Zwischen Rhein, Main und dem Kamm des Taunus lebte ein germanisches Volk, das in den römischen Quellen erstaunlich freundlich davonkommt: die Mattiaker. Ihr Land trug heiße Quellen, ein enttäuschendes Silberbergwerk und irgendwann eine römische Verwaltungseinheit. Ihr Name landete auf einem Meilenstein, in einem Gedicht über Haarfärbemittel und schließlich auf den Schildern spätrömischer Gardetruppen. Und über eine Sache, die heute jeder über sie zu wissen glaubt, schweigen die antiken Quellen komplett.
Die Mattiaker – lateinisch Mattiaci – saßen auf der rechten, der „germanischen" Seite des Rheins, im Raum des heutigen Wiesbaden, im Vordertaunus und in Richtung Main. Ihnen gegenüber, auf dem linken Ufer, lag mit Mogontiacum (Mainz) einer der wichtigsten Militärplätze des Römischen Reiches: zeitweise zwei Legionen, ein Statthaltersitz, eine Rheinbrücke. Wer die Mattiaker verstehen will, muss diese Nachbarschaft mitdenken. Sie waren kein abgelegener Waldstamm. Sie wohnten im Schaufenster des Imperiums.
Das prägt alles, was wir über sie wissen. Kein einziger mattiakischer Satz ist überliefert, kein Königsname, keine Sage. Was wir haben, sind römische Texte, römische Inschriften und römische Ziegelstempel. Die Mattiaker erscheinen in der Überlieferung fast ausschließlich als das, was sie für Rom waren – und das ist beim Lesen jederzeit mitzudenken.

Die zentrale Stelle steht in der Germania des Tacitus, Kapitel 29. Sie folgt unmittelbar auf den berühmten Abschnitt über die Bataver, jenes Volk im Rheindelta, das keine Steuern zahlte, sondern Soldaten stellte. Tacitus reiht die Mattiaker in dasselbe Verhältnis ein:
Est in eodem obsequio et Mattiacorum gens; protulit enim magnitudo populi Romani ultra Rhenum ultraque veteres terminos imperii reverentiam. Ita sede finibusque in sua ripa, mente animoque nobiscum agunt, cetera similes Batavis, nisi quod ipso adhuc terrae suae solo et caelo acrius animantur.
„Im selben Gehorsamsverhältnis steht auch das Volk der Mattiaker; denn die Größe des römischen Volkes hat die Ehrfurcht vor dem Reich über den Rhein und über die alten Grenzen hinausgetragen. So leben sie mit Wohnsitz und Gebiet auf ihrem eigenen Ufer, mit Sinn und Gemüt aber bei uns – im Übrigen den Batavern ähnlich, nur dass Boden und Klima ihres eigenen Landes sie noch schärfer beleben."Tacitus, Germania 29; Übersetzung: Glanz & Gravur
Das ist eine bemerkenswerte Formulierung. Tacitus beschreibt ein Volk, das geographisch draußen und politisch drinnen ist – und das ihm gerade deshalb interessant erscheint. Der Schlusssatz mit Boden und Klima ist reine antike Klimalehre und sagt mehr über römische Vorstellungen als über die Mattiaker. Und noch etwas ist wichtig: Tacitus sagt hier nicht, woher die Mattiaker stammen.
In fast jeder Darstellung heißt es, die Mattiaker seien ein Teilstamm oder eine Abspaltung der Chatten gewesen. Das ist eine gut begründete Forschungsmeinung – aber es ist eine Deutung, keine Quellenaussage. Sie stützt sich auf drei Argumente: die geographische Nähe zum Chattenland in Nordhessen, die Ähnlichkeit mit dem Namen Mattium, dem caput gentis der Chatten, und die Position der Stelle bei Tacitus direkt hinter den Batavern, für die er eine chattische Herkunft ausdrücklich angibt. Für die Bataver sagt er es. Für die Mattiaker sagt er es nicht.
Dazu kommt eine Verwechslungsgefahr, die man sauber auseinanderhalten muss. Mattium ist der chattische Hauptort, den Germanicus im Jahr 15 n. Chr. nach dem Übergang über die Adrana (Eder) zerstörte (Tacitus, Annalen I,56). Er liegt in Nordhessen, vermutlich im Umkreis von Fritzlar, und ist bis heute nicht lokalisiert; die früher favorisierte Altenburg scheidet nach neuer Datierung ihrer Funde aus. Mattiacum beziehungsweise Aquae Mattiacorum dagegen ist Wiesbaden, rund 130 Kilometer weiter südwestlich. Zwei verschiedene Orte, zwei verschiedene Völker, ein verwandt klingender Wortstamm.
