ist strittig. Und die Formel vom „ersten slawischen Staat" ist von moderner Nationalgeschichte mitgeprägt: Tschechien und die Slowakei berufen sich beide auf dieses Erbe, es steht in der Präambel der slowakischen Verfassung von 1992 wie zuvor in der tschechoslowakischen von 1948. Ein Befund ist das nicht.

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