Was die Mattiaker für Rom über die Militärfrage hinaus interessant machte, sprudelte aus dem Boden. Der ältere Plinius nennt in seiner Naturalis historia (Buch 31) knapp und trocken: „sunt et Mattiaci in Germania fontes calidi trans Rhenum" – „es gibt auch die mattiakischen heißen Quellen in Germanien jenseits des Rheins". Gemeint sind die Thermalquellen von Wiesbaden, allen voran der Kochbrunnen, dessen Wasser mit rund 66 Grad austritt.
Die Römer haben sie schnell und gründlich genutzt. Archäologisch lassen sich in Wiesbaden mindestens drei Badeanlagen fassen, die größte am Kranzplatz unmittelbar südlich des Kochbrunnens. Bleirohre mit dem Stempel der legio XIIII Gemina führten Quellwasser in die Thermen. Grabsteine von Soldaten aus Einheiten, die in Wiesbaden nie stationiert waren, zeigen, dass hier auch Kurgäste starben – der Ort war ein Bad, nicht nur eine Garnison. Eine Inschrift des frühen 2. Jahrhunderts nennt sogar eine eigene Gottheit des Ortes: Diana Mattiaca, gestiftet von der Frau eines Mainzer Legionslegaten für das Wohl ihrer Tochter.
Es gibt eine zweite, weniger bekannte römische Aktivität im Mattiakerland – und sie ging schief. Tacitus berichtet in den Annalen XI,20 zum Jahr 47 n. Chr.: Der Legat Curtius Rufus ließ „in agro Mattiaco", im Gebiet der Mattiaker, Stollen anlegen, um Silberadern zu suchen. Der Ertrag war dünn und hielt nicht lange an. Die Legionäre gruben Wasserläufe und Untertagebauten und hatten davon nichts als Mühe. Die Triumphalinsignien bekam Curtius Rufus trotzdem – ein hübsches Beispiel dafür, wie römische Ehrungen und tatsächlicher Erfolg auseinanderfallen konnten.
Für uns ist die Stelle aus einem anderen Grund wertvoll: Sie zeigt, dass Rom schon Mitte des 1. Jahrhunderts, also lange vor jedem Limes, ganz selbstverständlich mit Legionären auf rechtsrheinischem Boden wirtschaftete. Das „jenseits des Rheins" war eine Formel, keine Mauer.
Ein einziges Mal treten die Mattiaker als handelnde Kriegspartei auf – und zwar gegen Rom. Im Bataveraufstand unter Iulius Civilis belagerte ein germanisches Heer Mogontiacum. Tacitus schreibt in den Historien IV,37, die Belagerer seien abgezogen, bevor die Entsatztruppen unter Vocula eintrafen: ein „mixtus ex Chattis Usipis Mattiacis exercitus", ein aus Chatten, Usipern und Mattiakern gemischtes Heer, „satt von Beute und nicht ohne eigene Verluste".
Der Satz ist knapp, aber aufschlussreich. Erstens: Die Mattiaker konnten sehr wohl gegen Rom kämpfen, wenn die Lage danach aussah. Zweitens: Sie taten es im Verbund mit den Chatten und den rheinnahen Nachbarn – ein weiteres Indiz für die enge Verflechtung mit dem Chattenland, aber eben nur ein Indiz. Drittens: Das Ziel war Beute, nicht die Zerstörung Roms. Als sich genug angesammelt hatte, ging man nach Hause.
Gegenüber von Mainz, dort wo heute Mainz-Kastel liegt, errichteten die Römer schon unter Drusus, etwa zwischen 12 und 9 v. Chr., einen Brückenkopf auf dem rechten Ufer. Er sicherte den Rheinübergang. Die hölzerne Schiffbrücke wurde unter Vespasian im Jahr 71 durch eine feste Pfahlbrücke mit Steinpfeilern ersetzt – dendrochronologisch datiert. Diese Brücke stand vermutlich noch im 5. Jahrhundert.
Der Name der Anlage ist inschriftlich mehrfach belegt, unter anderem in der Form kastello Mattiacorum auf einem Stein des Jahres 224. Er bedeutet schlicht „Kastell im Land der Mattiaker" – der Volksname diente als geographische Adresse. Das Steinkastell selbst maß rund 90 mal 70 Meter und wird über Ziegelstempel in die Chattenkriege Domitians (83–86 n. Chr.) datiert. Und der heutige Ortsname Kastel geht direkt auf dieses castellum zurück: eine der wenigen Gemeinden, die den Namen ihrer römischen Gründung bis heute trägt.
In Wiesbaden selbst liegen die ältesten römischen Funde in der sogenannten Moorschicht der Innenstadt und reichen bis in augusteische Zeit. Auf dem Heidenberg lassen sich mehrere vorflavische Grabenzüge nachweisen, deren Grundrisse sich aber nicht rekonstruieren ließen. Das steinerne Auxiliarkastell entstand erst in den 80er Jahren des 1. Jahrhunderts, nach den Chattenkriegen, und umfasste 2,2 Hektar. Als Besatzungen sind unter anderem die cohors V Delmatarum, die cohors I Pannoniorum, die cohors IIII Thracum und die cohors II Raetorum civium Romanorum durch Grabsteine belegt.
Den Namen des Ortes kennen wir dank eines Meilensteins, der 1896 in der Großen Kirchenstraße in Kastel gefunden wurde. Er nennt Hadrian mit der sechsten tribunizischen Gewalt und dem dritten Konsulat, also 121/122 n. Chr., und die Entfernungsangabe a(b) Aquis Mattiacorum m(ilia) p(assuum) VI – sechs römische Meilen, rund neun Kilometer. Das ist die früheste Nennung des Namens Aquae Mattiacorum. Die Originale stehen heute im Landesmuseum Mainz.
Aus dem Volk wurde irgendwann ein Verwaltungsbezirk. Die civitas Mattiacorum war die unterste Ebene römischer Selbstverwaltung im rechtsrheinischen Teil der Provinz Germania superior, mit Aquae Mattiacorum als Hauptort. Ihr Gebiet reichte nach Norden bis an den Limes im Taunus, nach Süden und Westen an Main und Rhein; östlich schloss die civitas Taunensium mit Nida (Frankfurt-Heddernheim) an. Die Nordwestgrenze ist bis heute offen.
Lange war umstritten, ob die civitas unter Trajan oder erst unter Hadrian eingerichtet wurde. Ein 2022 publizierter Sarkophag aus Mainz nennt die Einheit unmissverständlich als civitas Ulp(ia) Matt(iacorum). Das Beiwort Ulpia verweist auf Trajan – die Frage gilt damit als entschieden. Bemerkenswert ist auch, wie schnell der Volksname zur bloßen Etikette wurde: Eine Inschrift des Jahres 194 nennt die Einwohner des Hauptortes nicht Mattiaker, sondern vicani Aquenses, „Dorfbewohner von Aquae". Der Stammesname überlebte als Verwaltungsbegriff, nicht als Selbstbezeichnung.
Antike Nennungen: Tacitus, Germania 29 (Status wie die Bataver, „mit Sinn und Gemüt bei uns"); Tacitus, Annalen XI,20 (Silberstollen des Curtius Rufus im ager Mattiacus, 47 n. Chr.); Tacitus, Historien IV,37 (Chatten, Usiper und Mattiaker vor Mogontiacum, 69/70); Plinius, Naturalis historia 31 (fontes calidi trans Rhenum); Martial 14,27 (Mattiacae pilae); Ammianus Marcellinus 29,4,3 (Mattiacae aquae, Feldzug Valentinians I. 371/372); Notitia dignitatum occ. V (Mattiaci seniores und iuniores als auxilia palatina). Epigraphisch gesichert: der Name Aquae Mattiacorum auf dem hadrianischen Meilenstein von 121/122 (CIL XIII 9124); castellum Mattiacorum mehrfach, u. a. 224 n. Chr.; civitas Ulp(ia) Matt(iacorum) auf einem 2022 publizierten Mainzer Sarkophag; die negotiatores civitatis Mattiacorum (CIL XIII 7587); Diana Mattiaca (CIL XIII 7565); die vicani Aquenses von 194 (CIL XIII 7566a). Militärisch sicher belegt ist die cohors II Mattiacorum, erstmals im Militärdiplom von 78 n. Chr. (CIL XVI 22), zuletzt in einer Inschrift von 219.
Nach den Chattenkriegen Domitians begann Rom, das gewonnene rechtsrheinische Land mit einer Kette aus Kastellen, Kleinkastellen und Wachtürmen zu sichern. Um 110 n. Chr. wurden die rückwärtigen Besatzungen von Wiesbaden, Hofheim, Nida-Heddernheim und Okarben nach vorn an den Limes verlegt; in Wiesbaden spätestens 122. Unter Hadrian kam die Palisade dazu, die den Grenzverlauf endgültig festlegte.
Das Kastell Zugmantel im Taunus hatte laut Forschungslage ausdrücklich die Aufgabe, den Civitas-Hauptort Aquae Mattiacorum und das fruchtbare Rheingauland vor Übergriffen zu schützen. Interessant ist sein Lagerdorf: Es lieferte ungewöhnlich viele germanische Funde zusammen mit römischem Material – ein Hinweis darauf, dass die Römer im 2. Jahrhundert gelegentlich kleine germanische Gruppen in der Provinz siedeln ließen, möglicherweise gegen Wehrpflicht. Die Grenze war also nie eine Trennlinie, sondern eine Zone. Wer sich für die Verhältnisse weiter flussabwärts interessiert, findet Vergleichbares bei den Ubiern, den Vangionen, den Nemetern und den Tribokern – lauter rheinische Völker, deren Namen zu römischen Verwaltungsbezirken wurden.
Und dann gibt es diese eine, sehr römische Berühmtheit. Der Dichter Martial widmet in seinen Apophoreta, den Geschenkanhängern zum Saturnalienfest, ein Zweizeilerchen dem Stichwort Sapo, Seife (14,27): „Si mutare paras longaevos cana capillos, / accipe Mattiacas – quo tibi calva? – pilas." Sinngemäß: Wenn du dein greises Haar färben willst, nimm die mattiakischen Kugeln – was willst du mit einer Glatze?
Diese pilae Mattiacae waren offenbar Kugeln aus einer Seifen- oder Sintermasse, mit denen man graues Haar tönte. Der ältere Plinius erklärt das Verfahren (Naturalis historia 28,191): sapo sei eine gallische Erfindung zum Rotfärben der Haare, aus Talg und Asche hergestellt, fest oder flüssig – und bei den Germanen von Männern stärker gebraucht als von Frauen. Das ist eine hübsche Fußnote zur Eitelkeit der Zeit. Nur: Über den Alltag der Mattiaker sagt sie fast nichts. Sie sagt etwas über römische Frisiersalons und darüber, was aus dem Norden als exotisches Importprodukt gefragt war.
Wie die Bataver stellten auch die Mattiaker Soldaten. Sicher belegt ist eine Einheit: die cohors II Mattiacorum, eine teilberittene Kohorte. Sie erscheint erstmals in einem Militärdiplom des Jahres 78 n. Chr. – dort noch schlicht als cohors Mattiacorum, ohne Nummer –, steht dann über Jahrzehnte in Moesia inferior und ab etwa 155 in Thracia. Ihre Standorte sind unter anderem Barboși, Dinogetia, Sexaginta Prista und Sostra; Ziegelstempel mit COH II MATT belegen sie vor Ort. Die letzte Erwähnung stammt aus dem Jahr 219.
Was die überlieferten Soldatennamen dieser Einheit erzählen, ist bezeichnend: Aurelius Diophanes, Aelius Dassius, Titus Flavius Lupus, Lucius Spurennius Rufus. Römisch, griechisch, balkanisch – kaum etwas Germanisches. Nach wenigen Generationen rekrutierte die Kohorte vor Ort an der Donau. Der Volksname blieb als Traditionsbezeichnung stehen, wie das bei römischen Auxiliareinheiten die Regel war.
Ab 213 sind die Alamannen in der Region greifbar, als Caracalla sie am Main schlug. 233 brachen germanische Verbände durch den Limes; um 259/260 gab Rom das rechtsrheinische Gebiet ganz auf. Damit endete die civitas Mattiacorum als Verwaltungseinheit – aber nicht das Leben vor Ort. In Wiesbaden zeigen Brandschichten Zerstörungen, doch der Vicus bestand verkleinert weiter, die Thermen wurden im 3. Jahrhundert noch genutzt, und Münzfunde belegen zivile Besiedlung bis ins 4. Jahrhundert.
Die Forschung ist hier erfreulich vorsichtig: Alamannische Funde nehmen ab der Mitte des 3. Jahrhunderts zu, es kam zu einer Vermischung der Bevölkerungsgruppen – von einer eindeutigen alamannischen Landnahme lässt sich aber erst ab dem 4. Jahrhundert sprechen. Aus dieser Spätzeit stammt auch die Wiesbadener Heidenmauer, ein bis zu zehn Meter hoher Gussmauerzug mit eingebauten Spolien. Ihre Datierung – traditionell um 370 unter Valentinian I. – ist keineswegs fixiert; die Anhaltspunkte reichen von einer C14-Mörtelprobe (214–344) bis zu spätrömischen Ziegelstempeln, und ihre Funktion ist unbekannt. Vermutlich wurde sie nie fertiggestellt.
Der Name hielt sich erstaunlich lange. Ammianus Marcellinus erwähnt beim gescheiterten Feldzug Valentinians I. gegen den Alamannenkönig Macrianus (371/372), der Infanteriekommandeur Severus sei „contra Mattiacas aquas" vorgerückt – gegen die mattiakischen Wasser. Und in der Notitia dignitatum des frühen 5. Jahrhunderts stehen zwei Gardeeinheiten, Mattiaci seniores in Italien und Mattiaci iuniores in Gallien. Da war das Volk selbst längst in anderen Verbänden aufgegangen; der Name lebte als militärisches Traditionsetikett weiter.
Der heutige Stadtname Wiesbaden stammt allerdings nicht von Mattiacum ab. Einhard nennt den Ort in einem Bericht von 830 über Besuche der Jahre 828 und 829 als Wisibada; es folgen Wisibadun (965), Wisebadon (1022) und Wisibad (1123). Sprachlich stehen germanisches wisa („Wiese") und die für Mattiaci erwogene Wurzel matha („Mahdland") nebeneinander – bedeutungsgleich, aber nicht auseinander hervorgegangen. Der lateinische Name verschwand, der germanische blieb.
„Die Mattiaker waren Chatten." Das ist eine plausible, aber moderne Schlussfolgerung aus Nähe, Namensähnlichkeit und Textstellung. Keine antike Quelle sagt es. Tacitus leitet ausdrücklich die Bataver von den Chatten her – die Mattiaker nicht. „Mattium war ihr Hauptort." Nein: Mattium ist der chattische caput gentis in Nordhessen (Tacitus, Annalen I,56), bis heute nicht lokalisiert. Nicht mit Aquae Mattiacorum/Wiesbaden verwechseln. „Die mattiakische Seife zeigt, wie die Mattiaker lebten." Kaum. Martial 14,27 ist eine Notiz über ein römisches Kosmetikprodukt; über mattiakischen Alltag sagt sie nichts. Nebenbei: Die berühmte spuma Batava bei Martial 8,33 ist batavisch, die spuma Chattica in 14,26 chattisch – nur 14,27 nennt wirklich die Mattiaker. „Es gab eine ala und mehrere Kohorten der Mattiaker." Sicher belegt ist nur die cohors II Mattiacorum; eine cohors I ist nicht nachweisbar, eine ala Mattiacorum gar nicht. Die in einer Inschrift auftauchende „III." gilt als Steinmetzfehler. „Ptolemaios nennt Wiesbaden." Sein Mattiakon wird traditionell mit Wiesbaden gleichgesetzt, von der Koordinaten-Neuberechnung um Kleineberg aber bei Lahnau-Waldgirmes verortet – offen. „Die Ausdehnung der civitas ist bekannt." Nordgrenze (Limes) und Südgrenze (Main/Rhein) sind sicher, die Nordwestgrenze ausdrücklich nicht. Und: Archäologisch ist die Materialkultur von Aquae Mattiacorum provinzialrömisch mit keltischen Zügen; belegt sind gallo-römische Gottheiten wie Sirona, keine germanischen. Über die Religion der Mattiaker wissen wir schlicht nichts.
Die Mattiaker sind ein gutes Beispiel dafür, wie germanische Geschichte in unserer Gegend tatsächlich aussah: keine ewige Feindschaft am Fluss, sondern Nachbarschaft, Handel, Dienst, Bäderbetrieb und gelegentlich Krieg. Dieselbe Grenzlage prägt auch unsere eigene Heimat weiter rheinabwärts, wo römische Straßen, germanische Namen und die rheinischen Matronensteine bis heute im Boden liegen. Wir gravieren in Alsdorf, in einer kleinen Familienmanufaktur, lasergravierte Motive aus genau dieser Welt – Runen, Symbole, Namen. Was wir dabei am liebsten mitgeben, ist keine Fantasiegeschichte, sondern eine ehrliche: Belegtes als belegt, Vermutetes als vermutet.

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